{"id":2597,"date":"2019-01-27T06:00:51","date_gmt":"2019-01-27T05:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=2597"},"modified":"2019-01-22T22:37:04","modified_gmt":"2019-01-22T21:37:04","slug":"stromexportland-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2019\/01\/27\/stromexportland-deutschland\/","title":{"rendered":"Stromexportland Deutschland"},"content":{"rendered":"\n<p>In den letzten Tagen h\u00e4ufen sich in meinem Bekanntenkreis mal wieder die gr\u00fcnen Ansichten, Deutschland produziere zu viel Strom, es sei schlie\u00dflich Stromexportland. Deshalb mal etwas Technik.<!--more--><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"350\" src=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bildschirmfoto-vom-2019-01-21-08-24-25-1024x350.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2598\" srcset=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bildschirmfoto-vom-2019-01-21-08-24-25-1024x350.png 1024w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bildschirmfoto-vom-2019-01-21-08-24-25-300x103.png 300w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bildschirmfoto-vom-2019-01-21-08-24-25-768x262.png 768w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bildschirmfoto-vom-2019-01-21-08-24-25.png 1677w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Deutschland hat einen Bedarf von ca. 70 GW +\/- 5 GW Leistung. In der Praxis versucht man traditionell, mit Grundlastkraftwerken m\u00f6glichst nahe an die untere Grenze heran zu kommen. Grundlastkraftwerke sind Kl\u00f6tze, die 2-4 GW oder mehr raushauen und das sehr effizient machen. Im Gegenzug k\u00f6nnen sie aber schlecht geregelt werden, weil sie l\u00e4ngere Zeit zum Herunter- oder Herauffahren ben\u00f6tigen. Die restliche Leistung wird mit Spitzenlastkraftwerken erbracht, die wesentlich kleiner und daher schneller regelbar sind, aber durch den Lastwechsel auch h\u00f6here Verluste haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Windkraftwerken muss man zwischen installierter Leistung, maximaler Leistung, mittlerer Leistung und garantierter Leistung unterscheiden. Bei der installierten Leistung wird der maximale Output aller Windkraftanlagen addiert, und man \u00fcberschreitet bereits heute den Gesamtbedarf. Bei der maximalen Leistung wird gemessen, wie viel alle Kraftwerke gleichzeitig erbringen. Da nicht \u00fcberall der gleiche Wind weht, liegt die maximale Leistung nur bei ca. 60% der installierten Leistung. Die mittlere Leistung ist der Mittelwert \u00fcber einen langen Zeitraum, und die liegt nur bei ca. 20% der installierten Leistung. Es ist aber auch schon mal Flaute, und die garantierte Leistung, also die, die immer zu erwarten ist, liegt bei ca. 1%. Grund f\u00fcr diese Schwankung: die Leistung geht proportional zur 3. Potenz der Windgeschwindigkeit. Liefert eine Windkraftanlage beispielsweise 2 MW Leistung bei 40 km\/h (etwas mehr als ein 100m-L\u00e4ufer schnell ist), sind es bei 10 km\/h nur noch 0,031 MW oder 31 kW, d.h. 1\/64.<\/p>\n\n\n\n<p>Die konventionellen Kraftwerke m\u00fcssen somit zwischen 99% und 40% der Gesamtleistung erbringen, im Mittel ca. 70% (siehe Grafik). Da die Spitzenlastkraftwerke nur ca. 10% beitragen, sind die Grundlastkraftwerke betroffen. Die kann man zwar abregeln, aber eben nicht so schnell. <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Wind frischt auf: laut Gesetz d\u00fcrfen die Windkraftwerke nicht abgeregelt werden, d.h. jedes kW Windstrom muss \u00fcbernommen werden. Es entsteht ein Zuviel an Grundlaststrom, weil die Kraftwerke ja bis zum Wind arbeiten m\u00fcssen, und der h\u00e4lt auch noch eine Weile an, wenn man abregelt. <\/li><li>Wind f\u00e4llt aus: wie oben muss auch die letzte kW Windkraft abgenommen werden. Die Grundlastkraftwerke m\u00fcssen einige Zeit vorher angefahren werden, um zum Zeitpunkt der Flaute da zu sein, und wieder entsteht Strom, der nicht ben\u00f6tigt wird.