{"id":2918,"date":"2019-04-10T09:44:49","date_gmt":"2019-04-10T07:44:49","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=2918"},"modified":"2019-04-10T09:44:49","modified_gmt":"2019-04-10T07:44:49","slug":"fundierter-unfug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2019\/04\/10\/fundierter-unfug\/","title":{"rendered":"Fundierter Unfug"},"content":{"rendered":"\n<p>Vielleicht hat sich der eine oder andere schon mal gewundert, wie die Medizinm\u00e4nnchen*Innen auf immer neue Zusammenh\u00e4nge zwischen irgendwelchen Messgr\u00f6\u00dfen und Krankheiten\/Tod kommen. Der Grund ist akademischer Natur.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Was die j\u00fcngere Generation angeht, wei\u00df ich nicht so Bescheid. Vielleicht gehen die zur Medizin-App und wundern sich h\u00f6chstens, dass man da wirklich hingehen muss und sie nicht auf&#8217;s Handy hochladen kann. Aber wer etwas \u00e4lter ist, geht zum Doktor und betitelt den Oberwei\u00dfkitteltr\u00e4ger auch geflissentlich mit &#8222;Herr Doktor&#8220; oder &#8222;Frau Doktor&#8220;. Obwohl der\/die das m\u00f6glicherweise gar nicht ist. Als gFWuWA (gew\u00f6hnlicher Feld-, Wald- und Wiesen-Arzt) braucht man n\u00e4mlich keinen Doktortitel. Das sie keinen haben, kann man daran merken, dass am Schild drau\u00dfen auch kein Doktor draufsteht. Allerdings gibt jeder Arzt sp\u00e4testens nach ein paar Wochen auf, dem Patienten bei &#8222;Herr Doktor, &#8230;&#8220; widersprechen zu wollen. Nutzt eh nix und nervt auf die Dauer nur. <\/p>\n\n\n\n<p>Nun machte sich fr\u00fcher ein Doktor ohne Doktortitel nicht ganz so gut und f\u00fcr gewisse Karrierevorstellungen ist der auch immer noch notwendig. Das Problem ist, wie man einem Doktor den Titel verpasst. Wenn der Proband offiziell ausgelernt hat, fehlt im immer noch die Erfahrung, wirklich eigenst\u00e4ndig forschen zu k\u00f6nnen. Geht beim Chemiker etwas schief, sind ein paar Glasger\u00e4te zerbr\u00f6selt, geht beim Mediziner etwas schief, sitzt jemand im Rollstuhl oder unter der Erde. Der Doktortitel in Medizin wird daher etwas anders erworben als in anderen F\u00e4chern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das kann man schon daran merken, dass eine Doktorarbeit in den Natur- oder Ingenieurwissenschaften 2-3 Jahre ben\u00f6tigt, in den Geisteswissenschaften oft etwas mehr (<em>was daran liegt, dass der Doktorand erst einmal lernen muss, wie man Material am Chef vorbei sammelt, weil der &#8211; in den Geisteswissenschaften \u00fcblich &#8211; sofort alles als eigene Idee verkauft und damit unbrauchbar macht<\/em>), in der Medizin ca. 6 Monate. Wie kann das?<\/p>\n\n\n\n<p>Das Geheimnis hei\u00dft &#8222;statistischen Datenauswertung&#8220;. Fr\u00fcher bedeutete das das W\u00e4lzen alter Krankenberichte in den Archiven von Krankenh\u00e4usern, was die angehenden Mediziner mit nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben absolut t\u00f6dlichen Feinstaubkonzentrationen in Kontakt brachte. Ziel der Operation ist, m\u00f6gliche Zusammenh\u00e4nge zwischen irgendwelchen Gr\u00f6\u00dfen zu finden, ohne dass es direkte medizinische Hinweise darauf gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist das im Zeitalter der massenhaften Computerdaten nat\u00fcrlich viel einfacher. Da muss man sich nicht auf das beschr\u00e4nken, was in den Krankenakten steht, sondern kann beliebige andere Sachen hinzuziehen, beispielsweise Feinstaub oder irgendwelche Gase in der Atmosph\u00e4re. Die Anforderung an den heutigen angehenden Doktor ist nicht die absolute Resistenz gegen Papierfeinstaub sondern gen\u00fcgend Findigkeit, Datenbanken mit irgendwelchen passenden Daten ausfindig zu machen und dann die Daten in das Statistikprogramm zu f\u00fcttern. Und dann kommen halt irgendwelche Korrelationen heraus, die die Gesellschaft inzwischen zunehmende Milliardensummen kostet, wie etwa der Stickoxidunfug, der Feinstaubunfug oder der Glyphosatunfug (in den USA).<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wieso Unfug?&#8220; man der eine oder andere kritisieren. &#8222;Wie willst du das beurteilen?&#8220; Nun, das geht tats\u00e4chlich. In den Naturwissenschaften l\u00e4uft das in mehreren Stufen ab:<\/p>\n\n\n\n<p>(1) Ist das Datenmaterial vollst\u00e4ndig? Wenn man feststellt, dass die Leute in Plattenbausiedlungen nicht ganz so alt werden, kann man nat\u00fcrlich die Plattenbauweise daf\u00fcr verantwortlich machen. Oder man kann mal den Alkohol- und anderen Drogenkonsum der Bewohner im Vergleich zu anderen Standorten auswerten. Konkret f\u00fcr die medizinischen Doktorarbeiten: der Doktorand hat einen Ausschnitt (!) aus der Krankengeschichte seiner Objekte, aber in der Regel keinerlei Daten zur wesentlich umfangreicheren Gesundengeschichte. Und er hat Messwerte von der Stra\u00dfe, aber wiederum keine von Wohnung und Arbeit, die einen wesentlich