{"id":3167,"date":"2019-06-24T16:56:26","date_gmt":"2019-06-24T14:56:26","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=3167"},"modified":"2019-06-24T16:56:27","modified_gmt":"2019-06-24T14:56:27","slug":"warum-wehrt-sich-denn-keiner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2019\/06\/24\/warum-wehrt-sich-denn-keiner\/","title":{"rendered":"Warum wehrt sich denn keiner?"},"content":{"rendered":"\n<p>W\u00e4hrend eine v\u00f6llig verbl\u00f6dete Jugend unter dem Applaus einer noch verbl\u00f6derteren Politikerkaste Schritt f\u00fcr Schritt der Wirtschaft das Licht auspustet, wartet man vergebens darauf, dass einer der angeblich allm\u00e4chtigen Unternehmer mal Klartext redet. Aber es passiert &#8230; NICHTS.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Erwartungshaltung basiert auf der falschen Annahme, dass man es mit Unternehmern zu tun h\u00e4tte, denen die Existenz ihres Unternehmens am Herzen liegt. Das ist v\u00f6llig daneben! Was sich in den Konzernen tummelt, sind keine Unternehmer sondern Kaufleute, denen die Optimierung ihres eigenen Portemonaies und die Sicherung ihres sp\u00e4teren Platzes beim Golfspielen nach dem Ausscheiden wichtig ist und denen das Unternehmen am Arsch vorbei geht. Wenn der Shareholder-Value stimmt, kassieren sie ab, egal ob 20.000 Leute arbeitslos werden. Und wenn sie sich mit dem Aufsichtsrat einig sind, muss noch nicht mal der Aktienkurs stimmen. Schauen wir uns ein paar Beispiele an, wie der pers\u00f6nliche Profit und der Shareholder Value gesichert wird ohne dass man sich lauthals schreiend mit Informationen aus dem Fenster lehnen muss, die ohnehin niemand h\u00f6ren m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Stahlkocher<\/h4>\n\n\n\n<p>Bei den Stahlkochern fand man noch am Ehesten Unternehmertypen im alten Sinn an der Spitze. Das gerade Gesagte trifft also auf diese Sparte nicht im vollen Umfang zu, zeigt jedoch die Gleichg\u00fcltigkeit der deutschen Politik gegen\u00fcber dem Standort Deutschland und die Folgeprobleme auf. <\/p>\n\n\n\n<p>Dem Stahl geht es aber schon seit Jahrzehnten nicht besonders gut. Der erste Stahlkocher, dem es noch in EWG-Zeiten an den Kragen ging, war Kl\u00f6ckner Stahl. Die meinten, nicht auf die Politik achten zu m\u00fcssen, wenn es um Arbeitspl\u00e4tze geht, und wurden prompt eines Besseren belehrt. Eigenartiger Weise konnte sich das Unternehmen bis heute am Markt halten, wobei es \u00fcberwiegend als H\u00e4ndler operiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stahlkocher wussten also, dass ihnen von der EWG und deren Folgeorganisationen das Leben schwer gemacht wurde, hielten sich aber zun\u00e4chst noch als Qualit\u00e4tsstahllieferanten recht gut, weil Japaner und andere nicht mithalten konnten. Das \u00e4nderte sich nat\u00fcrlich im Laufe der Zeit. Der n\u00e4chste Gro\u00dfe, der den L\u00f6ffel abgab, war Hoesch, der 1992 von Krupp unter einer Schlie\u00dfungswelle \u00fcbernommen wurde. 2000 folgte Mannesmann durch feindliche \u00dcbernahme durch Vodafone, die nur am IT-Bereich interessiert waren und den Konzern unter gro\u00dfen Verlusten zerschlugen. Einige Reste \u00fcbernahm Salzgitter. F\u00fcr Thyssen und Krupp war der Weg als Einzelk\u00e4mpfer 1999 ebenfalls zu Ende und die letzten Gro\u00dfen fusionierten. <\/p>\n\n\n\n<p>Die heutige Lage f\u00fcr Thyssen-Krupp ist beschissen. Die Fusion mit dem indischen Tata-Konzern scheiterte, w\u00e4re aber wohl auch so nicht gut ausgegangen. Inzwischen haben norwegische Heuschrecken das Sagen und die Krupp-Stiftung, bislang am Erhalt des Konzerns interessiert, hat inzwischen halbwegs klein bei gegeben. Der Konzern wird vermutlich zerschlagen und die Reste verkauft. Die Heuschrecken haben gewonnen und die Leute ihre Arbeit verloren.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Bayer AG<\/h4>\n\n\n\n<p>Neben der Heuschreckenproblematik, die nur dann Profit macht, wenn ein eigentlich funktionierendes Unternehmen zerschlagen wird, zeigt Bayer eine zweite Problematik. Mit dem Kauf von Monsanto wurde strategisch eigentlich alles richtig gemacht. Was nicht ber\u00fccksichtigt wurde: Fakten spielen heute keine Rolle. Mit immer neuen Verurteilungen gegen die medizinisch-wissenschaftlichen Fakten wird der Konzern immer weiter an den Rand des Abgrunds geschoben. Er ist nahe daran, ein Kandidat f\u00fcr eine feindliche \u00dcbernahme durch einen anderen Konzern zu werden. Ob sich der Konzern f\u00e4ngt, bleibt abzuwarten. Die Schreih\u00e4lse haben gewonnen, dem Recht wurde gen\u00fcge getan, und eine Menge Arbeitspl\u00e4tze sind weg.