{"id":668,"date":"2016-10-09T10:23:23","date_gmt":"2016-10-09T08:23:23","guid":{"rendered":"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=668"},"modified":"2016-10-09T10:23:23","modified_gmt":"2016-10-09T08:23:23","slug":"eine-truppe-zum-fuerchten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2016\/10\/09\/eine-truppe-zum-fuerchten\/","title":{"rendered":"Eine Truppe zum F\u00fcrchten"},"content":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher waren die deutschen Armeen,obwohl sie zahlenm\u00e4\u00dfig meist kleiner waren als die ihrer Gegner, gef\u00fcrchtet. Bei der aktuellen deutschen Armee, der Bundeswehr, kann man sich aber wohl eher davor f\u00fcrchten, zum Mitmachen aufgefordert zu werden.<\/p>\n<p><!--more-->Eigentlich sollte die BRD ja gar keine Armee mehr bekommen, aber im Rahmen des kalten Krieges quengelte der Friedensengel Konrad Adenauer auch mit dem Hinweis, dass die DDR im Begriff war, die NVA aufzubauen, so lange rum, bis die Siegerm\u00e4chte es ihm erlaubten. Damit waren die Weichen f\u00fcr eine bis heute nicht abrei\u00dfende Serie unglaublicher Peinlichkeiten gestellt (und von denen vemutlich nur ein Bruchteil in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe bekannt sind).<\/p>\n<p>Die erste gr\u00f6\u00dfere Panne war der Starfighter, die Lockheed F104G. Enwickelt Anfang der 50er, von den USA au\u00dfer Dienst gestellt Anfang der 60er, in anderen Staaten in Betrieb bis in die 90er (Italien) bzw. das neue Jahrtausend. Spricht eigentlich f\u00fcr ein zuverl\u00e4ssiges Flugger\u00e4t &#8211; au\u00dfer in Deutschland. Von den \u00fcber die Jahre gekauften 900 Maschinen sind 300 verungl\u00fcckt, davon 269 abgest\u00fcrzt (das sind mindestens 50 Strahlflugzeuge mehr als die Bundeswehr heute am Boden hat).<\/p>\n<p>Wenn man nach den Gr\u00fcnde fragt, st\u00f6\u00dft man auf Unf\u00e4higkeit und Ignoranz, das typische und bereits damals in gro\u00dfem Umfang vorhandene Accessoire der deutschen Politik. Wo bekommt man Personal her, wenn man eine Luftwaffe nach einem Krieg aufbauen will? Vom Restpersonal des Krieges. Und so war der Chef der Bundesluftwaffe in Spee ein altgedienter Wehrmachtsgeneral, der sein Handwerk verstand. Bei der Beschaffung muss sich ungef\u00e4hr folgender Dialog abgespielt haben: General: &#8222;Die F104 ist ein gervorragender Abfangj\u00e4ger.&#8220; &#8211; Politik: &#8222;Wir wollen aber einen Jagdbomber.&#8220; &#8211; General: &#8222;Dazu ist die Maschine nicht geeignet. Da w\u00e4re &#8230; besser geeignet.&#8220; &#8211; Politik: &#8222;Wir haben Lockheed aber schon zugesagt. Das wird ein Jagdbomber, basta.&#8220; &#8211; Lockheed: &#8222;Das geht schief.&#8220; &#8211; Politik: &#8222;Wollt ihr Geld verdienen? Dann seid ruhig.&#8220; &#8211; Lockheed: &#8222;&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Bleiben wir noch ein wenig bei der Luftwaffe. Irgendwann war es nat\u00fcrlich mit der F104 aus, und man stieg auf die Phantom um. Als kriegstauglich im Vietnam-Krieg nachgewiesen und seit Anfang der 60er im Einsatz. Die USAF war nat\u00fcrlich schon wieder mit Erneuerung besch\u00e4ftigt, w\u00e4hrend die Bundeswehr kaufte und den Flieger bis 2013 im Einsatz hielt. Immerhin konnte die Bundeswehr mit der Maschine doch einmal Eindruck schinden: ein Offizier erz\u00e4hlte mir, dass Anfang der 2000er eine Staffel in die USA mit ein paar Zwischenlandungen zu einer gemeinsamen Flugshow in die USA \u00fcbersetzte. &#8222;Eine ganz kleine Air-Base in der Provinz. Nur 250 Maschinen. Also mehr als die ganze Luftwaffe besitzt.&#8220; &#8211; so seine Schilderung. Fragen der fachkundigen Besucher: &#8222;Wie seid ihr denn mit diesen Museumsmaschinen hier hin gekommen?&#8220; &#8211; &#8222;Geflogen nat\u00fcrlich!