gr\u00f6\u00dferen Zeitraum als die Stra\u00dfenbelastung wirken. Trotzdem werden solche Auswertungen selbst von den Fachleuten nicht mit &#8222;besteht eine Korrelation&#8220; bewertet, sondern &#8222;ist m\u00f6glicherweise Krebs erregend&#8220;, wobei das &#8222;m\u00f6glicherweise&#8220; sp\u00e4testens beim Interview mit der n\u00e4chsten Journalistenpfeife verschwindet. <\/p>\n\n\n\n<p>(2) Ist der Zusammenhang verifizierbar? Konkret: gibt es irgendwelche messbaren Hinweise, dass Feinstaub tats\u00e4chlich Herzinfarkte u.a. und damit vorzeitige Todesf\u00e4lle verursacht? Ja, gibt es nat\u00fcrlich, aber definitiv nicht bei den Konzentrationen, um die es in der Statistik geht. Stickoxide sollen ab 30 m\u00fcg\/m\u00b3 gesundheitsgef\u00e4hrdend sein, messbare Einfl\u00fcsse auf normal gesunde Menschen gibt es aber erst oberhalb von ca. 1.000 m\u00fcg\/m\u00b3. In der Gr\u00f6\u00dfenordnung, in der sich die Statistiker bewegen, ist nichts nachweisbar, au\u00dfer eben einer mehr als zweifelhaften Korrelation. Aber auch das wiegelt man ab durch &#8222;da ist eben noch nicht gen\u00fcgend untersucht worden&#8220;. <\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist das Kernproblem recht gut beschrieben:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Mediziner sollen einen Doktortitel erwerben k\u00f6nnen, wobei das Rumschnippeln am Objekt aus nahe liegenden Gr\u00fcnden aber ausf\u00e4llt. <\/li><li>Also setzen sie ihre Chefs an die Erstellung irgendwelcher Statistiken, und da im Jahr so um die 7.000 Mediziner ihr Studium abschlie\u00dfen, kommt selbst dann eine Menge ziemlich unsinniger Statistiken heraus, wenn nicht alle einen Doktortitel machen. Schlie\u00dflich m\u00fcssen sich die Chefs ja das Thema ausdenken, und das ist bei der Masse wohl auch so eine Sache. <\/li><li>Doktorarbeiten sind \u00f6ffentlich und die Chefs brauchen eine Reihe von Ver\u00f6ffentlichungen im Jahr, um noch als &#8222;wissenschaftlich&#8220; zu gelten im Sinne der Karrieref\u00f6rderung. Also wird vieles irgendwo ver\u00f6ffentlicht. <\/li><li>Links-gr\u00fcne Medien und Politiker st\u00fcrzen sich gerne auf so etwas, wenn sie es nicht von vornherein finanzieren und damit die Abh\u00e4ngigkeit verst\u00e4rken. Und flugs wird dann aus einer Korrelation zuf\u00e4lliger Daten ein &#8222;unbestreitbarer und nicht kritisierbarer Fakt&#8220;. <\/li><li>Nun kommen andere Chefs und sagen &#8222;ist ja sch\u00f6n und gut, aber messtechnisch nicht verifizierbar&#8220;, eine Umschreibung f\u00fcr &#8222;Kollege X hat mit seiner Statistik den Arsch auf!&#8220;. Das sind schon recht wenige, die das \u00fcberhaupt wagen, denn sie sind entweder pensioniert oder nicht k\u00fcndbar oder sowieso auf dem Absprung in ein anderes Land, in dem Wissenschaftlichkeit noch honoriert wird. <\/li><li>Kollege X f\u00fchlt kurz nach und stellt die ordnungsgem\u00e4\u00dfe Funktion seines Schlie\u00dfmuskels fest, was ihn (schon aus karrieretechnischen Gr\u00fcnden) veranlasst, \u00fcber den &#8222;Leugner&#8220; herzufallen, kr\u00e4ftig unterst\u00fctzt von gr\u00fcn-linken Medien und Politikern, die nicht zugeben m\u00f6chten, dass sie nun wirklich den Arsch auf haben. M\u00f6glicherweise wird Kollege X nach einiger Zeit durch einen Prozess der Autosuggestion den eigenen Unfug wirklich glauben, was es noch \u00fcberzeugender macht.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Wie beim Klima &#8211; man unterscheidet ja peinlich zwischen Meteorologen und Klimaforschern, wobei erstere sagen k\u00f6nnen, was sie wollen, es ist genau in dem Moment Unfug, in dem es den Wahnvorstellungen der Klimaforscher widerspricht &#8211; unterscheidet man inzwischen zwischen \u00c4rzten und Epidemiologen, wobei die ersteren sagen k\u00f6nnen, was sie wollen, es ist genau in dem Moment Unfug, in dem es den Wahnvorstellungen der Epidemiologen widerspricht<br><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielleicht hat sich der eine oder andere schon mal gewundert, wie die Medizinm\u00e4nnchen*Innen auf immer neue Zusammenh\u00e4nge zwischen irgendwelchen Messgr\u00f6\u00dfen und Krankheiten\/Tod kommen. Der Grund ist akademischer Natur. Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,19],"tags":[],"class_list":["post-2918","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesundheit","category-wissenschaft"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2918","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2918"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2918\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2919,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2918\/revisions\/2919"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2918"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2918"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2918"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}