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">VW<\/h4>\n\n\n\n<p>Kommen wir nun zum ersten Bereich, wo man mehr Protest der Unternehmen erwarten sollte. Die Automobilindustrie wird derzeit geschlachtet und wehrt sich nicht. Der VW-Chef springt auf den E-Auto-Zug auf und baut den Konzern um. Dabei sollte er selbst wissen, dass E-Fahrzeuge nur einen begrenzten Markt haben und vermutlich kaum gekauft werden. Zu teuer, zu unsicher die Versorgung mit Strom. Was steckt dahinter?<\/p>\n\n\n\n<p>VW hat inzwischen schon einen gr\u00f6\u00dferen Stellenabbau in den n\u00e4chsten Jahren bekannt gegeben. Produktionspl\u00e4ne f\u00fcr E-Autos werden kurzfristig ge\u00e4ndert (weitere Stellenstreichungen), die Produktion ins Ausland verlagert. Als letztes wurde bekannt, dass ein Werk in der T\u00fcrkei gebaut werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter dieser Strategie kann man nur vermuten, dass VW den Standort Deutschland bereits aufgegeben hat. Die Produktion wird auf das, was man hier noch verkaufen kann, zur\u00fcck gefahren, und das wird verdammt wenig sein. Das Gesch\u00e4ft wird woanders gemacht werden. Sollen die Europ\u00e4er doch an ihrer eigenen Bl\u00f6dheit ersticken &#8211; und das werden sie voraussichtlich auch. Mercedes und BMW d\u00fcrften wohl \u00e4hnliche Pl\u00e4ne haben. Sich mit hirntoten Gr\u00fcnen oder FFF-Vertretern anlegen? Ist gar nicht notwendig. Die Standorte hier werden \u00fcber die n\u00e4chsten 10 Jahre abgeschrieben, die Leute m\u00f6glichst &#8222;sozialvertr\u00e4glich&#8220; freigesetzt, und das war es dann.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Stromerzeuger<\/h4>\n\n\n\n<p>Auch da keine Gegenwehr, aber Vorsorge. Nat\u00fcrlich werden auch dort die Ingenieure darauf hingewiesen haben, dass das Schlie\u00dfen von Kraftwerken nicht so einfach ist. Aber warum sich streiten mit Leuten, die zu bl\u00f6d sind, irgendetwas zu kapieren?<\/p>\n\n\n\n<p>Bremen will beispielsweise bis 2023 die verbliebenen Kraftwerke abschalten. Vielleicht werden die Bremer dann aus Niedersachsen versorgt, vielleicht auch nicht. Nicht versorgt werden jedenfalls ein paar Tausend Wohnungen, die mit Fernw\u00e4rme versorgt werden. Ob die Vermieter Bauma\u00dfnahmen vornehmen, wenn sie die Investitionen nicht \u00fcber Mieterh\u00f6hungen finanzieren k\u00f6nnen? Und \u00fcberhaupt etwas unternehmen k\u00f6nnen, denn das setzt eine Infrastruktur f\u00fcr Gas oder anderes voraus, die vermutlich ebenfalls nicht vorhanden ist. Man kann verstehen, das sich die Unternehmen ausklinken und es der Politik \u00fcberlassen, mit den Scherben klar zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch sonst hat man vorgesorgt. Die Kraftwerkssparte wurde \u00fcberall ausgegliedert. Gehen die Kraftwerke den Bach runter, trifft es die Unternehmen selbst nur oberfl\u00e4chlich. Noch besser: bringen die Kraftwerke keinen Gewinn mehr, meldet man sie zur Abschaltung an. Die Bundesnetzagentur kann das verbieten, um die Versorgung sicher zu stellen, aber ab dem Zeitpunkt laufen s\u00e4mtliche Kosten zu Lasten des Staates. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h4>\n\n\n\n<p>Statt f\u00fcr den Erhalt der Unternehmen zu trommeln und den Klimaunfug als das hinzustellen, was er ist, n\u00e4mlich ganz einfach nur Unfug, haben die Unternehmen schon l\u00e4ngst andere Weichen zu Rettung des Kapitals gestellt. Deshalb wartet der besorgte Arbeitnehmer erfolglos auf Klarstellungen. Die einzigen, die \u00fcber gen\u00fcgend M\u00f6glichkeiten verf\u00fcgen, den Kampf gegen die Klimaschwachmatiker aufzunehmen, halten sich raus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend eine v\u00f6llig verbl\u00f6dete Jugend unter dem Applaus einer noch verbl\u00f6derteren Politikerkaste Schritt f\u00fcr Schritt der Wirtschaft das Licht auspustet, wartet man vergebens darauf, dass einer der angeblich allm\u00e4chtigen Unternehmer mal Klartext redet. Aber es passiert &#8230; NICHTS. 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