{"id":6669,"date":"2021-10-14T08:46:00","date_gmt":"2021-10-14T06:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=6669"},"modified":"2021-10-13T11:07:45","modified_gmt":"2021-10-13T09:07:45","slug":"die-maer-vom-idealismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2021\/10\/14\/die-maer-vom-idealismus\/","title":{"rendered":"Die M\u00e4r vom Idealismus"},"content":{"rendered":"\n<p>In unserer Gesellschaftsform ist Engagement angesagt. Man soll sich an der Gestaltung der Gesellschaft beteiligen und dabei nat\u00fcrlich immer nur das Beste wollen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Bild zieht sich bis in die politischen Leitungsfunktionen hin: die Leute werden zwar irgendwann bezahlt, weil sie ja auch irgendwie ihren Lebensunterhalt verdienen m\u00fcssen, aber bitte immer idealistisch bleiben, d.h. immer das Beste f\u00fcr die Allgemeinheit wollen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem: man k\u00fcmmert sich dabei vielfach um Sachen, von denen man keine wirkliche Ahnung hat. Und macht dann zwangsweise Fehler. Vielfach wird als Hauptproblem angesehen, dass die meisten Politiker inzwischen durch die Bank vollverbl\u00f6det sind und eben von nichts Ahnung haben und viele Fehler machen. Allerdings ist mangelnde Ahnung weniger das Problem, denn man kann sich ja beraten lassen, und zwar von mehreren unterschiedlichen Beratern, bevor man Entscheidungen trifft. F\u00fcr die Entscheidung gen\u00fcgt selbst bei sehr komplizierten Themen der so genannte gesunde Menschenverstand und bei unterschiedliche Ratschl\u00e4gen f\u00e4hrt man dann meist nach der Ockham-Methode am besten (d.h. dem hinterh\u00e4ltigsten Berater das Messer in den Wanst rammen). <\/p>\n\n\n\n<p>Soll man Idealisten bei Fehlern abstrafen? Da ist ein wenig Vorsicht angesagt, denn sonst ist keiner mehr idealistisch. Vors\u00e4tzlich getroffene und vermeidbare Fehlentscheidungen sollten aber schon geahndet werden. Dummerweise hat man die Politiker gleich davon ausgenommen. Die tragen die politische Verantwortung, d.h. gar keine.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fehler in der Rechnung: die Leute sollten sich zwar am Wohl der Gesellschaft orientieren, aber selbst der letzte Vollpfosten merkt irgendwann, dass nichts passiert, wenn er es eben nicht tut. Also wird er zumindest anfangen, in die eigene Tasche zu wirtschaften. Und da sind Entscheidungen in der angesprochenen Art eher hinderlich. Mit anderen Worten: es werden auf jeden Fall mehr Fehler gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dummerweise fallen Fehler um so mehr auf, je tiefer jemand in der Hierarchie steht: wenn der Bandarbeiter bei VW die Muttern am Motor nicht anschraubt, fliegt der auseinander und ist kaputt, wenn der Boss aber vers\u00e4umt, den Autotransporter zu bestellen, um die Neuwagen abzuholen, h\u00e4ngt der eben offiziell auf der Autobahn fest und kommt sp\u00e4ter. Je h\u00f6her man kommt, desto leichter l\u00e4sst sich Unf\u00e4higkeit verbergen, dummerweise lassen sich die Leute aber auch um so schwieriger rausschmei\u00dfen, je h\u00f6her sie kommen. <\/p>\n\n\n\n<p>Da hilft nur noch das Peter-Prinzip: man bef\u00f6rdere den Unf\u00e4higen so lange, bis er die Position der maximalen Unf\u00e4higkeit erreicht hat. Also: je unf\u00e4higer, desto h\u00f6her. VW ist z.B. Diess passiert, bei Siemens regierte der K\u00e4ser-S(D)epp, in Br\u00fcssel Flinten-Uschi, in der Bummelwehr AKK statt der AK47. Bl\u00f6derweise stellt sich nach einiger Zeit heraus, dass die Leute nicht nur maximal unf\u00e4hig f\u00fcr den Job sind, sondern dort auch den maximalen Schaden anrichten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist dann die n\u00e4chste Stufe: die Leute haben nicht nur begriffen, dass Unfug v\u00f6llig folgenlos bleibt, sie begreifen irgendwann auch, dass sie in den erreichten Positionen auch bewirken k\u00f6nnen, dass ihr Unfug auch noch in den h\u00f6chsten T\u00f6nen gelobt und als F\u00e4higkeit verkauft wird. Und dass Leute, die das nicht glauben, problem- und folgenlos abgestraft werden k\u00f6nnen. Sie haben also die Macht, aber leider keine F\u00e4higkeit, damit sinnvoll umzugehen, au\u00dfer zum eigenen Nutzen. Den Punkt haben wir seit einiger Zeit erreicht, womit sich das Thema Demokratie und Grundrechte inzwischen erledigt hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Demokratie ist mithin eine der kurzlebigsten und am wenigsten erfolgreichen Gesellschaftsformen. Die Unf\u00e4higsten r\u00fccken nach dem Peter-Prinzip in s\u00e4mtlichen Entscheidungsfunktionen immer weiter nach oben und brauchen sich irgendwann nicht mehr um den demokratischen Scheiss zu k\u00fcmmern. Kann man heute sehen, h\u00e4tte man aber auch schon fr\u00fcher drauf kommen k\u00f6nnen, denn die demokratischen Formen in der Antike in Griechenland und Rom waren auch diejenigen, die sich am schnellsten erledigt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Kommt man da wieder raus? Marie-Antoinette, die letzte franz\u00f6sische K\u00f6ngsgattin bemerkte zu den Klagen ihrer Untertanen, sie h\u00e4tten kein Brot und w\u00fcrden hungern, lapidar: &#8222;Dann sollen sie halt Kuchen essen!&#8220; Heute noch sch\u00f6n und gro\u00df war sie kurze Zeit darauf h\u00e4\u00dflich und erheblich kleiner. Der Henkersknecht geh\u00f6rte n\u00e4mlich zur Unterschicht, in der man sich Fehler nicht leisten kann, und hackte ihr vorschriftsm\u00e4\u00dfig den Kopf ab statt der Beine, was mit einer 50:50-Chance h\u00e4tte passieren k\u00f6nnen, w\u00fcrde ein heutiger Spitzenpolitiker den Henkerjob \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sind wir bald wieder da? M\u00f6glicherweise. Zu den Klagen der \u00e4rmeren Bev\u00f6lkerungsschichten, sie k\u00f6nnten ihre Wohnungen nicht mehr heizen, weil politisch verursacht die Energiekosten zu hoch sind, und sie w\u00fcrden im Winter frieren, kam die lapidare Ansage der zust\u00e4ndigen Ministerin Katarina Barley &#8222;Dann sollen sie halt bessere Fenster einbauen!&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Macht Sinn. Die Guillotine \u00f6len und betriebsbereit machen auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In unserer Gesellschaftsform ist Engagement angesagt. 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