{"id":5116,"date":"2020-08-05T09:57:41","date_gmt":"2020-08-05T07:57:41","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=5116"},"modified":"2020-08-05T10:04:13","modified_gmt":"2020-08-05T08:04:13","slug":"der-erste-reaktor-der-vae-ist-kritisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2020\/08\/05\/der-erste-reaktor-der-vae-ist-kritisch\/","title":{"rendered":"Der erste Reaktor der VAE ist kritisch"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n\n<p style=\"margin-bottom: 0.35cm\"><font color=\"#0000ff\"><u><a href=\"http:\/\/www.nukeklaus.net\/2020\/08\/02\/der-erste-reaktor-der-vae-ist-kritisch\/\">http:\/\/www.nukeklaus.net\/2020\/08\/02\/der-erste-reaktor-der-vae-ist-kritisch\/<\/a><\/u><\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0.35cm\">Dr. Klaus-Dieter Humpich, 2.8.2020<\/p>\n<p style=\"margin-top: 0.49cm; margin-bottom: 0.49cm; line-height: 100%\">\n<font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">Mit\nder Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Barakah sind die Vereinigten\nArabischen Emirate (VAE) als 33. Nation in den weltweiten Kreis der\nNationen mit friedlicher Nutzung der Kernenergie aufgestiegen. Ein\nunter verschieden Gesichtspunkten erw\u00e4hnenswerter Schritt.<\/font><\/font><\/p><!--more-->\n<h2 class=\"western\">Proliferation<\/h2>\n<p style=\"margin-bottom: 0.35cm; line-height: 100%\"><font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">Die\nVAE haben sich bewu\u00dft zur ausschlie\u00dflichen friedlichen Nutzung\nbekannt. Sie haben deshalb bewu\u00dft auf einen eigenen\nBrennstoffkreislauf vertraglich verzichtet: Keine Anreicherung von\nUran und keinerlei Gewinnung von Plutonium um \u201eVerdachtsmomente\u201c\neiner milit\u00e4rischen Nutzung vollst\u00e4ndig auszuschlie\u00dfen. Bezug von\nBrennstoff nur in der Form einsatzbereiter Brennelemente. So radikal\nhat sich bisher keine Nation positioniert. Extremes Gegenbeispiel ist\nder Nachbar auf der anderen Seite des Golfs. Im Mullah-Iran wird die\nAnreicherung von Uran und die Gewinnung von (waffengr\u00e4digem)\nPlutonium leichtgl\u00e4ubigen Europ\u00e4ern als notwendig f\u00fcr den Betrieb\ndes Kernkraftwerks Busher verkauft.<\/font><\/font><\/p>\n<p style=\"margin-top: 0.49cm; margin-bottom: 0.49cm; line-height: 100%\">\n<font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">Der\nVerzicht auf einen eigenen Brennstoffkreislauf hat einerseits enorme\ndiplomatische Verwerfungen ausgel\u00f6st und andererseits interessante\nneuartige Ans\u00e4tze erschaffen. So haben die USA gr\u00f6\u00dfte Bauschmerzen\nbei der Lieferung von Kernkraftwerken an Saudi Arabien oder Indien.