{"id":4498,"date":"2020-02-25T07:23:00","date_gmt":"2020-02-25T06:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=4498"},"modified":"2020-02-17T11:36:38","modified_gmt":"2020-02-17T10:36:38","slug":"ein-wenig-virenkunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2020\/02\/25\/ein-wenig-virenkunde\/","title":{"rendered":"Ein wenig Virenkunde"},"content":{"rendered":"\n<p>Beim Thema Viren d\u00fcrfte fast jeder an gef\u00e4hrliche Krankheiten denken. Oder an seine verblichene Festplatte mit den sch\u00f6nen Urlaubsfotos, die nun weg sind. Da in der Presse wie \u00fcblich keinerlei seri\u00f6sen Informationen zu finden sind, ist ein wenig Aufkl\u00e4rung angesagt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Viren sind bekanntlich sehr klein. So klein, dass man sie im Lichtmikroskop, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht sehen kann. Trotzdem haben die Biologen inzwischen gelernt, sie technisch zu nutzen, um Genmaterial von einem Organismus auf einen anderen zu \u00fcbertragen. Wie \u00fcblich hat es lange gedauert, bis die Biologen begriffen haben, dass sie mit ihren Patenten f\u00fcr diese Nutzung gegen\u00fcber der Natur zu sp\u00e4t kommen: in diesem Fall um satte 3,5 Milliarden Jahre. <\/p>\n\n\n\n<p>Viren sind nicht alleine lebensf\u00e4hig, sondern bed\u00fcrfen lebender Zellen f\u00fcr ihre Vermehrung. Im Prinzip bestehen sie aus einem St\u00fcck Erbmaterial in einer Proteinverpackung, wobei das Erbmaterial aus einem Bauplan f\u00fcr die n\u00e4chste Generation und einem St\u00fcck variabler Nutzinformation besteht. Die Proteinverpackung ist so konstruiert, dass sie das Virus eine Weile lang infektionsf\u00e4hig h\u00e4lt und gleichzeitig von lebenden Zellen, genauer deren Zellw\u00e4nden, erkannt wird und dem Erbmaterial Zugang zur Zelle gew\u00e4hrt. Die Zelle will durch die Gew\u00e4hrung des Zugangs die Nutzinformation erhalten und produziert als Gegenleistung neue Virenpartikel. Auf diese Weise werden Gene verbreitet, auch zwischen verschiedenen Arten, da die Proteinverpackungen meist von vielen &#8222;Wirten&#8220; akzeptiert werden. Ohne diesen permanenten Genaustausch s\u00e4he es vermutlich ziemlich d\u00fcrftig in Sachen Evolution und funktionierender Biosysteme aus und die Biologen sch\u00e4tzen inzwischen, dass im Erdboden fast genauso viel Biomasse in Form von Viren unterwegs ist wie in Form von Bakterien. Viren sind f\u00fcr das Leben also essentiell notwendig und erst einmal keine Plage. Das gilt auch f\u00fcr Tiere und Menschen. Viren vermitteln eine ganze Menge Informationen zwischen Zellen und anderen Lebewesen, ohne dass uns das auff\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p>In sehr seltenen F\u00e4llen geht das schief: die Viren gelangen in eine Zelle, deren Steuersystem alles falsch versteht und sich statt der Auswertung der Nutzinformation auf die Produktion neuer Viren st\u00fcrzt. Schlie\u00dflich platzt die Zelle und setzt so viele Viren frei, dass das Immunsystem merkt &#8222;hier stimmt etwas nicht&#8220;. Als Reaktion werden Stoffe produziert, die die Andockzellen an den Zellw\u00e4nden blockieren und so weitere Infektionen verhindern. Die Hochdruckproduktion der Antik\u00f6rper empfinden wir als Fieber. