{"id":4270,"date":"2020-01-20T06:56:00","date_gmt":"2020-01-20T05:56:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=4270"},"modified":"2020-01-14T14:02:06","modified_gmt":"2020-01-14T13:02:06","slug":"sie-wissen-es-also-doch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2020\/01\/20\/sie-wissen-es-also-doch\/","title":{"rendered":"Sie wissen es also doch !"},"content":{"rendered":"\n<p>Bei Betrachtung des Green New Deals fragt man sich &#8211; oder besser: <a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2020\/01\/07\/green-new-deal\/\">frage ich mich<\/a>, wie das eigentlich funktionieren soll. F\u00fcr andere ist die L\u00f6sung ziemlich einfach:<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/green-deal-der-eu-ursula-von-der-leyen-und-ihr-billionen-versprechen-a-da790e50-2c7d-4223-bb26-bec41cb8e450\">Man sch\u00fcttet einfach alles mit Geld zu !<\/a><\/h6>\n\n\n\n<p>Man braucht keinen Plan, wo der Strom herkommen soll oder wo die Leute arbeiten sollen. Wenn man nur gen\u00fcgend Geld mit einem Kipplaster dort hinkippt, wird spontan Strom und Arbeit erzeugt. Bezeichnend, dass diese einfache L\u00f6sung ausgerechnet von den Leuten kommt, die die so genannte &#8222;Weisheit der Cree&#8220;, also das mit dem Geld essen, erfunden haben und die nun in ihre eigene Falle rennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann aber noch weiter bohren:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Betreff:<\/strong> Ich bitte um eine physikalisch belastbare Kl\u00e4rung<\/p><p>Sehr geehrter Herr Minister Altmaier,<\/p><p>laut Ihren Angaben auf den Webseiten des Ministeriums sind die  erneuerbaren Energien eine Erfolgsstory. Sie sollen in absehbarer Zeit  den \u00fcberwiegenden Teil der Stromversorgung \u00fcbernehmen, konventionelle  Kraftwerke sollen abgeschaltet werden. Es d\u00fcrfte wohl  auch unstrittig sein, dass der Strombedarf, der derzeit zwischen 40 GW  und 70 GW tageszeitabh\u00e4ngig schwankt, sich vermutlich im Bereich 70 GW &#8211;  90 GW einpendeln wird, sollte die E-Mobilit\u00e4t auch nur halbwegs in dem  Umfang realisiert werden, den Sie anstreben.<\/p><p>In der Anlage finden Sie eine ausf\u00fchrliche Auswertung der Einspeisung  im Monat November 2019. Daraus geht hervor, dass die EE mehrfach \u00fcber  l\u00e4ngere Zeit nicht in der Lage waren, mehr als 2-3% des Bedarfs zu  decken (im Zeitraum 20.\/21. war es gar nur 1\/100  des Bedarfs, der durch alle 30.000 Anlagen abgedeckt werden konnte).  Wenn Sie weiter bl\u00e4ttern, k\u00f6nnen Sie feststellen, dass selbst bei einer  Verdreifachung der Anlagenanzahl auf 100.000 sich an diesen  Versorgungsl\u00fccken nichts \u00e4ndert, daf\u00fcr aber massive Spitzen  auftreten, die auch durch Export ins Ausland nicht abgef\u00fchrt werden  k\u00f6nnen. Ein weiterer Ausbau der Windenergie f\u00fchrt mithin dazu, dass die  meisten Windkraft-Anlagen, die in Schwachwindzeiten ohnehin nicht  wirtschaftlich betrieben werden k\u00f6nnen, in Starkwindzeiten  abgeregelt werden m\u00fcssen und folglich auch mit Verlust arbeiten. \u00dcber  konventionelle Kraftwerke m\u00fcssen wir an dieser Stelle gar nicht erst  reden. Sie k\u00f6nnen auch feststellen, dass bereits jetzt die Abfuhr der  Leistungsspitzen teilweise mit etwa dem 100-fachen  Satz einer normalen MWh bezahlt werden muss. <\/p><p>Abgesehen vom wirtschaftlichen Verlust ist es mir als Physiker nicht  klar, wie das alles bei Abschalten von Kraftwerken ab dem n\u00e4chsten Jahr  zu einer halbwegs sicheren Versorgung f\u00fchren soll. Mit &#8222;sicherer  Versorgung&#8220; meine ich nicht, dass vielleicht mal  das Licht f\u00fcr 15 Minuten ausf\u00e4llt. Die ausgewiesenen Versorgungsl\u00fccken  sind lang genug, dass s\u00e4mtliche Lebensmittel in K\u00fchlanlagen im  Einzelhandel und im Privatbereich anschlie\u00dfend verdorben sind und nur  noch entsorgt werden k\u00f6nnen.<\/p><p>Da Sie trotzdem diese Pl\u00e4ne vertreten, gehe ich davon aus, dass Sie  \u00fcber bessere physikalische Erkenntnisse als ich verf\u00fcgen. Bitte teilen  Sie mir diese mit. Ich bitte, auf allgemeine Verweise auf Ihre  Internetseite zu verzichten, weil ich diese bereits  daraufhin untersucht habe.