\nIndien ist bereits faktisch \u201eAtommacht\u201c. Saudi Arabien ist nicht\ngrunds\u00e4tzlich bereit einen faktischen Verzicht auf Kernwaffen\nauszusprechen solange der \u201eErzfeind Iran\u201c weiter offen an der\n\u201eAtombombe\u201c bastelt. Schon aus diesem Grunde ist das \u2013\ninsbesondere von&nbsp;<font color=\"#0000ff\"><u><a href=\"http:\/\/www.nukeklaus.net\/2018\/05\/09\/trump-kuendigt-das-iranabkommen\/adminklaus\/\">Deutschland<\/a><\/u><\/font>&nbsp;immer\nnoch verzweifelt hoch gelobte&nbsp;<font color=\"#0000ff\"><u><a href=\"http:\/\/www.nukeklaus.net\/2015\/07\/17\/e3-eu3-10-punkte-fuer-iran\/adminklaus\/\">\u201eIranabkommen\u201c<\/a><\/u><\/font>&nbsp;\u00e4u\u00dferst\nkontraproduktiv gewesen. Andererseits ist durch die inzwischen\nverwirklichte&nbsp;<font color=\"#0000ff\"><u><a href=\"http:\/\/www.nukeklaus.net\/2013\/06\/16\/brennstoffbank\/adminklaus\/\">Brennstoffbank<\/a><\/u><\/font>&nbsp;mehr\nals ein Ansatz f\u00fcr die Nichtverbreitung von Kernwaffen geschaffen\nworden.<\/font><\/font><\/p>\n<p style=\"margin-top: 0.49cm; margin-bottom: 0.49cm; line-height: 100%\">\n<font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">Um\ndie Brennstoffversorgung zu sichern, wurde die Versorgung durch die\nVAE in f\u00fcnf Bereiche vom Uranbergbau bis zum Brennelement\ngegliedert. F\u00fcr jede Stufe wird mit mehreren Lieferanten aus\nunterschiedlichen L\u00e4ndern Liefervertr\u00e4ge abgeschlossen. F\u00fcr die\nErstbeladung allein mit sechs Unternehmen. F\u00fcr abgebrannte\nBrennelemente werden drei Perioden (bis 20 Jahre, bis 200 Jahre und\ndar\u00fcber hinaus) definiert. F\u00fcr die Lagerung bis zu 20 Jahren sind\nAbklingbecken vorgesehen. Alle sechs Jahre sollen die Elemente in\noberirdische Betontresore f\u00fcr mindestens (m\u00f6gliche) 200 Jahre\numgelagert werden. F\u00fcr den Zeitraum danach kann eine\nWiederaufbereitung im Ausland durchgef\u00fchrt oder eine direkte\nEndlagerung vorgenommen werden. Eine endg\u00fcltige Entscheidung wird\ndann wahrscheinlich nach Kosten gef\u00e4llt werden.<\/font><\/font><\/p>\n<h2 class=\"western\">Die Energiesituation in den VAE<\/h2>\n<p style=\"margin-bottom: 0.35cm; line-height: 100%\"><font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">Im\nJahr 2007 wurde eine umfangreiche Energiestudie durchgef\u00fchrt. Man\nkam zu der Erkenntnis, da\u00df der Verbrauch an elektrischer Energie mit\neiner Rate von 9% j\u00e4hrlich wachsen w\u00fcrde. Es blieb daher nur der\nWeg \u00fcber den Neubau von Kernkraftwerken oder Kohlekraftwerken. Ab\ndem Jahr 2007 wurde die VAE bereits zum Netto-Gasimporteur mit stetig\nsteigender Tendenz. Noch heute wird fast 98% der elektrischen Energie\naus Erdgas gewonnen. Der Prim\u00e4renergieverbrauch wurde 2018 aus etwa\n40% \u00d6l und 59% Erdgas gedeckt. Im Jahr 2017 wurden 127 TWh\nelektrische Energie verbraucht. Das Kernkraftwerk Barakah mit 4\nBl\u00f6cken vom Typ&nbsp;<font color=\"#0000ff\"><u><a href=\"http:\/\/www.nukeklaus.net\/2020\/04\/12\/apr1400-aus-korea\/adminklaus\/\">APR1400<\/a><\/u><\/font>&nbsp;kann\nrund 44 TWh j\u00e4hrlich produzieren. Damit k\u00f6nnen erhebliche Mengen\nErdgas in den n\u00e4chsten Jahren f\u00fcr die Industrie oder den Export\nfreigesetzt werden.