{"id":8533,"date":"2023-01-31T17:00:00","date_gmt":"2023-01-31T16:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=8533"},"modified":"2023-01-31T12:13:28","modified_gmt":"2023-01-31T11:13:28","slug":"bugs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2023\/01\/31\/bugs\/","title":{"rendered":"Bugs"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Freigabe von Insekten als Nahrungsmittel(zusatz) schl\u00e4gt inzwischen ziemliche Wellen. Verbunden mit appetitlichen Fotos mit einer gegrillten Grille auf einer Gabel oder einem Teller Makkaroni in Sahneso\u00dfe, nur halt mit Mehlw\u00fcrmern anstelle von Makkaroni, wird kr\u00e4ftig Stimmung gemacht.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nun kann man es den Leuten nicht verdenken, so etwas nicht auf dem Tisch haben zu wollen, vielleicht abgesehen von ein paar gr\u00fcnen Kermits. Das passt einfach nicht zu unserer traditionellen K\u00fcche. Also machen ein paar selbstverliebte Influenza auf allen m\u00f6glichen Videokan\u00e4len Ansagen, die zwar Quatsch sind, aber begeistert aufgegriffen werden, \u00fcblicherweise mal wieder ohne auf die Idee zu kommen, nachzuschauen, was in den B\u00fcchern, die vor 2019 erschienen sind, dazu steht. Ein typisches Beispiel, zwar nicht mit Insekten, aber so \u00e4hnlich:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/t.me\/c\/1153396282\/3718\">https:\/\/t.me\/c\/1153396282\/3718<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Verstanden hat der eloquente Selbstdarsteller mal wieder nichts. Aber wer will schon was verstehen, wo Vorurteile doch so wohlfeil angeboten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Da mich verschiedene Leute inzwischen als &#8222;Insektenversteher&#8220; und &#8222;Nahrungsleugner&#8220; bezeichnen, hier eine <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Klarstellung<\/h3>\n\n\n\n<p>Ich k\u00f6nnte mir (derzeit) auch nicht vorstellen, herzhaft in einen Mehlwurm zu bei\u00dfen. Das \u00fcberlasse ich lieber den Piepsev\u00f6geln drau\u00dfen. Ich halte es auch f\u00fcr falsch, Nahrungsmittel in gr\u00f6\u00dferem Umfang mit Insektenmehl zu versetzen. Was mich allerdings nicht hindern w\u00fcrde, auch mal ein Produkt, das &#8222;geringe Zus\u00e4tze von Acheta domestica&#8220; enth\u00e4lt, zu kaufen und nochmals zu kaufen, wenn es schmeckt und bekommt. Wer das nicht m\u00f6chte, l\u00e4sst das halt bleiben &#8211; die Entscheidung muss und soll jeder f\u00fcr sich selbst treffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin dagegen, weil mit dieser Aktion wieder einmal die fatalen Fehlentwicklungen gr\u00fcner Agrarpolitik korrigiert werden sollen. Wie ich schon im Beitrag<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-wordpress wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-gemeinheiten-amp-beobachtungen\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"v7iMPBKWpX\"><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2023\/01\/27\/wir-essen-insekten\/\">Wir essen Insekten<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; visibility: hidden;\" title=\"&#8222;Wir essen Insekten&#8220; &#8212; Gemeinheiten &amp; Beobachtungen\" src=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2023\/01\/27\/wir-essen-insekten\/embed\/#?secret=ii9aOPj2xj#?secret=v7iMPBKWpX\" data-secret=\"v7iMPBKWpX\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>erw\u00e4hnte, f\u00fchren die nicht