{"id":7311,"date":"2022-05-06T08:11:00","date_gmt":"2022-05-06T06:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=7311"},"modified":"2022-05-05T09:13:05","modified_gmt":"2022-05-05T07:13:05","slug":"polen-die-blaupause-fuer-die-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2022\/05\/06\/polen-die-blaupause-fuer-die-ukraine\/","title":{"rendered":"Polen: die Blaupause f\u00fcr die Ukraine"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn man einmal eine Blaupause f\u00fcr die Ausl\u00f6sung eines Krieges hat, kann man es ja noch einmal versuchen. Die Blaupause f\u00fcr den Ukraine-Krieg hei\u00dft &#8222;Polen-\u00dcberfall 1939&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Deutsche Reich hatte den 1. Weltkrieg verloren, der hatte jedoch in einem Friedensvertrag geendet, in dem sehr ausf\u00fchrlich festgelegt war, wann und wie die meisten territorialen und ethnischen Konfliktpotentiale zu l\u00f6sen waren. Polen war wieder neu erstanden und da gab es einige Konfliktpunkte, weil sich die Ethnien eben in Verlauf der Jahrhunderte vermischt hatten. Die Polen zu einer harten nationalistischen Haltung zu bewegen war nach dem langen Souver\u00e4nit\u00e4tsverlust und der nur unzureichenden Integration in die Nationalstaaten vor dem Krieg nicht schwierig. Polen wollte die Konflikte in seinem Sinn l\u00f6sen, was aber nicht unbedingt mit den Vertr\u00e4gen vereinbar war.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Ukraine war das nicht ganz so einfach: um ein vergleichbares Klima wie vor dem 2. WK in Polen zu schaffen, bedurfte es eines Putsches, der 2014 durchgepeitscht wurde (Hauptinteressent: die USA, die leider auch \u00fcber die Mittel verf\u00fcgen, das umzusetzen). Das Ergebnis waren schlie\u00dflich wieder Vereinbarungen (Minsker Vertr\u00e4ge), in denen festgeschrieben wurde, die die ethnischen und territorialen Konflikte zu beseitigen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun sind beide F\u00e4lle im Parallelbetrieb angekommen. Um in den Krieg zu m\u00fcnden gen\u00fcgen zwei Ausl\u00f6ser:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Eine strikte Weigerung, sich an die Vertr\u00e4ge zu halten und militant dagegen zu versto\u00dfen. Es muss nicht weiter aufgeschl\u00fcsselt werden, dass dies in Polen in den Gebieten mit vorzugsweise deutscher Bev\u00f6lkerung und in der Ukraine mit vorzugsweise russischer Bev\u00f6lkerung exakt in gleicher Form erfolgte.<\/li><li>Ein verdeckter Unterst\u00fctzer im Hintergrund, der weitreichende Zusicherungen macht und Unterst\u00fctzung gew\u00e4hrt und im Kriegsfall Garantien gibt, den Angegriffenen rauszuhauen. Nur mit dieser Zusicherung im R\u00fccken sind die Vertragsverst\u00f6\u00dfe in ausreichend militanter Form durchzuhalten. Der Geleimte f\u00fcr den Stellvertreterkrieg, hier die Ukraine, dort Polen, muss sich sicher f\u00fchlen. Treiber\/Garanten in beiden F\u00e4llen: die USA mit ihren britischen Anh\u00e4ngseln.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Die Devise hei\u00dft nun, den Gegner &#8211; hier Russland, dort das neue Deutsche Reich &#8211; bis aufs Blut zu piesacken, immer wieder diplomatische Scheinman\u00f6ver anzufangen, die im Nirvana enden und die Minderheitsethnien zu drangsalieren. Auch diese Anlaufphase zum Krieg ist in beiden F\u00e4llen absolut identisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, an dem der Herausgeforderte zuschlagen muss, schon alleine im Interesse der Minderheiten, die er vertritt. Hitler stampfte Polen im Blitzkrieg in wenigen Wochen in den Boden, Putin machte das Gleiche, allerdings bed\u00e4chtiger. Milit\u00e4risch war die Sachlage jedenfalls nach kurzer Zeit klar. Ob sich die Englisch sprechenden Kriegstreiber und Verantwortlichen verkalkuliert und nicht mit derartigen Blitzkriegen gerechnet haben, sei einmal dahin gestellt. Auf jeden Fall war damit erst einmal eine solide Basis f\u00fcr Verhandlungen geschaffen &#8211; falls man verhandeln will. Also auch bis hierhin weiterhin Parallelit\u00e4t zwischen den Ereignissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was vielen unbekannt sein d\u00fcrfte: bereits in den letzten Kriegstagen des Polenfeldzugs gab es weitreichende Verhandlungsoffensiven der deutschen Seite: volle Wiederherstellung der polnischen Souver\u00e4nit\u00e4t, deutsche und internationale Garantien f\u00fcr polnische Gebietsanspr\u00fcche und einiges mehr.