{"id":4276,"date":"2020-01-22T07:08:00","date_gmt":"2020-01-22T06:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=4276"},"modified":"2020-01-16T09:29:39","modified_gmt":"2020-01-16T08:29:39","slug":"der-austausch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2020\/01\/22\/der-austausch\/","title":{"rendered":"Der Austausch"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn etwas kaputt ging, hat man fr\u00fcher versucht, die defekten Teile zu identifizieren und auszutauschen, ansonsten aber den Apparat als solchen weiter zu verwenden. Man nannte das Reparatur und nicht selten blieben dabei am Ende unerkl\u00e4rlicherweise ein paar Teile \u00fcbrig, von denen man nicht wusste, wo sie \u00fcberhaupt eingebaut gewesen waren und deren Fehlen anscheinend keine gro\u00dfe Wirkung hatte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dann begann die sch\u00f6ne neue IT-getr\u00e4nkte Zeit. Die Wurstfinger der Monteure, Typ &#8222;reich mir mal den 32er Maulschl\u00fcssel&#8220;, waren nicht mehr geeignet, die vielbeinigen Mitarbeiter auszutauschen, von der Identifizierung des B\u00f6sewichts ganz abgesehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"536\" height=\"360\" src=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Platine.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4277\" srcset=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Platine.png 536w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Platine-300x201.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 536px) 100vw, 536px\" \/><figcaption>eigenes Foto<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Folglich bestand die Reparatur im Weiteren darin, ganze Platinen so lange auszutauschen, bis das Ger\u00e4t wieder funktionierte. \u00dcbrig blieb nun nichts, aber beim Abfall war immer eine Menge im Prinzip noch Funktionsf\u00e4higes dabei.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann war das Auseinanderbauen des Ger\u00e4tes nicht mehr lohnend. Der finanzielle Einsatz f\u00fcr einen Inder, der die 100 Teile ineinander steckt und alles zuschraubt, ist geringer als der f\u00fcr einen Deutschen, der nur die 6 Geh\u00e4useschrauben l\u00f6st. Also werden nun ganze Ger\u00e4te weggeworfen, wenn ein Widerstand abgeraucht ist. Aber immerhin funktionierte das Ger\u00e4t nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen gibt es eine neue Methode der Reparatur: man tauscht gut funktionierende Einheiten gegen schlecht bis nicht funktionierende Einheiten aus. Da das mit Ger\u00e4ten wenig Sinn macht, macht man das mit Menschen, und da Menschen sich nicht gerne manipulieren lassen, tauscht &#8222;man&#8220; sie nicht aus, sondern sie tauschen sich selbst aus. So etwas nennt man Migration. Und die sieht so aus:<\/p>\n\n\n\n<p>Seit den 1990er Jahren findet eine &#8222;Zuwanderung&#8220; in Deutschland statt, d.h. netto w\u00e4chst die Zahl der hier lebenden Menschen. Nach dem Zuzug von Menschen in der Gr\u00f6\u00dfenordnung der Einwohner von K\u00f6ln 2015\/16 immer noch um 1-2 St\u00e4dte der Gr\u00f6\u00dfe Kassels pro Jahr. Ich sage mal bewusst nicht B\u00fcrger, denn B\u00fcrger wollen die wenigsten werden, Sozialhilfemepf\u00e4nger daf\u00fcr um so bereitwilliger. Und nat\u00fcrlich verlassen auch wieder Menschen Deutschland. So um die 1,2 Mio\/Jahr in den letzten 3 Jahren, vor 10 Jahren waren es etwas mehr als die H\u00e4lfte. Da es trotzdem mehr werden, kommen ganz beachtliche Wanderungsstr\u00f6me heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtiger ist aber, was f\u00fcr Leute da auswandern. Ca. 300.000 der 1,2 Mio, also 25%, sind Deutsche, also richtige Deutsche, deren Vorfahren schon l\u00e4nger hier leben. Fr\u00fcher waren das etwas mehr als 100.000, d.h. relativ gesehen so um die 15%. Deutschland ist also auch ein Auswanderland. Wobei man fragen muss, wer das auswandert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Sozialsystem wie in Deutschland, das erst mal jeden unkontrolliert die Grenze passieren l\u00e4sst, von den Angaben nichts kontrolliert und sofort eine Rundumwohlf\u00fchlversorgungf\u00fcrsippeundfamiliebisanslebensende bereit stellt, gibt es n\u00e4mlich sonst nirgendwo auf der Welt. Woanders sind die anders. Ein Student von mir, der seine Abschlussarbeit bei eine Firma in der Dominikanischen Republik machen wollte, wurde erst ins Land gelassen, nachdem er eine bezahltes R\u00fcckflugticket hinterlegt hatte. Man l\u00e4sst anders wo nur Leute ins Land, die Geld haben oder \u00fcber F\u00e4higkeiten verf\u00fcgen, die im Zielland ben\u00f6tigt werden. Also mit anderen Worten: