{"id":3609,"date":"2019-09-26T10:36:05","date_gmt":"2019-09-26T08:36:05","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=3609"},"modified":"2019-09-26T10:36:06","modified_gmt":"2019-09-26T08:36:06","slug":"ueber-den-medienbetrieb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2019\/09\/26\/ueber-den-medienbetrieb\/","title":{"rendered":"\u00dcber den Medienbetrieb"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn man bei Journalisten Emp\u00f6rung hervorrufen will, braucht man blo\u00df das Wort &#8222;L\u00fcgenpresse&#8220; in den Mund zu nehmen. Andererseits ist das nicht nur \u00e4rgern, sondern man kommt bei vielen Themen gar nicht darum herum, sie L\u00fcgenbarone zu nennen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wer verbal nicht ganz so hart zuschlagen will, unterstellt den Medien einen Erziehungswillen der Bev\u00f6lkerung, der ihnen nicht zusteht:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Prof  Dr  Norbert Bolz  L\u00fcgenpresse -  Es ist noch viel schlimmer\" width=\"604\" height=\"340\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/rAlTLm_UJ7w?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Man kann dar\u00fcber diskutieren, ob dieser Hintergrund der Medienmache nicht noch schlimmer ist als plumpes L\u00fcgen. Wenn man allerdings nicht bei Bolz&#8216; Aussagen stehen bleibt, sondern wirklich wissen will, was da abgeht, bietet sich der \u00fcbliche Recherche-Weg an: Follow the Money.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeitungen leben bekanntlich davon, dass sie gekauft werden. Das tun allerdings immer weniger Leute. Offiziell sehen die Absatzzahlen bei BiLD so aus:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"570\" height=\"648\" src=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/auflage-bild-ivw-bildblog.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3610\" srcset=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/auflage-bild-ivw-bildblog.jpg 570w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/auflage-bild-ivw-bildblog-264x300.jpg 264w\" sizes=\"auto, (max-width: 570px) 100vw, 570px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich habe hier BiLD genommen, weil die ihre Zahlen ver\u00f6ffentlichen. Bei anderen Medien sieht es mindestens genauso d\u00fcster aus. Ausl\u00f6ser ist das Internet mit seinen Informationsm\u00f6glichkeiten: man kommt an fast alles mehr oder weniger kostenlos ran, was Zeitungen, von denen man fr\u00fcher eine hatte, die alle Sparten bediente, ein wenig \u00fcberfl\u00fcssig macht. Allerdings ist das Internet nur Ausl\u00f6ser f\u00fcr eine verh\u00e4ngnisvolle sich selbst verst\u00e4rkende Wirkung.<\/p>\n\n\n\n<p>Weniger Abonnenten bedeutet weniger Geld, und zwar deutlich weniger Geld. Es fehlen nicht nur die Einnahmen aus dem Verkauf, auch die Werbekunden zahlen nat\u00fcrlich deutlich weniger, wenn die Auflagenst\u00e4rke sinkt. Weniger Geld bedeutet aber auch weniger Redakteure, allerdings nicht, dass die \u00fcberbezahlten Chefredakteurgeh\u00e4lter parallel sinken m\u00fcssten. Wie in anderen Bereichen der Wirtschaft wird bei den Medien nicht mehr so viel selbst produziert, sondern ausgelagert. Statt eigener exklusiv arbeitender Reporter kauft man viele Sachen bei Freelancern ein. Die kann man preislich besser knebeln als arbeitsrechtlich abgesicherte eigene Redakteure. <\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich m\u00fcssen sich die Medien auch \u00fcberlegen, wie sie mit dem Internet umgehen. Elektronische Versionen der Zeitungen ersparen