\u00b9\u207e Im Gegenzug eben die Durchsetzung der deutschen Rechte aus dem Versailler Vertrag und eine Blockfreiheit Polens. Wieder eine volle Parallelit\u00e4t mit dem, was bislang im Ukraine-Krieg von russischer Seite kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Antwort ist allgemein bekannt: &#8222;unconditional surrender&#8220; anstelle von Verhandlungen. Von britischer und US-amerikanischer Seite wurden Verhandlungen strikt abgelehnt. Der Krieg gegen den &#8222;Aggressor&#8220; sollte und musste bis zum bitteren Ende weiter gehen. Und auch heute ist das wieder so: niemand au\u00dfer ein paar Ukrainern verhandelt mit Russland. Im Gegenteil wird der Kriegsschauplatz Ukraine (damals Westeuropa) weiterhin mit Waffen und Munition zugepflastert. Menschliches Leid? Was interessiert das die Kriegstreiber? Also auch hier wieder eine Parallelit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p> Die n\u00e4chste Phase ist eine Einkreisung des Aggressors und die F\u00fchrung eines Zerm\u00fcrbungskrieges in der Hoffnung, auf den Schultern anderer V\u00f6lker zum Erfolg zu kommen. !939\/40 wurden alle m\u00f6glichen Staaten mit oder gegen ihren Willen zu aggressivem Verhalten gezwungen. Heute sind das die EU-Staaten, die derzeit besonders von den ehemaligen Friedens-Engeln, den Gr\u00fcnen, die sich aber inzwischen als kompromisslose widerliche Kriegshetzer erwiesen haben, eingepeitscht. Die Konstellationen sind nat\u00fcrlich nun andere als vor 80 Jahren, aber der gro\u00dfe Kriegstreiber dahinter, der mit seiner wirtschaftlichen Macht einen geheimen und sehr dreckigen Krieg f\u00fchrt &#8211; die USA &#8211; ist der gleiche.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie geht es weiter? Denn Unterschiede gibt es ab jetzt schon. 1940 gelang es nach und nach, nahezu die gesamte Welt gegen das Deutsche Reich in Stellung zu bringen. Heute scheint das ungleich schwieriger. Au\u00dfer den Englisch sprechenden Nationen und den EU-L\u00e4ndern macht bislang keiner gegen Russland mit. Eher im Gegenteil. Au\u00dfer durch den Krieg gibt es f\u00fcr Russland weltweit keine Hindernisse. Man sollte vielleicht auch darauf hinweisen, dass die US-Rechnung bereits 1940 gute Chancen hatte, nicht aufzugehen: h\u00e4tte Hitler auf den \u00dcberfall auf Russland verzichtet, h\u00e4tten die Westaliierten am Status quo wenig \u00e4ndern k\u00f6nnen und es w\u00e4re bei einem Dauerkonflikt geblieben, in dem man sich gegenseitig ein paar Bomben an den Kopf warf, bis ev. die Bev\u00f6lkerungen die Nase voll gehabt h\u00e4tten. Die US-Seite h\u00e4tte mit der Hoffnung weitermachen m\u00fcssen, dass schlie\u00dflich Stalin Deutschland \u00fcberf\u00e4llt und nicht umgekehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sieht es heute aus? Ich kenne nat\u00fcrlich nicht alle Details, aber die russische Seite sollte sich nach der Einnahme der strittigen Gebiete und einer Pufferzone einen Materialkrieg leisten k\u00f6nnen, der f\u00fcr die USA und ihre Vasallen deutlich teurer ist als f\u00fcr die Russen (von toten Soldaten abgesehen). Waffen m\u00fcssen erst in die Ukraine geschafft werden und da scheint das Terrain so \u00fcbersichtlich zu sein, dass die russische Armee vieles fr\u00fchzeitig ausschalten kann (erste Meldungen scheinen das zu best\u00e4tigen). In Westeuropa l\u00e4uft derweil alles in Richtung eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Weder Wehrf\u00e4higkeit noch \u00fcberhaupt Wehrwilligkeit kann vorausgesetzt werden. Bereits 2005 gab es durchgesickerte angebliche CIA-Analysen, die von b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Entwicklungen in den EU-Staaten nach 2020 ausgingen. Das scheint inzwischen eher wahrscheinliches Szenario denn Verschw\u00f6rungstheorie.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wirklich weitgehend alles nach US-Plan verl\u00e4uft, was stecken dann f\u00fcr Ziele dahinter? Westeuropa als Konkurrent auszuschalten schaltet auch gleichzeitig die Verb\u00fcndeten aus, w\u00e4hrend die eigentlichen Konkurrenten von Russland \u00fcber China, Indien und den gesamten fernen Osten noch st\u00e4rker werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u00b9\u207e Ob das gegen Stalin durchzusetzen gewesen w\u00e4re, sei einmal dahin gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Wer sich ausf\u00fchrlich informieren will, wird hier f\u00fcndig:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-amazon-kindle wp-block-embed is-type-rich is-provider-amazon\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"1939 \u2013 Der Krieg, der viele V\u00e4ter hatte: Der lange Anlauf zum Zweiten Weltkrieg\" type=\"text\/html\" width=\"604\" height=\"550\" frameborder=\"0\" allowfullscreen style=\"max-width:100%\" src=\"https:\/\/lesen.amazon.de\/kp\/card?preview=inline&#038;linkCode=kpd&#038;ref_=k4w_oembed_tYLWTN0fm9fAQl&#038;asin=395768210X&#038;tag=kpembed-20\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man einmal eine Blaupause f\u00fcr die Ausl\u00f6sung eines Krieges hat, kann man es ja noch einmal versuchen. 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