{"id":7555,"date":"2022-07-12T07:17:00","date_gmt":"2022-07-12T05:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=7555"},"modified":"2022-07-10T18:01:40","modified_gmt":"2022-07-10T16:01:40","slug":"das-problem-der-flachwurzler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2022\/07\/12\/das-problem-der-flachwurzler\/","title":{"rendered":"Das Problem der Flachwurzler"},"content":{"rendered":"\n<p>Bei einer Rundreise durch die Republik kann man feststellen, dass einige Mittelgebirge teilentwaldet sind. Im Sauerland beispielsweise sind ganz H\u00e4nge und Kuppen inzwischen kahl.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wenn man allerdings genauer hinschaut, betrifft das nur Nadelw\u00e4lder. W\u00e4hrend die in den letzten Jahren zunehmen absterben, wuchern die Laubb\u00e4ume \u00fcppiger denn je. Von Waldsterben kann folglich keine Rede sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem liegt in der Profitsucht. Nadelb\u00e4ume wachsen gerade und schnell. So ein Fichten-Tannen-Wald ist nach 80 Jahren schlagreif, w\u00e4hrend ein Buchen-Eichenwald eher 120 Jahre ben\u00f6tigt und die B\u00e4ume zudem oft krumm und schief wachsen, wenn man sie nicht passend erzieht. Folglich bauen die Waldbauern Fichten und Tannen an &#8211; unabh\u00e4ngig vom Mikroklima.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist lange gut gegangen, allerdings scheinen sich die Feuchteverh\u00e4ltnisse in den letzten Jahren so verschoben zu haben, dass die Flachwurzler in Laubwaldgegenden Probleme bekommen. Sie bekommen nicht gen\u00fcgend Wasser und sterben \u00fcber Jahre hinweg ab (und nicht pl\u00f6tzlich, wie die Gr\u00fcnen gerne verkaufen). Dazu muss es noch nicht einmal absolut trockener werden, sondern es gen\u00fcgt eine Verschiebung der jahreszeitlichen Niederschl\u00e4ge. Den Tiefwurzlern macht das wenig aus, weil solche Zust\u00e4nde periodisch eben wiederkehren und sie es gewohnt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt, dass die geschw\u00e4chten B\u00e4ume zus\u00e4tzlich in den Monokulturen vom Borkenk\u00e4fer heimgesucht werden. Wie bei uns: wenn man geschw\u00e4cht ist, ist man anf\u00e4lliger gegen Krankheiten. <\/p>\n\n\n\n<p>Baum weg, Hang kahl. Problem 1: die H\u00e4nge sind nicht mehr durch die B\u00e4ume stabilisiert und es besteht die Gefahr von Erdrutschen und \u00dcberschwemmungen bei starkem Regen. Problem 2: die Holzernte ist auf Jahrzehnten hinaus nicht m\u00f6glich, da erst einmal neuer Wald bis zur Schlagreife herangezogen werden muss. Und das im Grunde nur, weil gegen die Natur B\u00e4ume an Standorten hochgezogen wurden, f\u00fcr die sie langfristig (und W\u00e4lder &#8222;denken&#8220; in Jahrhunderten) ungeeignet sind. Was den B\u00fcrgern nat\u00fcrlich wieder einmal als Klimaproblem verkauft wird, an dem wir Schuld sind. Problem 3: das Holz abgestorbener B\u00e4ume ist allenfalls bedingt als Rohstoff zu gebrauchen, d.h. auch die laufende Ernte f\u00e4llt gro\u00dfenteils aus. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>L\u00f6sung Mischwald? Also Nadel- und Laubb\u00e4ume gemischt? Vermutlich, aber man muss die Standortcharakteristik kennen. Kahle Schl\u00e4ge kann man mit Fichten und Buchen besetzen. Die Fichten wachsen schnell und dunkle Standorte machen den Buchen nichts aus. Werden die Fichten nach einigen Jahrzehnten geschlagen, machen die Buchen allerdings unten das Licht aus. Fichten vertragen das nicht, wohl aber Tannen, denen Dunkelheit weniger etwas ausmacht. Die wachsen halt ein wenig langsamer. Sind die Buchen schlagreif, kann man wieder Fichten nachsetzen. Allerdings ist das ein Denken in Jahrzehnten und Generationen. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Wird das Klima trockener? Ich kann es nicht genau sagen, aber es sieht f\u00fcr mich eher so aus, als w\u00fcrden die Trocken- und Regenperioden l\u00e4nger werden, w\u00e4hrend die Jahresstatistik wenig schwankt. Schon solche jahreszeitlichen Schwankungen wirken sich allerdings auf Pflanzen aus, die eigentlich ungeeignet f\u00fcr unsere Gegend sind. Der Energiemais beispielsweise k\u00fcmmert vor sich hin, wenn er nicht st\u00e4ndig grundwassersenkend beregnet wird. Dem hier ans\u00e4ssigen Getreide und den Grassorten macht das wenig aus; die wachsen trotzdem hervorragend, weil sie solche Schwankungen gewohnt sind.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Nebenbei: sowohl die IPCC-Klimarechner als auch deren Kritiker kommen mit verschiedenen Ans\u00e4tzen zu dem Schluss, dass Windkraftanlagen genau solche Auswirkungen auf die Feuchte-Verteilung haben (eigentlich noch schlimmer: alle kommen zu dem Schluss, dass Windkraftanlagen Trockenheit verursachen). Ob sich das auf die Gegenden \u00fcbertragen l\u00e4sst, in denen die Nadelw\u00e4lder trockengesch\u00e4digt sind, ist eine gute Frage, da die Windkraftrechnung i.d.R. nicht \u00fcber weite Entfernungen von den Anlagen durchgef\u00fchrt wird. Allerdings gibt es eine Korrelation, die darauf hinweisen k\u00f6nnte: stellt man die Zeit, die so ein W\u00e4ldchen ben\u00f6tigt, um sich zu einem Gebiet abgestorbener und die Rinde verlierender S\u00e4ulen zu verwandeln, mit dem Ausbauwahnsinn der WKA ins Verh\u00e4ltnis, so ist die Bauwut zeitlich genau der Ausl\u00f6ser f\u00fcr das Absterben. Nebenbei auch f\u00fcr den unglaublichen R\u00fcckgang an Insekten und V\u00f6geln. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Manche Leute hoffen, dass es so trocken wird, dass es auch gr\u00fcne Gehirne endlich austrocknet. Ich wei\u00df nicht so richtig: &#8222;Gr\u00fcne&#8220; und &#8222;Gehirne&#8220; kann ich schon seit l\u00e4ngerem nicht mehr in einen syntaktischen Zusammenhang bringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei einer Rundreise durch die Republik kann man feststellen, dass einige Mittelgebirge teilentwaldet sind. Im Sauerland beispielsweise sind ganz H\u00e4nge und Kuppen inzwischen kahl. Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-7555","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7555","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7555"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7555\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7556,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7555\/revisions\/7556"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7555"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7555"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7555"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}