Beim Thema „Datenschutz“ werden die meisten Befragten sagen, dass es sich um ein sehr wichtiges Thema handelt. Wenn man weiter fragt, welche Daten vor wem geschützt werden sollen und warum, bekommt man eher antworten, die zeigen, dass keiner genau weiß, worum es geht.
Worum geht es beim Datenschutz?
Kurz gesagt: auch wenn jeder meint, das sei anders, geht es vorzugsweise darum, dass man selbst vor den eigenen Daten und Dritte, die diese Daten besitzen, vor der Entdeckung, wie sie an die Daten kommen und was sie damit machen, geschützt werden. Das, was die meisten vorbringen, nämlich dass man Kontrolle darüber hat, wer über welche Daten verfügt und was er damit macht, ist reine Illusion. Es gibt keinerlei Kontrolle, wer alles Zugriff auf persönliche Daten hat, die man lieber nicht breit getreten sieht.
Beispielsweise sind Kraftfahrzeuge ein wahrer Springbrunnen für private Daten. So genannte Assistenzsysteme zeichnen alles auf wie eine Black Box im Flugzeug, nur dass die Daten nicht in der Blackbox verbleiben, sondern über in der Elektronik integrierte SIM-Karten an die Herstellercomputer übertragen werden. Teilweise ist das Vorschrift, z.B. bei Unfällen, teilweise holen sich die Hersteller zusätzliche Daten ab, weil sie die SIM ohnehin bezahlen müssen. Inzwischen verschaffen sich Behörden und Versicherungen auch Zugriff auf diese Daten. Die Daten umfassen die persönlichen Daten des Fahrers (Gewicht über Sitzsensor, Gesicht über den neuerdings vorgeschriebenen Wachkontrollsensor), seinen Fahrstil (Verbauch, Bremsen, Geschwindigkeit), sein allgemeines Verhalten (Abstandkontrolle, Spurkontrolle) und vieles mehr – vieles, was der Fahrer selbst gar nicht weiß.
Natürlich sind die Daten anonymisiert – was relativer Unfug ist. Fahrgestellnummer, GPS- oder Telefon-Position und anderes machen eine individuelle Zuordnung recht einfach. Und die Daten werden natürlich nicht gegen den Eigentümer vom Hersteller genutzt – das erledigen Datenhändler, die Daten kaufen und nach bestimmten Kriterien ausgewertet weiter verkaufen, oder neuerdings Behörden, die ihrem Kontrollwahn fröhnen.
Beim Einkaufen setzen viele auf Barzahlung und meinen, sie seien so anonym. Korrekt – bis sie ein paarmal mit einer Karte zahlen. Der Inhalt des Einkaufswagens hat ein Muster, das bei wiederholten Einkäufen Schlüsse darauf zulässt, dass es sich um den gleichen Kunden handelt, und mit einer Kreditkarte hat man auch seine Identität. Auf die Spitze getrieben könnte eine Musterauswertung auch Hinweise darauf liefern, wann Tante Emma mal wieder zu Besuch ist.
Ein drittes Beispiel betrifft Dokumente, die man irgendwo unterzeichnet und die man als PDF-Kopie per Email (Kostenfaktor) übermittelt bekommt, beispielsweise in Krankenhäusern oder bei Ärzten. Da Email ja nun nicht sicher ist – die Daten werden bei der Übertragung verschlüsselt, sind aber auf den Servern lesbar – verschlüsseln viele die PDF-Daten vor dem Versand. Dabei handelt es sich um einfache Kombinationen aus dem Namen und andere Daten des Betroffenen. Insgesamt eine krasse Fehlkonstruktion: die Schlüssel sind so einfach und regelmäßig konstruiert, dass jemand, der die (oft völlig unerheblichen Daten) haben will, keine 10 Minuten benötigt, um die Verschlüsselung zu knacken, aber doch so komplex, das der Empfänger den Schlüssel totsicher schon vergessen hat, bevor er sein Postfach öffnet. Im Grunde ein gutes Beispiel dafür, dass man selbst vor seinen Daten recht effektiv geschützt ist.
Ständig Datenschutzerklärungen, Cookie-Kontrolle usw. „Rufen Sie mich bitte zurück, wenn alles erledigt ist.“ – „Das darf ich erst, wenn Sie unsere Datenschutzerklärung unterschrieben zurück gesandt haben.“ – „Wo bekomme ich diese Erklärung?“ – „Das darf ich Ihnen nicht sagen. Datenschutz, Sie verstehen?“ Ständig vertrödelt man seine Zeit mit unwichtigem Kleinkram, um dann festzustellen, dass noch viel mehr Daten ganz öffentlich gehandelt werden. Wobei die Behörden nicht anstehen, bei Datenhändler auch ganz offen Daten zu kaufen, die laut Vorschrift nicht gehandelt werden dürfen.