{"id":835,"date":"2017-02-06T08:37:53","date_gmt":"2017-02-06T07:37:53","guid":{"rendered":"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=835"},"modified":"2017-02-06T08:37:53","modified_gmt":"2017-02-06T07:37:53","slug":"elektromobilitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2017\/02\/06\/elektromobilitaet\/","title":{"rendered":"Elektromobilit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin Naturwissenschaftler, und als solchen interessieren mich menschliche Gesetze in technischen Fragen herzlich wenig. Zust\u00e4ndig sind f\u00fcr mich physikalische Gesetze, und die Natur ist in der Beziehung ausgesprochen unedmokratisch und intolerant. Aus dem Grund <!--more-->habe ich auch kein Verst\u00e4ndnis, wenn permanent selbst von Interessenvertretungen wie Autmobilclubs an der Realit\u00e4t vorbei gemogelt und eine Zukunft mit Elektroautos prognostiziert wird. Hier mal einige Bestandteile der Mogelpackung:<\/p>\n<p><strong>Reichweite.<\/strong> Gut, an dem Punkt wird erst einmal nicht gemogelt, denn das die Reichweite ein Knackpunkt ist, geben alle zu. Aber man verspricht Steigerungraten, die dem Mooreschen Gesetz in der Computertechnik entsprechen (das im \u00dcbrigen seit geraumer Zeit nur in Teilbereichen unter sehr gut definierbaren Rahmenbedingungen noch gilt). Da f\u00e4ngt aber die Mogelpackung an, was bislang nur sehr wenige zugeben: Batterien sind sehr einfache Systeme und an die Regeln der Chemie gebunden. In einem Volumen X kann ich Y kg Akkumischung ablegen, und das war es. Morgen dort Y^n kg unterzubringen geht nur in gr\u00fcnen Gehirnen, aber nicht in der Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die noch m\u00f6glichen Verbesserungen in der Konstruktion werden von Fachleuten mit 20-30% eingesch\u00e4tzt, mit geschickterer Konstruktion der Fahrzeuge wird man vielleicht auch noch etwas heraus kitzeln k\u00f6nnen, an den Elektromotoren ist nichts mehr zu verbessern. Summe summarum: die Reichweite von E-Autos wird langfristig etwa bei 50% dessen liegen, was ein konventionelles Auto hinbekommt.<\/p>\n<p><strong>Kosten.<\/strong> Ein E-Auto braucht weniger Wartung, weil es im Prinzip einfacher konstruiert ist und die aufw\u00e4ndige Motorwartung sowie dessen Peripherie (Kupplung, Getriebe)\u00a0 entf\u00e4llt. Drum herum (Bremsen, Reifen, Beleuchtung, usw.) wird aber immer noch einiges an Wartungsbedarf bleiben. Die Wartungszyklen bei konventionellen Fahrzeugen sind aber heute auch bereits recht lang. Beim E-Auto kommt allerdings alle 3-5 Jahre ein Extremposten hinzu: der Akku verliert seine Kapazit\u00e4t (Physik\/Chemie, d.h. nicht diskutierbar) und muss ausgetauscht werden. Die Kosten k\u00f6nnen heute durchaus schon mal bei 20-25% des Neupreises eines konventionellen Autos liegen. Im Gesamtlebenszyklus kostet ein E-Auto damit nicht weniger als ein konventionelles Fahrzeug &#8211; eher mehr (Beispiel: das Mini-E-Auto von Renault, in dem ca. 80 \u20ac\/Monat an Batteriegeb\u00fchr entstehen. Den Betrag muss man erst mal in Benzin verfahren).<\/p>\n<p><strong>Tanken\/Laden.<\/strong> Tanken ist heute kein Problem, mangelnde Lades\u00e4ulen f\u00fcr E-Autos werden durch &#8222;das kommt&#8220; verniedlicht. Die verheerende Gesamtbilanz macht allerdings keiner auf. &#8222;Nachts k\u00f6nne das Auto zu Hause an der Steckdose aufgeladen werden&#8220; stimmt zwar prinzipiell, aber mehr oder weniger grunds\u00e4tzlich nicht in St\u00e4dten. Nur wenige Autos stehen dort in Garagen, und nur in wenigen Garagen besteht die M\u00f6glichkeit, Ladestationen zu benutzen. Ein normales Wohngebiet, in dem aus jedem Fenster Verl\u00e4ngerungskabel \u00fcber die Stra\u00dfe h\u00e4ngen, um das eigene Auto aufzuladen, d\u00fcrfte weniger das Zukunftsmodell sein. Lades\u00e4ulen, die ja auch einen gesicherten Zugang bieten m\u00fcssen (jeder soll ja seinen Strom selbst bezahlen), sind aber nicht gerade kosteng\u00fcnstig. Bei den angestrebten E-Motorisierungszahlen kann man leicht ausrechnen, was alleine eine Plattenbausiedlung mit den ausgedehnten Parkfl\u00e4chen f\u00fcr einen Aufwand verursacht, soll das funktionieren.