{"id":7281,"date":"2022-04-17T09:54:00","date_gmt":"2022-04-17T07:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=7281"},"modified":"2022-04-16T10:36:03","modified_gmt":"2022-04-16T08:36:03","slug":"dekolonialisierung-der-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2022\/04\/17\/dekolonialisierung-der-wissenschaft\/","title":{"rendered":"Dekolonialisierung der Wissenschaft"},"content":{"rendered":"\n<p>Vielleicht sollte man auch besser Entwissenschaftlichung der Wissenschaft sagen, wobei ich pers\u00f6nlich den Begriff Wissenschaft auf die vielen Geschw\u00e4tzf\u00e4cher seit langem gar nicht mehr beziehe. Allerdings trifft es inzwischen auch die &#8222;harten&#8220; Naturwissenschaften, und das nicht nur im L\u00e4ndle des unbegrenzten Bl\u00f6dsinns (United States [of Bullshit]), sondern zunehmend auch in Europa, wo &#8222;Cancel Culture&#8220; auch in die Lehrpl\u00e4ne einsickert und zunehmend in Richtung &#8222;Cancel Science&#8220; ausartet.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>So gibt es im englischen St\u00e4dtchen Durham eine Universit\u00e4t, die eine &#8222;Dekolonialisierung&#8220; der Lehrpl\u00e4ne vorschreibt. F\u00fcr den Fachbereich Arch\u00e4ologie findet man da auf der Seite der Universit\u00e4t:<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Dekolonisierung des Lehrplans<\/h4>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Was ist Entkolonialisierung?<\/h5>\n\n\n\n<p>Die\n Entkolonialisierungs- (oder Entkolonialisierungs-) Bewegung durch \ngemeinsamen Konsens verwendet den Begriff, um sich auf die \nR\u00fcckg\u00e4ngigmachung des Kolonialismus zu beziehen. Definitionen\n k\u00f6nnen sich auf \u201eEntkolonialisierung\u201c als eine starke Metapher f\u00fcr \neinen kritischen Ansatz beziehen, der die Reproduktion dominanter Macht,\n sozialer Strukturen und kultureller Episteme untersucht, die bestimmte \nGruppen historisch privilegiert haben, w\u00e4hrend sie andere Gruppen \nentlang rassischer, menschlicher, ethnische, religi\u00f6se und andere \nintersektionale Unterschiede.<\/p>\n\n\n\n<p>Das  Ziel ist es, solche Strukturen aufzudecken und radikal zu  transformieren, mit zwei Effekten: <strong>Erstens, Raum f\u00fcr systematisch  marginalisierte Gruppen zu schaffen, sich zu erheben, Macht auszu\u00fcben  und die Welt gleicherma\u00dfen zu gestalten, und zweitens, die Geschichten  und Narrative unserer Gesellschaften zu diversifizieren Vergangenheit,  Gegenwart und Zukunft.<\/strong> Innerhalb  der Arch\u00e4ologie, Museen und des Kulturerbes kann \u201eEntkolonialisierung\u201c  als ein Prozess der Bewertung, Offenlegung und Transformation von Ideen,  Werkzeugen und Materialien definiert werden, die soziale Ungleichheiten  aufgrund von kulturellem Chauvinismus, nicht einvernehmlichen  Beziehungen und der Ausbeutung von Ressourcen aufrechterhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\n wird anerkannt, dass die postkoloniale Arch\u00e4ologie eine Grundlage f\u00fcr \nKritik lieferte, aber dass \u201eEntkolonialisierung\u201c uns zu einem neuen \nPunkt des Aktivismus bringt. Unter\n diesen Umst\u00e4nden sollten wir den Kolonialismus und seine \nHinterlassenschaften nicht nur akademisch diskutieren, sondern uns damit\n befassen, wie unsere eigenen Lehr-, Forschungs- und \nBesch\u00e4ftigungspraktiken soziale Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten \naufrechterhalten k\u00f6nnen, wie unbeabsichtigt sie auch sein m\u00f6gen, und wie\n sie umgewandelt werden k\u00f6nnen, um mehr Gerechtigkeit und Soziales zu \nf\u00f6rdern Gerechtigkeit in der Disziplin und Beseitigung vergangener \nUngerechtigkeiten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Das fett gedruckte, von mir hervor gehobene, zeigt, wo es hingeht: Machtaus\u00fcbung durch Minderheiten und Verf\u00e4lschung der Geschichte. Auch vor der Mathematik macht dieser Schwachsinn nicht Halt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>In Gro\u00dfbritannien hat die renommierte Durham University angek\u00fcndigt,  den Mathematik-Lehrplan \u201eentkolonialisieren\u201c zu wollen. Neue Richtlinien  weisen die Mitarbeiter der mathematischen Fakult\u00e4t unter anderem an,  kurze Biographien der Theoretiker zu erstellen, deren Arbeiten sie in  ihren Modulen vorstellen. Wer \u00fcberwiegend \u201ewei\u00dfe und\/oder m\u00e4nnliche\u201c  Pers\u00f6nlichkeiten ausw\u00e4hle, m\u00fcsse \u201esich selbst hinterfragen\u201c.