{"id":623,"date":"2016-08-23T09:45:35","date_gmt":"2016-08-23T07:45:35","guid":{"rendered":"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=623"},"modified":"2016-08-23T09:45:35","modified_gmt":"2016-08-23T07:45:35","slug":"abwaertsspirale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2016\/08\/23\/abwaertsspirale\/","title":{"rendered":"Abw\u00e4rtsspirale"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Deutschland geht es gut<\/p><\/blockquote>\n<p>hei\u00dft es. Doch zeigt das Beispiel VW, wie eine Kombination als konsequenter Realit\u00e4tsverweigerung, abgrundtiefer Dummheit, pathologischer krimineller Energie und fachlicher Unf\u00e4higkeit eine Spirale in Gang gesetzt hat, deren Ende kaum abzusehen ist.<!--more--><\/p>\n<h3>Realit\u00e4tsverweigerung<\/h3>\n<p>Am Beginn der Causa VW steht nicht etwa VW, das f\u00e4ngt viel fr\u00fcher an, n\u00e4mlich in den 1970er Jahren mit dem Aufkommen der Gr\u00fcnen, die sich ausschlie\u00dflich von kruden Ideologien leiten lassen. Inzwischen hat sich dieser gr\u00fcne Virus weit verbreitet und ist auch bei den anderen Parteien zu finden.<\/p>\n<p>Letzten Endes auf die Gr\u00fcnen gehen die &#8222;Umweltstandards&#8220; zur\u00fcck, mit denen die VW-Angelegenheit beginnt. Da werden munter &#8222;gef\u00e4hrliche Konzentrationen von gesundheitssch\u00e4dlichen Stoffen&#8220; definiert, die mit der Realit\u00e4t wenig zu tun haben. Paracelsus wusste bereits Anfang des 16. Jahrhunderts<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAlle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die dosis machts, da\u00df ein Ding kein Gift sei.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>und auch er hat eigentlich nur \u00e4ltere Erkenntnisse wiedergegeben. Die Gr\u00fcnen haben nur den ersten Halbsatz in ihre Ideologie \u00fcbernommen. Als Chemiker war einem bereits in den 1980er Jahren klar (und das wurde auch so gelehrt, bis die Gr\u00fcnen an den Universit\u00e4ten das Sagen \u00fcbernahmen):<\/p>\n<blockquote><p>Die gesetzlich zul\u00e4ssigen Grenzwerte von Stoffen h\u00e4ngen nicht von ihrer Gef\u00e4hrlichkeit ab, sondern ausschlie\u00dflich von den M\u00f6glichkeiten der instrumentellen Analytik<\/p><\/blockquote>\n<p>Und so jagte eine Schadstoffverordnung die n\u00e4chste, mit roten, gelben, gr\u00fcnen und demn\u00e4chst &#8211; die Farben gehen allm\u00e4hlich zu Ende &#8211; blauen Plaketten. Nat\u00fcrlich ist die Umweltqualit\u00e4t seit den 1980er Jahren besser geworden. Die ersten Vorgaben haben sich als sinnvoll erwiesen. Doch seit ca. 2005 tut sich bei verschiedenen Schadstoffen, wenn man den Grafiken der statistischen Landes\u00e4mter glauben darf, NICHTS. Trotz ungebrochener Verordnungswut ist anscheinend bereits seit l\u00e4ngerer Zeit eine m\u00f6gliche Untergrenze erreicht.<\/p>\n<p>Gesetzliche Vorgaben sind somit durchaus zielf\u00fchrend und notwendig, wenn &#8211; ja wenn sie die technischen M\u00f6glichkeiten ber\u00fccksichtigen. Obwohl sich bei den Daten wenig \u00e4ndert, k\u00fcmmern sich die Ideologen aber zunehmend weniger um technische M\u00f6glichkeiten. Und da kommen wir allm\u00e4hlich zu VW.<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel f\u00fcr die Ideologiesteuerung der Gr\u00fcnen: das Dosenpfand, eingef\u00fchrt, um den Mehrweganteil an Getr\u00e4nkeverpackungen zu steigern. Die Schweden hatten das schon ca. 5 Jahre vorher ausprobiert, mit dem Ergebnis, dass der Einweganteil von 55% auf 63% stieg. Das war auch klar: die Pfandautomaten und der Verwaltungsaufwand drumherum m\u00fcssen sich irgendwie rechnen, und das geht nur \u00fcber die Masse. Obwohl das bekannt war, hat Trittin das Pfand als Umweltminister durchgesetzt. Zu anderen Zeiten h\u00e4tte man solche Leute als vors\u00e4tzliche Volkssch\u00e4dlinge gebranntmarkt, heute werden sie (immer noch) hofiert.