die deutschen Auswanderer waren die Besten ihrer Branchen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Motivation waren fr\u00fcher Verdienstm\u00f6glichkeiten. Ein Arzt konnte das Vielfache im Ausland verdienen bei obendrein besseren Arbeitsbedingungen, also ginge gerade viele \u00c4rzte. Heute sind nicht mehr genug da, auch wenn die Politik was anderes behauptet. Die Arbeitsbedingungen sind hier so mieserabel, dass selbst angeworbene polnische \u00c4rzte das Land umgehend wieder verlie\u00dfen, nachdem sie den b\u00fcrokratischen Aufwand mitbekommen hatten. In anderen Branchen sieht es nicht anders aus, und ein IT-Student aus dem Libanon, den ich fragte, ob er nicht hier bleiben wolle, bemerkte &#8222;Bist du verr\u00fcckt? Ich soll mich hier totschuften, damit mir hinterher das Geld wegnimmt und einen Haufen Araber durchf\u00fcttert? Da gehe ich lieber wieder zur\u00fcck!&#8220; Mit den Bomben k\u00f6nne er besser leben, meinte er anschlie\u00dfend noch. <\/p>\n\n\n\n<p>Als Einwanderungsland zieht Deutschland somit die f\u00fcr unsere Gesellschaft Unbrauchbaren an, w\u00e4hrend gleichzeitig ein kr\u00e4ftiger werdender Aderlass der Leistungstr\u00e4ger zu beobachten ist. Die Dank eines Schulsystems, das sich inzwischen nach PISA-Studien und Brummeleien pensionierter Lehrer aus meiner Bekanntschaft zu einem der miserabelsten der Welt entwickelt, auch nicht mehr nachwachsen. Also ein echter Aderlass der Intelligenz, jeder ersetzt durch eine Luisa und erg\u00e4nzt durch 1-2 Muhammads. Wie viele von den Nichtbiodeutschen, die von hier verschwinden, auch in die Schublade &#8222;Leistungstr\u00e4ger&#8220; geh\u00f6ren, ist nicht auszumachen, aber sicher auch nicht wenige. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie verfahren die Situation ist, geht auch aus offiziellen Statistiken hervor. &#8222;Deutschland braucht die Zuwanderung von ca. 280.000 qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften pro Jahr&#8220; hei\u00dft es ganz offiziell. Das deckt sich genau mit der Anzahl der Leute, die hier die Rei\u00dfleine ziehen. Nun liegt die Zahl der Arbeitslosen bei ca. 3.2 Mio, also formal eigentlich gen\u00fcgend Reservoir. Die Arbeitslosenzahl hat sich aber nur um 2,5% gesenkt, d.h. es gelingt nicht, gen\u00fcgend Leute als &#8222;qualifizierte Mitarbeiter&#8220; zu aktivieren. Das wird noch desastr\u00f6ser, wenn man die Zahl der Arbeitslosen um die Zahl der Besch\u00e4ftigungslosen, die \u00e4hnlich hoch liegt, aber durch geschickte Wortwahl aus der Statistik herausgelogen werden erg\u00e4nzt und anschlie\u00dfend noch die Sozialhilfeempf\u00e4nger, bei denen man es aufgegeben hat, draufpackt. Anders ausgedr\u00fcckt: rein rechnerisch brauchte man nur 5% des vorhandenen Potentials aktivieren und h\u00e4tte seine qualifizierten Leute. <\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Rechnung nat\u00fcrlich in der Form nicht aufgeht, ist mir auch klar: man kann aus einem arbeitslosen Elektriker auf die Schnelle keinen Internisten machen &#8211; umgekehrt schon eher. Die Politik st\u00f6rt das aber wenig, denn sie macht genau die Rechnung auf, die ich oben angestellt habe: wenn die Braunkohlkumpel in der Lausitz ihre Arbeit verlieren, will man dort einen Ausgleich durch Ansiedlung von Verwaltungen und Forschungseinrichtungen schaffen. Klar, meine Rechnung geht in der Theorie nicht auf, in der Praxis sollte sich aber mehr abspiele, w\u00e4hrend die Rechnungen der Politik grunds\u00e4tzlich nicht aufgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den politischen Unfug bekommen nat\u00fcrlich gerade die Leistungstr\u00e4ger mit, weshalb sich auch die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Exodus ge\u00e4ndert haben: war es fr\u00fcher Optimismus, woanders mehr Erfolg haben zu k\u00f6nnen, ist es inzwischen Pessimismus, dass hier alles den Bach runter geht und auch nicht mehr aufzuhalten ist. Fr\u00fcher die Hoffnung, woanders erfolgreicher zu sein als hier, heute die Erkenntnis, dass es nirgendwo so beschissen werden kann wie hier. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Austausch geht weiter. Wir sind wieder beim Anfang, nur dass halt nicht defekte Teile ausgetauscht werden, sondern funktionierende, und nicht anscheinend unn\u00f6tige Teile \u00fcbrig bleiben, sondern weitere unn\u00f6tige eingebaut werden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn etwas kaputt ging, hat man fr\u00fcher versucht, die defekten Teile zu identifizieren und auszutauschen, ansonsten aber den Apparat als solchen weiter zu verwenden. 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