{"id":8106,"date":"2022-11-15T07:26:00","date_gmt":"2022-11-15T06:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=8106"},"modified":"2022-11-15T09:53:18","modified_gmt":"2022-11-15T08:53:18","slug":"digitale-waehrungen-einfaches-anonymes-geld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2022\/11\/15\/digitale-waehrungen-einfaches-anonymes-geld\/","title":{"rendered":"Digitale W\u00e4hrungen: digitales Geld"},"content":{"rendered":"\n<p>Es geht nat\u00fcrlich auch einfacher als mit Bitcoins, wenn eine zentrale Bank den Zahlungsverkehr \u00fcberwacht. Der ganze Aufwand f\u00fcr die Blockchain entf\u00e4llt, aber die Anonymit\u00e4t ist nat\u00fcrlich nicht mehr (unbedingt) gewahrt. Daf\u00fcr ist der Gegenwert, weil offizielles Zahlungsmittel, garantiert.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Problem bei digitalem Geld: ist ist nicht kopiersicher. Eine Datei kann man beliebig oft vervielf\u00e4ltigen, allerdings darf nur eine einmal verwendet werden. Die anderen m\u00fcssen danach wertlos sein. Daraus folgt, dass eine digitale M\u00fcnze &#8211; lassen wir es mal bei dem Begriff &#8211; zwar ausgestellt und beliebig lange aufbewahrt werden darf, beim Bezahlen der Empf\u00e4nger sie aber sofort wieder einl\u00f6sen muss, wenn er sicherstellen will, dass er sein Geld bekommt. Alles andere geschieht auf eigene Gefahr: gibt er selbst die M\u00fcnze weiter, ist er auf der sicheren Seite, aber der letzte Empf\u00e4nger sieht in die R\u00f6hre, falls inzwischen jemand anderer eine Kopie eingel\u00f6st hat. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wie sieht eine M\u00fcnze aus?<\/h4>\n\n\n\n<p>Eine M\u00fcnze ist einfach eine Datei mit folgendem Inhalt:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Name der Bank\nWert der M\u00fcnze\nSeriennummer\nDigitale Signatur<\/pre>\n\n\n\n<p>Die Seriennummer ist ein Unikat, d.h. eine M\u00fcnze ist einmalig. Die Bank notiert diese Nummer bei Ausgabe der M\u00fcnze und kennzeichnet sie als &#8222;eingel\u00f6st&#8220;, wenn der Empf\u00e4nger eine M\u00fcnze einreicht. Taucht der Datensatz ein weiteres Mal auf, wird sie nicht mehr eingel\u00f6st &#8211; im Klartext: dem Konto des Einreichers gutgeschrieben. Der Einreicher ist mithin nicht anonym. Es gibt aber ein paar Optionen, wie die Seriennummer ausgestellt wird.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Option 1: komplette Kontrolle durch die Bank<\/h4>\n\n\n\n<p>Bei dieser Option kauft der Kunde bei der Bank die M\u00fcnzen fertig ein. Die Bank kann sich notieren, welche Seriennummern sie an den Kunden ausgegeben hat und damit beim Einl\u00f6sen jederzeit kontrollieren, woher einer M\u00fcnze stammt. Wenn das Einreichen als online-Transaktion erfolgt, kann sie auch die Einl\u00f6sung verweigern. Das ist das, was manche bei der elektronischen W\u00e4hrung bef\u00fcrchten: der Staat\/die Bank kann das Kaufen bestimmter G\u00fcter verbieten und sperren. \u00b2\u207e<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Option 2: anonymer Kunde<\/h4>\n\n\n\n<p>Der Trick, die Identit\u00e4t des Kunden zu verbergen, hei\u00dft &#8222;Blinde Signatur&#8220;, was man auch mit Blanko-Unterschrift beschreiben k\u00f6nnte. Es gibt verschiedene solche Verfahren; ich beschreibe hier eine Methode mit Hilfe des RSA-Verschl\u00fcsselungsverfahrens. Es erfordert mehrere Schritte. Im ersten Schritt \u00fcbergibt die Bank dem Kunden einen M\u00fcnzrohling<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Name