{"id":5308,"date":"2020-09-24T10:45:39","date_gmt":"2020-09-24T08:45:39","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=5308"},"modified":"2020-09-24T10:45:39","modified_gmt":"2020-09-24T08:45:39","slug":"wenn-ein-deal-kein-deal-mehr-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2020\/09\/24\/wenn-ein-deal-kein-deal-mehr-ist\/","title":{"rendered":"Wenn ein Deal kein Deal mehr ist"},"content":{"rendered":"\n<p>Zu Gesch\u00e4ftsabschl\u00fcssen kommt es, wenn sich mehrere Leute treffen und jeweils etwas anbieten k\u00f6nnen, was der andere haben m\u00f6chte. Wenn man wissen m\u00f6chte, ob das Gesch\u00e4ft zufriedenstellend war, braucht man die Beteiligten nur zu fragen, ob sie mit dem Gesch\u00e4ftspartner auch weitere Gesch\u00e4fte abschlie\u00dfen w\u00fcrden. Das d\u00fcrfte nicht der Fall sein, wenn einer sich nicht an die Vereinbarungen h\u00e4lt oder den anderen derart ma\u00dflos \u00fcber den Tisch zieht, dass es irgendwie gegen die &#8222;guten Sitten&#8220; verst\u00f6\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Manche Gesch\u00e4fte sind relativ kompliziert, so dass die Parteien einen Makler hinzu ziehen, der f\u00fcr einen vern\u00fcnftigen Ablauf sorgen soll. Der kann zwar auch nicht verhindern, dass sp\u00e4ter einer falsch spielt, aber die M\u00f6glichkeiten dazu stark einschr\u00e4nken. Dabei sollte der Makler aber im eigenen Interessen neutral sein, denn auch er ist ja letztlich Gesch\u00e4ftspartner und m\u00f6chte weitere Gesch\u00e4ftsabschl\u00fcsse machen. Ein H\u00e4user- oder Wohnungsmakler, der darauf besteht, dass das Hausdach vor dem Eigent\u00fcmerwechsel knallgr\u00fcn gedeckt oder die Wohnung komplett lila angestrichen wird, obwohl das weder der Verk\u00e4ufer noch der Erwerber wollen, d\u00fcrfte bald sein letztes Gesch\u00e4ft gemacht haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu einem Makler in diesem schlechten Sinn entwickelt sich immer mehr und immer schneller der Staat, wobei man diesem Makler dummerweise nur schlecht aus dem Weg gehen kann. Eigentlich soll er nur langfristig stabile Rahmenbedingungen schaffen, zu denen die Gesch\u00e4fte abgewickelt werden k\u00f6nnen, aber die Rahmenbedingungen sind inzwischen weder in irgendeiner Weise sinnvoll noch langfristig stabil. Und irgendwann will dann keiner mehr Gesch\u00e4fte machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut zu beobachten ist das im Bereich der Energieversorgung, angefangen bei der Kernenergie, die zwar die preisg\u00fcnstigste und sicherste Energiequelle darstellt, aber inzwischen ausgerottet wird. Die Vertragsbr\u00fcche haben eine lange Geschichte: \u00fcberschaubare Projekte werden seit Jahrzehnten in Deutschland zu Tode verwaltet. \u00dcberschaubar, weil diese Projekt in anderen L\u00e4ndern tats\u00e4chlich planm\u00e4\u00dfig und weitgehend zu den projektierten Kosten durchgezogen wurden. Hier h\u00e4uften sich nach der Projektvergabe neue Vorgaben und Klagen, was in nicht wenigen F\u00e4llen zu einer Einstellung der Projekte nach dem Verschleudern eines Vielfachen der projektierten Kosten und dem Ablauf eines Vielfachen der geplanten Zeit f\u00fchrte. Vorzeitige zwangsweise Stilllegungen versto\u00dfen ebenfalls gegen die Vertr\u00e4ge und es ist abzusehen, dass die Schadensersatzklagen noch einiges an Geld kosten werden. Gleichzeitig wird eine Politik der verbrannten Erde betrieben, d.h. die noch voll arbeitsf\u00e4higen Anlagen werden zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen ist der nationale Stand