<\/p><p>&#8212; <br> Viele Gr\u00fc\u00dfe <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>und erh\u00e4lt sogar eine Antwort:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Sehr geehrter Herr &#8230;,<\/p><p>vielen Dank f\u00fcr Ihre E-Mail an Herrn Bundesminister Altmaier. Er hat uns gebeten, Ihnen zu antworten.<\/p><p>Deutschland  verf\u00fcgt \u00fcber eine hervorragende Strominfrastruktur. Dies zeigt sich in  der Qualit\u00e4t der Stromversorgung. Ein Verbraucher war danach im Jahr  2018  durchschnittlich ca. 14 Minuten von Versorgungsunterbrechungen  betroffen. In den vergangenen zehn Jahren lagen dieser Wert f\u00fcr  Versorgungsunterbrechungen stets zwischen 12 und 16 Minuten. Im  Vergleich zu anderen Industriestaaten der Welt sind dies herausragende  Werte. Die Bundesregierung wird die Rahmenbedingungen bei der  Energiewende so setzen, dass die Versorgungssicherheit auch in Zukunft  mit wachsenden Anteilen von Strom aus Erneuerbaren Energien  gew\u00e4hrleistet bleibt.<\/p><p>Am  3. Juli 2019 hat das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie den  letzten Monitoringbericht nach \u00a7 63 i.V.m. \u00a7 51 EnWG zur  Versorgungssicherheit im Bereich  der leitungsgebundenen Versorgung mit Elektrizit\u00e4t vorgelegt. Er  dokumentiert das hohe Niveau der Stromversorgungssicherheit in  Deutschland und erl\u00e4utert verschiedene Zusammenh\u00e4nge rund um das Thema  Versorgungssicherheit. Den Bericht k\u00f6nnen Sie auf dieser  Webseite herunterladen: <a href=\"https:\/\/www.bmwi.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Energie\/monitoringbericht-versorgungssicherheit-2019.html\"> https:\/\/www.bmwi.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Energie\/monitoringbericht-versorgungssicherheit-2019.html<\/a> .<\/p><p>Der  Monitoringbericht basiert insbesondere auf einem umfangreichen  Gutachten zur Versorgungssicherheit an den europ\u00e4ischen Stromm\u00e4rkten bis  2030, welches das  BMWi beauftragt hat. Sie finden es und den zugeh\u00f6rigen Datenanhang  hier: <a href=\"https:\/\/www.bmwi.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Studien\/definition-und-monitoring-der-versorgungssicherheit-an-den-europaeischen-strommaerkten.html\"> https:\/\/www.bmwi.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Studien\/definition-und-monitoring-der-versorgungssicherheit-an-den-europaeischen-strommaerkten.html<\/a> .<\/p><p>Eine  weitere wichtige Untersuchung zu den europ\u00e4ischen Stromm\u00e4rkten stammt  von ENTSO-E, dem europ\u00e4ischen Verband der \u00dcbertragungsnetzbetreiber. Der  letzte Bericht  aus 2019 zeigt f\u00fcr den Zeitraum bis 2025 ebenfalls ein weiterhin hohes  Niveau der Stromversorgungssicherheit am Strommarkt Deutschland. Der  Link zum Download lautet: <a href=\"https:\/\/www.entsoe.eu\/outlooks\/midterm\/\">https:\/\/www.entsoe.eu\/outlooks\/midterm\/<\/a> .<\/p><p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p><p>Ihr Team B\u00fcrgerdialog<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>An der Stelle kann man dann mal kontrollieren, was hinter diesen Links liegt, und st\u00f6\u00dft auf Dokumente mit 43 bzw. 361 Seiten. Beide gehen tats\u00e4chlich \u00fcber die Fantasien des Green New Deal hinaus und versuchen sich an der Realit\u00e4t, die man anscheinend doch noch nicht ganz \u00fcber Bord geworfen hat. Zumindest das erste ist damit recht gut \u00fcberschaubar. Hier nur ein paar wesentliche Sachen daraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst geht die Prognose dahin, dass der Strombedarf stetig sinkt. Zumindest bis 2030, denn da liegt im Moment die Grenze der Betrachtungen. Weiter will man sich noch nicht aus dem Fenster legen. Wie das mit dem Sinken gehen soll, wenn gleichzeitig mit den E-Autos eine neue gro\u00dfe Verbrauchergruppe dazu kommt, wird nicht gesagt, also kann sich jeder dazu etwas denken.