<\/p>\n<p>Wenn man etwas sinnvolles tun will, sollte man die Gr\u00fcnen, deren Regeln sowieso nur f\u00fcr andere gelten (viele Gr\u00fcne sind beispielsweise ausgesprochene Vielflieger), irgendwo mit ein paar Werkzeugen und ohne Strom auf einem kargen St\u00fcck Land internieren, damit sie sich auf nat\u00fcrlich Art selbst ern\u00e4hren k\u00f6nnen, wie sie es ideologisch immer propagieren.<\/p>\n<h3>Abgrundtiefe Dummheit<\/h3>\n<p>Den Verst\u00e4rker im Spiel darf man nicht au\u00dfer Acht lassen: den Journalismus, der gedanken- und kritiklos die politischen Parolen nachbetet, ohne jemals eine kritische Frage zu stellen. Medienberichte pr\u00e4gen leider immer noch weite Kreise der Bev\u00f6lkerung, und was die Medien nicht sagen oder aufgreifen, existiert nicht.<\/p>\n<p>Die Medienarbeit beschr\u00e4nkt sich nicht nur auf Nachbeten, sie beinhaltet auch konsequentes Verschweigen kritischer Positionen. So kann beispielsweise jeder, der mit einem Taschenrechner umgehen kann (und das kann sp\u00e4testens ab der 6. Klasse jeder), problemlos nachrechnen, dass mit so genannter gr\u00fcner Energie das Land nicht zu versorgen ist. Trotzdem wird weiterhin in den Medien die Parole verbreitet, das gehe. Als Folge sind die deutschen Energiepreise die h\u00f6chsten europaweit. Zahlte man hier vor einem Jahr schon (noch) ca. 24,5 ct\/kWh, so bekamen die Niederl\u00e4nder ihren Strom f\u00fcr ca. 16 ct\/kWh. Und die Schere geht noch weiter auf, die Landschaft wird weiter verbaut, inzwischen auch in Gegenden, in denen es sich definitiv wenig bis nicht lohnt.<\/p>\n<p>\u00c4hnliches kann man in den Bereichen Klima und eben auch Stra\u00dfenverkehr &#8211; Schadstoffe beobachten. Nichts wird hinterfragt, daf\u00fcr aber mit m\u00f6glichst wichtigtuerischer Stimme jeder gr\u00fcne Bl\u00f6dsinn verbreitet. Das ist einfach, weil man nicht nachdenken, sich schlau machen oder gar Position beziehen muss, was mich zum dem Schluss f\u00fchrt, dass viele Journalisten einfach nur abgrundtief dumm sind (in vielen Interviews dringt das auch deutlich an die Oberfl\u00e4che). Wenn man ihnen einen Besen mit dem Auftrag, 20 m Stra\u00dfe zu fegen, in die Hand dr\u00fccken w\u00fcrde &#8211; nicht wenige w\u00fcssten vermutlich nicht genau, was man von ihnen erwartet.<\/p>\n<h3><strong>Kriminelle Energie<\/strong><\/h3>\n<p>VW will ganz oben mitspielen, und der Begriff &#8222;Volkswagen&#8220; ist schon seit langem eine L\u00fcge. Es reicht den Managern nicht, mit Porsche die Spitzeklasse zu bedienen und mit Audi bereits eine Marke zu haben, die privat kaum noch gekauft wird (mehr als 80% aller Audi-Neuzulassungen sind Firmenfahrzeuge; in den privaten Bereich gelangt Audi fast nur noch als Gebrauchtfahrzeug). Auch die Kernmarke VW ist inzwischen im Vergleich zu anderen Marken aus meiner Sicht ma\u00dflos \u00fcberteuert.<\/p>\n<p>Die Strategie mag ja noch verst\u00e4ndlich sein: man will den weltweiten Mittelstand mit einer gewissen Qualit\u00e4t bedienen. Zu einem nicht geringen Teil hat das ja auch funktioniert. Bl\u00f6d aber nur, wenn die Qualit\u00e4t gar nicht vorhanden ist, wie bei den Abgaswerten oder dem Verbrauch. Vielleicht l\u00e4sst sich der Grenzwertbl\u00f6dsinn wirklich nicht verwirklichen, wie viele Ingenieure behaupten (ich kann das nicht entscheiden, sondern nur zitieren), vielleicht h\u00e4tten die Fahrzeuge aber auch nur ein paar PS weniger gehabt. Fest steht allerdings: VW hat vors\u00e4tzlich (und vermutlich ohne Not) betrogen, und das auch noch dort, wo bekanntlich die Folgen kaum abzusch\u00e4tzen sind, n\u00e4mlich den USA.