&#8220; &#8211; worauf die Frager meinten, sie h\u00e4tten ja schon viel \u00fcber mutige Piloten geh\u00f6rt, aber die Luftwaffe sei wohl doch etwas Besonderes.<\/p>\n<p>Eine andere Maschine ist der Tornado, produziert von 1973-1999 (wird also nicht mehr gebaut) und noch heute mit 68 Maschinen (ca. 1\/3) in der Luftwaffe vertreten. Den hat jetzt ein Flugverbot ereilt, was die Presse u.a. mit &#8222;Modernste Tornado-Jets der Luftwaffe m\u00fcssen am Boden bleiben&#8220; kommentierte. Grund: ein mangelhaftes Bauteil. Auffallend: nach 35 Einsatzjahren &#8222;modernste Technik&#8220; und M\u00e4ngel, die nicht nur ein Flugzeug, sondern die gsammte Serie stilllegen. Wird zwar schnell behebbar sein, aber doch recht peinlich, insbesondere, wenn das in der Form an die \u00d6ffentlichkeit dringt.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt Technik: ein Passagierflugzeug fliegt von Deutschland in die Karibik, l\u00e4dt Passagiere, Gep\u00e4ck und Catering aus und ein und ab geht es nach zwei Stunden zur\u00fcck nach D, dort wiederholt sich das Spiel. Wartung: alle 250-600 Flugstunden, etwas intensiver nach 1000 Flugstunden, intensiv nach 5000 Flugstunden, Generl\u00fcberholung nach ca. 55.000 Flugstunden. Deutsche Milit\u00e4rmaschine: Flug von D nach Afghanistan (also nur ein paar Flugstunden), anschlie\u00dfend 2-3 Monate \u00dcberholung bis zum Einsatz.<\/p>\n<p>Letzte Panne: Transportflugzeuge. Die Transall ist seit 1968 im Einsatz, heute noch mit 45 Flugzeugen. Auch da Pannen: bei der Verlegung von Bodentruppen nach Afghanistan kam ein Teil der Truppe nur bis nach S\u00fcdosteuropa. Dort hatte die Truppe einen l\u00e4ngeren Aufenthalt in einem Nobelhotel, weil das Flugzeug nicht mehr wollte und man sich von den Holl\u00e4ndern Ersatz leihen musste.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Neubeschaffung wurde Airbus der Auftrag zur Entwicklung der A-400 erteilt. Aufgrund diverser Pannen jahrelange Verz\u00f6gerungen und Preissteigerungen. U.a. stellte sich heraus, dass die Start- und Landebahnen deutlich l\u00e4nger sein m\u00fcssen als eigentlich vorgesehen.<\/p>\n<p>Letztes Beispiel: das geplatzte Drohnenprojekt, weil das Flugger\u00e4t keine Flugfreigabe bekam. Irgendwie peinlich.<\/p>\n<p>Bekannt sind auch die Probleme bei den Handfeuerwaffen. Nach Ersatz des G3 aus dem Jahre 1959 durch das G36 seit 1997 stellt sich kaum 20 Jahre nach Einf\u00fchrung heraus, dass das Gewehr nicht genau schie\u00dft. Was hat man eigentlich in den 20 Jahren damit gemacht? Und ist es wirklich so schlecht, dass sich der Soldat garantiert w\u00e4hrend des 80-130. Schusses in einem Einsatz selbst in den R\u00fccken schie\u00dft? Geredet dar\u00fcber wird jedenfalls nur von Politikern und Pressefuzzis, die selbst garantiert nie so ein Ding selbst in der Gand gehabt haben.<\/p>\n<p>Die mischen sich auch in die Ausbildung ein. Eine Kampfausbildung, die bez\u00fcglich der H\u00e4rte so mancher Hobbysportler freiwillig auf sich nimmt, f\u00fchrt in der Bundeswehr zu Strafprozessen wegen K\u00f6rperverletzung gegen die Ausbilder. Schon sinnig, wenn man hinterher in irgendeiner 8000 km entfernten W\u00fcste die Demokratie von Deutschland verteidigen darf. Soll sich das vielleicht auf &#8222;Geh weg, du b\u00f6ser Taliban!&#8220; beschr\u00e4nken? Ein Feldwebel meinte mir gegen\u00fcber einmal &#8222;da werden selbst Kampfstiefel ausgemustert, weil sie nicht orthopedischen Anspr\u00fcchen gen\u00fcgen.&#8220; Vielleicht \u00fcbertrieben, aber in der Tendenz glaubw\u00fcrdig, insbesondere wenn Soldaten, die dort unter Kriegsbedingungen beschossen werden und sich zur Wehr setzen, anschlie\u00dfend hier straf- und zivilgerichtlich belangt werden.