{"id":5420,"date":"2020-10-24T10:51:34","date_gmt":"2020-10-24T08:51:34","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=5420"},"modified":"2020-10-24T10:51:35","modified_gmt":"2020-10-24T08:51:35","slug":"masken-und-gelehrter-unfug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2020\/10\/24\/masken-und-gelehrter-unfug\/","title":{"rendered":"Masken und gelehrter Unfug"},"content":{"rendered":"\n<p>Nachdem inzwischen jede Menge Untersuchungen vorliegen, dass Maskentragen in der \u00d6ffentlichkeit nur dann Sinn macht, <a href=\"https:\/\/www.thieme-connect.com\/products\/ejournals\/abstract\/10.1055\/a-1174-6591\">wenn man sich selbst die Gesundheit ruinieren will<\/a>, musste ich mir vor ein paar Tagen bei meinem Hausarzt wieder mal anh\u00f6ren, um wieviel Prozent das Maskentragen das Infektionsrisiko bei Covid19 reduziert &#8211; alle Prozentangaben nat\u00fcrlich mit 1-2 Stellen hinter dem Komma und als Ergebnis des Arztbesuches die Info, das sei das Alter und ich solle mich damit abfinden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wenn man sich gegen das Maskentragen argumentativ zur Wehr setzen will, muss man auch mit solchen Artikel fertig werden, die die Sinnhaftigkeit der Maske beweisen:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/FACE-MASKS-PUBLIC-POLICIES-AND-SLOWING-TH-Alexander-Karaivanov.pdf\">FACE-MASKS-PUBLIC-POLICIES-AND-SLOWING-TH-Alexander-Karaivanov<\/a><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/FACE-MASKS-PUBLIC-POLICIES-AND-SLOWING-TH-Alexander-Karaivanov.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p>Wie geht man damit um? <\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Scheu vor den mangelnden Englischkenntnissen ablegen und anfangen zu lesen. Man muss bei weitem nicht jedes Wort verstehen, um zu erfassen, um was es geht. Oedr vterehst etwa jnaemd deesin Staz nciht, ohwobl bei Bhctanerutg jeeds eelnizn Weorts zhieicmelr Ufung hkasumeromt ? Eben!<\/li><li>Das gilt auch im Gro\u00dfen: Abs\u00e4tze anlesen. Meist wei\u00df man nach ein paar Worten, um was es geht, ein schneller Blick \u00fcber den Rest gibt dem Hirn in der Regel die Gewissheit, richtig zu liegen oder doch besser nachzulesen (ein Grund, weshalb ich die ganzen YouTube-Videos wie die Pest hasse. Man kann den F\u00fcllquark nicht \u00fcberspringen und vertr\u00f6delt ma\u00dflos viel Zeit.<\/li><li>Sacken lassen. Was haben die alles gesagt? Man muss gar nicht bewusst dr\u00fcber nachdenken, das Gehirn sortiert im Hintergrund allein. H\u00e4tte man LEDs am Kopf, w\u00fcrden die angehen und blinke wie bei der Festplatte auf dem Rechner, die minutenlang rumnudelt, w\u00e4hrend man gar nicht vor dem Virenf\u00e4nger sitzt. <\/li><li>Parallel dar\u00fcber sinnieren, wie man eine solche Untersuchung selbst angestellt h\u00e4tte. L\u00f6cher usw. fallen einem dabei auf.<\/li><li>Im Artikel noch mal gezielt die Abs\u00e4tze lesen, die einen bei 4. gest\u00f6rt haben, und die Kritik notieren.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Wenn man so vorgeht, hat man schnell den Hebel f\u00fcr solche Artikel. Der f\u00e4ngt beim Titel schon an: w\u00e4hrend man das Ganze als Beweis f\u00fcr die Maskenn\u00fctzlichkeit um die Ohren geballert bekam, spricht der Autor von Masken UND Verordnungen. Masken sind ein Teil der Verordnungen, die wiederum vielf\u00e4ltig sein k\u00f6nnen und das soziale Verhalten beeinflussen, zudem spielt sich alles \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum ab und wie immer sind die Datengrundlage die sehr kreativen Zahlen von PCR-Tests: absolute Fallzahlen ohne Umrechung auf die Bev\u00f6lkerung und ohne Daten zu wirklichen Erkrankungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man eine verl\u00e4ssliche Studie machen wollte, m\u00fcsste man s\u00e4mtliche Bedingungen sehr genau kontrollieren. Wenn man dar\u00fcber nachdenkt, f\u00e4llt einem schnell auf, dass das eigentlich nur im klinischen Ma\u00dfstab funktioniert, wo man wirklich sehr viel kontrollieren kann. Im Feld wird die Zahl der nicht kontrollierbaren Parameter schnell sehr gro\u00df. Man h\u00e4tte noch eine Chance, wenn es sich um