der Bank\nWert der M\u00fcnze\nSeriennummer des Signaturzertifikats<\/pre>\n\n\n\n<p>Pro M\u00fcnzwert verwendet die Bank ein bestimmtes Zertifikat. Damit wird verhindert, dass der Kunde einen 1 \u20ac &#8211; Rohling bestellt und heimlich einen 200 \u20ac Rohling daraus macht. Der Rohling wird ver\u00f6ffentlicht und wenn er in der fertigen M\u00fcnze nicht genau so auftaucht, sollte man die M\u00fcnze nicht annehmen. Der Kunde erg\u00e4nzt nun diese M\u00fcnze:<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Name der Bank\nWert der M\u00fcnze\nSeriennummer des Zertifikats\n<strong>Seriennummer der M\u00fcnze<\/strong><\/pre>\n\n\n\n<p>Die Seriennummer erzeugt der Kunde selbst. Die Bank kennt ihn nicht. Die Seriennummer ist einfach eine gro\u00dfe Zufallzahl. Sie darf in anderen M\u00fcnzen nicht verwendet werden, aber wenn die Zahl gro\u00df genug ist, wird das auch nicht passieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt fehlt nur noch die Signatur. Die ist ein mit einem asymmetrischen Verfahren verschl\u00fcsselter Hashwert. Bei asymmetrischen Verfahren gibt es zwei Schl\u00fcssel f\u00fcr die Ver- und Entschl\u00fcsselung, wobei man von einem Schl\u00fcssel nicht auf den anderen schlie\u00dfen kann. H\u00e4lt man einen Schl\u00fcssel geheim und verwendet ihn zum verschl\u00fcsseln, kann jeder mit dem \u00f6ffentlichen Schl\u00fcssel die Verschl\u00fcsselung r\u00fcckg\u00e4ngig machen und so sicher sein, dass nur der Inhaber des Geheimschl\u00fcssels die Verschl\u00fcsselung durchgef\u00fchrt hat.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">privat  ...  geheimer Schl\u00fcssel\npublic  ...  \u00f6ffentlicher Schl\u00fcssel\nhash    ...  Hashwert (kann jeder berechnen)\nsig = privat(hash)    ... Signatur\nhash == public(sig) = public(privat(hash))  ... alles ok<\/pre>\n\n\n\n<p>Um nun eine Signatur von der Bank zu erhalten, sendet der Kunde<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">z1 = hash * public(Seriennummer*Zufallzahl)<\/pre>\n\n\n\n<p>an die Bank. Die Mathematik dahinter ist so gestaltet, dass die Bank  z1  nicht in seine Bestandteile zerlegen kann. Die Bank erzeugt nun<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">z2 = privat(z1) = privat(hash) * private(public(...)\n   = sig * Seriennummer * Zufallzahl<\/pre>\n\n\n\n<p>und sendet diese Zahl an den Kunden zur\u00fcck. Der extrahiert nun<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">sign = z2 \/ (Seriennummer * Zufallzahl)<\/pre>\n\n\n\n<p>und besitzt nun eine g\u00fcltige M\u00fcnze.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Sicherheit bei Option 2<\/h4>\n\n\n\n<p>Der Kunde kann nicht mogeln, denn wenn er die M\u00fcnze \u00e4ndert, wird sie keiner einl\u00f6sen. Wenn er eine Seriennummer verwendet, die bereits verwendet wurde, wird die Bank die M\u00fcnze nicht einl\u00f6sen und der Kaufpreis der M\u00fcnze ist ebenfalls futsch. Das einzige Risiko ist, dass jemand anderer die Seriennummer bereits verwendet hat und seine M\u00fcnze noch nicht eingel\u00f6st wurde. Dann schaut einer von beiden in die R\u00f6hre. Wenn die Seriennummer gro\u00df genug ist, wird das aber nicht passieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bank kann die Einl\u00f6sung der M\u00fcnze nicht verweigern, wenn sie eine g\u00fcltige Signatur und Seriennummer besitzt. Sie kann aus einer eingel\u00f6sten M\u00fcnze auch nicht ableiten, wem sie sie gegeben hat, denn dazu m\u00fcsste sie die Zufallzahl wissen, mit der der Kunde  z1  erzeugt hat. Da der Kunde die Seriennummer ebenfalls selbst erzeugt hat, bleibt er v\u00f6llig anonym, solange der Einl\u00f6ser nicht seine Identit\u00e4t notiert und von der Bank gezwungen wird, diese Preis zu geben. Diese Option kommt Bargeld schon recht nahe.