{"id":2873,"date":"2019-03-27T13:31:49","date_gmt":"2019-03-27T12:31:49","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=2873"},"modified":"2019-03-27T13:31:49","modified_gmt":"2019-03-27T12:31:49","slug":"wie-lade-ich-mein-e-auto","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2019\/03\/27\/wie-lade-ich-mein-e-auto\/","title":{"rendered":"Wie lade ich (m)ein E-Auto?"},"content":{"rendered":"\n<p>10 Mio E-Fahrzeuge, das ist 1\/4 der aktuellen Flotte, sollen nach den Vorstellungen der Verkehrskommission, einer Gruppe mehrfach ausgewiesener Technik-Ignoranten, die deutschen Stra\u00dfen befahren. Die muss man aufladen k\u00f6nnen, und das geht so:<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die EWE, einer der gro\u00dfen Netzbetreiber im Norden, gibt dazu folgende Auskunft:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;..&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Das beruhigt. Offenbar hat man dort alles genau durchdacht. Wenn man nach mehr Details sucht, wird man beim ADAC f\u00fcndig. Ich fasse mal zusammen:<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stromverteilung gliedert sich in Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetze, wobei der 220V \/ 380V-Hausanschluss zum Niederspannungsnetz z\u00e4hlt. Die Netze sind nat\u00fcrlich so dimensioniert, dass nach den Erfahrungen der EVU ein Versorgungsbereich mit einer bestimmten Schwankungsbreite und Reserve bedient werden kann. Das macht es problematisch, Erzeuger oder Verbraucher zu- oder abzuschalten. Derzeit wird das Hochspannungsnetz umgemodelt, um den Windstrom vom Erzeuger zum Verbraucher zu bringen. Kosten vermutlich so um die 100 Mrd. \u20ac, wenn alles fertig ist. Ob es dann auch unproblematisch ist, einfach ein anderes Kraftwerk abzuschalten, steht auf einem anderen Blatt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein E-Auto kann im Niederspannungsnetz mit 3,5 &#8211; 11 kW geladen werden, ggf. auch mit 22 kW. Das h\u00e4ngt vom Fahrzeugtyp ab, denn die Batterie ben\u00f6tigt Gleichstrom, und die Gleichrichter m\u00fcssen auch irgendwo untergebracht werden. Wenn die nicht ins Auto passen, kann der Besitzer eine entsprechende Ladebox installieren lassen. Kostenpunkt: ab 500 &#8211; 2.500 \u20ac, abh\u00e4ngig von Modell und Leistung (ohne Installation).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Mittelspannungsnetz kann mit 60 &#8211; 150 kW geladen werden, wobei die Gleichrichter in der Ladestation sind (Schnellladung). Ein Schnellladezyklus sollte aus Gesundheitsgr\u00fcnden (f\u00fcr die Batterie) nur den Kapazit\u00e4tsbereich 20-80% umfassen. Von 400 km theoretischer Reichweite bleiben dann entweder 240 km \u00fcbrig oder alternativ von theoretisch 3.000 Ladezyklen weniger als 1.000 (in der Praxis werden die theoretischen Werte, wie bei Pr\u00fcfstandswerten \u00fcblich, normalerweise bei weitem nicht erreicht). Falls eine Ladereglung die Batterie schont und in den Grenzbereichen langsamer l\u00e4dt, k\u00f6nnen aus 40 Minuten Ladezeit auch mehr als das Doppelte entstehen, was der n\u00e4chste an der S\u00e4ule dankend registriert. M\u00f6glicherweise l\u00e4dt man an der Schnellladestation aber auch mit 0 kW, wenn die vertraglich f\u00fcr VW vorgesehen ist und man mit einem Opel davorsteht. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man im Niederspannungsnetz zu Hause laden will, stimmt man das tunlichst mit dem Versorger ab. Zum einen sind die Haussteckdosen unterdimensioniert, so dass die Gefahr eines Kabelbrandes entsteht. Der n\u00e4chste Elektriker installiert aber gerne f\u00fcr 1.000 &#8211; 1.500 \u20ac oder so einen passenden Anschluss, den dann auch kein anderer benutzen kann, weil abgeschlossen. D.h. wenn man nicht zu Hause ist und man nicht gerade bei guten Freunden \u00fcbernachtet, die bereits eine volle Batterie im Auto haben, bleiben auf l\u00e4ngeren Fahrten nur Schnellladestationen. Es m\u00fcssen also eine ganze Menge aufgestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum anderen ist nat\u00fcrlich auch das Niederspannungsnetz auf einen bestimmten Bedarf ausgelegt, und wird der \u00fcberschritten, weil alle Nachbarn ebenfalls ihre E-Schleuder aufladen wollen, wird es komplett dunkel. Wenn es tats\u00e4chlich zu einem Run auf E-Autos kommt, sind die EVU gezwungen, die Netze umzur\u00fcsten. Dazu sind die Trafostationen zwischen Mittel- und Niederspannung umzur\u00fcsten und mit einer Lastregelung zu versehen, die bis in die einzelnen H\u00e4user reicht. Allein im Stadtgebiet von Hamburg betrifft das ca. 1.000 Transformatorstationen, die umger\u00fcstet werden m\u00fcssen, zuz\u00fcglich diverser Verkabelungen. Die Kosten m\u00fcssen von den Nutzern bezahlt werden, wobei nat\u00fcrlich nicht klar ist, ob damit die E-Auto-Besitzer (also 1\/4 der Autobesitzer) oder alle gemeint sind. Da k\u00f6nnen dann schon mal 18.000 \u20ac oder mehr anfallen, was sich aber ggf. mehrere Nutzer teilen k\u00f6nnen, von denen dann jeder noch den letzten Meter (1.000 &#8211; 1.500 \u20ac) \u00fcbernehmen muss. Man sollte also ruhig schon mal davon ausgehen, dass man auf sein ohnehin schon teures E-Auto 10 &#8211; 20% des Preises noch mal f\u00fcr den Elektroanschluss drauflegen muss, wenn man es in seiner Garage (Voraussetzung) aufladen und von der \u00f6ffentlichen Schnellladestation unabh\u00e4ngig sein will.<\/p>\n\n\n\n<p>Was machen nun diese umger\u00fcsteten Mittel- und Niederspannungsnetze? Sie beobachten die angeforderte Leistung und fahren bei einer drohenden Netz\u00fcberlastung die Ladestationen zur\u00fcck. Statt 11 kW kommen dann am Auto beispielsweise nur noch 4 kW an, d.h. die Aufladung dauert entsprechend l\u00e4nger. L\u00e4sst sich die \u00dcberlast so nicht verhindern, werden ggf. auch die Schnellladestationen herunter geregelt. Da nat\u00fcrlich weder das Licht noch der Fernseher ausgehen darf, werden die Ladestationen direkt geregelt, was eben einen gro\u00dfen und damit auch teuren Aufwand darstellt, der sich in den Preisen niederschl\u00e4gt. Man darf wohl davon ausgehen, dass die Gesamtkosten f\u00fcr diese Umr\u00fcstung h\u00f6her sind als f\u00fcr die Umr\u00fcstung der Hochspannungsnetze.<\/p>\n\n\n\n<p>Speziell in St\u00e4dten verf\u00fcgen viele Fahrzeugbesitzer aber nicht \u00fcber feste Stellpl\u00e4tze. Wo sollen die \u00fcber Nacht den Strom f\u00fcr ihr Auto herbekommen? Denkbar w\u00e4re eine Parkraumbewirtschaftung, in der bestimmte Pl\u00e4tze E-Autos zugewiesen sind und elektronisch daf\u00fcr gesorgt wird, dass man an den Niederspannungs-Anschl\u00fcssen eines Bezirks \u00fcberall laden kann. Neben dem vorprogrammierten \u00c4rger, dass alles von Fremden zugeparkt ist, kommen dann aber weitere feste Kosten auf die Anwohner zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kauf eines E-Autos wird dadurch nicht gerade einfach. Nach der Modellauswahl sollte man erst mal abchecken, wo man den Strom herbekommt, bevor man sich das Auto kauft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>10 Mio E-Fahrzeuge, das ist 1\/4 der aktuellen Flotte, sollen nach den Vorstellungen der Verkehrskommission, einer Gruppe mehrfach ausgewiesener Technik-Ignoranten, die deutschen Stra\u00dfen befahren. 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