{"id":8591,"date":"2023-02-14T06:00:00","date_gmt":"2023-02-14T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=8591"},"modified":"2023-02-13T14:14:57","modified_gmt":"2023-02-13T13:14:57","slug":"kampf-der-maschinen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2023\/02\/14\/kampf-der-maschinen\/","title":{"rendered":"Kampf der Maschinen"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn man in Sachen Krieg zur\u00fcck schaut, wurden bis ins 19. Jahrhundert hinein Schlachten oft noch mit Hilfe der Kavallerie gewonnen. Schnelle Umgehung der feindlichen Linien oder schneller Durchbruch bei entsprechender Vorbereitung waren m\u00f6glich, da Artillerie und Infanteriewaffen noch unzureichend waren, um die schnellen Verb\u00e4nde aufzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Bereits im 1. Weltkrieg waren Artillerie und Infanteriewaffen wie Maschinengewehre technisch so weit entwickelt, dass au\u00dfer Stellungskriegen oft keine andere M\u00f6glichkeit der Kriegsf\u00fchrung blieb. Erst die Panzerwaffe gegen Ende des 1. WK und besonders im 2. WK erlaubte dann wieder schnelle und weite Durchbr\u00fcche.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis dahin bauten auch die Marinen darauf, m\u00f6glichst gro\u00dfe Schiffe mit m\u00f6glichst gro\u00dfen Kanonen auf See zu bringen. Damit war aber auch im 2. WK endg\u00fcltig Schluss: die Hornissen der Flugzeugtr\u00e4ger k\u00e4mpften aufgrund ihrer schieren Anzahl und ihrer Wendigkeit s\u00e4mtliche Gro\u00dfkampfschiffe auf den Grund der Meere. Flugzeugtr\u00e4ger mit einer Begleitarmada kleiner Zerst\u00f6rer und Fregatten bilden seitdem das R\u00fcckgrat von Flotten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Artillerie tat sich seitdem auch einiges. Gezogene Rohre, durch die die Geschosse durch einen Drehimpuls stabilisiert wurden, wurden durch Glattrohrkanonen ersetzt, was h\u00f6here Geschwindigkeiten und h\u00f6here Reichweiten erm\u00f6glicht. Da die Geschosse nun durch Fl\u00fcgel stabilisiert werden, erlaubt die moderne Elektronik auch eine nachtr\u00e4gliche Zielleitung der Geschossen. Bis zu 80 km k\u00f6nnen die Granaten (mit zus\u00e4tzlichen Treibladungen) fast punktgenau treffen, wenn die Ziele markiert sind. Dar\u00fcber hinaus erledigen Raketen das Gesch\u00e4ft.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Ukraine spielen sich anscheinend Artilleriegefechte ab, bei denen ebenfalls neue Techniken zum Einsatz kommen. Die Kanonen stehen meist zu weit hinter den Linien, um direkt geortet werden zu k\u00f6nnen. Bislang wurden sie durch Radarmessungen ausfindig gemacht, so dass man zur\u00fcck schie\u00dfen konnte. Radarmessungen sind allerdings aktiv: die Radarger\u00e4te lassen sich auch einpeilen und dann mit Gegenfeuer belegen. Passiv scheint es allerdings auch zu funktionieren: akustisch und seismisch lassen sich die Kanonen so weit orten, dass man versuchen kann, sie mit Gegenartilleriefeuer auszuschalten. Die Russen scheinen recht erfolgreich mit dieser Technik zu operieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen deutet sich ein m\u00f6gliches Aus f\u00fcr die schwimmenden Flugh\u00e4fen an: Hyperschallraketen sind in der Lage, die Luftabwehr zu \u00fcberwinden und die Kolosse von der Meeresoberfl\u00e4che zu fegen. Zwar sind die Raketen vermutlich nicht billig, aber selbst bei 2-3 Raketen pro Flugzeugtr\u00e4ger rechnet sich das, wobei die Reichweite bei ca. 800 km liegt &#8211; mehr als die Abwehrraketen und auch mit gen\u00fcgend Zeit, um noch ein paar Raketen abzufeuern, bevor die Flugzeuge der Tr\u00e4ger die kleineren Schiffe angreifen k\u00f6nnen. Die \u00dcberlegenheit der US-Navy gegen\u00fcber den Russen und Chinesen ist wohl nur noch relativ, je nachdem wie viele Hyperschallraketen die im Depot haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es deutet sich aber auch noch eine weitere Technik an, die die Verh\u00e4ltnisse auf