{"id":2994,"date":"2019-04-30T10:12:58","date_gmt":"2019-04-30T08:12:58","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=2994"},"modified":"2019-04-30T10:13:00","modified_gmt":"2019-04-30T08:13:00","slug":"hilfe-ich-sterbe-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2019\/04\/30\/hilfe-ich-sterbe-aus\/","title":{"rendered":"Hilfe, ich sterbe aus!"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn man auf Begriffe st\u00f6\u00dft, die mit &#8222;Welt&#8220; beginnen und mit &#8222;rat&#8220; oder etwas \u00e4hnlichem aufh\u00f6ren, sollten s\u00e4mtliche Alarmglocken schrillen, die Fenster verbarrikadiert und der Baseballschl\u00e4ger griffbereit gehalten werden. Ein passender verbaler Warnruf w\u00e4re &#8222;Vorsicht! Die Parasiten kommen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Bekannte Verd\u00e4chtige sind der Weltklimarat (IPCC) sowie die Weltgesundheitsorganisation, die sich vom Weltklimarat dadurch unterscheidet, dass sie ab und zu auch vern\u00fcnftige Sachen veranstaltet und sich deshalb &#8222;organisation&#8220; und nicht &#8222;rat&#8220; nennen darf. Den &#8222;rat&#8220; gibt sie in Verbindung mit epidemiologischen Gutachten \u00fcber die Gef\u00e4hrlichkeit von Stoffen wie NOx, Feinstaub oder Glyphosat. Glyphosat f\u00e4llt \u00fcbrigens in die gleiche Krebs-Gefahrenstufe wie der Friseurberuf, was leider kein Witz ist, auch wenn es sich so anh\u00f6rt. Wer Friseur wird, ist statistisch einem h\u00f6heren Krebsrisiko ausgesetzt, und solche Sachen werden auskultiert, wenn man sonst nichts zu tun hat (das zust\u00e4ndige WHO-Institut ist in Paris angesiedelt, und es w\u00e4re sinnvoller gewesen, dieses anzuz\u00fcnden als die Kathedrale).<\/p>\n\n\n\n<p>Derzeit tagt in Paris die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/artenschutz-konferenz-paris-ipbes-1.4426255\">Welt-Artenschutzkonferenz<\/a>, hinter der der &#8222;Welt&#8220;biodiversit\u00e4ts&#8220;rat&#8220; steckt (IPBES), mit Deligierten aus 130 L\u00e4ndern. Paris! Der IPBES hat wenigstens Stil! Da wirkt der IPCC mit dem Tagungsort Kattowitz, das die Deligierten abends immer verlassen mussten, um ein anst\u00e4ndiges Restaurant zu finden, doch ziemlich armselig, oder?<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die Zusammenkunft k\u00f6nnte zu einem historischen Moment werden. Die Organisatoren hoffen auf eine globale \u00dcbereinkunft zum Artenschutz, \u00e4hnlich dem Pariser Klimaschutzabkommen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Also noch ein Fass, das aufgemacht werden soll. Man kann ja schon mal spekulieren, ob es dann &#8222;Artenzertifikate&#8220; gibt, die berechtigen, eine Art auszurotten. Wer keine Lust dazu hat, kann sein Zertifikat verkaufen, und wer aus Versehen zwei Arten ausl\u00f6scht, muss ein Zertifikat zukaufen. Vielleicht kann man die Zertifikate auch auf Unterarten, also Rassen, ausdehnen. Dann m\u00fcssten die Gr\u00fcnen auch welche kaufen, denn Teile der Menschheit drohen auszusterben, wenn es noch mehr Schwule und Lesben geben sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Sch\u00e4tzungen von <a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2019\/04\/04\/experten\/\">Experten<\/a> sterben j\u00e4hrlich so um die 20.000 Arten aus. Bevor man nun in Ehrfurcht vor dieser Zahl erstarrt, w\u00e4ren erst einmal zwei Sachen zur Kenntnis zu nehmen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Es gibt alleine ca. 50.000.000 Tierarten auf der Erde.<\/li><li>Das Aussterben und die Bildung neuer Arten ist ein nat\u00fcrlicher Prozess<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Nehmen wir also mal an, bei den 20.000 Arten handelt es sich um Tierarten (Pflanzenarten werden auch hier subsummiert), dann sterben ca. 0,04% der vorhandenen Arten pro Jahr aus. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass nicht eine vergleichbare Anzahl neuer Arten entsteht. Plus\/Minus. Diesen Prozess gibt es bereits seit Jahrmillionen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190430_083903_resized_20190430_083952701-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2995\" srcset=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190430_083903_resized_20190430_083952701-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190430_083903_resized_20190430_083952701-300x225.jpg 300w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190430_083903_resized_20190430_083952701-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der M\u00fcller ist eines der deutschen Standardwerke, der das dokumentiert. In 7 B\u00e4nden, im Durchschnitt um die 800 Seiten stark, sind Seite f\u00fcr Seite Arten beschrieben, die man pal\u00e4ontologisch identifiziert hat. Wenn man davon ausgeht, dass nur ein verschwindend kleiner Bruchteil der Arten \u00fcberhaupt unter Bedingungen lebt, die eine Konservierung als Fossil erm\u00f6glichen, und wiederum das Finden von Fossilien Gl\u00fcckssache ist und vieles trotzdem verloren geht, muss man Artenentstehen und Artenvergehen wohl nicht unbedingt als dramatischen Vorgang ansehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Weltartenschutzpanik baut wie die Klimapanik darauf auf, dass nat\u00fcrlich der Mensch &#8211; wer sollte es in seiner Hybris wohl sonst sein? &#8211; f\u00fcr das Aussterben von 32.768 der 20.000 aussterbenden Arten verantwortlich ist. Um das zu veranschaulichen werden wieder die \u00fcblichen Propagandamittel bem\u00fcht: da ist der Dodo, der einfach das Fliegen verlernt hatte und von Seefahrern aufgegessen wurde (nach einer im Film Ice Age ge\u00e4u\u00dferten Theorie aber innerartlich aus Versehen die letzten Weibchen get\u00f6tet hatte), oder der Panda, der anscheinend selbst zum Ficken zu doof oder faul ist. Um es mal deutlich zu sagen: solche Arten sind am Ende ihres Weges angekommen und werden mit oder ohne den Menschen verschwinden. Das Theater, das um den Panda gemacht wird, ist einfach nur geistiges Schreberg\u00e4rtnertum. Man kann das Modell f\u00fcr den niedlichen Teddyb\u00e4ren vielleicht noch eine Weile erhalten, aber verhindern wird man das Aussterben auf die Dauer nicht. Solche Arten werden sich zahlenm\u00e4\u00dfig nicht mehr stabilisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der so genannte Bottleneck, also das Fallen der Individuenzahl unter einer bestimmte Grenze, ist ein Grund f\u00fcr das Verschwinden einer Art. Dabei ist das T\u00f6ten der letzten Individuen nur ein Element. Anscheinend genauso bedeutungsvoll ist der eintretende Inzuchteffekt bei zu geringer Populationsdichte. Eine davon betroffene Tierart ist beispielsweise der Gepard. Da ist aber weniger der Mensch dran Schuld. Das Modell &#8222;Hochgeschwindigkeitsj\u00e4ger&#8220; ist im Vergleich zu Rudelj\u00e4ger (L\u00f6we) oder Wegelagerer (Hy\u00e4ne) einfach nicht erfolgreich. Selbst aufw\u00e4ndige Nachzucht und Auswilderung k\u00f6nnen vermutlich ein Verschwinden auf die Dauer nicht verhindern. Eine andere davon betroffene Art, die es geschafft hat, einen Bottleneck erfolgreich zu \u00fcberstehen, ist nach genetischen Befunden ausgerechnet die Gattung Homo, die anscheinend irgendwann mal auf weniger als 20.000 Individuen geschrumpft war, sich aber zur heutigen Pest entwickelt hat. Reste der Inzuchtsch\u00e4den kann man immer noch auf Konferenzen bewundern.