{"id":4603,"date":"2020-03-12T07:03:00","date_gmt":"2020-03-12T06:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=4603"},"modified":"2020-03-15T09:58:14","modified_gmt":"2020-03-15T08:58:14","slug":"die-epidemie-statistik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2020\/03\/12\/die-epidemie-statistik\/","title":{"rendered":"Die Epidemie"},"content":{"rendered":"\n<p>Um es gleich voraus zu schicken: das ist kein Abwiegeln. Ich will nur ein wenig darstellen, dass die Angelegenheit wesentlich komplexer ist als man das gemeinhin darstellt. Angesichts des Chaos, das bereits im Gange ist, scheint das sinnvoll. Wer wissen m\u00f6chte, wie die Situation derzeit aussieht, kann das unter dem folgenden Link.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"489\" src=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bildschirmfoto-vom-2020-03-10-11-48-36-1024x489.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4604\" srcset=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bildschirmfoto-vom-2020-03-10-11-48-36-1024x489.png 1024w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bildschirmfoto-vom-2020-03-10-11-48-36-300x143.png 300w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bildschirmfoto-vom-2020-03-10-11-48-36-768x366.png 768w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bildschirmfoto-vom-2020-03-10-11-48-36-1536x733.png 1536w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bildschirmfoto-vom-2020-03-10-11-48-36.png 1853w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><a href=\"https:\/\/experience.arcgis.com\/experience\/685d0ace521648f8a5beeeee1b9125cd\">https:\/\/experience.arcgis.com\/experience\/685d0ace521648f8a5beeeee1b9125cd<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es stellt sich die Frage, weshalb diese Epidemie oder inzwischen Pandemie eine solche Panik ausl\u00f6st. Immerhin zieht die Grippe Jahr f\u00fcr Jahr eine Bodycount-Schneise zwischen knapp 1.000 bis hin zu 25.000 Todesf\u00e4llen alleine durch Deutschland, ohne das sich gro\u00df jemand aufregt. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das medizinische Grundproblem<\/h3>\n\n\n\n<p>Corona-Viren als solche und die von ihnen verursachten Infektionen sind alles andere als unbekannt. Wie bei der Grippe wei\u00df man gut Bescheid und kennt die Eigenheiten. Nimmt man die Grippe als Ma\u00dfstab, hat man f\u00fcr gef\u00e4hrlichere Vertreter auch passende Impfungen zur Hand. Wer sich nicht impfen l\u00e4sst, geht eben ein h\u00f6heres Risiko ein, aber auch das ist statistisch bekannt. Mit anderen Worten, man kennt mehr oder weniger alle Parameter und hat sie so weit wie m\u00f6glich im Griff. Damit kann man im Fall der Grippe recht gut leben. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem bei Corona steckt im Wort &#8222;neu&#8220;. Das Epidemie-Virus ist ein besonders fieser Vertreter dieser Gruppe, \u00fcber den man jedoch im Grunde auch jetzt immer noch nicht gen\u00fcgend wei\u00df. Wie ansteckend ist er, ab wann ist ein Infizierter ansteckend, wie lange dauert eine Erkrankung, wie ist der Anteil der schweren bis letalen F\u00e4lle &#8211; \u00fcber die meisten Punkte gibt es nach wie vor nur gut fundierte Spekulationen. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Tr\u00fcben fischen ist aber nicht die Sache der Epidemiologen, zumal sie f\u00fcr Fehleinsch\u00e4tzungen auch den Kopf hinhalten m\u00fcssen. Folglich lautet die richtige Strategie, erst einmal von den schlimmsten Szenarien aus und mit entsprechend entschieden Ma\u00dfnahmen vor zu gehen. Womit wir bei &#8222;entsprechende Ma\u00dfnahmen&#8220; zum gro\u00dfen Teil das medizinische Gebiet verlassen und bei der Politik landen. Wenn Politiker die Sache in die Hand nehmen, kann schnell Panik aufkommen. Vom Standpunkt der betroffenen Bev\u00f6lkerung gibt es aber auch noch weitere Probleme:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ge\u00e4nderte Sterbegewohnheiten<\/h3>\n\n\n\n<p>Die relativ beschr\u00e4nkten Kenntnisse \u00fcber die Krankheit und ihren Verlauf konfrontieren die Gesellschaft mit etwas, was seit etwa 100 Jahren in Vergessenheit geraten ist. \u00dcber Jahrtausende hinweg waren Infektionen aller Art der Hauptsterbegrund, gefolgt von Stahl, Holz und Hanf in Form von Messern, Kn\u00fcppeln und an B\u00e4umen baumelnden Henkerstricken. Messer kommen zwar derzeit wieder etwas in Mode, aber der Hauptsterbegrund heute ist, dass nicht irgendein Winzling dem Riesen den Garaus macht, sondern in den meisten F\u00e4llen der K\u00f6rper schlicht und einfach zu Tode gepflegt wird, bis es irgendwelchen Organen reicht und sie den Betrieb einstellen. Selbst in Gegenwart der Winzlinge hat man alles mehr oder weniger unter Kontrolle. Infektionskrankheiten sind durch Impfungen und Antibiotika kontrollierbar, die Ger\u00e4temedizin unterst\u00fctzt auch noch in schweren F\u00e4llen gen\u00fcgend, so dass viele \u00fcberleben, unwillige Organe des K\u00f6rpers werden jahrelang chemisch \u00fcberredet, weiter zu machen. Man hat alles so weit im Griff, dass selbst die Infektionen als Todesursachen statistisch gut in den allgemeinen Rahmen passen. Man ist durch die Medizin gewohnt, dass der Tod meist sp\u00e4t kommt und das Sterben einige Zeit in Anspruch nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man in die Geschichtsb\u00fccher schaut, war das fr\u00fcher meist anders: der Proband ritzte sich die Haut, st\u00fcrzte vom Pferd oder bekam ein Fieber. So etwas war wohl an der Tagesordnung und nach zwei Schlick Bier ging es normal weiter, aber diesmal schlug der kleine Feind gnadenlos zu und nach 3-5 Tagen war alles vorbei, bei der Pest unter Umst\u00e4nden auch schon nach Stunden. Nix langsames dahinsiechen und sterben, das war die Ausnahme. Dieses blitzschnelle Zuschlagen der kleinen Kameraden ist man heute zumindest in unserer Gesellschaft nicht mehr gewohnt und da die Medizin im Falle des Corona-Virus noch kaum M\u00f6glichkeiten hat, die gewohnte Kontrolle auszu\u00fcben, und Informationen entsprechend tr\u00f6pfchenweise eintrudeln, ist der B\u00fcrger entsprechend verunsichert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ma\u00dfnahmen<\/h3>\n\n\n\n<p>Man wei\u00df zwar inzwischen, wie man sich anstecken kann, verf\u00fcgt aber leider nicht \u00fcber gen\u00fcgend weitere Kenntnisse. Die Statistik gibt nur die Zahl derjenigen wieder, von denen man wei\u00df, dass sie krank sind, weil sie entsprechend schwere Symptome aufweisen und beim Arzt waren. Der Virusnachweis wird auf eine \u00e4hnliche Art gef\u00fchrt wie ein DNA-Test (Corona ist ein RNA-Virus), wobei die Methoden inzwischen so perfektioniert sind, dass man solche Tests (auf alles m\u00f6gliche) innerhalb von Stunden ausf\u00fchren kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Hat man jemanden identifiziert, versucht man, seine Kontakte zu ermitteln und steckt diese Leute in Quarant\u00e4ne. In der Regel beschr\u00e4nkt man sich dabei aber darauf, abzuwarten, ob sie ebenfalls krank werden. Die Ergebnisse dieser Ma\u00dfnahmen finden sich allerdings nirgendwo \u00f6ffentlich dokumentiert (oder sind schwer zu finden): wie viele Leute steckt man in Quarant\u00e4ne und wie viele davon bekommen die Krankheit? <\/p>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis w\u00e4re\/ist ohne weitere Test ohnehin schwer zu kontrollieren: bekommen viele keine Symptome, k\u00f6nnte man das als Anhaltspunkt f\u00fcr die Infekti\u00f6sit\u00e4t