{"id":3011,"date":"2019-05-04T09:36:49","date_gmt":"2019-05-04T07:36:49","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=3011"},"modified":"2019-05-04T09:36:49","modified_gmt":"2019-05-04T07:36:49","slug":"unternehmenssteuern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2019\/05\/04\/unternehmenssteuern\/","title":{"rendered":"Unternehmenssteuern"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn es um gro\u00dfe internationale Unternehmen geht, hat man es schnell mit zwei mehr oder weniger berechtigten Kritikpunkten zu tun: (1) Google, Facebook und so zahlen zu wenig Steuern, und (2) die Managergeh\u00e4lter sind zu hoch.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Zu (1)<\/strong>: Um zumindest ein paar Euro Steuern von den Gro\u00dfkonzernen abzuzwacken ist die EU inzwischen auf das Verh\u00e4ngen mehr als zweifelhafter Strafzahlungen verfallen. Auch wenn damit die Zensur bef\u00f6rdert werden soll, dr\u00fcckt das doch nichts anderes aus als das totale Versagen der EU. Ohne EU s\u00e4he die Sache vermutlich besser aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konzerne haben jeweils eine Repr\u00e4sentanz in der EU, um ihre Gesch\u00e4fte abzuwickeln. Gewinne werden dann wie \u00fcblich an die Mutterkonzerne \u00fcbertragen, wobei jeder international arbeitende Konzern \u00fcber eine Stabsabteilung &#8222;verdeckte R\u00fcckf\u00fchrung von Unternehmensgewinnen&#8220; verf\u00fcgt. Den haben auch deutsche Unternehmen (ich kenne Leute, die in solchen St\u00e4ben arbeiten), und die Aufgabe ist, das Geld jeweils dorthin zu schaffen, wo gerade kein Finanzamt (es gibt ja nicht nur das deutsche) hinschaut. In der Regel funktioniert das aus Sicht der Unternehmen recht gut. Aus Sicht der Finanz\u00e4mter besteht \u00fcber die Repr\u00e4sentanzen auch eine Zugriffsm\u00f6glichkeit, und man k\u00f6nnte sich ja auch \u00fcberlegen, ein paar Regeln zu schaffen, die das Verstecken der Gewinne etwas schwieriger machen. Aber darum soll es hier nicht gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rep\u00e4sentanzen befinden sich in den L\u00e4ndern, in denen die Steuern besonders niedrig sind. Liegen die Steuern in D bei >50%, betragen sie in Luxemburg oder Irland &lt;5%. Und da gehen die Firmen hin, und da versagt die EU, weil es ihr nicht gelingt, einen einheitlichen Steuersatz durchzusetzen. Um den Trick mit den niedrigen Steuern zu verstehen, muss man sich die Volkswirtschaften anschauen. Luxemburger und Iren machen im Verh\u00e4ltnis zur Bundesrepublik selbst bei &lt;5% noch einen deutlich gr\u00f6\u00dferen Gewinn als die BRD mit >50%. Die &lt;5% stellen im Verh\u00e4ltnis zum Gesamtaufkommen einen gr\u00f6\u00dferen Batzen dar als die >50% in D. G\u00e4be es die EU nicht, k\u00f6nnten sich die anderen EU-Staaten Mechanismen \u00fcberlegen, das Absahnen der Kleinstaaten einzuschr\u00e4nken. W\u00fcrde die EU tats\u00e4chlich funktionieren, g\u00e4be es einheitliche Unternehmenssteuern EU-weit, wobei man sich \u00fcber die Verteilung einigen k\u00f6nnte. Wenn man allerdings genau hinschaut, wird die Postion aber nur von wenige Parteien vertreten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/PositionsvergleichEuropawahl2019.pdf\">Positionsvergleich Europawahl [sic!] 2019<\/a><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/PositionsvergleichEuropawahl2019.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<br\/>\n\n\n\n<p><strong>Zu (2)<\/strong>: Bei der Besetzung von Managerposten scheint es zwei Hauptkriterien zu geben: <\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Maximale Unf\u00e4higkeit (zumindest in der Automobilindustrie) und<\/li><li>maximaler Bereicherungswille (generell)<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>An 1. kann man wenig \u00e4ndern, Punkt 2. wird schnell als Neiddebatte abqualifiziert, was meiner Meinung nach unberechtigt ist. Wenn ein Vorstand inzwischen das 1.000-fache der Reinigungskr\u00e4fte verdient, die hinter ihm sauber machen, ist das nicht mehr zu rechtfertigen, insbesondere wenn es sich um Verbrecher wie Winterkorn oder Dummk\u00f6pfe wie Diess oder Zetsche handelt. Dieselgate hat VW bisland ca. 30 Mrd \u20ac gekostet, trotzdem g\u00f6nnten sich die Manager in der letzten Woche wieder einen gro\u00dfen Schluck aus der Pulle. &#8222;Weil der Aktienkurs gestiegen ist&#8220;, was aber nicht an der Qualit\u00e4t der Manager liegt, sondern an der EZB, die inzwischen so viel Gel gedruckt hat, dass keiner mehr wei\u00df, wohin damit.