{"id":5575,"date":"2020-11-25T09:28:00","date_gmt":"2020-11-25T08:28:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=5575"},"modified":"2020-11-24T10:19:03","modified_gmt":"2020-11-24T09:19:03","slug":"blackout-selbst-produziert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2020\/11\/25\/blackout-selbst-produziert\/","title":{"rendered":"Blackout, selbst produziert"},"content":{"rendered":"\n<p>Hamburg-Moorburg ist das modernste Kohlekraftwerk von Vattenfall und in Deutschland \u00fcberhaupt. Wenn man sich die Details anschaut, kommt man nirgendwo auf bessere Wirkungsgrade. Ein Grund, das Kraftwerk m\u00f6glichst schnell zu schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Vattenfall hat das Kraftwerk bei der Netzagentur-Olympiade angemeldet. Dort wird ausgelost, welche Kraftwerke im Rahmen der Energiewende (Motto: &#8222;Ein Leben ohne Strom!&#8220;) vom Netz gehen sollen. Noch ist nichts entschieden, aber so manchen Hamburgern (au\u00dfer Gr\u00fcnen und Linken) geht inzwischen ein Licht auf:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article220681288\/Vattenfall-Moorburg-Die-Angst-der-Wirtschaft-vor-dem-Blackout.html\">https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article220681288\/Vattenfall-Moorburg-Die-Angst-der-Wirtschaft-vor-dem-Blackout.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Um zu verstehen, was da abl\u00e4uft, muss man etwas weiter ausholen. Bei den Planungen sollte das Kraftwerk in die Kraftw\u00e4rme-Kopplung und einiges andere eingebunden werden, was nat\u00fcrlich auch bei den Investitionen von Vattenfall ber\u00fccksichtigt wurde. Dann kam der Rot-Gr\u00fcne Senat. Den Gr\u00fcnen war das Kraftwerk schon immer ein Dorn im Auge (vermutlich weil es zu effizient ist). Zu verhindern war es nicht, aber St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck &#8211; die Gr\u00fcnen haben Erfahrung, wie man da vorgehen muss &#8211; wurde den Vattenfallern eine Zusage nach der n\u00e4chsten abgegraben. Moorburg produziert Strom &#8211; \u00fcbrigens so erfolgreich, dass der Windstrom aus SW s\u00e4uberlich um Hamburg herum geleitet wird, was die Preise im Rahmen h\u00e4lt &#8211; aber eben nichts mehr, und selbst den Strom nicht zu den Bedingungen, die urspr\u00fcnglich vereinbart waren. <\/p>\n\n\n\n<p>Erfolg der gr\u00fcnen Politik: Moorburg erwirtschaftet die Investitionskosten nicht mehr, Vattenfalls f\u00e4hrt Verluste ein. Man muss das so sehen, dass alte Kraftwerke schon l\u00e4ngst abgeschrieben sind und nur noch die Betriebskosten anstehen, die auch erwirtschaftet werden. Bei den neuen Kraftwerken kommen die Abschreibungen hinzu (schlie\u00dflich ist das Geld ja investiert worden und muss erst mal wieder hereingeholt werden), d.h. sie sind teurer, auch wenn sie effizienter sind. Das geht nicht nur Vattenfall so, sondern auch den meisten anderen Betreibern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ausweg 1<\/strong> ist der Netzagentur-Contest: wenn man gewinnt, wird das Kraftwerk stillgelegt und man bekommt die Stilllegungspr\u00e4mie. Das kann f\u00fcr die Betreiber auf die Dauer g\u00fcnstiger sein als die Dinger weiter laufen zu lassen, auch wenn das Verluste bedeutet. Deshalb werden \u00fcberproportional viele neue und effiziente Kraftwerke angemeldet, f\u00fcr die die Abschaltpr\u00e4mien auch h\u00f6her sind &#8211; nicht nur von Vattenfall. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Netzagentur muss allerdings pr\u00fcfen, ob die Versorgungssicherheit gew\u00e4hrleistet ist. Damit fallen einige Kraftwerke aus dem Contest, bei den restlichen wird ausgelost. Die Variante l\u00e4sst sich f\u00fcr die Unternehmen recht gut durchrechnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ausweg 2<\/strong> ist die schlichte Ank\u00fcndigung, man werde das Kraftwerk stilllegen, auch ohne Pr\u00e4mie. Die Verluste sind dann nat\u00fcrlich h\u00f6her, aber trotzdem k\u00f6nnte das f\u00fcr das Unternehmen wirtschaftlicher sein. Allerdings ist hier ein wenig Pokern mit im Spiel. Die Netzagentur muss n\u00e4mlich auch hier pr\u00fcfen, ob die Versorgungssicherheit gew\u00e4hrleistet ist, und kann die Stilllegung untersagen, wenn das nicht so ist. Konkret bedeutet das, dass der Versorger weiterhin Eigent\u00fcmer ist, das Kraftwerk betreibt und dem Staat den Betrieb zum Selbstkostenpreis zur Verf\u00fcgung stellt. Selbstkostenpreis bedeutet dann aber, dass die derzeitigen Verluste durch den Staat ausgeglichen werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Das lohnt sich nat\u00fcrlich eher, wenn das Kraftwerk auf Staatskosten weiter betrieben wird als wenn man stumpf abschaltet. Das Risiko dabei ist eben, dass die Netzagentur einfach &#8222;okay&#8220; sagt oder nach ein paar Jahren auf die Idee kommt, ein weiterer Betrieb w\u00e4re unn\u00f6tig. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass Unternehmen diese Option zunehmend w\u00e4hlen werden, weil die Versorgungsstabilit\u00e4t weiter rapide fallen wird.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Welche Stimmung in den Konzernen herrscht, kann man bei Vattenfall beobachten. Der Konzern will sich nach eigenen aus dem Gesch\u00e4ft in Deutschland langfristig zur\u00fcckziehen, weil die Vertragstreue oder besser Untreue zunehmend zu einem ernsten Risiko wird. Bei Investitionen wird man wohl zuk\u00fcnftig extrem zur\u00fcckhaltend sein. Wie auch bei anderen Konzernen (u.a. Unilever, Shell) soll die B\u00f6rsennotierung komplett nach London verlagert werden &#8211; die Unsicherheiten durch erpresserischen Zugriff der Finanzminister ist den Konzernen ebenfalls ein Dorn im Auge. <\/p>\n\n\n\n<p>Vermutlich werden auch rein deutsche Konzerne auswandern. Die EU plant bereits f\u00fcr 2025 das vollst\u00e4ndige AUS f\u00fcr die Automobilindustrie. Die zu erf\u00fcllenden Vorgaben, um Modellzulassungen zu erhalten, liegen dann jenseits von dem, was physikalisch machbar ist (aber Physik ist ja auch nur ein soziales Konstrukt). BMW und Mercedes-Benz verlagern den Motorenbereich, also Fertigung und wohl auch Entwicklung, bereits jetzt in andere L\u00e4nder. Selbst die Dumpfbacken von der IGM haben das inzwischen mitbekommen und laufen Sturm dagegen &#8211; dummerweise nat\u00fcrlich bei den Konzernen und nicht bei den eigentlich verantwortlichen in Br\u00fcssel und Berlin. Ist die Produktion weg, lebt es sich auch als Konzernchef sicher irgendwo anders auf der Welt besser als in Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Deutschland 2025 &#8211; ein Leben in Erdh\u00f6hlen ? <\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbertrieben ? Gegenfrage: was macht man, wenn ohnehin in den Schulen kaum noch Unterricht stattfindet und die Sch\u00fcler mehr mit Frostbeulen und Atemnot zu k\u00e4mpfen haben als mit dem Schulstoff ? &#8211; Genau. man streikt: <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/rp-online.de\/nrw\/staedte\/moenchengladbach\/moenchengladbach-schueler-streiken-fuer-mehr-corona-schutz_aid-54735499\">https:\/\/rp-online.de\/nrw\/staedte\/moenchengladbach\/moenchengladbach-schueler-streiken-fuer-mehr-corona-schutz_aid-54735499<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hamburg-Moorburg ist das modernste Kohlekraftwerk von Vattenfall und in Deutschland \u00fcberhaupt. 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