<\/p>\n<p>Aber damit kommt man nur \u00fcber den Tag (oder 2-3, wenn die Akkus mehr km hergeben), aber nicht von Hamburg nach Stuttgart. Daf\u00fcr braucht mal Schnellladestationen. Nimmt man die heutige Situation an den Tankstellen zum Vergleich, ben\u00f6tigt man ca. 5 Minuten zum Tanken und im Schnitt ca. die H\u00e4lfte zus\u00e4tzlich, weil die Zapfs\u00e4ulen gerade besetzt sind und man warten muss, macht 7,5 min, und man ist wieder unterwegs &#8211; f\u00fcr ca. 1.000 km. Ein E-Fahrzeug braucht aber mindestens 30 Minuten zum Nachladen, + Wartezeit, weil die Lades\u00e4ule gerade besetzt ist, macht 45 Minuten (wenn man Gl\u00fcck hat: der, der l\u00e4dt, wartet nicht 30 Minuten, sondern geht eben einen Kaffee trinken, was auch schon mal 45 Minuten dauern kann) &#8211; f\u00fcr 500 km (wenn man Gl\u00fcck hat). Anders ausgedr\u00fcckt: ben\u00f6tigt man f\u00fcr Hamburg &#8211; M\u00fcnchen ca. 7,5 Minuten Tankstop, sind das beim E-Auto schon mal 90 Minuten, und 1,5 Stunden sind merkbar zus\u00e4tzliche Zeit.<\/p>\n<p>Damit das \u00fcberhaupt funktioniert, m\u00fcssen aber auch entsprechend viele Lades\u00e4ulen vorhanden sein. Wenn man die 6-fache Zeit ben\u00f6tigt, und das doppelt so oft, muss die 12-fache Menge an Ladestellen gegen\u00fcber den Zapfs\u00e4ulen vorhanden sein. Hat eine Tankstelle im Schnitt 6 Zapfs\u00e4ulen, so ben\u00f6tigen die E-Tankstellen 72 Stromanschl\u00fcsse, und da auch Leute warten, macht das auch den 12-fachen Platz notwendig, d.h. es m\u00fcssen ca. 100 Fahrzeuge an der Stromtankstelle Platz haben.<\/p>\n<p>Das ist keine Milchm\u00e4dchenrechnung, denn man kann durchaus zwischen der Nachtladung (nach 10 Stunden soll der Akku voll sein) und der Schnellladung unterscheiden (nach 30 Minuten soll der Akku voll sein). Warum?<\/p>\n<p><strong>Stromnetze<\/strong>. Wenn die angestrebte Menge an E-Auto erreicht wird, stellt dies bereits eine erheblich Belastung f\u00fcr die Stromnetze dar. Schlie\u00dflich muss das, was heute aus Benzin kommt, ja komplett aus dem Kraftwerk kommen. Man braucht daher grunds\u00e4tzlich mehr Strom. Die Netze haben aber heute schon keine Reserven mehr &#8211; eher im Gegenteil, man muss sich wundern, das noch alles l\u00e4uft. Nachtladung w\u00e4re m\u00f6glicherweise zu einem gewissen Grad noch integrierbar. Wenn nicht gen\u00fcgend Strom zur Verf\u00fcgung steht, regelt man die Lades\u00e4ulen halt herunter. An Schnellladestationen funktioniert das aber nicht mehr! Die m\u00fcssen pro Entnahmestelle in der Lage sein, 40-60 kW zu liefern. Das w\u00fcrden die Netze heute nicht im notwendigen Umfang liefern k\u00f6nnen. Man muss daher in gro\u00dfem Umfang Kupfer im Boden vergraben, was man zumindest mittelfristig als Negativposten in der Umweltbilanz der E-Autos ber\u00fccksichtigen muss.<\/p>\n<p>Nicht nur das, auch mehr Strom wird ben\u00f6tigt. Windkraft und Sonnenergie k\u00f6nnen den derzeitigen Bedarf noch nicht einmal teilweise decken, und da man sich grunds\u00e4tzlich alternativen Techniken verweigert, kommen nur konventionelle Kraftwerke in Frage. Was beim so genannten Schadstoffaussto\u00df an den Fahrzeugen eingespart wird, pusten eben die Kraftwerke in die Luft. Vom immer wieder gepriesenen Umweltgesichtspunkt aus sind E-Autos damit nicht besser als Benziner.<\/p>\n<p><strong>Fazit.<\/strong> E-Autos sind in jeder Beziehung nach den derzeitigen Rahmenbedingungen eine ziemliche Mogelpackung. Umwelttechnisch nicht besser, und in Bezug auf die Nutzerfreundlichkeit ein deutlicher R\u00fcckschritt.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re allerdings nicht notwendig: in \u00fcberschaubaren Einsatzzwecken ist das E-Auto sicher eine Alternative &#8211; nicht heute, aber wenn die Reichweiten sich verl\u00e4ngern und Ladestationen zur Verf\u00fcgung stehen. Dazu w\u00e4ren aber auch andere Technologien der Stromerzeugung notwendig, die in Form des Thorium-Fl\u00fcssigsalzreaktors vermutlich zur Verf\u00fcgung stehen, aber aus ideoligischen Gr\u00fcnden noch nicht mal untersucht werden.<\/p>\n<p>Aber auch f\u00fcr Benziner gibt es Alternativen: die Spriterzeugung in Bioreaktoren mit Algen ist seit mehr als 10 Jahren einsatzfertig, d.h. die CO2-Problematik entf\u00e4llt, und den Rest der Umwelthysterie kann man technisch l\u00f6sen. Die Technik wird aber erst kommen, wenn Erd\u00f6l nicht mehr wirtschaftlicher gef\u00f6rdert werden kann, und sie wird wieder bei den Arabern stehen.<\/p>\n<p>Das konventionelle Auto hat somit weiter eine Zukunft, und das E-Auto wird seine Nische haben, aber nicht der Massenmarkt werden, den die Ideologen anstreben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin Naturwissenschaftler, und als solchen interessieren mich menschliche Gesetze in technischen Fragen herzlich wenig. 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