{"id":3081,"date":"2019-05-21T09:56:38","date_gmt":"2019-05-21T07:56:38","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=3081"},"modified":"2019-05-21T09:56:38","modified_gmt":"2019-05-21T07:56:38","slug":"die-rueckkehr-der-bloecke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2019\/05\/21\/die-rueckkehr-der-bloecke\/","title":{"rendered":"Die R\u00fcckkehr der Bl\u00f6cke"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Welt ist seit 1990 f\u00fcr den europ\u00e4ischen B\u00fcrger einfacher geworden. Man kann Waren aus aller Herren L\u00e4nder beziehen, und meistens harmonieren sie miteinander. Freien Handel nennt man so etwas. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>&#8222;Freihandel&#8220; ist zwar trotzdem allen Fortschritts mit allerhand unsinnigen H\u00fcrden verbunden. So entzieht sich meinem Verst\u00e4ndnis, warum Waren, die beispielsweise in den USA auf Unbedenklichkeit gepr\u00fcft sind, hier einem erneuten Zulassungsverfahren unterworfen werden, das sie m\u00f6glicherweise nicht bestehen (und umgekehrt). Chlorh\u00fchner haben anscheinend noch keinen einzigen Amerikaner umgebracht, also besteht eigentlich kein Grund f\u00fcr das Geschrei der Gesundheitsgef\u00e4hrdung, das hier angestellt wird. Eine entsprechende Kennzeichnung w\u00fcrde eigentlich gen\u00fcgen, damit jeder f\u00fcr sich selbst entscheiden kann, ob er ein US-Chlorh\u00e4hnchen oder ein mit Gen-Mais-Mast produziertes Schnitzel kaufen m\u00f6chte oder nicht. Aber statt mit Produkten und Innovation konkurrieren Staaten bislang lieber darum, welcher ihrer Politiker das gr\u00f6\u00dfte Ego aufzuweisen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz allem hat das eine Weile recht gut funktioniert. Ohne Produkte aus Fernost s\u00e4hen die Gesch\u00e4fte hier inzwischen eher so aus wie in der ehemaligen DDR, und die Neue Seidenstra\u00dfe der Chinesen, die den Handel (oder die Abh\u00e4ngigkeit von China, je nach Sichtweise) f\u00f6rdern soll, endet inzwischen eisenbahnm\u00e4\u00dfig in Duisburg. Seit einiger Zeit gibt es aber zunehmend mehr Sand im Getriebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit dem Anschluss der Krim an die russische F\u00f6deration ist Russland DER Buhmann f\u00fcr alles, bis hin zu verlorenen Wahlen, die die Parteien nicht der Br\u00e4sigkeit ihrer F\u00fchrung zuschreiben, sondern einer Wahlbeeinflussung durch Russland. Seitdem wird Russland mit Wirtschaftssanktionen belegt, die allerdings die Westeurop\u00e4er vermutlich mehr getroffen haben als die Russen. Handel w\u00e4re zwar gut, aber Russland ist gro\u00df genug, seine Probleme selbst zu l\u00f6sen oder sich bei anderen Partnern zu bedienen. Inzwischen sind die Energielieferungen der Russen im Visier der USA und ihrer EU-H\u00f6flinge, und bei Fracking-Gas ist man anscheinend weniger w\u00e4hlerisch als beim Chlorh\u00fchnchen. <\/p>\n\n\n\n<p>Weiteres Ziel der Energieblockbildung ist der Iran, der inzwischen halbwegs isoliert ist. Die Mullahs sind zwar nicht besonders angenehm, aber das sind die Saudis auch nicht. Geht es dabei wirklich um eine Gef\u00e4hrdung Israels? Oder nur um die Ausschaltung eines unabh\u00e4ngigen Wettbewerbers auf dem Energiesektor? Lie\u00dfe man den Iran prosperieren, w\u00e4re dies vermutlich besser: wer etwas zu verlieren hat, wird offener und f\u00e4ngt keinen Krieg an; wer nichts mehr zu verlieren hat, wird hingegen unberechenbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Energieblockbildung merken wir aber nur indirekt: Gas- und Spritpreise steigen kr\u00e4ftig, und zwar unabh\u00e4ngig von den Steuern, die noch obendrauf gepackt werden sollen. Die Amerikaner haben allerdings auch einen Handelskrieg mit den Chinesen begonnen, der zu sp\u00fcrbaren Ver\u00e4nderungen f\u00fchren und jeden zu gewissen Entscheidungen n\u00f6tigen k\u00f6nnte. Damit meine ich nicht irgendwelche Zollgeschichten auf Stahl und andere Waren, sondern die Ausweitung des Krieges auf