nur zu einer starken Verknappung von Lebensmitteln, sondern auch zur Unbrauchbarkeit von Getreide f\u00fcr die Verwendung in der Backindustrie. Das kann mutma\u00dflich mit proteinreichem Insektenmehl abgefangen werden. Nur wird das wie s\u00e4mtliche anderen gr\u00fcnen Projekte auch nicht funktionieren:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dieses Land ist kein Insektenland, zumindest nicht in dem Sinn, dass hier Insektenz\u00fcchtereien und Insektenm\u00e4stereien in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstab machbar w\u00e4ren. Daf\u00fcr sind die klimatischen Bedingungen nicht geeignet.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Konsequenz w\u00e4ren Insekten aus den L\u00e4ndern einzuf\u00fchren, in denen die passenden Bedingungen herrschen, also alle tropischen L\u00e4nder. Ob dort entsprechende Kapazit\u00e4ten aufgebaut werden k\u00f6nnen, bleibt abzuwarten. Wenn Konzerne wie Nestl\u00e9 sich da rein h\u00e4ngen, k\u00f6nnte einiges laufen, allerdings ist absehbar, dass das mit der \u00fcblichen Umweltzerst\u00f6rung endet, gegen die ich auch absolut bin.<\/p>\n\n\n\n<p>In streng gr\u00fcner Manier wir hier die Landwirtschaft und damit die Ern\u00e4hrungsgrundlage zerst\u00f6rt, um hier einen geistigen gr\u00fcnen Schrebergarten zu errichten. Daf\u00fcr macht man sich in jeder Beziehung abh\u00e4ngig von irgendwelchen anderen Staaten, deren Landwirtschaft ebenfalls zerst\u00f6rt wird, und der Industrie. <\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb bin ich dagegen. Ich lehne aber <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Scheinargumente<\/h3>\n\n\n\n<p>ab, weil man damit nur den Fritzen in die H\u00e4nde spielt. Zun\u00e4chst einmal ist unser Speiseplan ohnehin schon ziemlich umfangreich, auch wenn nicht alle alles essen w\u00fcrden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Pilze verschiedenster Arten, wobei die Zellw\u00e4nde von Pilzen chitinhaltig sind.<\/li><li>Schnecken.<\/li><li>Krebse in allen m\u00f6glichen Variationen (auch deren Panzer bestehen aus Chitin).<\/li><li>Muscheln von gekocht bis roh (in Frankreich).<\/li><li>Quallen (als Ragout, S\u00fcdfrankreich)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Ob es regional noch weitere Spezialit\u00e4ten gibt, kann ich nicht sagen. Vermutlich schon, abgesehen von &#8222;Mutproben&#8220; unter Kindern, einen Regenwurm zu verschlucken. Insekten stehen nur indirekt auf der Liste, wenn sich etwa eine Made oder ein Insekt erfolgreich bis zum Verzehr im Salat oder im Obst versteckt. In tropischen L\u00e4ndern mit gro\u00dfem Insektenreichtum stehen Insekten allerdings schon seit Urzeiten bis heute auf dem Speiseplan, ohne dass es zu irgendwelchen Auff\u00e4lligkeiten gef\u00fchrt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen die Insekten wird nun trotzdem m\u00e4chtiges Gesch\u00fctz aufgefahren:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">- Allergien oder anaphylaktische Reaktionen (gegen verschiedene Teile der Insekten oder gegen das Substrat, das an die Insekten verf\u00fcttert wird; besonders betroffen sind Menschen, die bereits gegen Krebstiere, Krustentiere, Weichtiere und Hausstaubmilben allergisch sind) \n- Vergiftungen aufgrund toxischer Materialien wie Chitin und Tannine \n- Erkrankungen durch gef\u00e4hrliche Parasiten im Verdauungsapparat der Insekten (vor allem wenn diese vor ihrer T\u00f6tung und Verarbeitung