gro\u00dfe eindeutige Zahlen handeln w\u00fcrde, aber eine nun inzwischen selbst im WHO Bulletin ausgewiesene eher schwache Grippe l\u00e4sst zu wenige echte F\u00e4lle auftauchen, weil die meisten eben nichts mitbekommen (was eben auch nicht gemessen wird) und allenfalls dadurch auffallen, dass sie durch die entfachte Panik vermehrt zu einem Test laufen. <\/p>\n\n\n\n<p>Klinisch ist die Wirksamkeit der Masken gut untersucht. Schlie\u00dflich werden sie ja bei Operationen getragen, aber schon im normalen Krankenhausalltag spielten Masken trotz teilweise sehr intensiver sonstiger Hygienema\u00dfnahmen bis vor einem halben Jahr keine Rolle. Auf der Stra\u00dfe ohnehin nicht. T\u00e4ten sie dass, w\u00e4ren sie schon seit Jahrzehnten in Benutzung, wenn die saisonalen Krankheiten \u00fcber das Land ziehen. Auch in Asien, wo das Zeug schon lange \u00fcblich ist, haben es die Erkrankten getragen, aber mehr, um anderen ein soziales Zeichen zu geben. <\/p>\n\n\n\n<p>Kurz und gut, was haben die Leute da gemessen? Um es genau zu sagen: keine Ahnung. In Formeln reingesteckt ist irgendeine Verbindung zu Vorschriften herausgekommen, in denen auch Masken vorkamen. Es wird sicher keiner bestreiten, dass Infektionszahlen geringer werden, wenn man Leute systematisch voneinander trennt. Aber selbst das wird problematisch, weil man irgendwann einkaufen muss und nicht wei\u00df, wem man da begegnet. Selbst die r\u00fcckl\u00e4ufigen Fallzahlen sind nicht eindeutig, weil weder Jahreszeit noch Zahlenerzeugungskreativit\u00e4t noch Lust der Leute, sich einem Test auszusetzen, irgendwie eingeflossen sind. Um es mal an einem Beispiel zu verdeutlichen: h\u00e4tte man w\u00e4hrend der Fu\u00dfball-WM eine statistische Studie unter Ber\u00fccksichtigung der Fernsehwerbung gemacht, w\u00e4re als Ergebnis herausgekommen, dass die wichtigste Voraussetzung, erfolgreiche Fu\u00dfballprofi zu werden, der regelm\u00e4\u00dfige Genu\u00df von Nutella ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Damit hat man nun die L\u00fccken, die man aufzeigen kann. Ob es was n\u00fctzt, bleibt fraglich, aber immerhin kann man anhand von Daten argumentieren, w\u00e4hrend die Gegenseite halt eine Meinung oder Haltung vertritt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Ein wenig Erg\u00e4nzung zum Denkprozess. Meist hei\u00dft es &#8222;ich muss in Ruhe nachdenken&#8220;, was aber falsch ist, wenn Ruhe bedeutet, dass man im Sessel sitzt und vor sich hinbr\u00fctet. Je nach Komplexit\u00e4t des Problems ist Ganzk\u00f6rperdenken sinnvoll. Das Denken funktioniert n\u00e4mlich um so besser, je mehr Hirnareale arbeiten, auch wenn sie mit der Aufgabe scheinbar nichts zu tun haben.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Nehmt Bleistift und Papier zu Hilfe. Wie intensive Untersuchungen an mehreren Universit\u00e4ten ergeben haben, erscheinen auf dem Papier aber nicht auf geheimnisvolle Art die L\u00f6sungen. Man muss schon selbst was aufs Papier schreiben.<\/li><li>Jede Idee ist hilfreich, selbst der Einfall, wie man Strichm\u00e4nnchen eleganter Zeichnen kann. Einfach loskritzeln. Damit ist die Feinmotorik schon mal im Spiel. Im kurzer Zeit werden sich Sinn und Unsinn auf dem Papier ausbreiten. Nun kommen die Augen hinzu. W\u00e4hrend das Gehirn schon bei 5-6 Details anf\u00e4ngt, die \u00dcbersicht zu verlieren, schafft das visuelle System zusammen mit der papiernen Diskette schon wesentlich mehr. Wenn dann 4-5 sinnvolle Ideen zwischen 20 anderen und ein paar Strichm\u00e4nnchen stehen, kann man die 4-5 Sachen auf ein neues Blatt \u00fcbertragen und legt von vorne los.<\/li><li>Sprecht mit euch. Kein Witz! Lest euch manche komplizierten Sachen nicht durch, sondern sprecht sie euch auch vor. Das bringt das Sprachsystem ins Spiel und hat eine weitere R\u00fcckkopplung \u00fcber das Audiosystem.