{"id":245,"date":"2015-10-22T17:07:21","date_gmt":"2015-10-22T15:07:21","guid":{"rendered":"http:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=245"},"modified":"2015-10-22T17:15:12","modified_gmt":"2015-10-22T15:15:12","slug":"der-ton-wird-rauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2015\/10\/22\/der-ton-wird-rauer\/","title":{"rendered":"Der Ton wird rauer"},"content":{"rendered":"<p>Den politischen Stellen sowie den Qualit\u00e4tsmedien d\u00e4mmert allm\u00e4hlich, dass sich das Fl\u00fcchtlingsproblem nicht so einfach mit &#8222;wie schaffen das&#8220; unter den Tisch kehren l\u00e4sst. <!--more-->Die Demonstrationen und (leider) auch die gewaltsamen Proteste legen zu, und immer mehr B\u00fcrger aus der gesellschaftlichen Mitte driften ab. Es d\u00fcrfte schwer sein, in der BRD noch irgendein Dorf zu finden, das nicht von dem Problem betroffen ist. Wenn man Gl\u00fcck hat, spielt sich das weiter weg vom eigenen Zuhause ab oder bei den Fl\u00fcchtlingen handelt es sich um ruhige zivilisierte Leute, die sich anst\u00e4ndig benehmen und keinen Grund zu Feindseligkeiten liefern. Auch wenn die Qualit\u00e4tsmedien so tun, als ob das der Normalfall ist, das ist nicht \u00fcberall so und muss auch nicht \u00fcberall so bleiben. Bestimmte Gruppen sind buchst\u00e4blich bar jeder Zivilisation, andere k\u00f6nnen prinzipiell nichts mit unseren Gesellschaftsstrukturen anfangen und wollen es auch nicht, und wenn die Konzentration gr\u00f6\u00dfer sowie das Zahlenverh\u00e4ltnis zur ortsans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung schlechter wird, d\u00fcrfte es auch zu Problemen in bisher problemfreien Zonen kommen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Moment, das nicht zu untersch\u00e4tzen ist, besteht im dauerhaften Verbleib der Fl\u00fcchtlinge im Sozialsystem (zumindest auf viele Jahre hinaus): aus Sicht mancher Kreise eine gro\u00dfe Gruppe von aus Steuermitteln gut versorgten Nichtstuern, f\u00fcr die sich eine kaum gr\u00f6\u00dfere Gruppe krumm arbeiten darf und zunehmend weniger von der eigenen Arbeit hat. Machen wir uns nichts vor: die meisten Fl\u00fcchtlinge sind aus den verschiedensten Gr\u00fcnden &#8211; Sprache, Sachkenntnisse, Ausbildung &#8211; kurzfristig nicht auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen, und Probleme beim Unterlaufen der Mindestl\u00f6hne mit den entsprechenden R\u00fcckwirkungen auf die deutschen Arbeitnehmen deuten sich bereits an. Man kann dann solche Ansichten verdammen und auch Arbeitswilligkeit der Ausl\u00e4nder unterstellen, an den Fakten und dem sich daraus zwangsweise ergebenden Stimmungsbild wird das nichts \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Zum Hauptproblem f\u00fcr die Gesellschaft entwickelt sich zunehmende die v\u00f6llig Ratlosigkeit der Politik. Nachdem man durch Anheizen der B\u00fcgerkriege nicht zuletzt auch in Syriem im Schlepptau unserer amerikanischen Schweine &#8230; \u00e4h, nein, Freunde &#8211; erst f\u00fcr diese Eskalation gesorgt hat, bestehen die politischen Konzepte mehr oder weniger nur in einem weiteren Anheizen der B\u00fcrgerkriege: wenn der IS besiegt werden sollte (was immer unwahrscheinlicher wird), werden trotzdem weiter Waffen nach Syrien gepumpt, um den Krieg gegen Assad (und mindestens ein Drittel der Bev\u00f6lkerung) weiter