{"id":515,"date":"2016-04-27T09:56:08","date_gmt":"2016-04-27T07:56:08","guid":{"rendered":"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=515"},"modified":"2016-04-27T10:03:00","modified_gmt":"2016-04-27T08:03:00","slug":"elektroautos-wer-wird-gefoerdert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2016\/04\/27\/elektroautos-wer-wird-gefoerdert\/","title":{"rendered":"Elektroautos: wer wird gef\u00f6rdert ?"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt sie also, die Pr\u00e4mie f\u00fcr den Kauf von Elektroautos. Lohnt sich ein E-Auto? Und wer wird da eigentlich gef\u00f6rdert? Und kann das klappen mit der E-Mobilit\u00e4t?<!--more--><\/p>\n<p>Fangen wir mal mit dem Wichtigen an, der Reichweite. Wie \u00fcblich stimmen die Laborwerte in der Regel nicht. Die liefern beispielsweise eine Reichweite von 160 km, w\u00e4hrend so genannte &#8222;H\u00e4rtetests&#8220; von 80 km ausgehen. Praxistests der Art &#8222;ich fahre wirklich mal mit dem Teil auf der normalen Stra\u00dfe&#8220; zeigen etwa 120 km, beim Tesla etwa das Dreifache. Mit extrem defensiver Fahrweise k\u00f6nnen es auch schon mal 160 km werden (Tesla etwa 500 km), aber dann ist Schicht im Schacht. Wenn man sich nicht weiter von der Steckdose entfernt, ist das ok, aber selbst Gesch\u00e4ftsleute im Nahbereich legen oft deutlich mehr Kilometer zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Das hat Auswirkungen auf die Technik: wenn es knapp wird, ist es g\u00fcnstig, noch einen kleinen Benzinmotor an Deck zu haben, sozusagen den Au\u00dfenborder an der Luxusyacht, die das Ding im Notfall gem\u00fctlich nach Hause f\u00e4hrt. Solche Bi-technik macht die Angelegenheit allerdings teurer und knabbert auch an den E-M\u00f6glichkeiten. Hinzu kommen teurere Werkstoffe als bei Kraftstoffautos, so dass man &#8211; von wenigen Ausnahmen abgesehen &#8211; einen Einstandspreis hat, der ca. 50% \u00fcber dem Benziner liegt, wobei gr\u00f6\u00dfere Abweichungen in beide Richtungen m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr wird es im Betrieb g\u00fcnstiger: reine E-Autos haben geringere Wartungskosten, weil die Motorwartung mehr oder weniger entf\u00e4llt. Bremsen, Reifen usw. bleiben nat\u00fcrlich. Die reinen Kraftstoffkosten liegen beim E-Auto ca. bei 50% des Benziners, wenn man die Strom- und die Tankstellenrechnung vergleicht und auf die Reichweite umlegt. Das Bild wird allerdings wieder getr\u00fcbt durch die Akku-Kosten: da Akkus immer noch eine begrenzte Lebensdauer haben und getauscht werden m\u00fcssen, kommen weitere Kosten wieder ober drauf. Die Akkukosten k\u00f6nnten aber sinken, und damit auch die Anschaffungskosten.<\/p>\n<p>Der Knackpunkt ist das Auftanken: das kann man zu Hause, wenn die Versorgungsleitung genug hergibt. Schnellladen am Hausnetz ist aber nicht drin. Ansonsten sieht es durchaus mau aus: wenn man heute in Gro\u00dfst\u00e4dten mal auf eine Ladestation trifft (heute um die 4.000 in der BRD), ist die nicht selten bereits jetzt besetzt. Und auch Schnellladen hei\u00dft: von Hamburg nach M\u00fcnchen ca. 3-4 Tage, um den Akku zwischendurch aufzuladen (au\u00dfer mit dem Tesla).<\/p>\n<p>Alternativ w\u00e4re ein Akkutausch an Tankstellen. Der d\u00fcrfte trotz allem immer noch l\u00e4nger dauern als das heutige Tanken, und die Akkus m\u00fcssten dann an der Tanke aufgeladen werden, was auch wieder dauert. Zus\u00e4tzlich m\u00fcssten die Akkus genormt sein, was heute nicht der Fall ist: jeder Hersteller backt modellbedingt seine Sonderbr\u00f6tchen.<\/p>\n<p>M\u00f6glich w\u00e4re auch die Privattankstelle: man bringt an der Hauswand eine Steckdose und einen Zahlautomaten an \u00e4hnlich wie auf Campingpl\u00e4tzen oder Wohnmobilstellpl\u00e4tzen. Jeder, der vor dem Haus parkt, kann dann Strom tanken. Nur ist dann m\u00f6glicherweise der eigene Parkplatz futsch, und bei Stromkosten bis zu 50 ct\/kWh an solchen Tankstellen ist der Preisvorteil ebenfalls futsch.