{"id":4639,"date":"2020-03-23T10:15:00","date_gmt":"2020-03-23T09:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=4639"},"modified":"2020-03-22T09:03:51","modified_gmt":"2020-03-22T08:03:51","slug":"kohle-und-beton","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2020\/03\/23\/kohle-und-beton\/","title":{"rendered":"Kohle und Beton"},"content":{"rendered":"\n<p>Die alten R\u00f6mer waren technologisch schlaue Kerlchen. Auch ohne Labor konnten sie Betonmischungen herstellen, die beim Hafenbau unter Wasser abbanden, und so manche 2000 Jahre alte Konstruktion ist heute noch stabiler als so manche 30 Jahre alte moderne.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist man dem einen oder anderen Trick inzwischen auf die Schliche gekommen. So wurde dem Zement pyroklastisches Material beigemischt. Das sind Vulkanaschen, die oberfl\u00e4chlich verglast sind. Heute macht man das auch, wenn Betonmischungen ben\u00f6tigt werden, die unter extremen Bedingungen extrem lange haltbar sein m\u00fcssen. So haben die skandinavischen L\u00e4nder bei dem Bau der gro\u00dfen Br\u00fccken in der Ostsee von den Unternehmen eine Garantie von 100 Jahren auf das Material gefordert. Eine harte Anforderung, die jedoch mit solche pyroklastischen Zusatzstoffen realisierbar sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zuschlagstoffe bekommt die Baustoffindustrie aus Steinkohlekraftwerken. Stinkohlekraftwerke arbeiten mit Brenntemperaturen bis 1400\u00b0C, wobei die Oberfl\u00e4che der Flugasche verglast. Genau diese Flugasche ist anschlie\u00dfend kein Abfall, sondern begehrter und hoch bezahlter Baustoff. Mit Braunkohle kann man das \u00fcbrigens nicht machen, da die Brenntemperaturen nur etwa 900\u00b0C erreichen &#8211; zu wenig, um die Verglasung der Asche zu bewirken. <\/p>\n\n\n\n<p>Nun werden in D in den n\u00e4chsten Jahren ausgerechnet die Kohlekraftwerke stillgelegt, was die Baustoffindustrie zunehmend in eine Problemsituation bringt: woher die Zuschlagstoffe nehmen? Man kann nat\u00fcrlich versuchen, die woanders einzukaufen, beispielsweise in Polen, wo noch viel Steinkohle gef\u00f6rdert und verstromt wird. Die Polen sind aber auch nicht bl\u00f6d und verkaufen nur das, was sie selbst nicht brauchen, und dann zu h\u00f6heren Preisen. Gleiches gilt f\u00fcr andere L\u00e4nder, in denen Kohle verstromt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Alternative f\u00fcr die Baustoffindustrie besteht darin, den Zementanteil in den Betonmischungen stark zu erh\u00f6hen. Es ist aber absehbar, wohin das f\u00fchrt: auf Zement werden verst\u00e4rkt CO2-Steuern anfallen, die bei Flugasche deutlich weniger zu Buche schlagen, da die Steuern im Strom ankommen. Zement aus Deutschland gibt es zwar noch, aber die Situation n\u00e4hert sich der Situation in der Steinkohlelandschaft an: Kohle aus dem Ruhrbergbau kostete seinerzeit 220 DM\/to, w\u00e4hrend s\u00fcdafrikanische Kohle f\u00fcr 80 DM\/to frei Ruhrorter Hafen angelandet wurde. Also verschwand die Kohle. Heimischer Zement ist ebenfalls teurer als auf dem Weltmarkt, und wenn die Qualit\u00e4t stimmt, nimmt man auch dort eher den aus Portland als aus deutscher Produktion.<\/p>\n\n\n\n<p>Der deutsche Klimawahn f\u00fchrt mithin nicht nur zu Energiekrisen, sondern wirkt sich via Flugasche und Zement auch auf die Bauindustrie aus, die irgendwann nur noch mindere Qualit\u00e4ten zu \u00fcberh\u00f6hten Preisen liefern kann &#8211; oder besser k\u00f6nnte, denn das wird keiner mehr kaufen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die alten R\u00f6mer waren technologisch schlaue Kerlchen. Auch ohne Labor konnten sie Betonmischungen herstellen, die beim Hafenbau unter Wasser abbanden, und so manche 2000 Jahre alte Konstruktion ist heute noch stabiler als so manche 30 Jahre alte moderne. 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