Die Facebook-Lücke

In Fernost schon Standard, hier im kommenden Trend: die Fußgängerspur für Handy-Nutzer, denen beim Gehen die Beinbewegung nicht genügt und die ihre Finger fleißig auf dem Handy in der Facebook-App trainieren. Da man dabei nach nur unten schaut und allenfalls noch undeutlich den Straßenbelag erkennt, rennt man natürlich das eine oder andere um – oder wird schmerzhaft gebremst. Gebrochene Nasenbeine, Platzwunden und Gehirnerschütterungen durch plötzliche Begegnungen mit Bäumen, Schildern oder Absperrungen gehören inzwischen zu den häufigsten Unfallverletzungen bei Fußgängern; das Auto oder das Fahrrad müssen sich mit den hinteren Plätzen begnügen.

In Fernost und auch schon in den USA wird dem Trend durch separate Spuren auf den Gehwegen Rechnung getragen, wenn auch mit anderen Eulenspiegeleien: so warnen Schilder mit dem Text

„Erst Straße überqueren, dann Facebook updaten!“

vor dem herannahenden 40-Tonner, sind allerdings nicht selten in normaler Höhe angebracht, was der Facebooker nur noch dann wahrnimmt, wenn ihn der 40-Tonner in die entsprechende Höhe katapultiert. Vielleicht noch eine Marktlücke für eine App, die automatisch auf solche Schilder hinweist.

Gehen ist langweilig, besonders auf Gehwegen. Da ist genügend Hirnkapazität frei, eben noch die Handy-Apps zu bedienen. Laut einem Bericht des ADAC nimmt das Chatten im Gehen allerdings 90% der Sinnesleistungen ein; nur 10% bleiben für die Bewegung im Verkehr. Das erklärt die Unfälle. Aber etwas anderes ist noch viel merkwürdiger und wird durch Untersuchungen bislang nicht geklärt:

Wer sich den Inhalt von Facebook anschaut und diesen mit den 10% Gehirnaktivität für den Straßenverkehr in Relation setzt, wird unschwer feststellen können, dass für das Chatten allenfalls 5% der Gehirnleistung verwendet werden.

Frage: wo bleiben die restlichen 85% Gehirnleistung?

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