<\/p>\n\n\n\n<p>Was tun gegen diese Exzesse? Schnell kommt dann auch das Argument &#8222;dann wandern die Firmen ab&#8220;. Keine Bange, tun sie nicht. Schlie\u00dflich sind die Konzernleitungen hier vernetzt und k\u00f6nnen hier Einfluss auf die Politik nehmen. Woanders klappt das nicht, wie man leicht an den Autokonzernen und Banken sehen kann, die in den USA gnadenlos abgezockt werden, WEIL ihnen eben die Vernetzung in die Politik fehlt wie den US-Konzernen. Man kan also ruhig etwas tun ohne bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen, dass Deutschland ausd\u00fcnnt. Und wer hier 0,5 Mio \u20ac verdienen kann, wird nicht mit Blick auf 15 Mio $ in den USA dorthin gehen, um dort NICHTS zu bekommen, weil ihn mangels Vernetzung keiner haben will. Der wird hier die 0,5 Mio \u20ac mitnehmen und es wird ihm gut gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was also tun? Geh\u00e4lter staatlich begrenzen ist der falsche Weg. Der Staat mischt sich ohnehin zu viel direkt ein. Aber ein paar Regeln k\u00f6nnten helfen:<br><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Geh\u00e4lter sind nur bis (beispielsweise) 200.000 \u20ac \/ Jahr als Betriebsausgaben steuerlich abzusetzen. <\/li><li>Aufsichtsratsverg\u00fctungen sind NICHT steuerlich absetzbar.<\/li><li>Boni sind NICHT steuerlich absetzbar.<\/li><li>Boni werden erst nach (beispielsweise) 5 Jahren ausgezahlt, wenn einfandfrei erwiesen ist, dass definierte Betriebsziele erreicht wurden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Das verlagert das Problem insgesamt auf die Aktion\u00e4re, und da ist es besser aufgehoben. Der Trick besteht darin, dass heute die exorbitanten Geh\u00e4lter bereits im Gewinn eingepreist sind. Die Steuern werden wiederum vom Gewinn berechnet und was \u00fcbrig bleibt, wird (teilweise) an die Aktion\u00e4re ausgesch\u00fcttet. Ist ein Einpreisen nicht m\u00f6glich, f\u00e4llt der formale Gewinn h\u00f6her aus, d.h. die abzuf\u00fchrenden Steuern steigen. Bei 5 Mio \u20ac Managergehalt und 50% Steuersatz w\u00e4ren das immerhin 2,4 Mio \u20ac, die zus\u00e4tzlich in die Kasse k\u00e4men, und das nur beim Gehalt eines Managers. Das Geld im Pott wird durch das Verrechungsspielchen letztlich nicht beeinflusst, d.h. bei sonst gleichen Zahlen wird die Auszahlungssumme an die Aktion\u00e4re um genau die 2,4 Mio \u20ac verringert. Rechnet man alles zusammen, kommt bei einem gro\u00dfen Konzern schon mal locker 1 Mrd \u20ac oder mehr zusammen, die das Finanzamt zus\u00e4tzlich einnimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen die Aktion\u00e4re trotzdem beschlie\u00dfen &#8222;Diess bekommt noch 5 Mio \u20ac, sondern 10 Mio \u20ac&#8220;, aber das zahlen sie aus der eigenen Tasche von ihrem Gewinn. Wenn der Manager das wert ist, warum nicht? Selbst wenn man mehr Kosten hat, kann man durchaus hinterher einen gr\u00f6\u00dferen Gewinn einstreichen. Heute bezahlt die Allgemeinheit eine ganze Batterie von Pfeifen. Notwendig ist das nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn es um gro\u00dfe internationale Unternehmen geht, hat man es schnell mit zwei mehr oder weniger berechtigten Kritikpunkten zu tun: (1) Google, Facebook und so zahlen zu wenig Steuern, und (2) die Managergeh\u00e4lter sind zu hoch. Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"class_list":["post-3011","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wirtschaft"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3011","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3011"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3011\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3014,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3011\/revisions\/3014"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3011"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3011"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3011"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}