des Wissens bei dieser Technik tiefste Steinzeit. Die Fachleute sind in Pension oder arbeiten im Ausland. Sollten vorsichtige Diskussionsans\u00e4tze, ob Kernenergie nicht doch sinnvoll ist, zu einer Renaissance f\u00fchren, w\u00e4re Deutschland auch auf mehrere Jahrzehnte nicht in der Lage, die Technik zu stemmen. Man m\u00fcsste sie im Ausland kaufen, also von den Russen, Chinesen, Japanern, der USA oder sonst wem. Da es in unserer so genannten Demokratie aber abzusehen ist, dass bei einer der n\u00e4chsten Wahlen der n\u00e4chste Irre das Sagen hat, d\u00fcrfte die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand solche Gesch\u00e4fte mit Deutschland macht, ziemlich klein sein. Zu oft hat sich das, was hier als Recht gilt, \u00fcber Nacht v\u00f6llig ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbertragen wird das inzwischen auch auf den Kohlestrom: die gut funktionierenden Gro\u00dfkraftwerke sollen in den n\u00e4chsten Jahren stillgelegt werden. Die Situation ist \u00e4hnlich: ein von Uniper in Rotterdam in 3 Jahren gebautes Kraftwerk hat baugleich in Deutschland 12 Jahre und ein Vielfaches an Geld verschlungen. Vattenfall, einer der gro\u00dfen Erzeuger, wiederum hat sein neuestes Kraftwerk, das zwar hypermodern, aber aufgrund jeder Menge Vertragsbr\u00fcche nicht rentabel ist, als Kandidat zur Stilllegung angeboten. Vielleicht stellt Vattenfall den Betrieb auch ganz ein und dann kann die Bundesnetzagentur entscheiden, ob sie das Kraftwerk auf eigene Kosten weiter betreibt, weil sonst das Licht ausgeht. Vattenfall ist jedenfalls so weit, dar\u00fcber nachzudenken, wie man sich komplett aus Deutschland zur\u00fcckziehen kann, da irgendein Vertrauen in die deutsche Vertragssicherheit wohl nicht mehr besteht. Auf andere Erzeuger mit Sitz im Ausland d\u00fcrfte das ebenfalls zutreffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst Gas ist betroffen, wie man aktuell an der Northstream II &#8211; Pipeline sehen kann, deren Fertigstellung aus nichtigen und gef\u00e4lschten Gr\u00fcnden auf der Kippe steht. Die Ausf\u00e4lle bei Kohle und Kernenergie sollen durch dezentrale Gaskraftwerke zumindest teilkompensiert werden, weshalb die Pipeline technisch gebraucht wird. Derweil steht aber das modernste Gaskraftwerk Europas in BaW\u00fc seit Jahren still, weil es nicht wirtschaftlich betrieben werden kann. M\u00f6glicherweise unsichere Versorgung mit Gas und der Bau neuer Kraftwerke auf der gr\u00fcnen Wiese &#8211; beim derzeitigen Stand der Planungssicherheit in Deutschland sollte man sich als Unternehmen \u00fcberlegen, ob man das Risiko, dass vieles so endet wie der Flughafen Berlin-Brandenburg oder Stuttgart 21, wirklich eingehen will.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst beim Wind- und Sonnenzappelstrom werden die Rahmenbedingungen nicht eingehalten, und zwar die gegen\u00fcber den Nachbarl\u00e4ndern. Die Anlagen werden inzwischen gegen die Rechte der betroffenen B\u00fcrger im Land gebaut und verunsichern das europ\u00e4ische Stromnetz bis an den Rand des Zusammenbruchs. Die andern L\u00e4ndern sollen\/m\u00fcssen n\u00e4mlich den \u00dcberstrom abnehmen und bei Mangel ihrerseits liefern. Dabei ist man aber an der Grenze angekommen. Trotzdem wird hier nat\u00fcrlich weiter gemacht. Der Erfolg: mindestens die \u00f6stliche Grenze der Republik zu Polen, Tschechien und \u00d6sterreich ist inzwischen elektrisch abgeschottet. Die L\u00e4nder haben aufw\u00e4ndige Phasenschiebertransformatoren an die \u00dcbergabestellen gesetzt, die daf\u00fcr