zu f\u00fchren. Es steht zu erwarten, dass die Erdoan-Regierung Unterst\u00fctzung bei ihrem Vernichtungsfeldzug gegen die Kurden erh\u00e4lt und damit eine weitere Fl\u00fcchlingslawine losgetreten wird. Und den Israelis, die sich seit Jahren kaum anders benehmen als der NS-Staat, bekommen nat\u00fcrlich immer Recht, und auch dort ist eine Eskalation m\u00f6glich, die wir hier zu sp\u00fcren bekommen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Konzepte f\u00fcr die Situation im Land hat die Politik keine. Man ist versucht anzunehmen, dass Merkel und Co. gar nicht mehr im Land sind, sondern nur noch auf der Welt den Dicken Max machen und sich einen Dreck um die deutsche Bev\u00f6lkerung k\u00fcmmern. Die Antwort auf die berechtigten Fragen oder Sorgen der Bev\u00f6lkerung sind zunehmende Kriminalisierung selbst der gesellschaftlichen Mitte. Typisch ist das Verhalten beispielsweise gegen\u00fcber Pegida: Anfangs wurden Gespr\u00e4che von der Politik gefordert, aber in dem Augenblick, als die Pegida-Macher darauf eingehen wollten, hie\u00df es nur lapitar &#8222;<em>mit solchen Leuten reden wir nicht<\/em>&#8222;. Kunstst\u00fcck, wenn man nicht wei\u00df, was man eigentlich auf konkrete Fragen antworten soll. Mehr Leute str\u00f6men der Pegida zu, deutlich keine Rechtsextremen, sondern ganz normale B\u00fcrger, und der Ton \u00e4ndert sich in &#8222;<em>mit Rechtsextremisten und Ausl\u00e4nderhassern reden wir nicht<\/em>&#8222;. Kurz: wer auch nur Kritik \u00e4u\u00dfert, ist inzwischen gleich ein Rechtsextremist und Ausl\u00e4nderhasser, \u00fcber seine Ansichten wird nicht diskutiert. Gleiches gilt f\u00fcr die Afd, bei der ansonsten f\u00fcrchterlich seri\u00f6s tuende Politiker bei G\u00fcnter Jauch mit &#8222;<em>das ist ja widerlich<\/em>&#8220; oder &#8222;<em>sie spinnen wohl v\u00f6llig<\/em>&#8220; auf Gossenniveau heruntersteigen, nat\u00fcrlich bejubelt von einer Qualit\u00e4tspresse, f\u00fcr die Demokraten und gute B\u00fcrger nur noch die sind, die ihre Parolen nachbr\u00fcllen, Kritiker aber in die Kategorie Verfassungsfeinde usw. fallen. Selbst \u00fcber das Ende der Meinungsfreiheit wird an der einen oder anderen Stelle fabuliert.<\/p>\n<p>Was dabei herauskommt, l\u00e4sst sich absch\u00e4tzen: Konzepte au\u00dfer internationaler Selbstbeweihr\u00e4ucherung sind von der Politik nicht zu erwarten. F\u00fcr einen deutlichen Rechtsruck wie in anderen EU-L\u00e4ndern ist Deutschland noch nicht weit genug, aber das werden uns die Polen und andere schon vormachen. Die Wahlbeteiligung wird weiter abnehmen, denn die Auswahl &#8222;Pest oder Cholera&#8220; ist wohl nicht wirklich die eines kleineren \u00dcbels. Die politische Legitimierung der Politriege wird schwinden, ihre Rethorik und Polemik sicher nicht. Wird das den braven B\u00fcrger dazu bringen, immer weniger vor solchen Parolen zur\u00fcck zu schrecken und schlie\u00dflich stolz zu bekennen &#8222;Jawohl! Ich bin ein Rechter!&#8220; ?<\/p>\n<p>[yop_poll id=&#8220;18&#8243;]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den politischen Stellen sowie den Qualit\u00e4tsmedien d\u00e4mmert allm\u00e4hlich, dass sich das Fl\u00fcchtlingsproblem nicht so einfach mit &#8222;wie schaffen das&#8220; unter den Tisch kehren l\u00e4sst. 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