Rentensanierung? Kein Problem!

Die Rente wird von der Politik seit Jahrzehnten reformiert, und jedes mal soll dann anschließend die Rente sicher sein. Wobei die Reformierung/Sanierung jedes mal auf drei Hauptsäulen beruht:

  • Die Beiträge steigen.
  • Die Rente wird niedriger (was sich durch Steigerungen unterhalb der Zunahme der Lebenshaltungskosten verstecken lässt).
  • Das Renteneintrittsalter wird höher (letztlich ist es bald so weit, dass man 50 Jahre arbeiten muss, um nach der Lebenserwartung noch 10 Jahre Ruhestand genießen zu können).

Tatsächlich wäre die Rente ziemlich einfach zu sanieren. Nämlich nach dem Schweizer Modell, das möglicherweise 1:1 übertragen werden und so aussehen könnte:

(1) Die 50:50-Aufteilung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber bleibt. Ob Selbständige nur den Arbeitnehmeranteil entrichten müssen, wäre auszurechnen.

(2) Jeder zahlt ohne Ausnahme 5% seines Jahreseinkommens vor Steuern ein. Das wäre für die meisten zukünftigen Renter die Hälfte des derzeitigen Satzes.

(3) Jeder erhält eine Rente, die einzahlungsabhängig beispielsweise 1.500 € bis 3.000 € beträgt. Die Rente ist steuerfrei (für Ausländer, die nur vorübergehend gearbeitet und eingezahlt haben, sind die Beträge nach unten anzupassen).

Was würde das bedeuten?

(1) Für den normalen Arbeitnehmer, der unterhalb der derzeitigen Beitragsbemessungsgrenze liegt, würden sich erhebliche Einsparungen ergeben, die für andere Zwecker verwendet werden können.

(2) Derzeit gibt die Beitragsbemessungsgrenze an, wie viel maximal gezahlt wird. Als unverbindliches Rechenbeispiel: wer 80.000 €/a (Grenze) verdient, zahlt derzeit genauso viel wie jemand der 500.000 €/a verdient, also formal 8.000 € bei 10% Beitragshöhe. Mit der neuen Regelung ohne Grenze zahlt jemand mit 80.000 € nur noch 4.000 €, jemand mit 500.000 € aber 25.000 € in die Kasse. Richtig interessant wird es dann bei Großverdienern mit Millioneneinkommen. Da kommt einiges zusammen.

(3) Selbständige zahlen (aus gutem Grund) heute gar nicht erst in die Kasse ein, müssen dann aber selbst Rücklagen bilden. Sie würden dann genauso zur Kasse gebeten, bekämen aber auch eine Rente. Das Selbständige oft gut verdienen, kommen hier ziemliche Beträge zusammen.

(4) Beamte, Zeitbeamte und Politiker wären genauso in das System zu integrieren. Die heutigen Sonderregelungen entfallen.

Ist das nicht ungerecht?

Gut Verdienende würden mehr einzahlen, aber nicht mehr Rente bekommen als andere. Leistung würde sich damit relativ gesehen weniger auszahlen. Für sehr gut verdienende wäre die Garantierente zudem eher bescheiden.

Dem ließe sich allerdings leicht begegnen durch ein individuelles Zusatzrentenansparkonto, das auf langfristigen Kapitalaufbau ähnlich dem Kapitallebensversicherungssystem ausgerichtet ist (allerdings ohne Todesfallauszahlung). Aus diesem Konto wird die ausgezahlte Rente ab Renteneintritt gemäß den angesparten Beträgen aufgestockt. Einzahlungen sind von der Versicherungssteuer befreit und wie die Garantierente bei Auszahlung von Steuern befreit (da die Einzahlungen aus versteuerten Einnahmen vorgenommen werden, geht der Staat nicht leer aus).

In dieses Konto kann nun der Inhaber nach seinen Vorstellungen einzahlen, d.h. das ähnelt mehr einem Sparbuch statt einem Sparvertrag mit festgelegten Beiträgen. Und – hier kommt das Wichtige für die Wirtschaft – der Arbeitgeber kann ebenfalls einzahlen (hier allerdings vereinbarte Festbeträge). Das Modell ersetzt die Betriebsrente, die ja bereits heute ein Standbein des Rentensystems ist. Unternehmen könnten so in Wettbewerb um Mitarbeiter miteinander treten, indem sie nicht nur bessere Gehälter anbieten, sondern auch höhere Betriebsrentenanteile.

Wo ist das Problem?

Wenn man statistisch nachforscht, verdienen etwa 20% der Reichen genauso viel wie die unteren 80% der Bevölkerung. Schaut man auf das Vermögen insgesamt, liegt die Verteilung bei 1% zu 99%, und auch aus den 20% in der ersten Kategorie werden locker 35% – 40%, wenn man die heutige Bemessungsgrenze berücksichtigt. Also grob gesprochen: mindestens 30% derjenigen, die direkt oder über Lobbyarbeit hier das Sagen haben, haben überhaupt kein Interessen, das Rentensystem zu sanieren, weil sie persönlich damit vordergründig schlechter wegkommen als jetzt.