keiner ausreichend langen Futterkarenz ausgesetzt waren, damit sich der gesamte Darminhalt entleert) \n- Stoffwechselprobleme aufgrund von Phytaten, Oxalate, Chelatbildnern und Saponinen \n- M\u00f6gliche Langzeitfolgen beim h\u00e4ufigen Verzehr vieler anderer Insekten, die noch nicht als Lebensmittel zugelassen sind: Wachstumsverz\u00f6gerungen, Hypofertilit\u00e4t, Verm\u00e4nnlichung bei Frauen, \u00d6demen, Gelbsucht, Leberkrebs <\/pre>\n\n\n\n<p>Dazu ist zu sagen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Allergien treten auch gegen alle m\u00f6glichen Nahrungsmittel(bestandteile) auf, die heute gehandelt werden. Wer allergisch ist, muss halt auf den Beipackzettel schauen. Wer unsicher ist, kann sich sicher auch beim Arzt einem Allergentest unterziehen. Dieses Argument ist also eine nicht allgemein zutreffende Schein- und Binsenweisheit.<\/li><li>Chitin ist, oral zugef\u00fchrt, nicht toxisch, sondern schlicht unverdaulicher Ballaststoff, der wieder ausgeschieden wird. Das Argument ist mithin Quatsch. Insektoide Endoparasiten, von denen es jede Menge gibt, sch\u00e4digen die Wirte nicht durch Chitin, sondern ihre Fresst\u00e4tigkeit. Das Argument wird durch die Realit\u00e4t nicht abgebildet (im \u00dcbrigen auch nicht durch &#8222;wissenschaftliche Aufs\u00e4tze&#8220;, die nicht anders aufgebaut sind als der Klimaquatsch und vor Konjunktiven nur so wimmeln oder mit Versuchsbedingungen hantieren, die weit abseits jeder Realit\u00e4t liegen).<\/li><li>Wenn Tannine so toxisch sind, weshalb werden dann so gro\u00dfe Mengen Rotwein problemlos konsumiert?<\/li><li>Parasitenprobleme treten bei s\u00e4mtlichen Nahrungsmitteln auf. Es sei mal an Mutterkornpilze im Getreide erinnert. Das Argument ist mithin v\u00f6lliger Quatsch, da es sich nicht gegen das Nahrungsmittel, sondern nur unqualifizierte Verarbeitung richtet.<\/li><li>Oxalate sind in Masse in Zwiebeln vorhanden, die anderen Sachen auch in vielen pflanzlichen Nahrungsmitteln. Typischerweise sterben die Menschen NICHT daran.<\/li><li>Die Krone ist das letzte Argument: m\u00f6gliche Sch\u00e4den bei Verzehr nicht getesteter Insektenarten. Da stellt sich wirklich die Frage, wie bl\u00f6d man sein muss, um so etwas anzuf\u00fchren. Wer mal Vogeljunge beobachtet hat, wird wissen, dass auch die von den Eltern erst einmal angelernt werden, was sie fressen d\u00fcrfen und was nicht. Die sitzen so lange vor dem fetten Wurm, bis ihnen die Alten den in den Schlund schieben. Nat\u00fcrlich muss gepr\u00fcft werden, was bek\u00f6mmlich ist und was giftig ist. Das Argument ist \u00e4hnlich schwachsinnig wie das Verbot von Pilzen, weil einer ein selbstgesammeltes Knollenbl\u00e4tterpilzragout nicht \u00fcberlebt hat oder ein anderer B\u00e4rlauch mit Maigl\u00f6cken oder Herbstzeitlosen verwechselt.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Mit derartigem Quatsch spielt man nur den gr\u00fcnen Interessen in die H\u00e4nde, die mit Recht darauf hinweisen k\u00f6nnen, dass die Argumente Unfug sind. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Freigabe von Insekten als Nahrungsmittel(zusatz) schl\u00e4gt inzwischen ziemliche Wellen. Verbunden mit appetitlichen Fotos mit einer gegrillten Grille auf einer Gabel oder einem Teller Makkaroni in Sahneso\u00dfe, nur halt mit Mehlw\u00fcrmern anstelle von Makkaroni, wird kr\u00e4ftig Stimmung gemacht. 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