{"id":3079,"date":"2019-05-20T09:10:39","date_gmt":"2019-05-20T07:10:39","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=3079"},"modified":"2019-05-20T09:10:40","modified_gmt":"2019-05-20T07:10:40","slug":"geschichte-des-betreuten-denkens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2019\/05\/20\/geschichte-des-betreuten-denkens\/","title":{"rendered":"Geschichte des betreuten Denkens"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn Staaten oder Gesellschaften sich entwickeln, entsteht irgendwann ein Freiraum, der nicht f\u00fcr den Erwerb der \u00dcberlebensgrundlage genutzt werden muss. Man macht sich Gedanken \u00fcber dies und das, und deren Umsetzung schafft wom\u00f6glich weiteren Freiraum. So Peter Lustigs banale Idee von der Entwicklung der Gesellschaft, aber l\u00e4uft das wirklich so?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wenn man auf das antike Griechenland und auf Rom schaut, hat man denen, die Denken konnten und wollten, auch gen\u00fcgend Freiraum dazu gelassen. Die R\u00f6mer waren technisch in vieler Hinsicht auf einem Niveau, das nach ihrem Ende erst mehr als 1200 Jahre sp\u00e4ter erreicht wurde. Die Errungenschaften gingen verloren, als das Imperium von kulturell primitiven V\u00f6lkern \u00fcberrannt wurde. Aber das war es nicht alleine.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn weltliche F\u00fcrsten absolute Macht aus\u00fcben wollen, ist freies Denken im Volk nicht so angesagt. Ingenieur- und kriegstechnische Leistungen ja, aber dar\u00fcber hinaus bitte nicht. Nur l\u00e4sst sich das schwer unterdr\u00fccken. Im Imperium Romanum gab es kaum effektive Mittel au\u00dfer purer Gewalt, und das macht einen Herrscher nicht beliebter. Um 300 n.Chr. fand Kaiser Constantin aber das passende Mittel: von einem Tag auf den anderen f\u00fchrte er das Christentum als offizielle Staatsreligion ein und verbot alle anderen Religionen. Bereits zuvor hatte sich das Christentum als Brutst\u00e4tte geistigen Schrebertums erwiesen, genau wie sein Vorl\u00e4ufer, das Judentum, war aber universell angelegt und nicht auf die Angeh\u00f6rigen eines Volkes beschr\u00e4nkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Man muss sich der Ironie des Ganzen bewusst sein: die Christen waren ein Haufen sich nicht nur bis aufs Messer, sondern auch mit dem Messer bek\u00e4mpfender Sektierer, und nun kam ein Nichtchrist und regelte auf mehreren Konzilien, was Sache des christlichen Glaubens war. Er bestimmte, was geglaubt werden m\u00fcsse und legte heute noch g\u00fcltige Dogmen fest. Angeblich wurde er erst auf dem Totenbett getauft und war Zeit seines Lebens kein Christ. Christentum als politische Entscheidung, nicht als Glaubensentscheidung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rechnung ging auf: die Christen behielten ihre Militanz und verfolgten alle, die nicht der Staatsreligion anhingen. Nebenbei f\u00fchrten sie weiterhin erbitterte K\u00e4mpfe untereinander. Die regelm\u00e4\u00dfige Teilnahme an Gottesdiensten, eigentlich Gehirnw\u00e4scheveranstaltungen, war Pflicht und wer nicht kam, riskierte Kopf und Kragen. Und da die christlichen Dogmen nun nicht gerade von besonderer wissenschaftlicher Qualit\u00e4t w\u00e4ren, stellte sich das Denken ebenfalls ein. Auch technologisch ging es in der Folge bergab. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Nachfolger des zivilisatorisch zerfallenden r\u00f6mischen Reiches im Westen, die Franken, \u00fcbernahmen das Christentum, weil sie die Potenz der geistigen Kontrolle erkannten. Die Folge war nicht nur eine immer st\u00e4rkere Einschr\u00e4nkung des Intellekts, sondern auch etwa 500 Jahre brutal gef\u00fchrten Kampfes, wer letztlich der Oberboss war, bis sich die weltlichen F\u00fcrsten schlie\u00dflich durchsetzten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die totale Kontrolle hat aber auch so ihre Gefahren. Das erste Millenium war dem Weltuntergang gewidmet &#8211; und verging wie das zweite Millenium ohne gro\u00dfe Probleme. In den Kreuzz\u00fcgen, dem Kampf Jesus Christus .\/. Allah, siegte Allah und Jesus unterlag. Wissenschaftler verk\u00fcndeten pl\u00f6tzlich Weisheiten, die nicht in der Bibel standen und noch heute vom Islam heftigst bek\u00e4mpft werden. Die so genannte kleine Eiszeit brachte Naturergebnisse, die dem Glauben Probleme bereiteten: weder Vogelschw\u00e4rme in den Kornfeldern noch Unwetter scherten sich um christliche Bannspr\u00fcche und gerichtliche Verurteilungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Jedes dieser Ereignisse produzierte Zweifler, die von den christlichen Kirchen (Plural im Vorgriff) immer brutaler bek\u00e4mpft wurden. Ketzer wurden gleich st\u00e4dteweise komplett abgeschlachtet, zehntausende landeten im Laufe der Zeit als Hexen und Zauberer auf dem Scheiterhaufen, und das verblendete Sich-durch-die-Gegend-Morden erreichte vermutlich in der Conquista S\u00fcdamerikas mit gesch\u00e4tzt 30 Mio Toten Indios seinen H\u00f6hepunkt. <\/p>\n\n\n\n<p>Das System br\u00f6ckelte, aber es hielt. Bis nach fast 1500 Jahren in der franz\u00f6sischen Revolution die geistige Klammer gesprengt wurde. In wenigen Jahren nahm die Technologie einen riesigen Aufschwung, und wenn man die neueste Zeit betrachtet, hat sich in den 30 Jahren seit 1990 bis heute mehr bewegt als in den 1500 Jahren von 300 bis 1800, Errungenschaften wie den Kathedralen- und Schiffsbau eingeschlossen. Die geistige Macht der Kirchen ist gebrochen, und ihre heutigen Exponenten besitzen wie ihre Vorg\u00e4nger nicht die geistige Potenz, etwas Neues zu entwickeln, und haben nicht den Support, sich gewaltsam durchzusetzen. Sollten die christlichen Kirchen ganz verschwinden &#8211; aus meiner Sicht w\u00e4re es nicht schade drum. <\/p>\n\n\n\n<p>Folgt man Oswald Spengler, bewegt sich die Geschichte in Zyklen und wiederholt sich in wesentlichen Punkten. Wenn man nun meint, 1500 Jahre geistige Unfreiheit seien genug und gerade die moderne Gesellschaft mit ihren technologischen M\u00f6glichkeiten lasse einen R\u00fcckfall in alte Muster nicht zu, wird man derzeit belehrt, dass Spengler mit seinem Modell richtig liegt: der Weg geht wieder in Richtung geistiges Gef\u00e4ngnis und technologischen Verfall. Und das obwohl im Gegensatz zu Constantins Zeiten heute fast alle eine gute Bildung besitzen und daher erkennen m\u00fcssten, wohin der Zug f\u00e4hrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Politik, genauso unf\u00e4hig wie in fr\u00fcheren Zeiten, sich den Ver\u00e4nderungen anzupassen oder aus Fehlern zu lernen, im Grunde immer noch auf dem gleichen intellektuellen Stand wie vor 5000 Jahren, hat es immerhin hinbekommen, einen neuen Monotheismus zu schaffen. Montheismus ist die Voraussetzung f\u00fcr eine wirksame geistige Einkerkerung, da man sich nicht auf Alternativgr\u00f6\u00dfen beziehen kann, und der neue Gott, der Jahwe ersetzt hat, hei\u00dft Kohlendioxid. Monotheismus mit allem drum und dran, beispielsweise einer Heiligen Jungfrau Greta, einem potentiellen M\u00e4rtyrer Mikkel und einem t\u00e4glichen Propaganda-Gottesdienst durch so genannte freie Medien und einen Staatspropagandarundfunk, die rund um die Uhr insbesondere die Jugend mit Fake-News beschallen. <\/p>\n\n\n\n<p>Man muss sich auch hier der Ironie bewusst werden, die den weitgehend durchgesetzten Denk- und Redeverboten zu Grunde liegt: konnte der Mensch in der Antike vielfach nur aus eigener Erfahrung sagen &#8222;das stimmt doch gar nicht&#8220;, ist heute zumindest formal fast jeder in der Lage, &#8222;ich kann nachrechnen, dass das nicht stimmt&#8220; zu folgern &#8211; und verleugnet trotzdem das Ergebnis seiner eigenen Rechnung. Alles l\u00e4uft nach dem Prinzip &#8222;Das macht keinen Sinn, das muss stimmen!