verwenden, also als Wahrscheinlichkeit, sich bei Infizierten anzustecken. Allerdings scheint das Corona-Virus Eigenschaften des Grippe-Virus zu teilen: wie schwer die Krankheit ausf\u00e4llt, h\u00e4ngt von der Gesamtdisposition des Probanden ab, d.h. genetischen Faktoren, Fitness, Vorerkrankungen und akuten anderen Erkrankungen. Die Vermutungen der Epidemiologen geht dahin, dass viele die Krankheit haben oder gehabt, ohne das \u00fcberhaupt zu bemerken, oder nur so leichte und zudem auch mit anderen Krankheiten \u00fcbereinstimmende Symptome  aufweisen, dass sie sie nicht ernst nehmen und daher nicht getestet und erfasst werden. Auch scheint es m\u00f6glich\/wahrscheinlich, dass andere Infiziert werden k\u00f6nnen, bevor sich die Symptome zeigen. Im Extremfall hat man vielleicht sogar denjenigen in Quarant\u00e4ne gesteckt, der den schweren Fall angesteckt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem weiterer Tests: hat jemand die Krankheit gehabt, kann man das nicht mehr \u00fcber den RNA-Test ermitteln, sondern m\u00fcsste nun auf Antik\u00f6rper gegen den Virus pr\u00fcfen. Das ist ungleich schwieriger, weil das Immunsystem ziemlich komplizierte Wege gehen kann und die Entwicklung solcher Tests Zeit erfordert. Zudem sind die Ressourcen ohnehin auf das Erkennen schwerer F\u00e4lle begrenzt, weshalb man sich bei der Quarant\u00e4ne auf Abwarten beschr\u00e4nkt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr irgendwelche Prognosen, wie es mit der Epidemie weitergeht, ist es schon ein Unterschied, ob ein Infizierter sicher erkannt werden kann und im statistischen Mittel 2 andere bei 10 Kontakten infiziert oder ob auf einen identifizierten Kranken 5 andere kommen, von denen man nichts wei\u00df, jeder aber 5 von 10 weiteren infiziert. Auch wenn man wirkungsvoll Ma\u00dfnahmen ergreifen will, um die Ausbreitung einzud\u00e4mmen, muss man im Grunde diese Kenntnisse haben. Falls man es nicht so macht wie die <a href=\"https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/corona_von_taiwan_lernen\">Taiwanesen<\/a>, bei denen die Kontrolle mit dem Reiseverkehr anf\u00e4ngt, man vergleichsweise milde Quarant\u00e4nema\u00dfnahmen bei m\u00f6glicherweise Infizierten verh\u00e4ngt und die mit Mitteln kontrolliert, die hier nicht durchsetzbar sind. Taiwan feierte am 13.3. seinen 42. (!) Corona-Fall, taucht aber nicht in der WHO-Statistik auf, da Taiwan auf Betreiben Chinas von der WHO ausgeschlossen ist. Eine andere und offenbar sehr effektive Vorgehensweise, von der man hier nichts wissen will, und da man nichts wei\u00df, wird m\u00f6glicherweise \u00fcberreagiert, aber sicher ist eben sicher, und das wei\u00df man leider erst hinterher.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann nat\u00fcrlich \u00fcber statistische Methoden versuchen, die noch unbekannten Daten aus dem Datenbestand herauszufiltern, aber dazu ist das Datenmaterial bei 3000 identifizierten F\u00e4llen und 82 Mio Einwohnern (14.3.) noch zu d\u00fcnn und wird es wohl auch noch l\u00e4ngere Zeit bleiben. Das Robert-Koch-Institut sch\u00e4tzt derzeit (14.3.) die Dunkelziffer, also die Zahl der Infizierten, die das gar nicht merken und ohne Probleme wieder gesunden, auf das 5- bis 12-fache der identifizierten F\u00e4lle. Aber das sind auch nur Sch\u00e4tzungen. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Behandlung<\/h3>\n\n\n\n<p>Machen kann man bei Viren, wenn die Krankheit einmal ausgebrochen ist, wenig. Der K\u00f6rper muss mit den Kameraden selbst fertig werden. Man kann lediglich kontrollieren, ob irgendwelche Trittbrettfahrer in Form anderer Keime die Sache ausnutzen und ebenfalls \u00fcber den Kranken herfallen, sowie in schweren F\u00e4llen Ger\u00e4tehilfe geben. Da die Hauptverantwortung beim K\u00f6rper liegt, l\u00e4sst man die Patienten i.d.R. zun\u00e4chst in h\u00e4uslicher Quarant\u00e4ne, zumal die Ressourcen der Krankenh\u00e4user auch begrenzt sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Normalerweise kennt man die Krankheiten recht gut und wei\u00df, wann man als Mediziner wie reagieren sollte. Hier allerdings mal wieder nicht. Die Trittbrettfahrer k\u00f6nnen sich leicht unter dem Lungenbefall verstecken und auch sonst muss man den Burschen erst einmal richtig kennen lernen. Die Folge ist allerdings, wie inzwischen verschiedentlich berichtet wird, dass die Krankheit unvermutet und schnell zuschl\u00e4gt: morgens nach Kenntnissen aus anderen Verl\u00e4ufen noch stabil, nachmittags tot.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann den Medizinern wohl nur bedingt Vorw\u00fcrfe machen, wenn sie die Situation eines Patienten falsch einsch\u00e4tzen. Es kommt noch hinzu, dass das Gesundheitssystem bereits bei wenigen Patienten \u00fcberfordert ist. Selbst ohne Corona ger\u00e4t es f\u00fcr manchen Risikopatienten zur Odyssee, ein Bett auf der Intensivstation zu finden, und nicht alle schaffen es. Aufgrund fehlender Pflegekr\u00e4fte bleiben in vielen Kliniken bis zu 20% der Betten auf Intensivstationen unbelegt und man sollte nicht davon ausgehen, dass der M\u00fcnsterl\u00e4nder Dorftrottel begreift, dass bei 20.000 unbesetzten Planstellen erst einmal der Job so gestaltet werden muss, dass ihn jemand haben will, und weitere 8.000 Stellen nur dazu f\u00fchren, dass nun 28.000 Stellen nicht besetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls schnell knapp werden kann es nach manchen Berichten bei den Antibiotika, die ohnehin nur dann indiziert sind, wenn man wei\u00df, welche Mikrob\u00f6sewicht man vor sich hat. Man muss sich diese Zust\u00e4nde einmal klar machen, wenn vom &#8222;gro\u00dfartigsten medizinischen Versorgungssystem&#8220; die Rede ist, es aber bereits bei wenigen 1000 Sonderf\u00e4llen ins Schleudern ger\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00c4rzte m\u00fcssen unter solchen Umst\u00e4nden im Notfall entscheiden, wen sie in die Intensivbehandlung aufnehmen: den Viruserkrankten, der sich mit einer 50:50-Chance auch ohne Hilfe selbst wieder bekrabbelt, oder den Herzinfarkt, f\u00fcr den es ohne Hilfe ziemlich sicher aus ist. Da wird dann notgedrungen eine Entscheidung getroffen, die m\u00f6glicherweise fatale Konsequenzen hat.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bodycount<\/h3>\n\n\n\n<p>Corona kommt mit einer Letalit\u00e4tsrate von 2-3% daher &#8211; sch\u00e4tzt man. Damit w\u00e4re Corona zwar nicht DER Killer, aber bei einer angenommenen Infektionsrate von 50 Mio Menschen in Deutschland (wieder so ziemlich der schlimmste anzunehmende Fall) w\u00fcrde das \u00fcber 1 Mio Todesopfer bedeuten. Wenn man bei der Sch\u00e4tzung der Infektionsrate aber von einer Dunkelziffer von 10 ausgeht, reden wir &#8222;nur&#8220; noch von 0,2-0,3% und 100.000 Opfern. Das w\u00e4re dann zwar immer noch 4x so viel, wie die Grippe auf sich zieht, aber schon deutlich weniger dramatisch. Eigentlich trennt Corona in diesem Fall nur die Neuheit von der Grippe, denn deren Bodycount wird durch Schutzimpfungen schon kr\u00e4ftig nach unten gedr\u00fcckt. Aber insgesamt auch hier Vermutungen, wobei man sinnvollerweise wieder den schlimmsten Fall unterstellt. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man sich die L\u00e4nderstatistiken anschaut, st\u00f6\u00dft man auf unterschiedliche Raten. Sind Deutsche beispielsweise robuster als Italiener oder Franzosen? Oder geht der gute Deutsche schon beim leisen Niesen zum Arzt, w\u00e4hrend der Italiener erst bei 39,5\u00b0C dar\u00fcber nachdenkt und folglich die leichten F\u00e4lle weniger erfasst werden? Oder sind es gar andere Virusst\u00e4mme, die dort unterwegs sind? Abschlie\u00dfend kann das vermutlich auch erst richtig beurteilen, wenn man nach Abflauen der Epidemie die Daten genauer auswertet.