{"id":865,"date":"2017-02-18T08:47:15","date_gmt":"2017-02-18T07:47:15","guid":{"rendered":"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=865"},"modified":"2017-02-18T08:47:15","modified_gmt":"2017-02-18T07:47:15","slug":"vom-ewigen-staenkern-der-deutschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2017\/02\/18\/vom-ewigen-staenkern-der-deutschen\/","title":{"rendered":"Vom ewigen St\u00e4nkern der Deutschen"},"content":{"rendered":"<p>Es ist schon interessant, wie schnell man beim Zeitunglesen die Position wechseln kann. Bin ich bei manchen politischen Themen der &#8222;ewig gestrige&#8220; und &#8222;r\u00fcckst\u00e4ndige&#8220; habe ich wiederum wenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr allgegenw\u00e4rtige Technikfeindlichkeit der selbst ernannten Fortschrittlichen.<!--more--> In beiden F\u00e4llen komme ich erfahrungstechnisch aber auch bei einem Widerspruch zu einem anderen Artikel der gleichen Zeitung, in der eine Diskussionskultur statt einer Hierarchie gepredigt wird, an: die jeweiligen Gr\u00fcnde interessieren niemanden, d.h. diskutieren kann man nicht. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind am Ende dieses Aufsatzes zu finden.<\/p>\n<p>Zur Technik, um die es ging: Computer sind inzwischen in der Lage, in Echtzeit die Gef\u00fchlslage des Menschen aufgrund seiner Mimik auszuwerten und im Gesch\u00e4ft auf dem n\u00e4chsten Bildschirm ein Produkt zu pr\u00e4sentieren, das die Gef\u00fchlslage hebt und m\u00f6glicherweise zum Kauf des Produkts f\u00fchrt. Man dr\u00fcckt das nat\u00fcrlich h\u00e4rter aus: das Gesch\u00e4ft will den Kunden zwingen, etwas zu kaufen. Grunds\u00e4tzlich neu ist die Technik der Mimikauswertung nicht, sondern bereits seit langem Bestandteil nachrichtentechnischer Arbeit, aber die findet nicht in der \u00d6ffentlichkeit statt. Neu ist nur, dass man sie inzwischen auch von Computern erledigen lassen kann und im \u00f6ffentlichen Sektor zu akzeptablen Preisen erh\u00e4ltlich, aber das war nur eine Frage der Zeit. Aufhalten kann man sie aus verschiedenen Gr\u00fcnden ohnehin nicht &#8211; was einen guten Deutschen allerdings nicht davon abh\u00e4lt, grunds\u00e4tzlich dagegen zu st\u00e4nkern und Verbote durch so genannte Datenschutzgesetze zu fordern.<\/p>\n<p>Die \u00c4ngstesch\u00fcrer sollten sich einmal klar machen, dass sie die gleiche Position vertreten wie ihre Kollegen aus den 1830er Jahren, die mit unsinnigen Argumenten wie &#8222;bei Geschwindigkeiten \u00fcber 30 km\/h wird die Luft im hinteren Waggonbereich zusammengedr\u00fcckt, und vorne ersticken die Fahrg\u00e4ste&#8220; versuchten, gegen die Eisenbahn mobil zu machen. Positive Seiten werden in Deutschland nicht gerne gesehen, und w\u00e4hrend in den USA viele B\u00fcrger den Polizeibeh\u00f6rden ihre privaten \u00dcberwachungsdaten freiwillig anbieten und diese aufgrund solcher Techniken b\u00f6se Buben von der Stra\u00dfe holt, bevor sie irgendwelchen Schaden anrichten k\u00f6nnen, nimmt man hier lieber in Kauf, dass Drogendealer die Szene bev\u00f6lkern, weil abschreckende Kameras ja die Pers\u00f6nlichkeitsrechte verletzen, die vermutlich darin bestehen, dass der eigene Hund auf den Gehweg kackt ohne dass man den Dreck beseitigt. Vermutlich muss man 80% der Bundesb\u00fcrger Nachts das Auto verkratzen, bis Verbote von \u00dcberwachungskameras (sogar von Attrapen von \u00dcberwachungskameras!) beseitig werden, die bislang nur Hooligans oder Kriminellen dienen.<\/p>\n<p>Genauso kurzsichtig ist die Zielgruppe von Technikverboten ausgelegt: es ist immer und nur die Wirtschaft. Der Supermarkt schaltet ein Fernsehbild mit einem Produkt, dass mich interessieren k\u00f6nnte, wie furchtbar, obwohl &#8211; fr\u00fcher war man froh, wenn die Verk\u00e4uferin an der Wursttheke einen ungefragt auf das Sonderangebot einer Wurst, die man schon mal als &#8222;\u00fcbelst lecker&#8220; bezeichnet hatte, aufmerksam machte. Man sollte sich einmal klarmachen: die Leute wollen einem nur etwas verkaufen, aber sonst nichts \u00dcbles. Man muss es nicht kaufen, man muss sich dessen nur bewusst werden. Statt dessen setzen Bessermenschen lieber auf Entm\u00fcndigung durch irgendwelche Verbote (und bekommen gar nicht mit, in welchem Umfang sie die Menschen damit herabw\u00fcrdigen). Dabei \u00fcbersehen die Angstmacher obendrein standhaft die Gruppe, denen das &#8222;etwas&#8220; fehlt, die einem nicht etwas verkaufen m\u00f6chten, sondern die einen verkaufen m\u00f6chten. Dazu z\u00e4hlen unter anderem die Medien mit ihrer t\u00e4glichen Berichterstattung, die genauso auf das Unterbewusstsein der Leser zielen und manipulieren, oder, auch ein neuer Hype in unser angeblich so aufgekl\u00e4rten Welt, die angeblich wieder so wichtige Religi\u00f6sit\u00e4t, bei Kindern angewandt nicht selten nichts anderes als Gehirnw\u00e4sche der \u00fcbelsten Sorte. Hier nennt man das schlicht Propaganda, und dabei handelt es sich im Wesentlichen nur um 5-6 Tricks, die jenseits der Information das Unterbewusstsein manipulieren, im Fall der Religion oft so nachhaltig, dass die Leute genauso dumm sterben wie sie der Pubert\u00e4t entwachsen. Wie gut das funktioniert, kann man schon daran sehen, dass heute 3\/4 der Bev\u00f6lkerung mit dem letzten Viertel nicht mehr diskutieren und diesem auch noch erfolgreich die Schuld in die Schuhe schieben.<\/p>\n<p>Statt zu verteufeln und technische Entwicklungen als ewig Gestriger grunds\u00e4tzlich abzulehnen, sollte man sich um ein Verst\u00e4ndnis der Techniken bem\u00fchen. Wei\u00df man um die Mimikauswertung, l\u00e4sst sich dem Spezialangebot durchaus etwas Positives abgewinnen und gleichzeitig ein Kaufzwang durch das Unterbewusstsein ausschlie\u00dfen. Wei\u00df man um die Propagandatechniken, kann man seine eigene Meinung sch\u00e4rfen. Wei\u00df man um die Technik, kann man mitreden und diskutieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist schon interessant, wie schnell man beim Zeitunglesen die Position wechseln kann. 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