&#8220;. Es ist nur teilweise ein aufgezwungenes geistiges Gef\u00e4ngnis, in das man sich heute begibt; gro\u00dfen Teils ist es ein freiwillig gew\u00e4hltes.<\/p>\n\n\n\n<p>Makaber wird die Angelegenheit auch dadurch, dass der Schwachsinn sichtbar nicht funktioniert. Man mag ja spinnen k\u00f6nnen, ohne sich gro\u00df zu schaden, aber hier wird echter Schaden angerichtet. Die Energieversorgung wird immer wackeliger, stromintensive Industrie wandert trotz Subventionen ab, gro\u00dfe Automobilzulieferer wie Bosch oder Continental haben bekannt gegeben, keinen Cent in der BRD f\u00fcr die E-Mobilit\u00e4t zu investieren und selbst VW wird in Emden wohl keine E-Autos bauen. Die Strompreise sind bereits die zweith\u00f6chsten weltweit, bei anderen Kosten sieht es nicht anders aus, aber alles d\u00fcrfte noch sehr moderat sein, wenn jetzt \u00fcber eine Kohlendioxidsteuer fabuliert wird, gewisserma\u00dfen eine Zwangskollekte zur Befriedigung des zornigen Gottes. Man kann es selbst in einigen Qualit\u00e4tsmedien inzwischen nachlesen: wird das umgesetzt, was so nebenbei diskutiert wird, kommen Kosten zwischen 350 \u20ac und 650 \u20ac auf jeden einzelnen Haushalt zu &#8211; PRO MONAT, wohlgemerkt. Zu begreifen scheint das keiner.<\/p>\n\n\n\n<p>Flankierend holt man sich noch Hilfe von der anderen primitiv-gesellschaftlichen Religion, dem Islam, ins Haus. Jeder Schwachsinn muss als religi\u00f6se Freiheit geachtet und darf nicht kritisiert werden, wobei ich inzwischen meine Zweifel habe, ob au\u00dfer Schwachsinn auf etwas Sinnvolles in dieser so genannten Religion steckt. Bei der leisesten Kritik, selbst bei Unterst\u00fctzung, finden sich spontan drei Arschl\u00f6cher, gr\u00fcnden einen Arschlochverein und fangen an, rumzust\u00e4nkern &#8211; und werden Ernst genommen. Privilegierte und staatlich \u00fcberalimentierte Exponenten dieser Hilfstruppen in der Politik schaffen es trotz ihrer Privilegien und exorbitanten Einkommen stets, sich als Opfer zu gerieren &#8211; und werden Ernst genommen. Kurzum, man holt sich die Primitivit\u00e4t selbst ins Haus (in der Antike mussten die noch gewaltsam die Grenzen \u00fcberrennen). <\/p>\n\n\n\n<p>Das Imperium Romanum ist mit weitaus g\u00fcnstigeren Voraussetzungen f\u00fcr einen kulturellen Niedergang komplett in der Primitivit\u00e4t versunken. Die BRD hat eigentlich g\u00fcnstigere Voraussetzungen, so einen Zerfall zu vermeiden. Im Moment sieht es aber so aus, dass der Sturz noch steiler und heftiger ausf\u00e4llt und wider besseres Wissen selbst gew\u00e4hlt wird, im wahrsten Sinne des Wortes &#8222;w\u00e4hlen&#8220;. Denn das k\u00f6nnte man hier noch (in Rom gab es keine Wahlen). Aber hier w\u00e4hlt man Gr\u00fcn oder Rot, d.h. den weiteren Absturz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Staaten oder Gesellschaften sich entwickeln, entsteht irgendwann ein Freiraum, der nicht f\u00fcr den Erwerb der \u00dcberlebensgrundlage genutzt werden muss. Man macht sich Gedanken \u00fcber dies und das, und deren Umsetzung schafft wom\u00f6glich weiteren Freiraum. So Peter Lustigs banale Idee von der Entwicklung der Gesellschaft, aber l\u00e4uft das wirklich so? 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