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Dieses Zuviel an Strom wird teilweise durch die K\u00fchlt\u00fcrme geblasen. Das CO2, das dabei sinnlos verpulvert wird, taucht nat\u00fcrlich in keiner gr\u00fcnen Statistik auf. Teilweise muss man die Kraftwerke aber auch am Netz lassen, weil alles synchron laufen muss. Wenn man einen Motor belastet, geht die Drehzahl runter. Gleiches gilt f\u00fcr Kraftwerke, wenn pl\u00f6tzlich gro\u00dfe Verbraucher eingeschaltet werden. Das muss weggeregelt werden, weil sonst das passieren k\u00f6nnte, was passiert, wenn man die Pole einer Steckdose verbindet. Aus technischen Gr\u00fcnden wird somit nicht nur mehr CO2 produziert als notwendig, es wird auch mehr Strom produziert, der irgendwo verbraucht werden muss, wenn nicht hier, dann eben im Ausland.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden wird man aber so wenig wie m\u00f6glich \u00fcber die K\u00fchlt\u00fcrme als Wolken abblasen, denn das bekommen die Kraftwerke nicht bezahlt. Der Strom w\u00fcrde unwirtschaftlich teuer und der Betreiber schaltet m\u00f6glicherweise ab. Also wird mehr exportiert. Das bringt zwar kaum einen Gewinn, aber Verluste muss in diesem Fall der Stromkunde tragen. <\/p>\n\n\n\n<p>Fazit bis hier: ja, Deutschland ist ein Stromexportland <strong>wegen der unsinnigen Gesetze<\/strong> \u00fcber Wind- und Solarstrom. Jedes weitere Wind- oder Solarkraftwerk f\u00fchrt zu mehr Export, nicht zu weniger. Die einzige Alternative w\u00e4re, die Energie komplett \u00fcber die K\u00fchlt\u00fcrme zu entsorgen. Dann w\u00fcrden die Strompreise aber noch einige Cent weiter steigen, mal abgesehen vom hohen CO2-Aussto\u00df. <\/p>\n\n\n\n<p>Gr\u00fcne Idee: Kraftwerke abschalten. Schlechte Idee, denn trotz allen Aufwands ist bislang kein einziges konventionelles Kraftwerk abgeschaltet worden. Die Netzbetreiber, die vor 15 Jahren noch 2-3 Mal pro Jahr kritische Regelf\u00e4lle hatten, haben das heute jeden Tag (!) &#8211; wegen der Lastschwankungen durch die Windkraft. W\u00fcrden die Kraftwerke abgeschaltet, k\u00f6nnten die Nachbarl\u00e4nder die L\u00fccken nicht \u00fcbernehmen und w\u00fcrden wohl die Leitungen an der Grenze kappen. Dann w\u00e4re es hier ziemlich dunkel.<\/p>\n\n\n\n<p>Gr\u00fcne Idee: mehr Spitzenlastkraftwerke einsetzen, weil die mit sauberem &#8222;Gas&#8220; arbeiten. Technisch m\u00f6glich, aber es sind nicht gen\u00fcgend vorhanden, sondern es m\u00fcssten noch sehr viele neu gebaut werden (Bauzeit nach heutigem Stand in der BRD ca. 15 Jahre mit allem gerichtlichem Firlefanz) und die Stromkosten w\u00fcrden wohl 50-60 ct\/kWh rei\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<p>Machbare Idee: Windkraftwerke abregeln, d.h. nicht jedes kW wird abgenommen, sondern nur, wenn es gebraucht wird. Dann w\u00fcrde aber die Versorgung durch Wind- und Solarstrom ca. noch 1\/4 &#8211; 1\/3 des jetzigen Werte ausmachen, was wohl kaum noch einem B\u00fcrger vermittelbar w\u00e4re, und die Betreiber w\u00fcrden Verluste schreiben. Wird also auch nichts<\/p>\n\n\n\n<p>Also wenn mal wieder jemand nervt: <strong>ja, Deutschland ist ein Stromexportland, und der Grund daf\u00fcr ist der Ausbau der Windkraftanlagen,<\/strong> und zwar aus technischen Gr\u00fcnden und nicht aufgrund der Gewinnsucht der Konzerne. Es geht schlicht nicht anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Rande: die Windkraft substituiert derzeit gerade mal die weggefallene Kernkraft, wenn man auf l\u00e4ngerfristige Statistiken schaut. Wenn man die Kernkraft mit einbezieht, hat sich der relative CO2-Aussto\u00df durch die Windkraft aufgrund der zwangsweise eintretenden Verluste erh\u00f6ht.<\/p>\n\n\n\n<p>P.S.: falls noch Detailfragen vorhanden sind, bitte im Kommentar stellen. <br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Tagen h\u00e4ufen sich in meinem Bekanntenkreis mal wieder die gr\u00fcnen Ansichten, Deutschland produziere zu viel Strom, es sei schlie\u00dflich Stromexportland. Deshalb mal etwas Technik. 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