{"id":3225,"date":"2019-07-08T10:54:50","date_gmt":"2019-07-08T08:54:50","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=3225"},"modified":"2019-07-08T10:54:51","modified_gmt":"2019-07-08T08:54:51","slug":"umfragen-und-andere-zahlenmagie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2019\/07\/08\/umfragen-und-andere-zahlenmagie\/","title":{"rendered":"Umfragen und andere Zahlenmagie"},"content":{"rendered":"\n<p>Kaum ein Artikel in irgendeiner Zeitung kommt ohne begleitendes Zahlenwerk aus. So erf\u00e4hrt man, dass 97% der Klimawissenschaftler an den menschengemachten Klimawandel glauben, 50% Robert Habeck als Kanzlerkandidaten sehen, 67% eine CO2-Steuer f\u00fcr sinnvoll halten und vieles mehr an im Grunde unverst\u00e4ndlichen Zahlenwerten.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der Hintergrund f\u00fcr das Spielen mit solchen Zahlen ist psychologischer Natur. Der Mensch ist mehrheitsbezogen gepolt: wenn das Gehirn nicht aktiviert wird (Standardzustand bei 99%), folgt man einfach der Mehrheit. Das wird bewusst ausgenutzt. Zum Beispiel wurden in der NS-Zeit alle Juden nach gen\u00fcgend Propaganda von einem gro\u00dfen Teil der Bev\u00f6lkerung als Ungeziefer angesehen, abgesehen nat\u00fcrlich vom pers\u00f6nlichen Hausjuden (Arzt, Rechtsanwalt, H\u00e4ndler), der war in Ordnung. Wenn man etwas nachdenkt, findet man heute ebenfalls diese Denkmuster wieder, beispielsweise in Bezug auf Pro oder Kontra bei den Ausl\u00e4ndern oder dem Klima. In der Liste oben trifft der Ausfall jeglicher Gehirnleistung auf die 67% derjenigen zu, die CO2-Steuern f\u00fcr sinnvoll halten. Niemand k\u00f6nnte begr\u00fcnden, warum das sinnvoll sein soll, und wer auf den Trichter kommt, man k\u00f6nne so die Leute zu bewusster CO2-Emissionsvermeidung veranlassen, \u00fcbersieht regelm\u00e4\u00dfig, dass er dann auch betroffen ist und nur mehr Geld zahlt, ohne tats\u00e4chlich viel \u00e4ndern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den Zahlen muss man auch auf die Formulierungen achten. &#8222;50% sehen Habeck als Kanzlerkandidaten&#8220; wird unterschwellig als &#8222;50% wollen Habeck als Kanzler&#8220; interpretiert, besonders wenn noch ein paar andere Formulierungen im Artikel in diese Region zielen. Die Frage, ob eine Partei mit einem hohen W\u00e4hleranteil auch einen Kanzlerkandidaten aufstellen sollte, d\u00fcrften bei genauem Hinh\u00f6ren sogar 90% bef\u00fcrworten, aber ob der dann wirklich als Kanzler erw\u00fcnscht ist, d\u00fcrfte sich eher am anderen Ende der Prozentskala ausdr\u00fccken. Der ungenaue Umgang mit der Sprache wird durch die Medien heute stark gef\u00f6rdert, und bei solchen Beispielen wei\u00df man auch, warum. Der Leser\/H\u00f6rer soll etwas anderes im Hinterkopf behalten als das, was tats\u00e4chlich erz\u00e4hlt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>97% der Klimawissenschaftler glauben an den menschengemachten Klimawandel, und da diese Klientel davon lebt, dass so etwas geglaubt wird, w\u00e4re es schon ein Wunder, wenn das nicht so w\u00e4re. Im Ged\u00e4chtnis bleibt das als &#8222;97% der Wissenschaftler&#8220;, obwohl der Anteil der Klimawissenschaftler deutlich weniger als 1% in der Menge der Naturwissenschaftler und Ingenieur einnimmt. Der Anteil der \u00fcberzeugten &#8222;Wissenschaftler&#8220; in diesem Sinn ist jedenfalls deutlich weniger von den 1% entfernt als von den 97%. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine v\u00f6llige Verfremdung ist auch das PIK, das &#8222;Potsdam Institut f\u00fcr Klima<strong>folgen<\/strong>forschung&#8220;. Geh\u00f6rt wird &#8222;Potsdam Institut f\u00fcr Klimaforschung&#8220;, und das w\u00fcrde man den Naturwissenschaften im weitesten Sinn zuordnen. Die Erforschen von Klimafolgen f\u00fcr die Gesellschaft ist aber gar kein naturwissenschaftliches Thema sondern ein sozialwissenschaftliches. Wer sich wundert, weshalb die Vertreter des PIK im Detail alles andere als naturwissenschaftlich seri\u00f6s argumentieren, sondern irgendein d\u00e4mliches Geschw\u00e4tz von sich geben, hat schon den Namen des Instituts, wo diese Leute herkommen, falsch