<\/p><p>Angeh\u00f6rigen der Fakult\u00e4t wird auch nahegelegt, \u00fcber die \u201ekulturellen  Urspr\u00fcnge der mathematischen Konzepte, Schwerpunkte und Notationen, die  wir am h\u00e4ufigsten verwenden\u201c nachzudenken. Au\u00dferdem sollten sie  versuchen, mit ihren Beispielen den \u201ewestlichen Bezugsrahmen\u201c zu  verlassen, etwa indem sie das\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Simpson-Paradoxon\">Simpson-Paradoxon<\/a>\u00a0aus der Statistik nicht wie in England \u00fcblich anhand von \u00dcberlebenden der\u00a0<em>Titanic<\/em>\u00a0erkl\u00e4ren, sondern zum Beispiel mit Bezug auf \u201edie Unterrepr\u00e4sentation der Maori in neuseel\u00e4ndischen Geschworenengerichten\u201c.<\/p><p>Dieser Ansatz hei\u00dft, wie auch der\u00a0<em>Telegraph<\/em>\u00a0in einem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/2022\/04\/09\/decolonise-maths-subtracting-white-male-viewpoint-urges-durham\/?fbclid=IwAR2CCRloJeAWcHrUdF_JhofoiP22yPN2poxcnCPYTB9rmC-_SKDnoV-E6h0\">aktuellen, kritischen Bericht<\/a>\u00a0\u00fcber das Vorhaben der Durham University bemerkt, \u201eEthnomathematik\u201c .<\/p><cite><a href=\"https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/ausgestossene_der_woche_pfarrer_jurist_historikerin\">https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/ausgestossene_der_woche_pfarrer_jurist_historikerin<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Nun ist das gar nicht so einfach, eine Neger-Mathematik &#8211; und darum geht es eigentlich, denn alle anderen Ethnien geh\u00f6ren anscheinend zum wei\u00dfen Feindbild oder sind ohnehin gut im Curriculum vertreten &#8211; zu finden. Kulturelle und wissenschaftliche Errungenschaften setzen Sesshaftigkeit, relativ dichte Besiedlung und nicht ganz unkritische Lebensbedingungen voraus. Wenn man in die Geschichte schaut, kommt es nur unter solchen Umst\u00e4nden zur Bildung von St\u00e4dten und der Notwendigkeit, passende Techniken zu entwickeln, was letztlich auf eine Entwicklung von Wissenschaft hinaus l\u00e4uft. Wenn in Schwarzafrika solche Entwicklungen ausblieben oder die Kulturen zu kurzlebig waren, um dauerhafte Spuren zu hinterlassen, ist heute auch nichts da, was zu zitieren w\u00e4re. \u00b9\u207e<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ja, f\u00fcr mich wieder einmal ein Grund, \u00fcber die Gnade meiner fr\u00fchen Geburt zu sinnieren. Die heutigen Leute an Hochschulen in den harten F\u00e4chern haben weder einen Arsch in der Hose noch die Cochones, gegen den Unfug in irgendeiner Form aufzubegehren (mit anderen Worten: der so genannte Unterleib besteht aus den nackten Beckenknochen). Im Gegenteil machen sie meist sogar ernsthaft mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer noch mehr wissen will, wie es heute an solchen Hochschulen aussieht, kann hier mal bl\u00e4ttern:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><a href=\"https:\/\/www.durham.ac.uk\/homepage\/\">https:\/\/www.durham.ac.uk\/homepage\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Empfohlen sei ein Vergleich der Fotos gl\u00fccklich l\u00e4chelnder Studis aller m\u00f6glichen Ethnien mit den Corona-Regeln, die wie hier weit jenseits dessen liegen, was der Staat noch vorschreibt, verbunden mit den Empfehlungen, sich wieder und wieder Giftspritzen zu lassen. Wohl eher Huchschule als Hochschule. Die Hochschule hat auch ein spezielles <a href=\"https:\/\/www.dur.ac.uk\/colleges.se.division\/pvcoffice\/conductteam\/\">&#8222;B\u00fcro zur Verfolgung studentischen Fehlverhalten&#8220;<\/a>, bei dem sich jede beschweren kann, sie sei m\u00f6glicherweise sexuell bel\u00e4stigt worden oder k\u00f6nnte es werden (kein Scherz, das ist wirklich so formuliert). Da kann man auch schon mal wegen eines lockeren Tons dem\u00fctigende Selbstkritik in Kauf nehmen m\u00fcssen oder fliegt gleich von der Hochschule.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u00b9\u207e Man werfe einen Blick auf die mesopotamische, \u00e4gyptische, r\u00f6mische oder andere antike Kulturen. Aus dem einen oder anderen Grund sind die meisten untergegangen einschlie\u00dflich ihrer Wissenschaften und welches auch heute noch erstaunliche Niveau dort erreicht wurde, l\u00e4sst sich oft nur den arch\u00e4ologischen Spuren entnehmen. In Schwarzafrika gibt es aus verschiedenen Gr\u00fcnden nur rudiment\u00e4re Spuren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielleicht sollte man auch besser Entwissenschaftlichung der Wissenschaft sagen, wobei ich pers\u00f6nlich den Begriff Wissenschaft auf die vielen Geschw\u00e4tzf\u00e4cher seit langem gar nicht mehr beziehe. 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