{"id":3089,"date":"2019-05-22T11:44:45","date_gmt":"2019-05-22T09:44:45","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=3089"},"modified":"2019-05-22T11:44:46","modified_gmt":"2019-05-22T09:44:46","slug":"das-mehrwegwattestaebchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2019\/05\/22\/das-mehrwegwattestaebchen\/","title":{"rendered":"Das Mehrwegwattest\u00e4bchen"},"content":{"rendered":"\n<p>Wattest\u00e4bchen sind eine feine Sache: man kann damit im Ohr bohren (nicht empfohlen) oder in der Nase (auch nicht empfohlen) oder Dreck aus dem Getriebe kratzen und vieles mehr. Und hinterher wirft man es weg.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das soll nun nicht mehr sein. Die EU, die DUH und andere Organisationen haben unter anderem dem Wattest\u00e4bchen den Kampf angesagt. Weil eine Schildkr\u00f6te damit in der Nase gebohrt hat (nicht empfohlen). Da irgendwelche Leute in der Karibik keinen M\u00fclleimer besitzen und das Zeug nach Gebrauch in die Gegend werfen, muss das Zeug hier verboten werden, immer nach dem Motto &#8222;Deutschland rettet die Welt &#8211; ganz alleine!&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei muss ein Verbot doch gar nicht sein. Es g\u00e4be doch auch die M\u00f6glichkeit eines Pfandwattest\u00e4bchens oder gar eines Mehrwegwattest\u00e4bchens. Beim Pfandwattest\u00e4bchen w\u00fcrde das so laufen wie bei den Plastikpfandflaschen: statt sie selbst wegzuwerfen, schleppt man sie zum H\u00e4ndler und l\u00e4sst den die Flasche wegwerfen. Ist doch super! Seit der Einf\u00fchrung der Pfandflasche haben sich die Beschwerden in meinem Wurfarm deutlich verringert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Begr\u00fcndung damals war nat\u00fcrlich keine Schildkr\u00f6te, die sich einen Softdrink gekauft und hinterher die Flasche einfach im Meer weggeworfen hat (auch wenn das manchmal so aussieht). Grund war, dass der Mehrweganteil steigen sollte. Das hatten die Schweden schon ein paar Jahre vorher ausprobiert und festgestellt: der Anteil der Mehrwegflaschen war von etwa 45% auf sagenhafte 35% gestiegen. Durch ausgedehnte deutsche Versuche konnte dieser Trend best\u00e4tigt werden. Der Grund daf\u00fcr ist auch recht einfach einzusehen, falls man \u00fcber eine Gehirnzelle verf\u00fcgt (bei den Gr\u00fcnen nicht vorhanden). Das Mehrwegsystem kostet Geld, und das rechnet sich nur \u00fcber einen entsprechenden Umsatz. Mehr Einwegflaschen = geringere Kosten pro Flasche. <\/p>\n\n\n\n<p>Wobei Mehrwegflaschen nicht unbedingt g\u00fcnstiger sind, enthalten sie doch oft auch Inhalte, die erst mal entsorgt werden m\u00fcssen. Viele Mehrwegflaschen landen daher auch auf dem M\u00fcll, allerdings erst in den Abf\u00fcllbetrieben. Die Wegwerfkette ist somit noch l\u00e4nger. <\/p>\n\n\n\n<p>Mehrwegwattest\u00e4bchen bieten sich wegen des geringen Gewichts und der geringen Abmessungen jedoch geradezu an. Klar, an der Kasse bei Rossmann muss die Kassiererin dann erst mal nachz\u00e4hlen, ob da wirklich 100 Gebrauchtwattest\u00e4bchen in der Dose sind und der Kunde nicht versucht, den Drogisten mit 95 St\u00e4bchen \u00fcbers Ohr zu hauen. Aber f\u00fcr die Umwelt sollte das