<\/p>\n<p>Inzwischen ist die Truppe eine Berufsarmee. Aber trotz halal-K\u00fcche, Einhaltung von Kampfpausen w\u00e4hrend der Gebetsstunden (siehe Asterix in Britannien) und m\u00f6glicherweise auch Kopftuchzulassung bei der weiblichen Belegschaft scheidet anscheinend bis zu 1\/3 der Soldaten vorzeitig aus, weshalb einige auch wieder \u00fcber eine Wehrpflicht fabulieren. Kaum bekannt: die 170.000 Mann starke Truppe hat zus\u00e4tzlich ca. 70.000 private Wachschutzleute unter Vertrag, die das Eigentum der Bundeswehr \u00fcberwachen.<\/p>\n<p>Die Marine soll auch nicht ganz vernachl\u00e4ssigt werden: zum Anti-Piraten-Einsatz in das rote Meer wurden auch Schnellboote geschickt &#8211; v\u00f6llig ungeeignet f\u00fcr diese Klimaverh\u00e4ltnisse, weil f\u00fcr den Einsatz in kalten Regionen ausger\u00fcstet. Ein Gutes hatte das dennoch: bei einer Begegnung mit Piraten konnte ein Schnellboot dank seines starken Motors entkommen, denn eine Gegenwehr war nicht m\u00f6glich, da die Bordwaffen noch immer in ihren Schutzh\u00fcllen steckten und nicht eingesetzt werden konnten. Peinlich, wenn Piraten jetzt auch noch mit gekaperten Fahrzeugen der Bundesmarine unterwegs w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Das alles ist nat\u00fcrlich nicht zum Nulltarif zu haben. Um die Bundeswehr zu finanzieren, kassiert der damalige Bundeskanzler Adenauer kurzerhand die Rentenr\u00fcckstellungen ein und schaffte das Umlagesystem. Das Ergebnis ist bekannt: nach 40 Jahren Arbeit und mehr als 20% Rentenbeitrag kann man leicht nachrechnen, dass die verbleibenden 15 Jahre Ruhestand gut ohne Lohneinbu\u00dfen fininazierbar w\u00e4ren. Die Realit\u00e4t sind weniger als 50% bei hohen Nebenkosten und Abnahme der Ruhestandszeit auf demn\u00e4chst vielleicht 10 Jahre. Und das sind nur die pers\u00f6nlichen Nachteile, die volkswirtschaftlichen aufgrund fehlender langfristiger Investition in eigenen Land, die andere \u00fcbernommen haben, rechne ich gar nicht erst dazu. Jahrzehnte war der Verteidigungshaushalt der gr\u00f6\u00dfte im Bundeshaushalt. W\u00e4hrend er sich aber relativ nur wenig \u00e4nderte, wird er inzwischen um den Faktor 5 durch den Sozialhaushalt \u00fcberfl\u00fcgelt, bei dem dem B\u00fcrger immer das M\u00e4rchen vom demografischen Wandel als einzige Ursache als L\u00fcge aufgetischt wird. Die demografisch bedingten Zusatzausgaben aufgrund des Umlagesystems bei Renten haben daran nicht den gr\u00f6\u00dften Anteil. Die Rentenzusch\u00fcsse liegen bei ca. 50 Mrd &#8211; bei einem Gesamthaushalt von 150 Mrd!<\/p>\n<p>Aber Politik ist, wenn man trotzdem lacht. Wir sind selbst dran Schuld. Wetten, dass mehr als 50% der B\u00fcrger eine der t\u00e4glichen Doku-Soaps aus dem Hartz-IV-TV nicht von Anne Will oder einer runde zwischen Trump und Clinton unterscheiden k\u00f6nnte, wenn man das Bild ausblendet? Was soll man denn erwarten, wenn man solche Pannek\u00f6pfe das Land lenken l\u00e4sst?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher waren die deutschen Armeen,obwohl sie zahlenm\u00e4\u00dfig meist kleiner waren als die ihrer Gegner, gef\u00fcrchtet. Bei der aktuellen deutschen Armee, der Bundeswehr, kann man sich aber wohl eher davor f\u00fcrchten, zum Mitmachen aufgefordert zu werden. Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,20,23,6],"tags":[],"class_list":["post-668","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-journalismus","category-krieg","category-politik"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/668","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=668"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/668\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":669,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/668\/revisions\/669"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=668"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=668"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=668"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}