<\/p>\n<p>Eine weitere Frage ist, wie weit die Stromnetze das aushalten. Ladestr\u00f6me sind relativ hoch, wenn es schnell gehen muss. Wenn Zielvorgaben wie &#8222;1.000.000 E-Autos 2020&#8243; auch nur ann\u00e4hernd erreicht werden sollten, d\u00fcrften die Stromnetze ein gro\u00dfes Problem haben &#8211; und die Stromversorgung ist ja heute schon nicht im besten Zustand. Ob man nun Gehirnakrobaten ernst nehmen soll, die die E-Autos als Akku-Puffer f\u00fcr das Stromnetz betrachten, darf man bezweifeln, denn im Zweifelsfall k\u00f6nnte das bedeuten, dass der Akku nur zu 50% geladen ist, und wenn man vergessen hat, dass am Folgetag 90% ben\u00f6tigt werden, muss das Fahrrad nehmen.<\/p>\n<p>Bleibt zum Tanken mehr oder weniger nur die heimische Steckdose, und das geht auch nur f\u00fcr Leute, die eine Garage oder einen festen reservierten Stellplatz vor dem Haus haben, also eher im Vorstadt- oder Landbereich. Und wenn man am Wochenende die Oma in Wuppertal besuchen will, muss die auch eine Lade-Steckdose haben, sonst l\u00e4uft da wenig.<\/p>\n<p>Auch nicht mitgerechnet haben wir, wo der Strom herkommt. Mit \u00d6kostrom geht es nicht, denn der ist oft nicht da, wenn man ihn braucht, und die Landschaft ist ohnehin schon ziemlich verspargelt, so dass nur noch wenig produktive Standorte bleiben. Offshore-Strom ist teuer und der Platz daf\u00fcr aus verschiedenen Gr\u00fcnden ebenfalls begrenzt. Atomkraft wird je gerade entg\u00fcltig abgedreht, zumindest hier. Bleiben also mehr Kohlkraftwerke oder Atomkraftwerke im Ausland. Damit ist dann aber auch die \u00d6kobilanz zum Teufel, denn mit konventionellem Strom ist ein E-Auto nicht besser als ein Diesel.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr den Staat hat das E-Auto unangenehme Auswirkungen: die Stromkosten sind nur deshalb etwa halb so hoch wie die Spritkosten, weil 2\/3 des Spritpreises Steuern sind. Reale Preise genommen g\u00e4be es kaum einen Unterschied. Von den 60 Mrd. \u20ac Steuern werden aber nur ca. 10 Mrd. \u20ac tats\u00e4chlich f\u00fcr die Infrastruktur aufgewendet; der Rest geht in die Sozialsysteme und die Finanzierung der internationalen Korruption. Kommen die E-Autos im geplanten Umfang, w\u00e4ren die 10 Mrd \u20ac weg. Welche Leistungen werden dann wohl gek\u00fcrzt, oder besser, welche Steuern werden dann erh\u00f6ht? Denn an der Verschwendungssucht der Politik wird sich nichts \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Halten wir fest: ein E-Auto lohnt sich auf absehbare Zukunft nur dann, wenn man nicht vorhat, damit in Urlaub zu fahren oder sonstige Spa\u00dffahrten zu unternehmen, die einen mehr als 80 km von der Wohnung entfernen. Beruflich muss man es im Nahbereich ben\u00f6tigen und m\u00f6glichst auch pro Tag die Batterie weitegehend leer fahren, damit die Gesamtbilanz stimmt. Au\u00dferdem muss man so wohnen, dass man eine Steckdose am eigene Parkplatz montieren kann. Das d\u00fcrfte den potentiellen Nutzerkreis stark einengen. Vermutlich geh\u00f6ren die meisten Leser dieses Artikels nicht dazu, wenn sie sich es genauer \u00fcberlegen.<\/p>\n<p>Gef\u00f6rdert wird somit nicht eine Umstellung des Verkehrs auf ein anderes Verkehrsmittel, sondern es werden die Automobilhersteller subventioniert. Also das \u00fcbliche, und bezahlen darf die fetten Boni mal wieder der Steuerzahler. Behaupte noch einer, die f\u00fchrenden Politiker seien nicht korrupt.<\/p>\n<p>[yop_poll id=&#8220;28&#8243; tr_id=&#8220;&#8220;&#8220; show_results=&#8220;-1&#8243;]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt sie also, die Pr\u00e4mie f\u00fcr den Kauf von Elektroautos. Lohnt sich ein E-Auto? Und wer wird da eigentlich gef\u00f6rdert? Und kann das klappen mit der E-Mobilit\u00e4t? 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