bisschen Zeit wohl akzeptabel sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Gut, Wattest\u00e4bchen sind gewisserma\u00dfen Satire, aber echt an den Kragen geht es dem beliebten Kafee Togo. Die Einwegbecher werden aktuell verboten und im Gespr\u00e4ch sind Pfandwegbecher. Manche Betriebe bieten das bereits an. Kosten so um die 2-3 \u20ac\/Becher, die man dann an insgesamt ca. 2.000 Stellen in Deutschland wieder zur\u00fcck geben kann. Was bedeutet, dass man Stunden bis Tage mit dem leeren Becher in der Hand ruml\u00e4uft, bis man das Zeug los wird. Oder es eben doch weg wirft, was bei 2-3\u20ac doch schon etwas weh tut. <\/p>\n\n\n\n<p>Geht es da wirklich um die Umwelt? Oder ist das nur die Finanzierung f\u00fcr die Mindestrente? <\/p>\n\n\n\n<p>Ob jemand an die Gastronomie gedacht hat, wage ich zu bezweifeln. Caf\u00e9s sind in der Regel kleiner als Getr\u00e4nkeshops oder Superm\u00e4rkte. Pfandbecher m\u00fcssten allerdings auf Vorrat gestapelt werden, falls mehr Leute Kaffee trinken als Becherr\u00fcckgaben erfolgen, und bei umgekehrtem Verhalten m\u00fcssen eben 2\u20ac-M\u00fcnzen auf Vorrat gestapelt werden. Den Zahlungsausgleich d\u00fcrfen dann \u00fcberregionale Verrechungsunternehmen \u00fcbernehmen, die sich eine goldene Nase daran verdienen. Im Klartext: vielleicht mal abgesehen von Starbucks war es das mit Kaffee zum mitnehmen (was Unternehmen wie McDonalds machen, die selbst im Restaurant Einweggeschirr verwenden, d\u00fcrfte auch interessant sein).<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls verboten wird Plastikgeschirr, was Auswirkungen auf jedes Dorffest hat. Der beliebte Grillwurststand der Feuerwehr bleibt wohl demn\u00e4chst geschlossen, weil die Amateure es nicht hinbekommen, 3000 Essbestecke aufzutreiben oder die zur\u00fcckgegebenen Teller, Messer und Gabeln schnell genug zu waschen. &#8222;Einmal Erbsensuppe bitte!&#8220; &#8211; &#8222;Kommt sofort! Formen Sie bitte Ihre H\u00e4nde zu einer Schale!&#8220; &#8211; sch\u00f6nen neue gr\u00fcne Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich h\u00e4tte da noch ein paar Ideen, liebe DUH und liebe Gr\u00fcne. Zum Beispiel die Pfand- oder Mehrwegwindel. Das d\u00fcrfte die entsprechenden Abteilungen in den Superm\u00e4rkten um einige Duftnuancen bereichern. Und ganz wichtig: das Dual-Use-Pr\u00e4servativ! Auch da wird eine Menge Plastik umgesetzt, und nicht jeder ist schon so weit, seine Frau gegen eine Ziege einzutauschen, wie dies in anderen Kulturen \u00fcblich ist. Bis jetzt wird geflissentlich \u00fcbersehen, dass ein bereits benutztes Pr\u00e4servativ durch einfaches Umst\u00fclpen ein weiteres Mal verwendet werden kann. Beim Nachweis des Dual-Use gibt es im Drogeriemarkt das Single-Use-Pfand zur\u00fcck. Au\u00dferdem w\u00fcrde dieses Pfand auch den Umsatz der Pfandwindeln ankurbeln &#8211; nur so nebenbei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wattest\u00e4bchen sind eine feine Sache: man kann damit im Ohr bohren (nicht empfohlen) oder in der Nase (auch nicht empfohlen) oder Dreck aus dem Getriebe kratzen und vieles mehr. Und hinterher wirft man es weg. 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