{"id":572,"date":"2016-07-11T20:45:18","date_gmt":"2016-07-11T18:45:18","guid":{"rendered":"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=572"},"modified":"2016-07-11T20:45:18","modified_gmt":"2016-07-11T18:45:18","slug":"20-juli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2016\/07\/11\/20-juli\/","title":{"rendered":"20. Juli"},"content":{"rendered":"<p>In ein paar Tagen (vom Zeitpunkt des Schreibens dieses Beitrags an gerechnet) j\u00e4hrt sich wieder einmal das Datum des Attentats auf Hitler. Es ist bekanntlich nicht gelungen, aber was w\u00e4re mit einiger Wahrscheinlichkeit passiert, wenn doch? W\u00e4re das nicht besser f\u00fcr Deutschland gewesen?<!--more--><\/p>\n<p>Fangen wir mit der Tatsache an, dass f\u00fcr die Putschisten genauso viele Verhandlungspartner auf aliierter Seite vorhanden waren wie f\u00fcr Hitler: kein einziger. Trotz verschiedener Versuche weigerten sich die aliierten Stellen, mit den Putschisten im Vorfeld des Anschlags irgendeinen Kontakt herzustellen, was an sich ungew\u00f6hnlich ist. Nach wie vor gab es nur die M\u00f6glichkeit zur bedingungslosen Kapitulation, einem Begriff, zu dem wir sp\u00e4ter noch kommen. Mit Wegfall Hitlers als zentraler Leitungsfigur h\u00e4tte der Krieg vermutlich nicht mehr so lange fortgesetzt werden k\u00f6nnen, da neben den Putschisten mindestens G\u00f6ring, Himmler und Bormann mit seinen Gauleitern im Ring gestanden und sich gegenseitig das Leben schwer gemacht h\u00e4tten. Da mit niemandem verhandelt werden konnte, w\u00e4re wohl ein unglaubliches Chaos ausgebrochen, das wohl nicht viele \u00fcberlebt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Wie verschiedene Historiker nachgewiesen haben, standen mit Churchill und Roosevelt zwei extreme Deutschenhasser im Feld. Churchill hat bei mehreren Gelegenheiten als eines seiner wichtigsten Kriegsziele &#8222;to kill as many Germans as possible&#8220; bekannt gegeben. Noch Anfang 1945 beantwortete er Stalins Frage, wohin mit den 10-15 Millionen Vertriebenen, mit &#8222;bis es so weit ist, werden wir gen\u00fcgend umgebracht haben, so dass in (West)Deutschland Platz ist&#8220;. Wie David Irving in einem seiner B\u00fccher nachweist, lie\u00df er seinen Oberwissenschaftler Lord Cherwell sogar Kastrationsmaschinen f\u00fcr die Massenkastration der deutschen M\u00e4nner entwickeln: es sollten keine Nachkommen mehr existieren und die Deutschen schlie\u00dflich aussterben. Auch Experimente mit Milzbrandbazillen wurden durchgef\u00fchrt, dann aber aufgrund der Unkontrollierbarkeit wieder abgebrochen (bis heute sind die Inseln, auf denen die Experimente mit diesen biologischen Waffen durchgef\u00fchrt wurden, unbewohnbar). Unter Roosevelt hatte Morgenthau mit seinem Plan der vollst\u00e4ndigen Demechanisierung Deutschlands volle Unterst\u00fctzung: es sollte nur noch manuell Feldarbeit m\u00f6glich sein (was nat\u00fcrlich nur ein kleiner Teil der Bev\u00f6lkerung \u00fcberhaupt \u00fcberleben konnte). Welche Chancen h\u00e4tte die deutsche Bev\u00f6lkerung gehabt, wenn diese Leute bereits in der zweiten H\u00e4lfte des Jahres 1944 auf keinerlei milit\u00e4rischen Widerstand mehr gesto\u00dfen w\u00e4ren?<\/p>\n<p>Die Situation kippte erst zu Ende des ersten Viertels 1945, als Churchill begriff, wen er in Stalin vor sich hatte (der kalte Krieg begann bereits w\u00e4hrend des 2. WK). Zumindest die Briten sahen, dass es ohne ein funktionierendes Nachkriegsdeutschland eng werden w\u00fcrde und legten die Ruder in eine andere Richtung (was Churchill allerdings nicht hinderte, Stalin sp\u00e4ter 2 Mio Deutsche Kriegsgefangene als &#8222;Arbeitssklaven zum Verbrauch&#8220; f\u00fcr ein paar tausend Pfund pro Kopf nebst einer kostenlosen &#8222;Probelieferung&#8220; von 20.000 Mann anzubieten &#8211; Stalin lehnte dankend ab [auch dies wird von mehreren Historikern berichtet]). Zumindest in der britischen Besatzungszone uferten die Zust\u00e4nde nach der Kapitulation nicht ma\u00dflos aus, wenn die Briten auch mit vielen selbst \u00fcberfordert waren.