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h4>\n\n\n\n<p>Im Prinzip hat man damit anonymes Geld, von dem man sich beliebig viel auf sein Handy laden und es \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum ausgeben kann. Ist das Handy weg, ist nat\u00fcrlich auch das Geld weg, es sei denn, man hat sich eine Sicherheitskopie der M\u00fcnzen auf dem PC angelegt. Die sollte man aber gut verschl\u00fcsseln. Denn jeder kann mit einer solchen M\u00fcnze bezahlen, der sie irgendwo geklaut hat. Dazu m\u00fcsste er aber das Handy oder den PC knacken. Diebstahlsicherer ist die Sache bei etwas M\u00fche also auf jeden Fall.<\/p>\n\n\n\n<p>Rein theoretisch k\u00f6nnte man damit auch beliebig lange Zahlungsketten realisieren, in der Praxis sollte der Empf\u00e4nger einer M\u00fcnze die in einem online-Transaktionsverfahren sofort einl\u00f6sen, sonst ist das Betrugsrisiko sehr hoch. Die Umlaufzeit solcher M\u00fcnzen ist somit wesentlich geringer als bei Bargeld. Somit kann auch weniger vor dem Staat verborgen werden: wer ein Auto verkauft, kann Bargeld beliebig lange bunkern, wer das gegen elektronische M\u00fcnzen macht, sollte die zumindest sofort gegen eigene M\u00fcnzen tauschen. Schwarzgeldgesch\u00e4fte werden damit schwieriger, weil das Finanzamt nahezu jede Transaktion sieht und nachfragen kann, woher das Geld kommt. \u00b9\u207e<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu Bitcoin &amp; Co ist der Stromverbrauch dieser Methode mehr oder weniger Null und da Banken das Geld ausgeben, ist der Wert einer M\u00fcnze im Gegensatz zu Bitcoin garantiert. Bei einem Blackout ist das nat\u00fcrlich ebenfalls nicht nutzbar.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Varianten<\/h4>\n\n\n\n<p>Zwischen Option 1 und Option 2 gibt es noch andere Modelle, die durch Einschalten weiterer Parteien die Identit\u00e4t bei Bedarf offenlegt. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u00b9\u207e Denkbar sind nat\u00fcrlich Geldw\u00e4sche-Transaktionen, bei denen der Betrag zwar in einer online-Transaktion abgesichert wird, aber \u00fcber einen Mittelsmann, bei dem die Summe nicht auff\u00e4llt oder einer ausl\u00e4ndischen Bank. Der l\u00f6st die M\u00fcnzen ein und gibt dem Kunden eigene M\u00fcnzen abz\u00fcglich einer Geb\u00fchr daf\u00fcr. Business as usual, als Gesch\u00e4ftsmodell u.U. sogar noch gr\u00f6\u00dfer als jetzt, weil auch kleinere Betr\u00e4ge umgeschlagen werden. 1 Mio in elektronischen M\u00fcnzen lassen sich per Internet umsetzen, 1 Mio in Banknoten m\u00fcssen erst mal in einem gro\u00dfen Koffer durch den Zoll geschmuggelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u00b2\u207e Im Prinzip ist das nicht viel anders als bei Kreditkartenzahlungen. Die Bank kann nat\u00fcrlich versprechen, nichts zu notieren, was ein wenig Anonymit\u00e4t bringen w\u00fcrde, aber verlassen sollte man sich darauf nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geht nat\u00fcrlich auch einfacher als mit Bitcoins, wenn eine zentrale Bank den Zahlungsverkehr \u00fcberwacht. 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