<\/p>\n\n\n\n<p>Je mehr Infizierte bekannt sind, desto h\u00f6her f\u00e4llt allerdings auch die Todesrate aus, denn es k\u00f6nnen weniger behandelt werden (siehe oben). Zu Beginn wird der Corona-Fall noch behandelt, weil noch Ressourcen da sind, sp\u00e4ter zieht man vielleicht den Herzinfarkt vor. Auch das kann man erst hinterher in genaueren Analysen feststellen, die es aber wohl nicht geben wird, weil die Politik dabei schlecht weg kommt. <\/p>\n\n\n\n<p>Ohnehin stellt sich die Frage, wie man z\u00e4hlt: z\u00e4hlt man nur die, die direkt an Corona gestorben sind? Oder auch die, die einer Sekund\u00e4rinfektion zum Opfer gefallen sind? Oder auch die, die aufgrund anderer Krankheiten unter die Erde gekommen sind, weil die Mediziner einfach \u00fcberlastet waren und Patienten zwangsweise vernachl\u00e4ssigen mussten? Bodycount h\u00f6rt sich einfach an, ist es aber nicht. Einheitliche Z\u00e4hlmethoden scheint es in den verschiedenen L\u00e4ndern auch nicht zu geben, wie man verschiedenen Vorw\u00fcrfen, das eine oder andere Land w\u00fcrde falsch z\u00e4hlen, entnehmen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die eigentliche Statistik kann man aber ohnehin erst machen, wenn die Sache schon l\u00e4nger vorbei ist. Vielfach schnellt die Sterberate in bestimmten Situationen gegen\u00fcber dem Durchschnitt in die H\u00f6he, verringert sich aber danach wieder, so dass nach einem Jahr oder so die Gesamtbilanz ausgeglichen ist. Das f\u00e4llt unter den Begriff &#8222;vorzeitige Todesf\u00e4lle&#8220;. So mancher Umstand rafft vorzugsweise Leute hinweg, die in den n\u00e4chsten Monaten ohnehin gestorben w\u00e4ren, d.h. Corona k\u00f6nnte unter diesen Gesichtspunkten dem Krebs oder dem multiplen Organversagen ganz einfach die Opfer klauen. Das ist vergleichbar mit den Dieseltoten, die als Zombies durch die Medien geistern: 5 Minuten k\u00f6nnen da schon den Unterschied zwischen NOx und Lungenkrebs als Interpretation der Todesursache ausmachen. Auch das muss ehrlicherweise in eine Bilanz einflie\u00dfen, denn vorzeitige Todesf\u00e4lle sind etwas anderes als wenn unterschiedslos Kinder, Erwachsene und Alte abgeschlachtet werden, auch wenn nat\u00fcrlich selbst ein paar Monate f\u00fcr die Betroffenen bitter sind. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Miss Management<\/h3>\n\n\n\n<p>Beamte sind die Tr\u00e4ger der Nation, was man w\u00f6rtlich nehmen sollte, wenn man das Chaos betrachtet: tr\u00e4ger geht es anscheinend nicht. Epidemien sind nun nicht gerade etwas Ungew\u00f6hnliches und man sollte doch erwarten, dass die Beh\u00f6rden wenn schon nicht die Hardware, so doch zumindest Notfallpl\u00e4ne in Form von Papier und Dateien auf Lager haben. In Fernost ist das anscheinend so, aber hier? Wieder einmal Fehlanzeige.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fchsam ringt man sich dazu herum, gr\u00f6\u00dfere Veranstaltungen abzusagen. Auch das nur z\u00f6gerlich. Vielfach scheint ein entschiedener Ton in den Regierungsansagen von Kommunen und L\u00e4ndern erst dann einzutreten, wenn die privaten Veranstalter ohnehin von sich aus schon abgesagt haben. Aber bevor man Bayern M\u00fcnchen ver\u00e4rgert und ein Bundesligaspiel absagt, ist man als Politiker lieber vorsichtig. <\/p>\n\n\n\n<p>Leichter f\u00e4llt inzwischen, die eigenen Veranstaltungen zu schlie\u00dfen: Kitas, Kinderg\u00e4rten, Schulen, Hochschulen, Verwaltungen &#8211; alle machen dicht. Ob nun