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese Abwehrreaktion ist die einzig m\u00f6gliche. Bakterien kann man bek\u00e4mpfen, indem man die Bakterienzellen direkt angreift, Viren kann nur der K\u00f6rper selbst bek\u00e4mpfen. Die Medizin hat gelernt, dass man nicht infekti\u00f6se Virenbestandteile\/Antik\u00f6rper aus Organismen extrahieren kann, die zwar auch Probleme mit den Viren haben, aber die &#8222;Krankheit&#8220; \u00fcberwinden und nicht daran sterben. Die teilen nach dem Impfen dem Immunsystem auf freundliche Art mit, dass etwas nicht stimmt, so dass die Andockstellen blockiert werden, bevor die Viren tats\u00e4chlich da sind. Manchmal ist das Impfen daher auch mit Fieber verbunden. <\/p>\n\n\n\n<p>Impfen lohnt sich aber nur, wenn die Todesrate hoch ist, d.h. die Viren bei einigen Patienten so viele K\u00f6rperzellen zerst\u00f6ren, dass der stirbt. Ansonsten nimmt man besser das Fieber in Kauf und die Sache ist nach sieben Tagen, mit Medikamenten nach einer Woche erledigt. Medizinisch kann man den K\u00f6rper bei einem Virenbefall derzeit nur st\u00e4rken, auf dass er die Sache \u00fcberlebt. Im Krankenhaus gibt dazu nat\u00fcrlich bessere Hilfsmittel als in der Obdachlosensuite im Pappkarton. <\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Viren sind harmlos, aber es gibt eben auch solche, die, wenn auf dem Menschen \u00fcbertragen, durchdrehen. Auf ihrem eigentlichen Wirt erf\u00fcllen sie die normale, vermutlich sogar n\u00fctzliche Virenfunktion, beim Menschen raffte die Spanische Grippe vor 100 Jahren weltweit ca. 50 Mio Menschen dahin, wozu in Deutschland die weiterhin aufrecht erhaltene Hungerblockade der Briten nach dem Waffenstillstand nicht gerade positiv beitrug. In der Saison 2017\/2018 gab es in Deutschland ca. 25.100 <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/InfAZ\/I\/Influenza\/IPV\/Influenza.html\">Grippe<\/a>tote, ohne dass das an die gro\u00dfe Glocke geh\u00e4ngt wurde. Die Zahlen muss man relativ betrachten, da ohnehin schon geschw\u00e4chte Personen besonders betroffen sind und die Grippe so manchem das Lebenslicht ausgeblasen hat, der ohnehin in den n\u00e4chsten Monaten gestorben w\u00e4re. Auf 82 Mio Einwohner gerechnet ist die Todesrate noch recht klein.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Spitze steht <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/SharedDocs\/FAQ\/Ebola\/Ebola.html\">Ebola<\/a> mit einer Todesrate von 40-70% der Infizierten. Davon spricht allerdings kaum jemand, weil es im unwichtigen Afrika stattfindet. Die Welt\u00f6ffentlichkeit d\u00fcrfte auf Ebola fr\u00fchestens dann aufmerksam werden, wenn der Nachschub an seltenen Erden f\u00fcr die Handys ausbleibt, weil zu viele Kindern in den Gruben krepiert sind, aber bis dahin &#8230; <\/p>\n\n\n\n<p>Der aktuelle Hype ist das <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/SharedDocs\/FAQ\/NCOV2019\/FAQ_Liste.html\">Corona-Virus<\/a> in China, dass eine Toderate von (nur) 1-2% der Infizierten aufweist, daf\u00fcr aber in einem wichtigen Industriegebiet grassiert. Gerechnet auf die Anzahl der Betroffenen kommen bei 1-2% aber schon eine Menge Tote zusammen. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Bek\u00e4mpfung tritt zun\u00e4chst das Problem auf, dass Impfmaterial nur in begrenzten Mengen mit Hilfe anderer Lebewesen gewonnen werden kann (bei Bakterien kann man die Medikamente in der Retorte in beliebigen Mengen produzieren) und die Produktion einige Monate dauern kann. Bei gr\u00f6\u00dferen unvorhergesehenen Ausbr\u00fcchen wie derzeit beim Corona-Virus ist daher in der ersten Phase eine Quarant\u00e4ne der betroffenen Gebiete notwendig, was in China schon mal etliche Millionen Menschen umfassen kann. Wer dort lebt, kann nur hoffen, dass er sich nicht ansteckt, was bei Corona nicht so ganz einfach ist, weil die Proteinh\u00fclle vergleichsweise haltbar ist und lange Infektionszeiten erlaubt und die Inkubationszeit mehrere Wochen betragen kann, in der aber schon andere infiziert werden k\u00f6nnen. Wer angesteckt wird, muss hoffen, zu den 98-99% zu geh\u00f6ren, die mit normalen Grippesymptomen davon zu kommen, und hat anschlie\u00dfend Ruhe vor einer Neuinfektion. So oder so, die Krankheit l\u00e4uft sich nach einiger Zeit tot und die irgendwann zur Verf\u00fcgung stehenden Impfstoffe halten die Gefahr einer Epidemie danach klein. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Problem ist die genetischen Variabilit\u00e4t der Viren. Das Erbmaterial kann aus DNA bestehen, die relativ stabil ist wie bei den Herpes-Viren, oder aus RNA wie bei Influenza, Corona oder Ebola, die nicht in den Zellkern vordringt und sich relativ schnell ver\u00e4ndert. Einerseits ist das gut, weil eine Mutation den Virus zu einer harmlosen Variante modifiziert, die lediglich leichte Symptome ausl\u00f6st (wie die meisten Grippe-St\u00e4mme), andererseits reagieren die nicht auf die Antik\u00f6rper, so dass der Virenbestand insgesamt hoch bleibt und sich eine breite Dauerimmunit\u00e4t nicht entwickeln kann. Mutation geht auch r\u00fcckw\u00e4rts, und dann hat man ein neues Problem. Bei Grippe muss daher ca. 6 Monate vor der Saison \u00e4hnlich wie bei den Modedesignern abgesch\u00e4tzt werden, welchen Impfstoff man produzieren soll, und wenn man sich vertan hat, kann das schief gehen. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Coronaviridae\">Coronaviren<\/a> haben \u00e4hnliche Eigenschaften wie die Grippeviren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie wird es somit abseits der medialen Hysterie weiter gehen? China wird die betroffenen Gebiete unter Quarant\u00e4ne halten, andere L\u00e4nder werden Infizierte, wenn man sie erkennt, unter Quarant\u00e4ne stellen. Damit bestehen gute Chancen, dass sich die Krankheit in kurzer Zeit totl\u00e4uft. Die Angelegenheit ist zwangsweise mit einer gewissen Nachrichtensperre verbunden, um unn\u00f6tige Panik zu vermeiden. Was in den hyperventilierenden Qualit\u00e4tsmedien als Beeintr\u00e4chtigung der Pressefreiheit anprangert, ist mehr oder weniger normaler Bestandteil der WHO-Strategien, da Panikausbr\u00fcche erfahrungsgem\u00e4\u00df meist mehr Schaden anrichten als das eigentliche \u00dcbel. Parallel wird man versuchen, die passenden Impfstoffe auf den Markt zu bringen, wobei die Vorgehensweise vom Influenza-Virus bestens bekannt und eingespielt ist. In ein paar Monaten ist die Sache ausgesessen und die Presse kann die n\u00e4chste Ente, beispielsweise aufgrund der Erderw\u00e4rmung schmelzenden Basalt in der Eiffel, durch die K\u00f6pfe treiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Thema Viren d\u00fcrfte fast jeder an gef\u00e4hrliche Krankheiten denken. Oder an seine verblichene Festplatte mit den sch\u00f6nen Urlaubsfotos, die nun weg sind. Da in der Presse wie \u00fcblich keinerlei seri\u00f6sen Informationen zu finden sind, ist ein wenig Aufkl\u00e4rung angesagt. 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