Mal beim Namen benannt

Wenn man sich Trumps Tobsuchtsanfälle, inzwischen gipfelnd in erneuten Strafzöllen gegen die renitenten Europäer in Sachen Grönland, anschaut und mal zusammen fast – auf der Liste stehen neben Venezuela (bereits überrannt) und Grönland (im Fokus) auch Kanada (mehrfach genannt), Kuba (bedroht), Mexiko (genannt), Kolumbien und Panama (bedroht) – drängt sich ein unangenehmer Vergleich auf.

Was Trump nämlich auf keinen Fall will, sind neue US-Bundesstaaten. Das Ziel ähnelt vielmehr einer Art Großdeutschland, in dem der deutsche Herrenmensch aka US-Bürger über ein System von Militärkolonien mit ansonsten rechtlosen Bevölkerungen herrscht. Der Aspekt wird von den Medien und der Politik Europas peinlichst tot geschwiegen: es geht nicht darum, die Einwohner Grönlands von teilautonomen dänischen Staatsbürgern zu US-Bürgern zu transformieren, sondern zu einer rechtlosen Restbevölkerung unter US-Militärverwaltung. Gleiches trifft auf Kanada zu, worüber sich Karl der Einfältige, König von England, auch mal Gedanken machen sollte. Die USA fordern den Verkauf ganzer Bevölkerungen an sie.

Warum, sollte man sich fragen – und landet unweigerlich bei den inneren Problemen der USA. Und auch kurze Zeit später bei dem unangenehmen Vergleich, dass die Situation der in NS-Deutschland, in der die Hitler-Paladine Goehring, Himmler, Bormann, Goebbels, Rosenberg u.a. ihre eigenen Reiche im Reich errichteten und sich weniger im das kümmerten, was tatsächlich erlaubt war, sondern alles machten, solange es nicht doch zu offensichtlich verboten war und im Dienste der Sache schien. Und ein US-Präsident hat eine kürzere Halbwertszeit als der Führer und den Daumen entsprechend lockerer drauf. Übersetzt: das in den USA viel weiter verbreitete System, vieles geheim zu halten und selbst Entscheidungsträger im Dunklen tappen zu lassen (-> Deep State), haben die USA an den Rand des Bürgerkriegs geführt, aus dem Trump und seine Mannschaft nur noch mit Hilfe des Aufbaus eines Systems äußerer Feinde entkommen zu können glauben.

Und da sind wir schon bei der Schweigsamkeit der anderen global Player. Russen und Chinesen halten sich selbst verbal sehr zurück, was diesen Affentanz Trumps angeht. Aus gutem Grund: der Vulkan steht unmittelbar vor der Explosion, und wenn er ausbricht und mit Sachen um sich wirft, hat man sich besser vorher nicht als Zielscheibe geoutet. Im Grunde kalkuliertes Warten auf einen Zusammenbruch, der sich schon selbst genügend befördert und äußerer Hilfe gar nicht mehr bedarf.

Und der kann schnell kommen. Selbst ein kleines Land wie Venezuela kann sich schnell in ein Vietnam II verwandeln, allerdings weniger mit der Maßgabe, wie dort jahrelang Vernichtungskrieg führen zu müssen, sondern eher als Zündfunke für die Latinos in den USA, die ein mehrfaches der Bevölkerungen der kleineren mittelamerikanischen Staaten ausmachen. Auch sonst sieht es düster aus für die USA: Brasilien baut trotz ständiger Drohungen der USA seine Beziehungen zu China schneller aus als die US-Boys zuschauen können und Milei macht auch Argentinien immer unabhängiger.

Und Europa, speziell Deutschland? Ist auf dem besten Weg, zu einer Karikatur von sich selbst zu werden: Horden kichernder Asiaten werden es sich nicht nehmen lassen, ein Land zu besuchen, dessen karierte Hemden, Lederhosen und Seppelhüte tragende Bewohner in Holzhütten hausen und geschnitzte Uhren als Urlaubsmitbringsel anbieten und die Madeln das Holz vor der Hütten ständig gut hochgebunden vor sich her tragen.

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