<\/font><\/font><\/p>\n<h2 class=\"western\">Finanzierung<\/h2>\n<p style=\"margin-bottom: 0.35cm; line-height: 100%\"><font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">Nach\ninternationaler Ausschreibung und mehr als einj\u00e4hriger Pr\u00fcfung ging\nder Auftrag 2009 an die Korea Electric Power Company \u00fcber die\nschl\u00fcsselfertige Lieferung zum Festpreis von 20 Milliarden USD f\u00fcr\ndas Kernkraftwerk Barakah (3600 USD\/kW). Es war der erste\nExporterfolg Koreas f\u00fcr Reaktoren der sog. III. Generation. Insofern\nein mutiger Schritt auf beiden Seiten. Vor der Entscheidung wurden\nzahlreiche internationale Fachleute mit Erfahrungen im Bau von\nKernkraftwerken im Auftrag der VAE nach Korea entsandt. Ihr Auftrag\nwar die Beurteilung der Zulieferer und der Baustellen des gleichen\nTyps. Die VAE selbst verf\u00fcgen \u00fcber zahlreiche Erfahrungen in der\nAbwicklung von Gro\u00dfprojekten ihrer \u00d6l- und Gasindustrie und den Bau\nund Betrieb zahlreicher Gas-Kombi-Kraftwerke.<\/font><\/font><\/p>\n<p style=\"margin-top: 0.49cm; margin-bottom: 0.49cm; line-height: 100%\">\n<font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">Im\nJahr 2016 gingen die VAE und Korea eine gegenseitige Beteiligung ein.\nMan gr\u00fcndete <font face=\"Cambria Math\">\u226b<\/font>Barakah One (BO)<font face=\"Cambria Math\">\u226a<\/font>\nals Finanzierungs- und <font face=\"Cambria Math\">\u226b<\/font>Nawah<font face=\"Cambria Math\">\u226a<\/font>\nals gemeinsame Betriebsgesellschaft. An diesen beiden Gesellschaft\nhat jeweils die <font face=\"Cambria Math\">\u226b<\/font>Emirates Nuclear\nEnergy Corporation (ENEC)<font face=\"Cambria Math\">\u226a<\/font> einen\nAnteil von 82% und die <font face=\"Cambria Math\">\u226b<\/font>Korea\nElectric Power Corporation (KEPCO)<font face=\"Cambria Math\">\u226a<\/font>\neinen Anteil von 18%. BO verf\u00fcgt \u00fcber ein Kapital von 24,4\nMilliarden USD. Davon sind 4,7 Milliarden Eigenkapital und rund 19,6\nMilliarden Fremdfinanzierung. Das Department of Finance of Abu Dhabi\nhat 16,2 Milliarden beigesteuert und die Export-Importbank von Korea\n(KEXIM) 2,5 Milliarden. Weitere Mittel kommen von einem\nBankenkonsortium (National Bank of Abu Dhabi, First Gulf Bank, HSBC,\nStandard Chartered Bank). Das Volumen beinhaltet den Auftragswert\n(overnight cost), die Zinsen und etwaige Kostensteigerung durch\nInflation w\u00e4hrend der Bauzeit, sowie die erste Brennstoffladung.<\/font><\/font><\/p>\n<h2 class=\"western\">Die Baustelle als ein Konjunkturprogramm<\/h2>\n<p style=\"margin-bottom: 0.35cm; line-height: 100%\"><font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">Im\nJuly 2012 begann der Bau mit dem Betonieren der Grundplatte des\nReaktors 1. Diese Arbeiten gelten international als der Baubeginn\neines Kernkraftwerks. Im May 2013 folgte die Grundplatte des Reaktors\n2 und im September 2014 Grundplatte 3 bzw. im September 2015\nGrundplatte 4. Hier wird schon das Prinzip eines kosteng\u00fcnstigen\nBauens erkennbar: Man baut viermal die gleiche Anlage, aber\ngeringf\u00fcgig