schon mal die Druckkosten, sind aber nur ein paar Prozent g\u00fcnstiger als die Papierversionen. Aber das ist nur ein Nebenkriegsschauplatz. Kleinere Auflagen und das Internet setzen nun die fatale Verst\u00e4rkung des Qualit\u00e4tsverlusts in Gang:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Freelancer werden pro Artikel bezahlt. Wenn man den zug\u00e4nglichen Informationen glauben darf, geh\u00f6ren solche Leute nicht gerade zu den Spitzenverdienern, sind also gezwungen, m\u00f6glichst viel zu produzieren und m\u00f6glichst auch an verschiedene Medien zu verkaufen. Schnell-schnell ist die Devise, Recherchieren kommt irgendwann weiter hinten. Und so landen schlecht recherchierte Meldungen in den Redaktionen. Und da die auch weniger Leute haben, f\u00e4llt eine intensive Nachrecherche auch dort weitgehend aus.<\/li><li>Schnell-schnell wird durch das Internet nochmals gesteigert. Um \u00fcberhaupt noch wahr genommen zu werden, m\u00fcssen die Medien mit online-Portalen auftreten, auf denen sie viele Informationen kostenlos einstellen, um \u00fcberhaupt noch Kunden anzulocken. Bei online-Portalen wirken nur noch die Klickzahlen f\u00fcr die Werbung als Einnahmequelle. Die online-Portale wiederum erscheinen mit ihren Meldungen gesammelt in News-Portalen wie Google. Ein gro\u00dfer Anteil der Besucher von Portalen kommt \u00fcber die News-Portale und ist keine Stammkundschaft. Bringt online-Portal A eine Meldung, muss nun online-Portal B schnell nachziehen, damit beide Portale auf der News-Plattform erscheinen. Sonst w\u00fcrde nur A das Klick-Gesch\u00e4ft machen und B noch weiter in der Versenkung verschwinden. Also schnell-schnell nachlegen und nicht sorgf\u00e4ltig-sorgf\u00e4ltig erst mal pr\u00fcfen.<\/li><li>Der Redakteur von B kauft also den Artikel vom Freelancer noch mal oder nimmt ihn von einer Agentur und \u00e4ndert in einer halben Stunde ein paar Worte, damit schnell-schnell die Meldung auf dem News-Portal erscheint. Alternativ schreibt er gleich bei A ab, was die Regel ist, wenn A und B zum gleichen Verlag geh\u00f6ren. Manche Lokalzeitungen besch\u00e4ftigen auf diese Weise im Grund gar keinen Redaktionsstab mehr. <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Was uns von den Zeitungsmachern immer verkauft wird &#8211; gut recherchierte Hintergr\u00fcnde als Grund, die Zeitung zu kaufen und nicht Blogs im Internet zu konsumieren &#8211; stimmt also nicht, oder besser: kann gar nicht stimmen, denn dazu stehen weder die notwendige Zeit noch mangels Geld die notwendigen Redakteure zur Verf\u00fcgung. Kommt ein Artikel rein, wird von der Redaktion noch gepr\u00fcft, ob der Inhalt mit den Vorgaben des Herausgebers harmoniert, aber nicht, ob der Inhalt Hand und Fu\u00df hat. Ab und zu erscheint dann nicht Harmonisches im Feuilleton, das eher weniger gelesen wird. Verkauft wird das als &#8222;Meinungsvielfalt&#8220;, was aber eine plumpe T\u00e4uschung ist, denn in vielen Bereichen treffen nicht Meinungen aufeinander, sondern sich widersprechende Fakten, und die resultieren eben aus nicht stattfindenden Hintergrundrecherchen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnliche Mechanismen betreffen auch die Staatsmonopolpropaganda-Medien, die Dank Zwangsgeb\u00fchr eigentlich keine Geldprobleme haben sollten. Dort wei\u00df zwar keiner, was ein Intendant eigentlich macht, aber daf\u00fcr verdient der ungef\u00e4hr das Doppelte des CEO der BRD GmbH &amp; Co KG, Frau Dr. Angela Kasner, genannt Merkel oder IM Erika. Und solche \u00fcberbezahlten Posten vermehren sich im