Die Sackgasse

Vor ein paar Tagen habe ich noch gemutmaßt, dass durch internationale diplomatie ein Weg gefunden wird, auf dem sich Trump mit überschaubaren Gesichtsverlust retten kann. Das sollte man wohl besser revidieren.

Der beabsichtige Regime-Change im Iran ist erreicht. Aus dem greisen und halbwegs konzilianten Obermullah ist ein knallharter Gegner geworden. Die Israelis (und mit ihnen die USA) sind einfach zu blöd, um zu bemerken, dass sie mit ihrer Art der „Selbstverteidigung“ nur die Hydra bedienen: die Bombe mag einen Gegner erwischen, aber via Kollateralschäden erwachsen mindestens 2 neue, die noch entschiedenere Feinde sind. Dem neuen Obermullah haben sie auf heimtückische Art den Vater, die Frau und das Kind weggemordet und es dürfte wohl für jeden verständllich sein, dass dadurch die Israelfeindschaft mit allen Konsequenzen nichts Ideologisches, sonder etwas zutiefst Persönliches ist.

Trump hat den Absprung, der in den ersten Tagen vielleicht noch mit der Parole „wir haben unsere Ziele erreicht“ halbwegs gesichtswahrend möglich gewesen wäre, verpasst. Inzwischen wendet sich das Blatt: der Iran hat die Frühwarnsysteme zerstört, d.h. selbst einfache Drohnen haben nun halbwegs freie Flugbahn. Die Abwehrschirme sind zusammen gebrochen: es wurden in den paar Tagen mehr Raketen verpulvert als in 3 – 5 Jahren produziert werden. Auch bei den Angriffswaffen (Tomahawk) nähert man sich dem Ende der Bestände. Inzwischen sind auch mehrere Versorgungsflugzeuge abgestürzt, wobei man mal offen lassen kann, ob es sich um Unfälle handelte (US-Version) oder sie abgeschossen wurden (iranische Version). Mit fehlenden Tankflugzeugen ist es aber auch mit angreifenden F35 nicht mehr so dolle. Die iranische Marine ist komplett zerstört (US-Version), aber die angekündigten Konvois für Tanker bleiben aus und die Rückfrage der Iraner, weshalb die Trägerflotte ca. 1000km Abstand von der Küste hält, bleibt unbeantwortet. Welche Schäden auf den US-Basen und in Israel angerichtet werden, ist aufgrund der strengen Zensur nur indirekt zu ermitteln, aber Fakt ist, dass Drohnen und Raketen in Richtung Israel inzwischen freie Flubahn haben und bei einer Vorwarnzeit von max. 2 Minuten noch nicht mal das Ziel ermittelt werden kann. Mit anderen Worten: eine auf Haifa abgeschossene Rakete zwingt auch die Bewohner von Jerusalem in die Bunker.

Diplomatisch läuft es auch alles andere als rund. Die Golfstaaten beginnen mit Gesprächen – allerdings mit dem Iran und nicht mit den USA. Die Stimmung gegen die USA wächst und freundliche Überlegungen, die USA aus dem Land zu werfen, nehmen zu. Der Iran hat nach den bisherigen Erfahrungen bekannt gegeben, nicht mit den USA zu verhandeln. Mit Verrätern verhandelt man nicht. US-Unterhändler Witkoff ist bei den Russen mit der Bitte vorstellig geworden, den Iranern keine SIGINT-Informationen mehr zur Verfügung zu stellen – ein weiteres Zeichen, wie sehr die Kacke am dampfen ist. Die Russen schweigen dazu, aber unter der Hand ist zu hören „wenn die 4 Jahre die Ukraine mit SIGINT versorgt haben, dann können wir uns jetzt revanchieren“. Die Chinesen hüllen sich in Schweigen.

Die Iraner spielen auf Zeit, wohl wissend, dass sie letztlich am längeren Hebel sitzen, sofern es USrael nicht gelingt, im Iran einen Volksaufstand anzuzetteln. Russland kann ein langes Spiel nur recht sein, denn es kann sein Öl nun zu einem guten Preis verkaufen. Europa und seine Kriegshetzer werden geschwächt, was auch in ihrem Sinn in Bezug auf die Ukraine ist. Die Chinesen scheinen auch dazu zu tendieren, die Sache auszusitzen, da in absehbarer Zeit die USA nur noch ein Papiertiger ist, zwar atomar bewaffnet, aber ohne Mittel, weitere Unruhe zu stiften.

Und in den USA gährt es auch. Das Pentagon wird voraussichtlich um zusätzliche Mittel von 50 Mrd. US-$ nachkommen, was in den Parlamenten, die ohnehin stocksauer sind, weil Trump das Spielchen angefangen hat, ohne sie zu fragen, vermutlich nicht durchgeht.

Bleibt noch Israel mit dem „greatest statesman whatsoever“ Netanyahu. Es kursieren Bilder von ihm aus offizieller Quelle im Viertelprofil, den Blick fest in die Ferne gerichtet und mit steinernem Gesichtsausdruck. Solche Bilder hingen früher in vielen Haushalten, je nach Lage des Haushalts mit Adolf Hitler oder Benito Mussolini als Abgebildetem. Psychologisch kann darauf geschlossen werden, dass die Gestalten sich in anderer Hinsicht auch ähnlich sind. Wie geht es weiter? Wirft Netanyahu zum Abschluss noch mit A-Bomben um sich, um das Armageddon komplett zu machen? Oder gelingt es den Israelis, Führer zu installieren, die in der Lage sind, zumindest mit den nächsten Nachbarn zu verhandeln? Zu wünschen wäre das. Es könnte aber auch in die Richtung laufen, dass Israel tatsächlich ins Mittelmeer gekippt wird, wie die Palästinenser es sich wünschen. Wie es auch kommen wird, an seinem Unglück hat Israel selbst einen gehörigen Anteil.