zeitversetzt. So hat man jeweils nach dem Bau der Anlage\n1 ein bereits ge\u00fcbtes Team f\u00fcr die Anlagen 2 bis 4 vor Ort. Dies\nbietet die gr\u00f6\u00dfte Rationalisierung und Sicherheit vor Fehlern, die\nzu Bauverz\u00f6gerungen f\u00fchren. Eine stets wiederkehrende Erfahrung auf\nallen Baustellen der Welt. Dieser Takt wurde auch bei den Komponenten\ngehalten: Z. B. Einbau des ersten Reaktordruckgef\u00e4\u00dfes im May 2014,\nim Reaktor 2 im Juni 2015, im Reaktor 3 July 2016 und 2017 im Reaktor\n4. Eine solche Auftragsvergabe wirkt sich nat\u00fcrlich auch\nkostensenkend bei den Zulieferern aus. Eine Kleinserie ist immer\ng\u00fcnstiger als eine spezielle Einzelanfertigung. Jedes \u201eerste Mal\u201c\nbirgt immer das Risiko nicht vorhergesehener Probleme, die\nautomatisch zu Verz\u00f6gerungen f\u00fchren.<\/font><\/font><\/p>\n<p style=\"margin-top: 0.49cm; margin-bottom: 0.49cm; line-height: 100%\">\n<font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">Auf\nder Baustelle arbeiteten mehr als 18 000 Menschen. So viele Menschen\n\u00fcber so lange Zeit mit Unterkunft, Essen, sauberer Arbeitsbekleidung\netc. zu versorgen, ist ein enormer Input f\u00fcr die lokale Wirtschaft.\nHinzu kommen die Auftr\u00e4ge im Inland. Rund 1400 Unternehmen aus den\nVAE erhielten vom Generalunternehmer Auftr\u00e4ge \u00fcber mehr als 3\nMilliarden USD. Viel bedeutender als der Geldwert ist jedoch der\nWissenstransfer: Alle Produkte und Dienstleistungen m\u00fcssen den\nstrengen Qualit\u00e4tsanforderungen der Kerntechnik gen\u00fcgen. So haben\ndie koreanischen Zulieferer durch tatkr\u00e4ftige Hilfe dazu\nbeigetragen, da\u00df zahlreiche Unternehmen sich erstmalig f\u00fcr eine\nZulassung bei der American Society of Mechanical Engineers (ASME)\nzertifizieren konnten. So besitzen z. B. Emirates Steel durch ihre\nLieferung f\u00fcr Betonstahl nun eine ASME-Zulassung f\u00fcr\nKernkraftwerke. Solche Zertifikate m\u00fcssen beileibe keine\nEintagsfliegen sein. So konnte der Kabellieferant Ducab inzwischen\nsogar Kabel f\u00fcr das Kernkraftwerk Shin Hanul in Korea liefern. Es\nist kein Zufall, da\u00df hier keine Rede mehr von DIN und sonstigen\ndeutschen Regelwerken ist. Keine Exporte von Kernkraftwerken, keine\nVerbreitung von deutscher Spitzentechnik. Wer seinen Betrieb einmal\naufwendig auf die US-Ma\u00dfsysteme und ihre Technik-Philosophie\neingestellt hat, wird nur sehr unwillig alles \u00e4ndern. Dies gilt auch\nf\u00fcr andere Produkte.<\/font><\/font><\/p>\n<h2 class=\"western\">Die Folgeauftr\u00e4ge<\/h2>\n<p style=\"margin-bottom: 0.35cm; line-height: 100%\"><font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">Ein\nsolches Projekt ergibt eine gegenseitige Verkn\u00fcpfung der\nWirtschaftsbeziehungen f\u00fcr Jahrzehnte. F\u00fcr den Lieferanten ergeben\nsich unz\u00e4hlige lukrative Folgeauftr\u00e4ge. So hat die Korea Hydro und\nNuclear Power (KHNP) mit der Betriebsgesellschaft Nawah ein\n<font face=\"Cambria Math\">\u226b<\/font>Operating Support Service\nAgreement (QSSA)<font face=\"Cambria Math\">\u226a<\/font> abgeschlossen.