schw\u00fclen Klima der \u00d6R Medien besser als Pilze im Regenwald des Amazonas. Geldmangel tritt auch dort auf, wo zwar Unmengen hinflie\u00dfen, aber keiner mehr kontrolliert, wo es versickert. Und ob der Korrespondent vor einem Bild des Wei\u00dfen Hauses nun wirklich aus Washington berichtet oder vor eine Fototapete in Wanne-Eickel sitzt, ist inzwischen auch dort nicht mehr so ohne Weiteres zu unterscheiden. &#8222;Wes Brot ich ess&#8216;, des Lied ich sing'&#8220; haben die \u00d6R-Medien dank steigender Unbeliebtheit inzwischen auch in eine Spirale der herausgebergesteuerten (d.h. der Politik) Berichterstattung gezwungen, die mit echten Journalismus schon lange nichts mehr zu tun hat. Die Bolzsche Erziehungsthese trifft hier wohl noch am Besten zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht aber noch besser! Oder schlechter, je nach Standpunkt. Wo kommen alle die panikmachenden Klimageschichten her? Die zum gro\u00dfen Teil, leicht an Fakten, die sogar von den Panikmachern wie dem PIK oder dem IPCC selbst stammen, nachweisbar, von L\u00fcgen nur so strotzen? Und warum werden L\u00fcgen, wenn man die Medien darauf hinweist und die Fakten beif\u00fcgt, nicht gerade ger\u00fcckt? Also warum verdienen sich die Medien den Titel L\u00fcgenpresse geradezu im Nachgang zu Recht?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Antwort: die armen Freelancer oder andere Redakteure w\u00e4ren mit den Panikberichten hoffnungslos \u00fcberfordert. Nicht, dass sie das nicht k\u00f6nnten, aber dazu haben sie keine Zeit, denn bevor sie fertig w\u00e4ren, w\u00e4ren sie verhungert oder s\u00e4hen zumindest so aus die Damenriege bei ARD und ZDF: blond und klapperd\u00fcrr. Nein, diese Berichte werden von &#8222;Klimaforschern&#8220; verfasst. Die saugen sich haarstr\u00e4ubende Geschichten aus den Fingern, die dann in den Medien untergebracht werden, m\u00f6glichst \u00fcber Agenturen wie dpa, damit m\u00f6glichst viele Zeitungen das aufgreifen. Damit die Agenturen das auch \u00fcbernehmen und verbreiten, erscheinen diese Berichte &#8211; sie sind von den Forschern ja nicht als wissenschaftliche Artikel geschrieben, sondern f\u00fcr den dummen B\u00fcrger &#8211; als Presseerkl\u00e4rungen. Hat der Forscher eine NGO im Hintergrund, beim Klima meist eine aus Steuergeldern finanzierte, gibt die den Artikel als Presseerkl\u00e4rung heraus und dr\u00fcckt dem Vermittler ein paar\/viele Euro in die Hand, damit der das auch bringt. Ohne das Sal\u00e4r landet die Presseerkl\u00e4rung im Papierkorb. Schlie\u00dflich will ja auch die Agentur irgendwie leben. &#8222;Presseerkl\u00e4rung&#8220; verschwindet auf dem weiteren Weg, weil jede Redaktion im Rahmen von &#8222;stille Post&#8220; an dem Artikel rumdoktort, um Eigenst\u00e4ndigkeit zu zeigen. Forscher und NGO st\u00f6rt das wenig, so lange der Sinn erhalten bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Also anders ausgedr\u00fcckt: viele insbesondere technisch angehauchte Meldungen sind gar keine Infomationen, die durch journalistische Recherche den Weg in die Medien gefunden haben, sondern schlicht bezahlte Artikel. &#8222;Wer zahlt, bestimmt auch die Musik&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da haben wir zun\u00e4chst mal den Grund, weshalb andere Positionen in Sachen Klima gar nicht erst in die Medien kommen: den Leuten steht nicht genug Geld zur Verf\u00fcgung, um f\u00fcr die Verbreitung ihrer Informationen zahlen zu k\u00f6nnen. Im Notfall kontert die Klimamafia eine Gegendarstellung mit 5-10 anderen Artikeln. Geld dazu ist