{"id":2886,"date":"2019-04-01T13:38:54","date_gmt":"2019-04-01T11:38:54","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=2886"},"modified":"2019-04-01T13:38:54","modified_gmt":"2019-04-01T11:38:54","slug":"die-oel-und-gasluege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2019\/04\/01\/die-oel-und-gasluege\/","title":{"rendered":"Die \u00d6l- und Gasl\u00fcge"},"content":{"rendered":"\n<p>Ginge es nach dem Club of Rome, einem Verein b\u00f6ser alter wei\u00dfer M\u00e4nner, w\u00e4ren \u00d6l und Gas bereits in den 1980er Jahren komplett aufgebraucht worden. Seitdem und bis heute ist aber nicht nur der Verbrauch stetig gestiegen, auch die nachgewiesenen Reserven sind gr\u00f6\u00dfer als je zuvor.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nach \u00e4lteren Vorstellungen sind \u00d6l und Gas das Produkt der Zersetzung mariner Lebewesen in bestimmten Erdzeitaltern und daher fossil und endlich. Allerdings kann diese Vorstellung nicht stimmen, wovon man sich anhand einer ganzen Reihe von Fakten \u00fcberzeugen kann:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>\u00d6l und Gas kommen als ergiebige Lagerst\u00e4tten oft in weitaus gr\u00f6\u00dferer Tiefe vor als Kohle, obwohl sie nicht \u00e4lter als die Kohlevorkommen eingesch\u00e4tzt werden. Eine Faustregel der Prospektoren lautet: wenn man tief genug bohrt, st\u00f6\u00dft man auf \u00d6l (oder Gas; lohnen muss sich das nat\u00fcrlich nicht).<\/li><li>Bei keiner einzigen \u00d6l- oder Gasbohrung wurden bislang Fossilien in den F\u00f6rderschichten gefunden. Das w\u00e4re aber aufgrund der Theorie mehr oder weniger notwendig.<\/li><li>\u00d6l und Gas werden an Stellen gef\u00f6rdert, an denen es nach dem Modell marinen Lebens als Ursache gar kein \u00d6l oder Gas geben d\u00fcrfte.<\/li><li>Bislang gibt es keine ersch\u00f6pften Lagerst\u00e4tten. Zwar lohnt sich die F\u00f6rderung nach einiger Zeit wirtschaftlich nicht mehr, Untersuchungen haben aber ergeben, dass sich nahezu alle &#8222;ersch\u00f6pften&#8220; Lagerst\u00e4tten nach einiger Zeit wieder auff\u00fcllen, und zwar schneller als das nach einem Modell des Nachsickerns aus einem begrenzten Reservoir sein d\u00fcrfte.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Ph\u00e4nomen ist die vertikale Schichtung: reine \u00d6l- und Gasschichten liegen sehr tief, minderkonzentrierte Schichten, aus denen durch Fracking Gas gewonnen wird, oberfl\u00e4chennah. Die Reserven in diesen Schichten werden h\u00f6her eingesch\u00e4tzt als die ohnehin schon gro\u00dfen Kohlereserven. Obendrein sind diese Schichten in geologischen Zeitr\u00e4umen der Erosion ausgesetzt. Da wohl kaum davon auszugehen ist, dass solche Schichten erst mit dem Beginn der Menschheit in die passende Tiefe gelangt sind, d\u00fcrften allein auf dem Weg der Erosion riesige Mengen Kohlenwasserstoffe in die Atmosph\u00e4re gelangen, m\u00f6glicherweise mehr als durch den Menschen (allerdings nur bedingt als Kohlenwasserstoffe, weil Mikroorganismen diese Energiequelle nutzen, bevor sie verpufft, und CO2 draus machen). <\/p>\n\n\n\n<p>Als Quelle kommt unter diesen Umst\u00e4nden nur die Erde selbst in Frage, die anscheinend in der Lage ist, unbegrenzte Mengen (zumindest im Verbauchsma\u00dfstab des Menschen) zu produzieren. Ein guter Teil des Kohlenstoffkreislaufs der Natur f\u00e4llt anscheinend auf die Produktion von \u00d6l und Gas, und das seit Jahrmilliarden. Wie kann\/muss man sich das vorstellen?