{"id":4921,"date":"2020-05-23T09:13:34","date_gmt":"2020-05-23T07:13:34","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=4921"},"modified":"2020-05-23T09:13:36","modified_gmt":"2020-05-23T07:13:36","slug":"corona-und-der-flaschenhals","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2020\/05\/23\/corona-und-der-flaschenhals\/","title":{"rendered":"Corona und der Flaschenhals"},"content":{"rendered":"\n<p>Nein, das ist keine Nachlese zum Vatertag. Es geht eher um so was wie &#8222;Beyond Drosten&#8217;s Horizon&#8220;. Nun ja, vielleicht wei\u00df er das sogar &#8211; allerdings wenn er jetzt erst darauf kommt, dass &#8222;Erk\u00e4ltungskrankheit&#8220; semantisch irgendwie mit &#8222;durchschnittliche Tagestemperatur&#8220; zu tun haben k\u00f6nnte &#8230;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>In der Biologie gibt es den Begriff &#8222;Bottleneck&#8220; oder eben Flaschenhals in der altert\u00fcmlichen Sprache, die l\u00e4nger hier lebende noch fallweise beherrschen. Er beschreibt eine populationsdynamische Erscheinung, die zum Aussterben von Arten f\u00fchren kann. Wenn die Population einer Art durch irgendwelche Umst\u00e4nde stark dezimiert wird, wird auch der genetische Pool stark eingeengt. Es k\u00f6nnen sich genetisch ung\u00fcnstige Eigenschaften oder Fehler ausbreiten, die zu weiterer Degeneration und schlie\u00dflich zum Aussterben f\u00fchren k\u00f6nnen. Ein harmloses Beispiel ist die &#8222;habsburger Lippe&#8220;:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"388\" height=\"426\" src=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/grafik-8.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4922\" srcset=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/grafik-8.png 388w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/grafik-8-273x300.png 273w\" sizes=\"auto, (max-width: 388px) 100vw, 388px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Durch fortgesetzte Inzucht innerhalb der monarchischen Dynastien Europas konnte man die Mitglieder der Familie leicht an der vorstehenden Unterlippe erkennen (ob das nun der Grund zum Aussterben nach dem 1 WK war, ist allerdings ungekl\u00e4rt). Jedenfalls ist &#8222;Inzucht&#8220; in allen Gesellschaften verp\u00f6nt und das hat wohl seinen Grund.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder die Umwelt ver\u00e4ndert sich und die Variation im vorhandenen Genpool reicht nicht mehr dazu aus, dass sich die Art insgesamt darauf einstellen kann. Ein Beispiel daf\u00fcr sind die Pandas, die sich nicht mehr auf andere Nahrungsquellen einstellen k\u00f6nnen und mehr oder weniger nur noch mit Hilfe der Menschen \u00fcberleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die dritte M\u00f6glichkeit, dass ein neuer Pr\u00e4dator ratz-fatz Schluss macht mit den letzten der Art, lassen wir mal aus (der Dodo ist nur ein Beispiel daf\u00fcr).<\/p>\n\n\n\n<p>So einen Bottleneck scheint auch die Menschheit durchlaufen zu haben. Modellrechnungen (ja, ich wei\u00df, beim Klima bin ich kritischer bei Modellen, aber die gehen ja auch in die Zukunft) deuten darauf hin, dass in ferner Vergangenheit die Menschheit auf eine Bottleneck-Population von ca. 10.000 Individuen reduziert worden sein k\u00f6nnte, aber nicht daran zu Grunde gegangen ist, sondern sich wieder daraus hervor gearbeitet hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Bottlenecks k\u00f6nnen somit f\u00fcr h\u00f6here Lebenwesen zu einem ernsten Problem werden. Kommen wir nach der Vorrede aber nun endlich zum Thema. RNA-Viren wie unsere Coronis haben einen sehr kurzen Generationszyklus: sie \u00fcberleben ein paar Wochen in einem Wirt, bis der kurzen Prozess mit ihnen macht (oder manchmal auch umgekehrt) und m\u00fcssen in der Zeit den n\u00e4chsten Wirt finden. Das l\u00e4uft &#8211; o Wunder Drostenscher Erkenntnis &#8211; besonders in k\u00fchleren Perioden besonders gut. In der w\u00e4rmeren Jahreszeit