genug da, wie wohl nicht erl\u00e4utert werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wo bleiben dann die Richtigstellungen? Warum erscheinen nicht wenigstens die? Da sind wir wieder bei den Redaktionen. Die m\u00fcssten, genauso wie bei nicht bezahlten Artikeln, recherchieren, was an der Sache dran ist. K\u00f6nnen sie nicht. Keine Kapazit\u00e4t f\u00fcr so was. Also fordert man von Einreicher eines Artikels ein Gutachten eines Peers an, also eines &#8222;anerkannten Meinungsschaftlers&#8220;, oder man schickt die Kritik an den Urheber des bezahlten Artikels zur Stellungnahme. <\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt tats\u00e4chlich Leute, die glauben an solche Verfahren. Schlie\u00dflich m\u00fcssten die Angesprochenen ja einr\u00e4umen, dass an den Gegendarstellungen etwas dran ist. Sorry, selten so gelacht! Nein, was passiert, ist schlicht &#8211; NICHTS. Sie bekommen keine Antwort, sie erreichen noch nicht mal die Leute, selbst wenn sie telefonisch so nerven, dass sie die Sekret\u00e4rin des Peers schlie\u00dflich besser kennen als ihr Chef. Man kann diesen Leuten das gesamte Vokabular des Hamburger Rotlichtviertels an den Kopf werfen &#8211; die sind absolute schmerzfrei und klicken das einfach weg. Die erz\u00e4hlen direkt danach die gleichen Geschichten noch mal, ohne dass auch nur die Stimme eine andere Tonlage ob der Beschimpfung einnehmen w\u00fcrde. Wenn man wei\u00df, um wieviel Geld es beim Thema Klima geht, wei\u00df man auch, dass Geld gegen alles m\u00f6gliche besser panzert als eine Kompositpanzerung den Leopard II. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Presse ist damit die Sache klar: keine Stellungnahme &#8211; keine Notwendigkeit, irgendetwas zu drucken. Sich drum k\u00fcmmern? Kein Zeit, ich muss die Zeitung schnell voll bekommen. Und mit Panik l\u00e4sst sich ein besserer Erfolg bei den Kunden erzielen als mit Informationen, \u00fcber die sie nachdenken m\u00fcssen. <\/p>\n\n\n\n<p>Halten wir mal fest: von Au\u00dfen betrachtet scheint die journalistische Abschlusspr\u00fcfung im Nachweis zu bestehen, dass der Proband wirklich von nichts irgendeine Ahnung hat. Dieser Eindruck ist vollkommen korrekt: Journalisten haben von nichts irgendeine Ahnung. Ihre Aufgabe besteht n\u00e4mlich darin, sich durch sorgf\u00e4ltige Recherche zu irgendeinem Thema gewisserma\u00dfen Ahnung zu verschaffen und diese an den Leser weiterzugeben, und die Ausbildung besteht in der Methodik, wie man eben sorgf\u00e4ltig recherchiert. Ahnung ist da eher hinderlich, wenn man ehrlich arbeiten will (was nat\u00fcrlich nicht verhindert, dass sich doch irgendwann Ahnung einnistet). Das Arbeitsumfeld des Journalisten l\u00e4sst aber heute aus verschiedenen Gr\u00fcnden gar nicht mehr zu, dass er seine Ausbildung umsetzen kann. Also verkauft er seine Ahnungslosigkeit verpackt in ein paar nette Worte. Ein paar an Geld gekoppelte Mechanismen drum herum sorgen dann daf\u00fcr, dass nur bestimmte Aspekte der Ahnungslosigkeit ver\u00f6ffentlicht werden. Der Journalist ist daher in vielen F\u00e4llen gar nicht der gro\u00dfe Erzieher, wie Bolz beschreibt, sondern geschickte Gesch\u00e4ftemacher dahinter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man bei Journalisten Emp\u00f6rung hervorrufen will, braucht man blo\u00df das Wort &#8222;L\u00fcgenpresse&#8220; in den Mund zu nehmen. Andererseits ist das nicht nur \u00e4rgern, sondern man kommt bei vielen Themen gar nicht darum herum, sie L\u00fcgenbarone zu nennen. 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