\nF\u00fcr 10 Jahre nach Fertigstellung sollen 400 Fachkr\u00e4fte von KHNP den\nBetrieb vor Ort unterst\u00fctzen. Der Auftragswert: 880 Millionen USD.\nHinzu kam 2017 ein weiteres Abkommen zwischen KHNP und Nawah \u00fcber\nden gemeinsamen Einkauf von Ersatzteilen f\u00fcr die koreanischen und\nVAE Kraftwerke vom Typ APR1400. Im M\u00e4rz 2019 hat Nawah einen\nf\u00fcnfj\u00e4hrigen Wartungsvertrag mit Kepco und Doosan Heavy Industries\nabgeschlossen. Man mu\u00df nicht nur unz\u00e4hlige \u201eElektro-Golfs\u201c\nverkaufen, bis man einen Umsatz von 20 Milliarden erzielt hat,\nsondern bei einem Kernkraftwerk fallen einem auch noch weitere\nMilliardenauftr\u00e4ge quasi ins Haus. Nicht zu untersch\u00e4tzen, welche\nganz anderen Auftr\u00e4ge man durch solch enge Kontakte einwerben kann.\nSo haben sich die Koreaner schon vorher durch den Bau von\nGaskraftwerken und Meerwasserentsalzungsanlagen einen Namen in den\nVAE gemacht. So wie einst Siemens \u2013 jedenfalls sind nicht immer\nh\u00f6here Lohnkosten in Deutschland eine Ausrede f\u00fcr alles.\nPolitischer Wille spielt auch eine nicht ganz unwichtige Rolle. Wenn\nman jedenfalls sein Heil in der Neuerfindung mittelalterlicher\nTechniken sucht, sollte man sich \u00fcber keinen Stellenabbau wundern.<\/font><\/font><\/p>\n<h2 class=\"western\">Der steinige Weg<\/h2>\n<p style=\"margin-bottom: 0.35cm; line-height: 100%\"><font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">Es\nist eine nicht zu untersch\u00e4tzende Leistung, ein bitterarmes Volk aus\neiner nahezu unbewohnbaren Salzw\u00fcste in das 21. Jahrhundert zu\nkatapultieren. Inzwischen setzt sich in allen \u00d6lf\u00f6rderl\u00e4ndern die\nErkenntnis durch, da\u00df nur durch eine konsequente Industrialisierung\ndauerhaft gut bezahlte und anspruchsvolle Arbeitspl\u00e4tze geschaffen\nwerden k\u00f6nnen. Davor steht wiederum Bildung und Ausbildung. So ist\ndie Emirates Nuclear Energy Corporation (ENEC) buchst\u00e4blich aus dem\nNichts 2008 entstanden. Heute hat die ENEC \u00fcber 2900 Mitarbeiter.\nDer Anteil der Emiratis ist inzwischen auf 60% angestiegen und der\nAnteil der Frauen betr\u00e4gt 20%, was vielleicht viele\n\u201eGender-GaGa-Anh\u00e4nger\u201c erstaunen mag. Hier w\u00e4chst eine\nGeneration hoch qualifizierter Frauen heran, von denen bereits einige\nF\u00fchrungspositionen \u2013 ganz ohne Quote, sondern durch Flei\u00df\n(Kerntechnik-Studium) und Bef\u00e4higung \u2013 erklommen haben.<\/font><\/font><\/p>\n<p style=\"margin-top: 0.49cm; margin-bottom: 0.49cm; line-height: 100%\">\n<font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">Der\nWeg ist durchaus eine Orientierung f\u00fcr andere Schwellen- oder gar\nEntwicklungsl\u00e4nder die Kernenergie nutzen wollen. Auch Wissen kann\nimportiert werden. Man hat Fachleute aus aller Welt mit mindestens\n25-j\u00e4hriger einschl\u00e4giger Berufserfahrung angeworben. Der eigene\nNachwuchs lernt durch die unmittelbare Zusammenarbeit an dem\nkonkreten Projekt. F\u00fcr die Grundausbildung sind vier Z\u00fcge\nvorgesehen:<\/font><\/font><\/p>\n<ol>\n\t<li>\n<p style=\"margin-top: 0.49cm; margin-bottom: 0cm; line-height: 100%\">\n\tWeiterbildung von erfahrenem Personal aus anderen Industriezweigen\n\tdes Landes.