sorgen, dass bei Wind und Sonne der \u00dcberschussstrom nicht mehr ihre Netze in Bedr\u00e4ngnis bringt, was dann hier zu vermehrter \u00dcberspannung und Frequenzabweichungen f\u00fchrt. Auch bei Dunkelflauten wird der Strombezug begrenzt mit Unterspannung und Frequenzabweichung hier. Letztlich die plausible \u00dcberlegung: wenn schon Blackout, dann bitte beim Verursacher, der sich nicht an die Regeln h\u00e4lt. Vertrauen? Kaum noch vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie weit der Vertrauensverlust von einigen Unternehmen in die von D und F dominierte EU geht, zeigen die Abwanderungstendenzen von Unternehmen. Der Mischkonzern Unilver und der Energiekonzern Shell sind britisch-niederl\u00e4ndische Traditionsunternehmen mit Doppelsitzen in Gro\u00dfbritannien und den Niederlanden. Beide \u00fcberlegen nach dem Brexit nun sehr ernsthaft, die Unternehmenssitze komplett nach Gro\u00dfbritannien zu verlagern und ihre Aktien nur noch an der Londoner B\u00f6rse zu notieren. Zu gro\u00df ist die Gier der EU und der EU-L\u00e4nder und zu unsicher die langfristige Rechtssicherheit. Bezeichnend dazu auch die Reaktion der niederl\u00e4ndischen Gr\u00fcnen: statt nun Anreize zu schaffen, im Land zu bleiben, wollen diese eine Emigrationssteuer einf\u00fchren. Unilever und Shell k\u00f6nnten nach diesen Pl\u00e4nen mit bis zu 30 Mrd. \u20ac Steuern belastet werden, wenn sie das Land verlassen. F\u00fcr mich als CEO w\u00e4re das ein Signal, alles unter Dach und Fach zu bringen, bevor die Gr\u00fcnen an die Regierung kommen. <\/p>\n\n\n\n<p>Unternehmen wie Vattenfall ziehen sich zur\u00fcck, andere wandern aus. Einige wie die Autokonzerne k\u00f6nnen schlecht ausweichen und kriechen inzwischen teilweise auf den Brustwarzen \u00fcber den Boden, so sehr ist das Vertrauen im Land gesunken. Toyota &amp; Co. d\u00fcrfte das nur bedingt interessieren. Je weniger hier noch an Know-How vorhanden ist und je weniger hier noch produziert wird, desto mehr wird auch die Kreditw\u00fcrdigkeit verfallen. Lieferung von Waren? Gerne, aber nur gegen harte W\u00e4hrung und nicht den Euro, und m\u00f6glichst gegen Vorkasse. Zwangsweise wird diese v\u00f6llige Unzuverl\u00e4ssigkeit der EU-Staaten dazu f\u00fchren, dass Chinesen und Amerikaner so anfangen zu denken. Unwahrscheinlich, dass sich rechtzeitig etwas \u00e4ndert und die v\u00f6llig durchgeknallten Typen in der Politik abges\u00e4gt werden. Derzeit ist der Gr\u00f6\u00dfenwahn zumindest in Deutschland deutlich ausgepr\u00e4gter als zu Adolfs Zeiten. Um es mal mit einem Gleichnis zu umschreiben:<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Elefant und eine Maus spielen Fu\u00dfball. Beim Dribbeln tritt der Elefant die Maus versehentlich in den Boden. Nachdem diese sich wieder aus dem Sand empor gearbeitet hat, entschuldigt sich der Elefant: &#8222;Tut mir sehr leid, ich wollte wirklich nicht auf dich drauftreten, &#8230;&#8220; &#8211; &#8222;Macht gar nichts!&#8220; unterbricht die Maus, &#8222;h\u00e4tte mir ja schlie\u00dflich auch passieren k\u00f6nnen.&#8220; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Gesch\u00e4ftsabschl\u00fcssen kommt es, wenn sich mehrere Leute treffen und jeweils etwas anbieten k\u00f6nnen, was der andere haben m\u00f6chte. Wenn man wissen m\u00f6chte, ob das Gesch\u00e4ft zufriedenstellend war, braucht man die Beteiligten nur zu fragen, ob sie mit dem Gesch\u00e4ftspartner auch weitere Gesch\u00e4fte abschlie\u00dfen w\u00fcrden. 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