<\/p>\n<p>Nicht dass sich der Konzern nun irgendwie besonders reuig zeigt. Au\u00dfer dort, wo man in gerichtlich zwingt, kommt ihm noch nicht einmal eine Entschuldigung \u00fcber die Lippen. In Deutschland, wo man schon bei viel geringeren Anl\u00e4ssen eine Razzia durchf\u00fchrt, passiert \u00fcberhaupt nichts (vermutlich auf politische Order). Im Gegenteil gew\u00e4hrt man dem kriminellen Vorstand auch noch Boni und die Entlastung.<\/p>\n<p>Meiner Ansicht nach sollte man bei Schwerstkriminellen wie dem alten (und wohl auch Teilen des neuen) VW-Vorstands angesichts des volkswirtschaftlichen Schadens, den sie vors\u00e4tzlich angerichtet haben (und noch anrichten), einmal dringend dar\u00fcber nachdenken, ob die Todesstrafe bei bestimmten Delikten nicht doch Sinn macht.<\/p>\n<h3>Unf\u00e4higkeit<\/h3>\n<p>Nach dem Schaden sollte es eigentlich Anliegen der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung sein, das Kundenvertrauen wieder aufzubauen und das Gesch\u00e4ftsmodell zu \u00fcberdenken. In Bezug auf das Letztere vernimmt man: &#8222;VW will sich auf Elektromobilit\u00e4t konzentrieren&#8220;. Aus heutiger Sicht ein dummes Konzept. Wie man es auch dreht und wendet, Elektromobilit\u00e4t ist f\u00fcr den privaten Massenmarkt absolut uninteressant und kommt auch f\u00fcr den kommerziellen Bereich nur in bestimmten Nischen in Frage. Daran wird sich in absehbarer Zeit auch nichts \u00e4ndern. Damit soll nicht gesagt werden, dass man sich als Konzern um diese Sparte nicht k\u00fcmmern soll, aber sie bereits jetzt zur Richtschnur zu machen, tr\u00e4gt nicht dazu bei, weltweit mehr als 600.000 Mitarbeiter auch auslasten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nun muss auch der Schaden, der sich bislang auf mehr als 25 Mrd. \u20ac bel\u00e4uft, erst einmal bezahlt werden. Darin sind noch nicht eingerechnet die Absatzverluste, die sich ebenfalls in solchen Gr\u00f6\u00dfenordnungen bewegen k\u00f6nnten. Bei ca. 210 Mrd. \u20ac Umsatz aber vermutlich verkraftbar. Dazu w\u00e4re aber der Aufbau neuen Kundenvertrauens notwendig. Zum Aufbau eines Kundenvertrauens geh\u00f6rt aber sicher nicht das, was VW mit seinen deutschen Kunden veranstaltet. Und sicher auch nicht, was derzeit mit den Zulieferern abl\u00e4uft. Da spricht n\u00e4mlich einiges daf\u00fcr, dass VW die Probleme einschlie\u00dflich des Produktionsstops vors\u00e4tzlich provoziert hat, vermutlich mit dem Hintergedanken, den Ausfall, der aufgrund mangelnden Absatzes ohnehin eingetreten w\u00e4re, von der Arbeitsagentur als Kurzarbeitergeld finanzieren zu lassen. Nach den Statuten f\u00fcr Kurzarbeitergeld st\u00fcnde VW das mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht zu, aber mit der gleichen Wahrscheinlichkeit wird das Geld auf politischen Befehl trotzdem gezahlt.<\/p>\n<p>Statt in Deckung zu gehen und sich zu bem\u00fchen, mit positiven Meldungen aufzufallen, verprellt der VW-Vorstand im Interesse seiner Millionen-Boni weiterhin Kunden, Mitarbeiter und Arbeiter in den Zulieferbetrieben. Warum sollte man zuk\u00fcnftig einen VW kaufen? Um schlecht bedient zu werden? Gutes Gesch\u00e4ftsmodell!<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Wer sich aufmerksam umsieht, wird solche Abw\u00e4rtspiralen leicht auch anderswo entdecken: politische Ideologie ohne jegliche Pragmatik, journalistisches Nachplappern ohne Sinn und Verstand und schwerkriminelle Wirschaftbosse, denen obendrein das Gef\u00fchl f\u00fcr Gesch\u00e4fte abgeht. Aber Deutschland geht es ja gut!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland geht es gut hei\u00dft es. Doch zeigt das Beispiel VW, wie eine Kombination als konsequenter Realit\u00e4tsverweigerung, abgrundtiefer Dummheit, pathologischer krimineller Energie und fachlicher Unf\u00e4higkeit eine Spirale in Gang gesetzt hat, deren Ende kaum abzusehen ist. 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