den Schlachtfeldern umkrempelt. Die moderne Elektronik erlaubt den effizienten und weitgehend autonomen Einsatz von Drohnen, sowohl fliegenden als auch landgest\u00fctzten. Klein und einfach sind sie schlecht auszuschalten und klein und einfach bedeutet auch, dass sie in hohen St\u00fcckzahlen produziert werden k\u00f6nnen. Wenn das Bedienpersonal nicht gerade im Flugzeug \u00fcber dem Schlachtfeld sitzt, ist es von personellen Verlusten nicht betroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist also eine einfache Rechenaufgabe, festzustellen, wie viele Drohnen &#8211; angefangen beim Hobby-Quadkopter-Modell aus dem Spielzeugladen &#8211; man auf die Reise schicken muss, um die Abwehrm\u00f6glichkeiten auch komplexer Systeme zu \u00fcberlasten und das Ziel zu zerst\u00f6ren. Solche Techniken w\u00fcrden es auch kleineren Staaten wie etwa dem Iran erlauben, sich gegen kriegsw\u00fctige Giganten wie die USA \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum zu behaupten. Der Iran und sein Gegner Israel basteln jedenfalls eifrig an diesen Techniken herum.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit KI-Techniken lassen sich Drohnen auch vollst\u00e4ndig autonom auf bestimmte Ziele loslassen &#8211; man muss nur den Zeit- und Startpunkt so legen, dass die Reichweiten ausreichen. Den Rest machen die Maschinen selbst (was im \u00dcbrigen kein geheimnisvolles Hexenwerk ist, auch wenn die Details nat\u00fcrlich nicht verraten werden; die KI-Prinzipien sollte eigentlich jeder Informatiker im Studien kennen lernen &#8211; au\u00dfer in D, wo er inzwischen vermutlich noch nicht mal die wesentlichen Informatik-Prinzipien verstehen d\u00fcrfte). Und die n\u00e4chste Stufe ist auch bereits in der Erprobung: autonome Schw\u00e4rme von Drohnen, die sich untereinander beim Angriff koordinieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Spieleentwickler von heute ist mutma\u00dflich der Soldat der Zukunft und die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr den Verlust einer Schlacht geht m\u00f6glicherweise von der Dose Coca-Cola aus, die der Programmierer \u00fcber die Tastatur kippt und so dem gegnerischen Programmierer einen Zeitvorteil bis zum Austausch der ruinierten Tastatur erlaubt. Auch wenn Gro\u00dfm\u00e4chte wie die USA und andere nat\u00fcrlich andere Anzahlen an Drohnen aufbieten k\u00f6nnen, er\u00f6ffnen solche Techniken aber auch Terroristen, die heute ihre Gegner noch h\u00e4ndisch und pers\u00f6nlich umbringen m\u00fcssen, neue M\u00f6glichkeiten. Was man als Zivilist davon zu erwarten hat, wenn Gro\u00dfterroristen wie die USA Massendrohnenschw\u00e4rme einsetzen, die sie wom\u00f6glich selbst nicht mehr unter Kontrolle halten k\u00f6nnen, steht in den Sternen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Terminator-Szenarium ist zwar noch weit entfernt, weil die Maschinen dann auch lernen m\u00fcssten, sich selbst zu entwerfen und herzustellen, aber was ein Schwarm von 1 Mio Drohnen, der \u00fcber eine automatische Treibstofflogistik verf\u00fcgen muss, um funktionieren zu k\u00f6nnen, anrichten kann, wenn er seine Ziele selbst aufgrund vorgegebener Algorithmen bestimmt, d\u00fcrfte durchaus im Bereich des einen oder anderen Endzeitspielfilms liegen, denn es d\u00fcrfte einige Zeit dauern, bis man 1 Mio Drohnen niedergek\u00e4mpft oder ihnen die Logistik zerst\u00f6rt hat.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><strong>Die Seeschlacht  <\/strong>\n\n Ein amerikanischer Flugzeugtr\u00e4ger\n und eine gotische Kathedrale\n versenken sich\n mitten im Stillen Ozean\n gegenseitig.\n Bis zum Schluss\n spielte der junge Vikar auf der Orgel. -\n Nun h\u00e4ngen Flugzeuge und Engel in der Luft\n und k\u00f6nnen nicht landen.\n\nG\u00fcnter Grass<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man in Sachen Krieg zur\u00fcck schaut, wurden bis ins 19. 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