<\/p>\n\n\n\n<p>Weshalb Arten verschwinden, hat unterschiedliche Gr\u00fcnde. Da sind neue Konkurrenten, etwa vom Menschen absichtlich oder zuf\u00e4llig eingeschleppte Arten. Nager, Haustiere und viele Wassertiere haben sich weltweit durch den Handel verbreitet und machen einheimischen Arten das Leben schwer. Entweder diese passen sich an, oder das war es. Allerdings muss man sagen, dass so etwas laufend passiert. Der Mensch ist in der Beziehung nur ein Akteur, wenn auch ein sehr erfolgreicher. Dagegen muss man auch setzen, dass solche Situationen auch einen Evolutionsdruck erzeugen, der wiederum zur Bildung neuer Arten und Lebensgemeinschaften f\u00fchrt. Was kurzfristig sch\u00e4dlich erscheint, muss es langfristig gar nicht sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere Arten werden durch Seuchen dezimiert. Angeblich hat 90 Amphibienarten eine Pilzkrankheit erwischt. Wobei &#8222;ausgestorben&#8220; auch wieder so eine Sache ist. Wenn man keine Tiere mehr in bestimmten Arealen nachweisen kann, muss das nicht hei\u00dfen, dass es sie nicht mehr gibt. Dazu gibt es selbst hier Beispiele: so herrschte unter Ornithologen um 2000 leichte Panik, weil Seevogelpopulationen in gut untersuchten d\u00e4nischen Schutzgebieten dramatisch zur\u00fcck gingen oder teilweise verschwanden. Sp\u00e4ter stellte sich heraus, dass die Schw\u00e4rme ganz einfach zu anderen Str\u00e4nden umgezogen waren, an denen keine umfangreichen Bestandsaufnahmen durchgef\u00fchrt wurden. Gerade Arten in unbesiedelten Gegenden k\u00f6nnen leicht der Aufmerksamkeit entgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal ist auch unklar, was eigentlich gemeint ist.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Bei Insekten wird das Wissen schon l\u00fcckenhafter. Eine der bekanntesten  Untersuchungen ist die &#8222;Krefelder Studie&#8220;, die gezeigt hat, dass in  Teilen Deutschlands die Zahl der Insekten in den vergangenen 30 Jahren dramatisch zur\u00fcckgegangen\u00a0ist.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Was ist nun zur\u00fcck gegangen? Die Individuenanzahl oder die Artenanzahl? Das ist schon ein Unterschied. <\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbersehen werden auch gerne die Geflechte, also die Lebensgemeinschaften. Viele Arten h\u00e4ngen untereinander ab, und mit dem Aussterben einer Art sind m\u00f6glicherweise weitere betroffen ohne dass das unmittelbar erkennbar w\u00e4re. Die Zusammenh\u00e4nge sind oft alles andere als einfach. Je mehr sich einzelne Arten allerdings spezialisieren, desto gr\u00f6\u00dfer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sie erwischt. Siehe Panda. Wenn der nur eine Pflanze frisst, verdient er es im Grunde nicht besser. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei manchen Arten ist der Mensch auch gar nicht mal so ungl\u00fccklich, wenn sie aussterben. So versucht man seit Anno pheles, die Anopheles-M\u00fccken als Tr\u00e4ger der Malaria auszurotten. Die nehmen inzwischen aber weite Gebiete Deutschlands wieder in Besitz, weil Hochwasserschutz auch Feuchtgebiete bedeutet. Des einen Leid, des anderen Freud. <\/p>\n\n\n\n<p>N\u00fcchtern betrachtet besteht \u00fcberhaupt kein Grund f\u00fcr Panik. Individuenanzahlen variieren, aber was auf dem Feld von Bauer Meier nicht mehr zu finden ist, lebt eben auf der Wiese von Bauer Schulte, und der Rest wandert in den Osten oder Westen aus. Wie bei den anderen &#8222;R\u00e4ten&#8220; kann man auch beim Weltbiodiversit\u00e4tsrat davon ausgehen, dass das eigentliche Problem, dass n\u00e4mlich die Menschheit versucht, in Sachen Fortpflanzung ausgerechnet der Anopheles den Rang abzulaufen, nicht angesprochen wird. Man wird sich auf Forderungen und Ma\u00dfnahmen beschr\u00e4nken, die Leute weiter auszupl\u00fcndern, es wird sich \u00fcber kurz oder lang eine neue Version der Hl. Greta finden, und bekloppte Jugendliche werden versuchen, durch H\u00fcpforgien ein Erdbeben der St\u00e4rke 5,4 auszul\u00f6sen. Zumindest die Art Stultitia hominis wird nicht aussterben,<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man auf Begriffe st\u00f6\u00dft, die mit &#8222;Welt&#8220; beginnen und mit &#8222;rat&#8220; oder etwas \u00e4hnlichem aufh\u00f6ren, sollten s\u00e4mtliche Alarmglocken schrillen, die Fenster verbarrikadiert und der Baseballschl\u00e4ger griffbereit gehalten werden. Ein passender verbaler Warnruf w\u00e4re &#8222;Vorsicht! 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