<\/p>\n\t<\/li><li>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; line-height: 100%\">Studium von\n\tbesonders qualifizierten Studenten der eigenen Hochschulen zur\n\tErlangung eines \u201eNuclear Masters\u201c an renommierten Universit\u00e4ten\n\tim Ausland.<\/p>\n\t<\/li><li>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; line-height: 100%\">Aufbau eines\n\t\u201eBachelors der Kerntechnik\u201c an den Hochschulen des Landes.<\/p>\n\t<\/li><li>\n<p style=\"margin-bottom: 0.49cm; line-height: 100%\">Techniker\n\tf\u00fcr Wartung und Betrieb im eigenen Kraftwerk.<\/p>\n<\/li><\/ol>\n<p style=\"margin-top: 0.49cm; margin-bottom: 0.49cm; line-height: 100%\">\n<font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">KHNP\nund ENEC haben 2016 einen Vertrag \u00fcber die Entsendung von 50\nFachkr\u00e4ften f\u00fcr die Ausbildung in Korea abgeschlossen. Daraus sind\nunter anderem 10 voll ausgebildete und zertifizierte Reaktorfahrer\nhervorgegangen. Seit 2010 l\u00e4uft das <font face=\"Cambria Math\">\u226b<\/font>Energy\nPioneers Program<font face=\"Cambria Math\">\u226a<\/font> mit den USA.\nBisher wurden 500 Emiratis ausgebildet. Weiter werden 200 Emiratis\ndurch die USA zu Reaktorfahrern ausgebildet. Im July 2019 wurden die\nersten 15 Reaktorfahrer nach 3-j\u00e4hriger praktischer Ausbildung in\nKorea, S\u00fcdafrika und USA von der ENEC zugelassen. F\u00fcr den Betrieb\ndes Kraftwerks geht ENEC von etwa 2000 Dauerarbeitspl\u00e4tzen aus.<\/font><\/font><\/p>\n<h2 class=\"western\">Zwangsl\u00e4ufige Verz\u00f6gerungen<\/h2>\n<p style=\"margin-bottom: 0.35cm; line-height: 100%\"><font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">Die\nKernenergie in den VAE wurde praktisch auf einem wei\u00dfen Blatt\nbegonnen. Von Anfang an hat man die Kooperation mit dem Ausland\nangestrebt um aus Erfahrungen und Fehlern zu lernen. Auf Transparenz\ngegen\u00fcber allen internationalen Institutionen wurde stets gro\u00dfer\nWert gelegt. Die Federal Authority for Nuclear Regulation (FANR) der\nVAE ging nie allein vor.<\/font><\/font><\/p>\n<p style=\"margin-top: 0.49cm; margin-bottom: 0.49cm; line-height: 100%\">\n<font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">Bereits\nim Mai 2017 wurden vertragsgem\u00e4\u00df die Brennelemente f\u00fcr den ersten\nReaktor geliefert und im Kraftwerk bis zur Erlangung einer\nBetriebsgenehmigung eingelagert. Im Oktober 2017 hat ein\n<font face=\"Cambria Math\">\u226b<\/font>Pre-Operational Safety Review\nTeam (Pre-OSART)<font face=\"Cambria Math\">\u226a<\/font> der <font face=\"Cambria Math\">\u226b<\/font>World\nAssociation of Nuclear Operators (WANO)<font