{"id":2482,"date":"2019-01-06T06:00:54","date_gmt":"2019-01-06T05:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=2482"},"modified":"2019-01-01T14:10:34","modified_gmt":"2019-01-01T13:10:34","slug":"information-wissen-und-ki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2019\/01\/06\/information-wissen-und-ki\/","title":{"rendered":"Information, Wissen und KI"},"content":{"rendered":"<p>Wir leben ja nicht erst seit gestern im Informationszeitalter. Aber obwohl zu fast allen Themen Informationen zug\u00e4nglich sind, wird immer weniger davon in Wissen umgesetzt. Gerade die lautstarken Exponenten <!--more-->unserer Gesellschaft, Politiker und Journalisten, sind nicht nur in einem Ehrfurcht erheischenden Ausma\u00df so dumm wie m\u00f6glich, die meisten Leute bemerken das noch nicht einmal, und wenn doch, ist es ihnen anscheinend schei\u00dfegal. Es kommt nicht mehr darauf an, verschiedene Informationen zu Wissen zu verarbeiten, sondern bestimmte Informationen in einen Glauben umzusetzen. Aus Wissen ist Religion geworden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/1612-Image-11341-1-17-20180129.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2483\" src=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/1612-Image-11341-1-17-20180129.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"265\" srcset=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/1612-Image-11341-1-17-20180129.jpg 500w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/1612-Image-11341-1-17-20180129-300x159.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Hauptgrund f\u00fcr diese Entwicklung ist die Zahl der Informationsschnipsel. Ihre Anzahl w\u00e4chst derzeit noch exponentiell. In einem Jahr erscheinen so viele Artikel, die beispielsweise das Thema Klima abdecken wie bis zum Jahr 2006 insgesamt in allen Jahren vorher. Die Grafik ist nur eine von mehreren, die man finden kann, und vermutlich kennt keiner die genaue Zahl der Publikationen.<\/p>\n<p>Das ist zu viel, um sich noch informieren zu k\u00f6nnen, selbst f\u00fcr Fachwissenschaftler. Sie sind gar nicht mehr in der Lage, alles zu verarbeiten, was letztlich dazu f\u00fchrt, dass sie nur noch die Sachen zur Kenntnis nehmen, die in das von ihnen pers\u00f6nlich bevorzugte Modell passen und kritische Beitr\u00e4ge mehr oder weniger ignorieren. Viele der Artikel sind noch nicht einmal sachdienlich, sondern streifen Nebenthemen oder erw\u00e4hnen den Hauptbegriff nur deshalb, weil es gerade In ist, das zu tun. Selbst nach sorgf\u00e4ltiger Auswahl &#8211; ein Artikel von vielleicht 100, den man sich tats\u00e4chlich mal anschaut &#8211; bleibt oft nur einer von 10, der f\u00fcr die eigene Arbeit wirklich relevant ist.<\/p>\n<p>Noch schwieriger wird es nat\u00fcrlich f\u00fcr denjenigen, der sich nur informieren will. Viele Artikel wird er sprachlich nicht verstehen, wenn er beispielsweise als Deutsch Sprechender auf einen US-Amerikaner st\u00f6\u00dft, der sich in seiner Sprache austobt, andere fachlich nicht, weil selbst Fachwissenschaftler nicht selten eine Darstellung verwenden, die anderen Fachwissenschaftlern so schwer zug\u00e4nglich ist, dass diese auch nicht ausf\u00fchrlich lesen, sondern ebenfalls bei der Zusammenfassung verweilen. Auch wei\u00df der Suchende oft nicht, wie genau die Frage an die Suchmaschinen formuliert werden muss, damit \u00fcberhaupt das ausgeworfen wird, was er m\u00f6chte. Vielleicht ist es dabei, aber an Position 143.771, oder es gibt die Information nur in Chinesisch, das gar nicht von der Suchmaschine erfasst wird.<\/p>\n<p>Wenn man in Zukunft mehr vom Glauben weg hin zum Wissen m\u00f6chte, wird man um den Einsatz der KI nicht herum kommen. Die ist nicht schlauer als die Menschen (zumindest nicht alle), kann aber wesentlich mehr Informationen verarbeiten. Stellt man einer Suchmaschine eine Frage, wird diese erst durch eine Heuristik, d.h. ein Satz von Regeln bearbeitet, um heraus zu bekommen, nach welchen Kriterien die Datenbank durchsucht werden soll. Eine Suchmaschine kann auf Fragen bereits eine beeindruckende Anzahl von Antworten liefern, aber die sind noch so unsortiert, dass man bei Religion statt bei Wissen landet. Verglichen mit den F\u00e4higkeiten, die ben\u00f6tigt werden, bleiben die F\u00e4higkeiten der heutigen Suchmaschinen aber h\u00f6chstens im unteren einstelligen Prozentbereich.<\/p>\n<p>Was ist notwendig? (1) Leistungsf\u00e4hige \u00dcbersetzer. Die Information sollte dem Fragenden nicht nur in seiner Sprache pr\u00e4sentiert werden, der Suchvorgang selbst sollte ebenfalls in allen (relevanten) Sprachen erfolgen, damit nichts \u00fcbersehen wird. (2) Heuristiken, die in der Lage sind, Suchanfragen zu verdichten, d.h. nicht nur nach Schlagworten alles aufzulisten, sondern nach Inhalt\/Kontext die gefundenen Beitr\u00e4ge sortieren. (3) Heuristiken, die es erlauben, die Frage interaktiv zu pr\u00e4zisieren, um schlie\u00dflich gezielt die Information in komprimierter Form zu pr\u00e4sentieren. Im Grunde l\u00e4uft das alles darauf hinaus, dass man seinen Informationswunsch von einem Fachprofessor in einem angemessenen Komplexit\u00e4tsgrad in einem Gespr\u00e4ch erf\u00fcllt bekommt, wobei dieser elektronische Fachprofessor \u00fcber mehr Informationen verf\u00fcgt als der menschliche. Die Antwort auf eine Frage wird dann mehr einer Seite in wikipedia \u00e4hneln als der Google-Trefferliste.<\/p>\n<p>Ob das noch zentral funktioniert ist zu bezweifeln. Webseiten und andere Dokumente m\u00fcssten dann nicht nur pauschal nach Schlagworten katalogisiert sondern der Inhalt m\u00fcsste mehr oder weniger frageabh\u00e4ngig interpretiert werden. Denkbar sind KI-Analyseanwendungen auf den Rechnern der Nutzer, die sich zun\u00e4chst die Suchmaschinenlisten laden, um anschlie\u00dfend die Einzeldokumente ebenfalls zu laden und zu interpretieren. Nach einiger Zeit w\u00fcrde der Rechner mit dem Ergebnis aufwarten, und der Nutzer kann fortfahren. Im Laufe der Zeit k\u00f6nnte das Analyseprogramm lernen, wie der Nutzer vorgeht, und dadurch schneller werden.<\/p>\n<p>Kommen solche Techniken? Hoffentlich, denn wenn nicht, wird der Trend, dass sich selbst Fachleute Begriffe wie Leugner, L\u00fcgner und -faschist anstelle der Fakten um die Ohren hauen wie beim Thema Klima und Umweltschutz heute schon \u00fcblich eher zu- als abnehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir leben ja nicht erst seit gestern im Informationszeitalter. Aber obwohl zu fast allen Themen Informationen zug\u00e4nglich sind, wird immer weniger davon in Wissen umgesetzt. 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