<\/li><li>Wer noch ein \u00fcbriges tun will, steht auf und rennt durchs Zimmer. Mit der Grobmotorik ist dann fast alles in Betrieb, was in der Birne Platz hat. <\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Punkt ist oben schon angesprochen worden. Sich eine Zeit setzen, nach der man abbricht, egal wie weit man gekommen ist, und alles erst mal sacken lassen! Welche Zeit sinnvoll ist, merkt man schon. Vielleicht hat der eine oder andere es schon erlebt, dass man abends mit einem Problem einschl\u00e4ft und morgens mit der L\u00f6sung aufwacht. Das liegt daran, dass das Gehirn wie ein Computer arbeitet (korrekter: dass die Computer wie die wesentlich \u00e4lteren Gehirne arbeiten): die Informationen laufen auf eine Scratch-Platte und wenn die voll ist, geht gar nichts mehr. In der schlafphase wird die Scratch-Platte abgearbeitet und die Informationen bewertet und anderswo einsortiert, wo man sie dann morgens findet. Zus\u00e4tzlich gibt es dann noch Testl\u00e4ufe, weil mal wieder ein paar Patches eingespielt wurden, was man als Traum empfindet. Deshalb ist Schlaf notwendig und Schlafmangel macht einen irre. Biologisch hat sich das entwickelt, weil die Sensorik entweder auf Tag- oder Nachtbetrieb eingestellt ist und zu anderen Zeiten nichts bringt. Da kann man den Rest abschalten und f\u00fcr etwas anderes nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ganzk\u00f6rperarbeitsweise, am Besten noch erg\u00e4nzt, indem man das Ergebnis der Arbeit in Buchform zusammenfasst, hat sich in meiner Hochschulzeit in der Praxis immer wieder bew\u00e4hrt. Studies, die regungslos mit der Ansage &#8222;ich denke&#8220; in eine tiefere Stufe des Nirwana abgesackt waren als jeder fern\u00f6stliche Zen-Meister sie je erreichen wird, haben nie verstanden, um was es eigentlich ging. Umgekehrt gab es sehr h\u00e4ufig auch die K\u00f6nisdisziplin, wenn jemand zu Beginn der Stunde verk\u00fcndete, er h\u00e4tte ein Detail nicht ganz verstanden und dann von mir aufgefordert wurde, das Problem vorne an der Tafel darzustellen. In 50% der F\u00e4lle drehte der Proband nach 30-70% des Weges um und ging mit der Bemerkung &#8222;schon klar, hat sich erledigt&#8220; wieder zu seinem Platz zur\u00fcck, weil er den fehlenden Rest verstanden hatte, w\u00e4hrend bei den meisten anderen der &#8222;fehlende Rest&#8220; ca. 90% des Ganzen ausmachte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Fazit: Nicht beeindrucken lassen, wenn einem eine &#8222;wissenschaftliche Studie&#8220; vorgelegt wird. Man wird in den meisten F\u00e4llen nicht in der Lage sein, selbst so etwas zu verzapfen, aber in fast allen F\u00e4llen, sie zu verifizieren oder zu zerrupfen. Also keine Angst vor sich selbst!<\/p>\n\n\n\n<p>Wer mehr \u00fcber gelehrten Unfug erfahren will, kann sich das Buch von Sokal und Bicmont, Eleganter Unfug zu Gem\u00fcte f\u00fchren. Oder sich durch das hier q\u00fc\u00e4len: <a href=\"https:\/\/physics.nyu.edu\/faculty\/sokal\/transgress_v2\/transgress_v2_singlefile.html\">https:\/\/physics.nyu.edu\/faculty\/sokal\/transgress_v2\/transgress_v2_singlefile.html<\/a> . Keine Sorge vor dem Umfang. Es sind nur 13 Seiten Text, die restlichen 30 bestehen wie in den Sozialwissenschaften \u00fcblich aus Zitaten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem inzwischen jede Menge Untersuchungen vorliegen, dass Maskentragen in der \u00d6ffentlichkeit nur dann Sinn macht, wenn man sich selbst die Gesundheit ruinieren will, musste ich mir vor ein paar Tagen bei meinem Hausarzt wieder mal anh\u00f6ren, um wieviel Prozent das Maskentragen das Infektionsrisiko bei Covid19 reduziert &#8211; alle Prozentangaben nat\u00fcrlich mit 1-2 Stellen hinter dem &hellip; <a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2020\/10\/24\/masken-und-gelehrter-unfug\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Masken und gelehrter Unfug<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5420","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5420","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5420"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5420\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5423,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5420\/revisions\/5423"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5420"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5420"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5420"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}