aufgefasst. <\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfe Zahlen beeinflussen ebenfalls im gew\u00fcnschten Sinn. So haben &#8222;Tausende f\u00fcr die Seenotrettung im Mittelmeer&#8220; demonstriert. Mal abgesehen von den daher gelogenen Begriffen &#8211; es handelt sich nicht um Seenotrettung, denn das aktuelle Beispiel der &#8222;Alan Kurdi&#8220;, ein \u00fcberalterter Seelenverk\u00e4ufer der \u00fcbelsten Art, zeigt, dass die Schlauchboote nicht selten trotz allem seet\u00fcchtiger sind als die Rettungsschiffe und dar\u00fcber hinaus jeder Seefahrer sofort best\u00e4tigen w\u00fcrde, dass die &#8222;Rettung&#8220; auch nur gelingen kann, wenn die Koordinaten f\u00fcr das Rendezvous mit den Schleppern genau abgesprochen sind &#8211; ist die Zahl &#8222;Tausende&#8220; beeindruckend, wird aber in der Regel nicht korrekt skaliert. So sind in den Gr\u00fcn-Rot-verstrahlten Gebieten wie Bremen, Hamburg oder Berlin tats\u00e4chlich relativ viele bei solchen Demos gewiesen und &#8222;in Hessen allein 1300&#8220;. Bemerkt? In Hessen! Liest man weiter (macht keiner), dann waren es hier 50, dort 80, usw. in Summe in ganz Hessen mit 6.250.000 Einwohnern 1.300 oder 0,02% ! Und selbst in den verstrahlten Gebieten liegt der Anteil der Teilnehmer deutlich unter 1%, d.h. die Gr\u00fcnen und Roten haben noch nicht mal alle ihre Parteimitglieder aktivieren k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dem B\u00fcrger wird vorgegaukelt, dass eine gro\u00dfe Mehrheit hinter v\u00f6llig bl\u00f6dsinnigen Themen steht, und er merkt gar nicht, dass genau das Umgekehrte der Fall ist und l\u00e4sst sich von dem Unfug beeinflussen. Zumal die Sch\u00e4tzungen von der Polizei auf der einen Seite und der Politik und den Medien fast immer um den Faktor 2 oder mehr auseinander liegen (erstaunlicherweise werden von Gr\u00fcn-Links sogar die eigenen Teilnehmer um den Faktor 2 erh\u00f6ht, w\u00e4hrend die Teilnehmer der &#8222;rechten&#8220; Gegendemo halbiert werden). Oft werden Fotos als &#8222;Beweis&#8220; f\u00fcr viele oder wenige Teilnehmer vorgelegt, aber nichts ist einfacher manipulierbarer als der Aufnahmewinkel. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber man kann ja auch noch Umfragen machen. Die eigentlich zutreffende Annahme dabei: wenn man die Leute zuf\u00e4llig ausw\u00e4hlt, liegt das Ergebnis der Befragung einer kleinen Zahl halbwegs berechenbar in der N\u00e4he einer Gesamterhebung. Die Manipulationsm\u00f6glichkeiten fangen nat\u00fcrlich mit der &#8222;zuf\u00e4lligen Auswahl&#8220; an. Die ist inzwischen selbst dann in vielen F\u00e4llen unm\u00f6glich, wenn sich die Frager darum bem\u00fchen. Passive Umfragen, bei denen sich die Befragten f\u00fcr die Befragung melden m\u00fcssen (beispielsweise die st\u00e4ndigen &#8222;Stimmungsbarometer&#8220; in den Medien), locken zun\u00e4chst nur die Klientel an, die halbwegs systematisch die Seiten nutzt, und das ist weit entfernt von reinem Zufall. Aktive Umfragen, in denen die Interviewer die Kunden ansprechen, leiden aber nach den vielen Manipulationen inzwischen ebenfalls daran, dass eine zuf\u00e4llige Auswahl nicht mehr zu Stande kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Befragung zur Gefahr von Rechts? Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Angesprochenen mit einer Affinit\u00e4t zur AfD, so namhafte Umfrageinstitute selbst zu dem Thema, verweigern die Teilnahme mit dem Hinweis &#8222;kommt ja doch immer der gleiche Mist raus, egal was man sagt&#8220;. Linke und Gr\u00fcne nehmen daf\u00fcr um so bereitwilliger Teil. &#8222;67% beurteilen die Gefahr von Rechts als gef\u00e4hrlicher als die Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t&#8220; ist also eher eine Statistik dar\u00fcber, wie viele Leute die Teilnahme verweigert haben als eine tats\u00e4chliche Aussage \u00fcber die Einstellung der Bev\u00f6lkerung. Zur F\u00e4lschung eignet sich das nat\u00fcrlich trotzdem.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst wer mitmacht, wird meist betrogen. Die Antworten auf die Fragen sind vorgegeben und enthalten oft gar nicht die Optionen, die der Befragte dazu sagen m\u00f6chte. Er soll also etwas ausw\u00e4hlen, was er gar nicht meint (oder der Interviewer macht das f\u00fcr ihn), im besten Fall wird die Frage ausgelassen. Beides verf\u00e4lscht das Ergebnis systematisch. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Auswertung selbst ist ebenfalls manipulativ, da die Befragten dar\u00fcber ebenfalls nicht in Kenntnis gesetzt werden. Eine Befragung unter Studentinnen hat beispielsweise ergeben, dass jede 2. oder 3. bereits &#8222;Opfer sexueller Bel\u00e4stigung&#8220; geworden ist. Teilgenommen haben europaweit ca. 1500 Studentinnen, was schon deutlich auf den Abwinkeffekt hinweist: die meisten haben gar nicht erst teilgenommen. Eine Frage war &#8222;Hat Ihnen schon einmal jemand hinterher gepfiffen oder etwas zugerufen?&#8220;. Nun, Studentinnen, die nicht erst in die Unterhose schauen m\u00fcssen, welches Geschlecht sie denn haben, sind altersm\u00e4\u00dfig im J\u00e4ger- und Sammlermodus und viele d\u00fcrften es als Kompliment ansehen, Aufsehen bei den M\u00e4nnchen zu erregen, wenn die Sache nicht zu ordin\u00e4r und aufdringlich auff\u00e4llt. Bewertet wurde die zufrieden-stolze Antwort &#8222;JA&#8220; als &#8222;wurde sexuell bel\u00e4stigt&#8220;, wobei im weiteren auch kein unterscheidender Ma\u00dfstab zwischen &#8222;hat ein Kompliment bekommen&#8220; und &#8222;ist vergewaltigt worden&#8220; verwendet wurde. Die Manipulation dieses Beispiels ist extrem, aber \u00c4hnliches darf man von fast allen Umfragen erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es immer noch nicht klappt mit dem Wunschergebnis, kann man auch die Datenbasis eingrenzen. Bei dem 97%-Ergebnis hinsichtlich der Klimagl\u00e4ubigkeit wurden urspr\u00fcnglich tats\u00e4chlich Naturwissenschaftler und Ingenieure befragt &#8211; mit dem 1%-Ergebnis. Auf die 97% kam man erst, als man die Datenbasis auf reine Klimawissenschaftler begrenzte, und selbst da mussten noch manipuliert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Fassen wir zusammen: Umfragen und Zahlen sind in der Regel gef\u00e4lscht oder werden nur zu dem Zweck pr\u00e4sentiert, die Mitl\u00e4ufer in die gew\u00fcnschte Richtung zu manipulieren. Besonders Zahlen in (L\u00fcgen)Medien sollte man nicht ohne Pr\u00fcfung oder Relationenvergleich vertrauen. Zitierten Umfrageergebnissen sollte man keinesfalls glauben, wenn nicht die Fragestellung angegeben ist (in der Regel wird so etwas nicht angegeben und ist auch beim Ersteller der L\u00fcge nicht auffindbar), und selbst dann sind die Manipulationsm\u00f6glichkeiten noch enorm.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider muss man aber auch davon ausgehen, dass trotz der heutzutage guten Pr\u00fcfm\u00f6glichkeiten jede gef\u00e4lschte Zahl die Leute in die gew\u00fcnschte Richtung dr\u00e4ngt. Das geht so gut, dass es niemandem etwas ausmacht, wenn durch die F\u00e4lschungen Tausende von Arbeitslosen produziert werden (man ist ja erstaunlicherweise selbst nie dabei) oder Leute ins Gas geschickt werden wie fr\u00fcher.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ein Artikel in irgendeiner Zeitung kommt ohne begleitendes Zahlenwerk aus. So erf\u00e4hrt man, dass 97% der Klimawissenschaftler an den menschengemachten Klimawandel glauben, 50% Robert Habeck als Kanzlerkandidaten sehen, 67% eine CO2-Steuer f\u00fcr sinnvoll halten und vieles mehr an im Grunde unverst\u00e4ndlichen Zahlenwerten. Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12,8,3,19],"tags":[],"class_list":["post-3225","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesellschaft","category-massenpsychologie","category-mediennutzung","category-wissenschaft"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3225","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3225"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3225\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3226,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3225\/revisions\/3226"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3225"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3225"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3225"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}