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig ist den Leuten aber auch klar, dass es nur mit EE nicht funktioniert, weshalb das Hauptaugenmerk darauf gerichtet ist, gen\u00fcgend konventionelle Energie bereit zu stellen. Weshalb auch eine Reihe konventioneller Kraftwerke im Bau bzw. geplant sind, flankiert von der Stilllegung anderer Kraftwerke, die eben aus kosmetischen Gr\u00fcnden vom Netz sollen. Und nicht nur das: man beh\u00e4lt sich ausdr\u00fccklich vor, die Planungen &#8211; Bau und Stilllegungen &#8211; komplett zu revidieren, wenn etwas absehbar vor die Wand fahren k\u00f6nnte. Von Speichertechnologien ist nicht die Rede; die verschweigt man am Besten ganz, um nicht eingestehen zu m\u00fcssen, dass da wenig zu holen ist. Insgesamt sieht das Konzept so aus:<\/p>\n\n\n\n<p>Man packt alles in einen europ\u00e4ischen Verbund. Deutschland muss aufgrund der Regelreserven heute Strom exportieren. Die Kraftwerke schaltet man ab, muss aber dann im Gegenzug den notwendigen Strom importieren, d.h. die Importquoten steigen zuk\u00fcnftig, und zwar recht kr\u00e4ftig, wenn kein Wind weht oder keine Sonne scheint. Dadurch wird das Netz hier nat\u00fcrlich nicht besser, weshalb man eben strategisch eine Reihe kleinerer Kraftwerke (bis 300 MW statt > 1 GW) zum Ausgleich baut und mittels teurer Technik (Phasenschiebertransformatoren, Wechselrichter f\u00fcr Photovoltaik u.a.) die Netze auch dann noch arbeitsf\u00e4hig h\u00e4lt, wenn sie es im klassischen Sinn eigentlich nicht sind, d.h. bei Frequenzabweichungen von +\/- 0,5 Hz statt  +\/- 0,1 Hz, und kleinfl\u00e4chigere Teillastabw\u00fcrfe vorsieht, m\u00f6glichst auf freiwilliger Basis, versteht sich. Vieles ist davon schon umgesetzt und mit f\u00fcr die hohen Kosten verantwortlich. <\/p>\n\n\n\n<p>Man kann das jetzt positiv oder negativ sehen. Positiv, in dem \u00dcberkapazit\u00e4ten, die allerdings nur durch die Volatilit\u00e4t der EE entstehen, abbaut, was zu schlankeren Netzen f\u00fchrt, negativ, in dem nun der Strom u.U. sehr viel weiter auf aufw\u00e4ndiger transportiert werden muss und Verluste in den Rechnungen grunds\u00e4tzlich nicht ber\u00fccksichtigt werden. &#8222;Schlankere&#8220; Netze kann man allerdings auch als Austesten verstehen, wie weit man an die Grenzen gehen kann, bevor es knallt. Da ist mit der heutigen Technik nat\u00fcrlich schon einiges mehr m\u00f6glich als fr\u00fcher, allerdings sind dann im Notfall auch keine Reserven mehr vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Pikant: die europ\u00e4ische Gesetzgebung \u00fcberl\u00e4sst die Planung jedem Land selbst. Man kann also nur hoffen, dass die Nachbarn nicht auf die gleiche Idee kommen und schlie\u00dflich jeder von jedem hohe Lieferungen erwartet, da seine Produktion nicht mehr gen\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch pikant: die konventionellen Energietr\u00e4ger (Kohle, Gas, Uran) sind noch im \u00dcberfluss vorhanden, Gas k\u00f6nnte aber ohne Northstream II in Deutschland zu wenig zur Verf\u00fcgung stehen. Merkel scheint bei ihrem Bestehen auf Northstream II anscheinend auch mehr verstanden zu haben als man nach dem Rest vermuten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Kleine Mogelpackung am Rande: es ist zwar ein wenig schwer durchschaubar, aber EE und KWK scheint in einen Topf geworfen zu werden. KWK = Kraft-W\u00e4rme-Kopplung, also die Erzeugung von Strom unter gleichzeitiger Nutzung der W\u00e4rme f\u00fcr Heizzwecke. Das kann man nat\u00fcrlich auch umgekehrt auslegen: die Erzeugung von W\u00e4rme f\u00fcr Heizzwecke unter Nutzung der \u00dcberschussenergie zur Stromerzeugung. In der Reihenfolge kann man das daf\u00fcr eingesetzte Gas dem W\u00e4rmesektor zuordnen und entlastet dadurch den Stromsektor vom Prim\u00e4rtr\u00e4ger. Man muss halt nur ein wenig Fantasie entwickeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Betrachtung des Green New Deals fragt man sich &#8211; oder besser: frage ich mich, wie das eigentlich funktionieren soll. 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