<\/p>\n\n\n\n<p> Startpunkt sind biologische Produzenten. Archaebakterien, die \u00e4ltesten Lebewesen \u00fcberhaupt, leben vorzugsweise unter anaeroben Bedingungen, k\u00f6nnen also mit Sauerstoff nicht viel anfangen. In ihrem Stoffwechselkreislauf kommt allerdings Methan vor, und zwar als Abfallprodukt. In den Ozeanen bildet sich aus dem Methan festes Methanhydrat und sinkt auf den Meeresboden. Teilweise wird diese Methanhydrat bereits als Energiequelle benutzt, weil es im Prinzip \u00fcberall zu finden ist, wenn auch die F\u00f6rderung aus mehreren Kilometern Tiefe nicht ganz einfach ist. Neben Methan sinken auch Karbonate als Reste von Lebewesen auf den Meeresgrund, der in Subduktionszonen unter die Kontinente gezogen wird. Methan und Karbonate gelangen so in den Erdmantel. Damit haben wir Abteilung 1.a des Kohlenstoffkreislaufs erledigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Abteilung 1.b spielt sich an Land ab: Bildung von Torf, Braunkohle und Steinkohle. Das spielt sich aber nur in Erdzeitaltern in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstab ab, in denen passende Bedingungen herrschen. Auf diese Art gelangt Kohlenstoff unter die Erde.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Erdmantel herrschen hohe Drucke und Temperaturen, die eine Reihe von chemischen Reaktionen ausl\u00f6sen. Im einfachsten Fall passiert nichts und das Methan wird im Erdmantel freigesetzt, wo man es als Erdgas f\u00f6rdern kann. Im Laufe der Erdzeitalter diffundiert es nach oben und bildet dort die weniger konzentrierten Lager, die zum Fracking benutzt werden. Methan und Karbonate k\u00f6nnen wiederum miteinander reagieren und h\u00f6here Kohlenwasserstoffe (m\u00f6glicherweise bis hin zu elementarem Kohlenstoff, also Kohle) nebst Wasser entstehen lassen. Technisch vergleichbar ist etwa das Fischer-Tropsch-Verfahren, das in den Weltkriegen zur Produktion von Kraftstoff aus Kohle verwendet wurde. Denkbar ist schlie\u00dflich auch die Reaktion von Wasser mit Kohle, was wiederum Methan erzeugt und auch bereits als Kohleverfl\u00fcssigung unter Tage technisch erprobt wird, um zu tiefe Kohlelagerst\u00e4tten auszubeuten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6l und Gas sind somit nicht begrenzt, was der Fall w\u00e4re, wenn wir fossile nicht ersetzbare Lager ausnutzen, sondern werden laufend neu gebildet. Mit anderen Worten: bei \u00d6l und Gas handelt es sich um erneuerbare Energien, die von der Erde selbst produziert werden. Welche Kapazit\u00e4ten die Erde aufweist, ist bislang unklar, aber es deutet wenig darauf hin, dass die Menschheit derzeit so \u00fcbertreibt, dass bald Schluss w\u00e4re. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man gr\u00e4bt, scheinen das die \u00d6lfirmen auch alle zu wissen. Mit dem M\u00e4rchen von den begrenzten Ressourcen l\u00e4sst sich aber bislang Geld ohne Ende verdienen, weshalb man das unter dem Radar h\u00e4lt. Die USA, lange \u00d6limportland, sind inzwischen nicht nur Selbstversorger sondern auch einer der gr\u00f6\u00dften Exporteure (LNG-Gas als Konkurrent zum russischen Gas). Die F\u00f6rderung in den USA ist inzwischen so gut angelaufen, dass das US-LNG-Gas gute Chancen hat, Kohle als billigsten Energietr\u00e4ger zu \u00fcberrunden. Aber l\u00fcgen wir uns lieber weiter was Gr\u00fcnes in die Tasche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ginge es nach dem Club of Rome, einem Verein b\u00f6ser alter wei\u00dfer M\u00e4nner, w\u00e4ren \u00d6l und Gas bereits in den 1980er Jahren komplett aufgebraucht worden. Seitdem und bis heute ist aber nicht nur der Verbrauch stetig gestiegen, auch die nachgewiesenen Reserven sind gr\u00f6\u00dfer als je zuvor. 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