face=\"Cambria Math\">\u226a<\/font>\ndie Anlage auf ihre Betriebssicherheit \u00fcberpr\u00fcft. 15 internationale\nFachleute aus 7 L\u00e4ndern haben 18 Tage vor Ort das Kraftwerk\nbegutachtet. Hierbei geht es vor allen Dingen um die Einhaltung der\nSicherheitsstandards der <font face=\"Cambria Math\">\u226b<\/font>International\nAtomic Energy Agency (IAEA)<font face=\"Cambria Math\">\u226a<\/font>. Der\nBericht schlo\u00df mit einem Lob f\u00fcr die Bildung der \u201eMulti-Kulti\u201c\nBetriebsmannschaft, aber auch mit einiger Kritik ab. Es wurde f\u00fcr\ndie Behebung der M\u00e4ngel ein Zeitraum von 18 Monaten vorgegeben.<\/font><\/font><\/p>\n<p style=\"margin-top: 0.49cm; margin-bottom: 0.49cm; line-height: 100%\">\n<font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">Im\nM\u00e4rz 2018 wurde der erste Reaktor offiziell fertig gestellt und dem\nKunden \u00fcbergeben. Damit sind alle Tests und Pr\u00fcfungen unter\nFremdenergie abgeschlossen und die Betriebsf\u00e4higkeit nachgewiesen.\nDer Reaktor durfte aber erst mit Kernbrennstoff beladen werden,\nnachdem die Betriebsgesellschaft Nawah eine Betriebserlaubnis\nerhalten hatte.<\/font><\/font><\/p>\n<p style=\"margin-top: 0.49cm; margin-bottom: 0.49cm; line-height: 100%\">\n<font face=\"Times New Roman\"><font style=\"font-size: 12pt\" size=\"3\">Im\nNovember 2019 f\u00fchrte die WANO eine <font face=\"Cambria Math\">\u226b<\/font>Pre-Start\nUp Review<font face=\"Cambria Math\">\u226a<\/font> durch und erkl\u00e4rte den\nReaktor 1 f\u00fcr betriebsbereit. Am 17.02.2020 erteilte die FANR als\nzust\u00e4ndige Institution der Nawah eine Betriebsgenehmigung f\u00fcr 60\nJahre. Dies geschah nachdem \u00fcber 14 000 eingereichte Seiten\ntechnische Dokumentation gepr\u00fcft, 255 Inspektionen durchgef\u00fchrt,\n2000 erg\u00e4nzende Anfragen bearbeitet und 40 internationale\nInspektionen durch WANO und IAEA durchgef\u00fchrt worden waren. Damit\nkonnte Reaktor 1 mit Kernbrennstoff beladen werden. Die Erstbeladung\nkonnte bereits durch ein Team aus 90% Emitatis eigenverantwortlich\ndurchgef\u00fchrt werden. Trotz Corona konnte nun endlich zum 1. August\nder erste Block seine Kettenreaktion einleiten. Es beginnen jetzt die\n\u00fcblichen Garantietests in verschiedenen Leistungsstufen. Man strebt\neine vollst\u00e4ndige \u00dcbergabe bis Ende des Jahres an. Gleichwohl wird\nschon in dieser Inbetriebnahmephase elektrische Energie in das\nVerteilnetz der VAE eingespeist.<\/font>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>http:\/\/www.nukeklaus.net\/2020\/08\/02\/der-erste-reaktor-der-vae-ist-kritisch\/ Dr. Klaus-Dieter Humpich, 2.8.2020 Mit der Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Barakah sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) als 33. Nation in den weltweiten Kreis der Nationen mit friedlicher Nutzung der Kernenergie aufgestiegen. Ein unter verschieden Gesichtspunkten erw\u00e4hnenswerter Schritt. 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