gehen die Erkrankungen gegen Null, was auch jetzt wieder gut zu beobachten ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings: das betrifft nur echte Erkrankungen. Wie wir wissen, bleiben Infektionen als solche h\u00e4ufig unter dem Radar, besonders in der warmen Jahreszeit. \u00dcber die Gr\u00fcnde brauchen wir hier gar nicht zu spekulieren. Die Erfahrung zeigt jedenfalls: auch wenn im Sommer kein echter Krankheitsfall mehr zu beobachten war, rast die n\u00e4chste Erkrankungswelle mit Beginn der kalten Jahreszeit wieder \u00fcber das Land, ohne dass in den meisten F\u00e4llen irgendeine Quelle zu identifizieren w\u00e4re. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Erfahrung zeigt auch: keine Welle gleicht der des Vorjahres. Es ziehen neue St\u00e4mme durchs Land, die sich von denen des Vorjahres genetisch unterscheiden. Was sie auch m\u00fcssen, um im Vorjahr Infizierte wieder befallen zu k\u00f6nnen. RNA-Viren sind genetisch nicht sonderlich stabil, mutieren also leicht, was diese Strategie erm\u00f6glicht. Insofern trifft die Aussage &#8222;Covid-19 ist ein v\u00f6llig neues Virus&#8220; auf alle Viren einer neuen Saison zu; inwieweit der Corona-Stamm dieses Jahres nun wirklich etwas so v\u00f6llig Neues ist, m\u00fcssen die Genetiker untereinander ausmachen (tats\u00e4chliche Abst\u00e4nde zu anderen St\u00e4mmen).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bottleneck wird damit aber zu einem Element der \u00dcberlebensstrategie der Viren: jahreszeitlich bedingt \u00fcberleben nur wenige Exemplare unter dem Radar in wenigen Wirten. So wenige, dass der Hauptstamm ausstirbt und auch von den Mutanten nur wenige \u00fcberleben. Und genau diese \u00dcberlebenden schlagen wieder zu, wenn die Witterungsbedingungen umschlagen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das ist somit alles eingepreist in der Biologie der kleinen Plagegeister. Die genauen Strategien sind den Medizinern ja noch nicht mal f\u00fcr die Zeiten bekannt, in denen sie unangenehm werden k\u00f6nnen: die vor der Maske propagierten Handschuhe sind inzwischen ja sang- und klanglos wieder aus der Diskussion verschwunden, nachdem ein Infektionsmediziner keinen Beleg daf\u00fcr gefunden hat, dass sie sich auf diesem Weg verbreiten (was nicht hei\u00dft, dass sie es nicht doch tun, klein wie sie sind). Von der Maske, zumindest der Version, die in der \u00d6ffentlichkeit getragen wird, ist kein Fachmann wirklich \u00fcberzeugt, selbst ein Drosten nicht. Auch 2 m Abstand zwischen den Menschen sind irgendwie kein Schutz, da niemand wei\u00df, wie lange infekti\u00f6se Tr\u00f6pfchen denn in der Luft schweben und wie lange die Jungs darin infekti\u00f6s sind (und aus welchem Menschen sie \u00fcberhaupt kommen). Und vielleicht \u00fcberleben sie nebenbei auch noch in anderen Tierarten und kommen von denen wieder zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Klartext: Bottlenecks sind von der Natur in der Biologie der RNA-Viren seit vielen Millionen Jahren eingepreist und so perfektioniert, dass die Viren sehr erfolgreich operieren. Daran werden auch <em>d\u00e4mliche Versuche<\/em>, den Bottleneck k\u00fcnstlich zu verengen, nichts \u00e4ndern, denn selbst noch engere Bottlenecks haben den Viren in der Vergangenheit nichts anhaben k\u00f6nnen. Geringere Bev\u00f6lkerungsdichten in fr\u00fcheren Zeiten haben sie nicht aufgehalten und selbst eine starke zus\u00e4tzliche Ausd\u00fcnnung der Bev\u00f6lkerung durch Krieg und Pest hat sie nicht gebremst. <em><strong>Weshalb die aktuellen Ma\u00dfnahmen biologisch gesehen auch au\u00dferordentlich d\u00e4mlich sind und nicht den Viren, sondern den Menschen schaden<\/strong><\/em>. Sch\u00f6nen Gru\u00df an die Zahnarztfrau!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, das ist keine Nachlese zum Vatertag. Es geht eher um so was wie &#8222;Beyond Drosten&#8217;s Horizon&#8220;. 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