die IT-Branche, d.h. auf die Grundlage der modernen Gesellschaft und Wirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anf\u00e4nge &#8211; Ausschlie\u00dfen von Huawei vom Telekommunikationsbackbone 5G und anderem &#8211; sind noch relativ unsichtbar, au\u00dfer vielleicht wieder in Preisen und Realisierungszeiten. Gef\u00f6rdert werden die US-Anbieter, die l\u00e4stige Konkurrenz loswerden, und au\u00dfer den USA selbst spielen zumindest Australien, Neuseeland und teilweise die EU bereitwillig mit. Nun hat aber das US-Handelsministerium verf\u00fcgt, dass US-Technologie, d.h. Hard- und Software, nicht mehr in chinesischen Produkten eingesetzt werden darf. H\u00f6rt sich vielleicht harmlos an, ist es aber nicht:<\/p>\n\n\n\n<p>Google bzw. der Mutterkonzern hat Huawei bereits die Android-Lizenzen entzogen. Im Klartext: neue Handys werden nicht mit dem Google-Android-Betriebssystem ausgeliefert und haben auch keinen Zugriff auf den App-Store und andere Google-Produkte (alte Handys werden weiter bedient). Der Handy-Markt spaltet damit auf: Huawei wird zwangsweise mit eigenen Produkten rauskommen, z.B. mit einer eigenen Version von Android, das ja OpenSource ist, und mit einem eigenen App-Store, der dann beispielsweise neben ApplePay und GooglePay auch HuaweiPay beinhalten k\u00f6nnte. Neben GoogleMaps k\u00f6nnte BaiduMaps oder YandexMaps treten, denn die Russen sind auch im AppMarkt recht stark vertreten und d\u00fcrften die Chance nutzen, in sich \u00f6ffnende Marktl\u00fccken einzubrechen. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Rechnermarkt ist betroffen. Intel u.a. d\u00fcrfen Bauteile nicht an chinesische Unternehmen verkaufen, obwohl sie vielleicht sogar dort gefertigt werden (Handys sind nicht betroffen, da die Chinesen bereits jetzt eigene Produkte haben), und komplette PCs werden vielleicht nicht mehr mit MS-Windows ausgeliefert (MicroSoft hat sich noch nicht ge\u00e4u\u00dfert), sondern m\u00f6glicherweise mit irgendeiner Linux-Variante, was nun auch nicht das Schlechteste w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zersplitterung auf den unteren Ebenen w\u00fcrden auch weiteren Wettbewerbern Marktchancen er\u00f6ffnen: neben Amazon d\u00fcrfte Alibaba versuchen, sich auch hier zu etablieren, genauso wie der russische Interneth\u00e4ndler Beru, der Alibaba in Russland gerade auf Platz zwei zu verweisen versucht (erste russische Konkurrenz zu Aldi und Lidl gibt es im Einzelhandel ja bereits).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schuss der Amerikaner wird damit m\u00f6glicherweise nach hinten losgehen. Zwar wird der US-Markt abgeschottet, gleichzeitig \u00f6ffnen sich aber anderswo M\u00e4rkte, die dann an den Amerikanern vorbei gehen. Chinesen und Russen sind gro\u00df und m\u00e4chtig genug, das zu stemmen, und wie bei den Sanktionen gegen Russland sind wegfallende M\u00e4rkte gerade auf solchen Gebieten dauerhaft verloren. <\/p>\n\n\n\n<p>Interessant wird es bei uns. Apple wird wohl weiterhin die Snob-Marke bleiben, aber im preiswerteren Segment wird man sich m\u00f6glicherweise zwischen zwei grunds\u00e4tzlich verschiedenen Varianten entscheiden m\u00fcssen: Samsung oder Huawei. Die zentralen Apps der sozialen Netzwerke wird es voraussichtlich auf allen Plattformen geben, aber im Detail k\u00f6nnen sich schon Unterschiede bemerkbar machen. Bleibt abzuwarten, ob man die Entscheidung dem Nutzer \u00fcberl\u00e4sst (der vermutlich wie immer viel zu bl\u00f6d ist, sich \u00fcberhaupt Gedanken \u00fcber so etwas zu machen) oder die USA via EU versucht, weitere Handelshemmnisse zu diktieren und die EU-Staaten unter Kontrolle zu halten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Welt ist seit 1990 f\u00fcr den europ\u00e4ischen B\u00fcrger einfacher geworden. Man kann Waren aus aller Herren L\u00e4nder beziehen, und meistens harmonieren sie miteinander. Freien Handel nennt man so etwas. 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