<\/p>\n<p>Schwieriger war die Situation bei den Amerikanern, da es auch nach Roosevelts Tod besonneneren K\u00f6pfen einige Probleme bereitete, Trueman von den Morgenthau-Pl\u00e4nen abzubringen. Den GIs war bei der Invasion 1944 noch bedeutet worden, sie k\u00f6nnen sich in Deutschland alles herausnehmen, was zun\u00e4chst dazu f\u00fchrte, dass sich einige Soldaten in Frankreich schlimmer auff\u00fchrten als die Russen in Nemmersdorf (die US-Jungs hatten nicht begriffen, dass sie erst in Frankreich und nicht bereits in Deutschland waren) und sich Eisenhower gezwungen sah, eine ganze Reihe seiner Leute \u00f6ffentlich hinrichten zu lassen, um zu verhindern, dass in Frankreich die Stimmung zu Gunsten der ehemaligen deutschen Besatzer kippte (auf deutschen Boden war sp\u00e4ter wieder alles erlaubt). Die bedingunsglose Kapitulation wurde als Rechtsgrundlage benutzt, den deutschen Soldaten den Kriegsgefangenenstatus abzuerkennen. Wie der Historiker Bacque nachwies, wurden die Gefangenen weder ordnungsgem\u00e4\u00df registriert noch bekam das Rote Kreuz Zugang zu ihnen. Die Leute wurden in riesigen Lagern zusammen getrieben, nicht weiter versorgt, Zivilisten, die Nahrungsmittel bringen wollten, ohne Warnung erschossen, unbekannte Mengen von Leuten virtuell zwischen Lagern verschoben, ohne dass sie irgendwo ankamen, und andere Verschleierungsaktionen der wahren Zust\u00e4nde. In Summe kam vermutlich ca. 1 Mio deutsche Soldaten nach der Kapitulation in US-Lagern um, wie sich aus verschiedenen Zahlen ergibt. Zugegeben werden von US-Seite genau 1.536 in Kriegsgefangenenlagern gestorbene H\u00e4ftlinge &#8211; deutlich weniger als die normale Sterberate in Friedenszeiten. Um das Ma\u00df voll zu machen, begann die US-Armee bereits Mitte 1945 die gut gef\u00fcllten Vorratslager in franz\u00f6sischen H\u00e4fen wieder abzutransportieren (die Waren wurden in den USA nicht ben\u00f6tigt), w\u00e4hrend bis 1947 einige Hunderttausend deutsche Zivilisten verhungerten. Erst danach begann sich mit der Intensivierung des kalten Krieges die Einsicht durchzusetzen, dass man einen deutschen Pufferstaat gegen Stalin brauchte.<\/p>\n<p>Der Historiker Nawratil sch\u00e4tzt nach Auswertung von Dokumenten verschiedener deutscher Nachkriegsministerien, dass nach Kriegsende in den Jahren 1945-1947 durch Vertreibung und aliierten Terror ca. 10 Mio Deutsche umgekommen sind &#8211; die Verluste w\u00e4hrend des Krieges 1939-1945 werden auf ca. 6 Mio beziffert, den Bombenkrieg gegen die Zivilbev\u00f6lkerung mitgerechnet. 10 Mio zu einer Zeit, als es den meisten ma\u00dfgeblichen Leuten bereits klar war, dass es politisch ohne Deutschland kein freies Westeuropa geben kann. Man kann sich fragen, wie die Zahlen aussehen w\u00fcrden, wenn bereits ein Jahr fr\u00fcher, als noch alles auf &#8222;to kill as many Germans as possible&#8220; stand, alles zusammengebrochen w\u00e4re. Alles Hypothese, versteht sich, aber trotzdem: muss man nun Bedauern, dass der Putsch schief ging, oder war es im Nachhinein nicht besser so, wie es gekommen ist?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In ein paar Tagen (vom Zeitpunkt des Schreibens dieses Beitrags an gerechnet) j\u00e4hrt sich wieder einmal das Datum des Attentats auf Hitler. Es ist bekanntlich nicht gelungen, aber was w\u00e4re mit einiger Wahrscheinlichkeit passiert, wenn doch? W\u00e4re das nicht besser f\u00fcr Deutschland gewesen? 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