mit oder ohne Verdachtsf\u00e4lle oder sinnvoll oder nicht. Aktionismus kommt gut, wie blind er auch immer sein mag. Mit Verdachtsf\u00e4llen sollten zun\u00e4chst alle dicht machen, also auch Arztpraxen und Abteilungen von Krankenh\u00e4usern. Inzwischen hat man aber selbst in den verstrahlten Politikerkreisen bemerkt, dass das so nicht geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Planung sieht anders aus: da ist zuerst zu fragen, was denn unbedingt in Betrieb gehalten werden muss. Neben den medizinischen Einrichtungen sind das auch die Nahrungskette und die Strom-, Gas- und Wasserversorgung. Auch die Entsorgung muss weiter funktionieren, denn man kann den Leuten schlecht mitteilen, 14 Tage nicht aufs Klo zu gehen, weil die Kl\u00e4rwerksbelegschaft unter Quarant\u00e4ne steht. Ob man in den Beh\u00f6rden dar\u00fcber nachgedacht hat, wird irgendwie nicht sichtbar. <\/p>\n\n\n\n<p>Hat man diese Liste, ist festzulegen, in welchem Umfang etwas weiter laufen soll und wie das zu organisieren ist. Wenn man in Arztpraxen Coronaverdachtsf\u00e4lle in separate Wartezimmer packen will, scheitert das bereits an nicht vorhandenen Wartezimmern, und die \u00c4rzte nur noch auf Hausbesuch zu schicken nimmt Patienten mit anderen bedrohlichen Erkrankungen die notwendige Hilfe. Planung sieht anders aus, aber bereits im Gesundheitssektor herrscht Chaos.<\/p>\n\n\n\n<p>Schaut man auf Strom\/Gas\/Wasser\/Schei\u00dfe, ist die Regierungsvorsorge offenbar im richtigen Gendern der Probleme h\u00e4ngen geblieben. Gl\u00fccklicherweise scheint man sich in den meisten Unternehmen aber Gedanken gemacht zu haben. Zumindest behaupten die, Vorsorge getroffen zu haben. Ob das stimmt und der Notfallplan nicht von einem \u00fcbereifrigen B\u00fcrokraten gestoppt, wird man bei den ersten Stromausf\u00e4llen oder deren Ausbleiben merken. Schlie\u00dflich ist Deutschland das Land, in dem eine mangels anderer Optionen mit rosa Equipement erfolgreich durchgef\u00fchrte Ma\u00dfnahme im Nachhinein mit hohen Ordnungsstrafen belegt wird, weil in den Vorschriften wei\u00dfes Equipement vorgesehen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch nicht einmal die Quarant\u00e4nema\u00dfnahmen sind irgendwie durchdacht. Wie streng die Quarant\u00e4ne jeweils ist, scheint im Belieben der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde zu liegen. Wer Pech hat, darf seine Wohnung 14 Tage lang gar nicht mehr verlassen, wird also eingesperrt. Wobei die Insassen eines Zuchthauses deutlich im Vorteil sind, denn bei denen ist die Versorgung gut geplant. Bei Quarant\u00e4neopfern nicht. Da gibt es keinerlei Pl\u00e4ne oder Vorgaben. Man solle sich doch bitte von Bekannten und Nachbar versorgen lassen. Wenn Leute mehrere Wochen in ihrer Wohnung vermodern k\u00f6nnen ohne dass das jemandem auff\u00e4llt, ist das schon ziemlich blau\u00e4ugig. Zudem ist M\u00fcll zu entsorgen und in vielen F\u00e4llen sind auch Haustiere zu versorgen. Im Prinzip ist es ja korrekt, auf den sozialen Zusammenhang der Menschen zu bauen, und auf dem Land ist das i.d.R. problemlos gew\u00e4hrleistet, grunds\u00e4tzlich sollte aber eine Organisation vorbereitet sein, die im Notfall greift. <\/p>\n\n\n\n<p>Planlos in Germany, the same procedure as every year, aber daf\u00fcr korrekt gegendert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um es gleich voraus zu schicken: das ist kein Abwiegeln. Ich will nur ein wenig darstellen, dass die Angelegenheit wesentlich komplexer ist als man das gemeinhin darstellt. Angesichts des Chaos, das bereits im Gange ist, scheint das sinnvoll. Wer wissen m\u00f6chte, wie die Situation derzeit aussieht, kann das unter dem folgenden Link. 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