{"id":2373,"date":"2018-12-09T06:00:22","date_gmt":"2018-12-09T05:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=2373"},"modified":"2018-12-08T17:24:04","modified_gmt":"2018-12-08T16:24:04","slug":"die-sache-mit-der-kunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/12\/09\/die-sache-mit-der-kunst\/","title":{"rendered":"Die Sache mit der Kunst &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; ist so eine Sache, nicht nur, was den Begriff Kunst als solchen betrifft. Auch wem sie geh\u00f6rt, also wer Eigent\u00fcmer eines Kunstgegenstands ist, ist so eine Sache. Fr\u00fcher, <!--more-->also ganz fr\u00fcher, als es noch F\u00fcrsten und K\u00f6nige gab, galt mehr oder weniger das Prinzip &#8222;weggegangen, Platz vergangen&#8220;, d.h. der F\u00fcrst, der den andere mit Krieg \u00fcberzogen und gewonnen hatte, gelangte faktisch auch an das Eigentum der Sachen, die er mitgehen lie\u00df. Im modernen Rechtsstaat gilt das nicht mehr. Wem was geklaut wurde, der bleibt trotzdem Eigent\u00fcmer der Sache, mit kleinen Ausnahmen wie dem &#8222;gutgl\u00e4ubigen Erwerb&#8220;. Wer will, kann sich dies im BGB anschauen. Wer also einem Dieb eine Sache abkauft, wird zwar Besitzer, aber nicht Eigent\u00fcmer, und muss dem Eigent\u00fcmer auf dessen Forderung die Sache wieder zur\u00fcck geben. Wobei das Problem, wer welche Kosten tr\u00e4gt, zun\u00e4chst einmal offen bleibt.<\/p>\n<p>So richtig in Gang gekommen ist die Restitution von Kunst erst mit dem 2. Weltkrieg, \u00fcber den sehr b\u00f6se Zungen auch behaupten k\u00f6nnten, Ostpreu\u00dfen m\u00fcsste nach den Forderungen Vertriebener \u00fcber anhanden gekommene Ritterg\u00fcter wohl das komplette Wei\u00dfrussland umfasst haben und von 100 Kunstwerken h\u00e4tten ca. 125 j\u00fcdischen Eigent\u00fcmern geh\u00f6rt. Inzwischen gehen die Restitutionsforderungen in die n\u00e4chste Runde und umfassen die letzten 300 Jahre, allerdings nicht bez\u00fcglich der Schatzkammern der F\u00fcrsten, sondern der V\u00f6lkerkundemuseen, die au\u00dfereurop\u00e4ische Kunst ausstellen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_20181208_161038_resized_20181208_041203269.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2374 size-medium\" src=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_20181208_161038_resized_20181208_041203269-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_20181208_161038_resized_20181208_041203269-300x225.jpg 300w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_20181208_161038_resized_20181208_041203269-768x576.jpg 768w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_20181208_161038_resized_20181208_041203269-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Einige aus der Gutmenschenriege meinen, alles w\u00e4re geklaut und m\u00fcsse an die Herkunftsl\u00e4nder zur\u00fcck gegeben werden, und auf das Signal melden sich auch von dort zunehmend Interessenten, die brennend an der ihren Ahnen geh\u00f6renden Kunst interessiert sind. Museumsdirektoren sehen das nat\u00fcrlich anders, und auch ich w\u00e4re nicht begeistert, den 1,3 m &#8211; Nashornbullen wieder nach Afrika zur\u00fcckf\u00fchren zu m\u00fcssen, weil der sich im heimischen Flur auch recht wohl f\u00fchlt.<\/p>\n<p>Na ja, der ist neu, wie man sieht, und offenbar ein Objekt des Kunsthandwerkhandels, und ich hoffe, dass mein <a href=\"http:\/\/www.simon-african-shop.de\/\">Freund Simon<\/a> den wirklich bei seinen Kontaktleuten in Afrika erworben hat und nicht etwa eine seinem \u00c4u\u00dferen \u00e4hnliche schwarze Seele besitzt. Problematischer kann schon so etwas werden:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_20181208_161056_resized_20181208_041201867.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2375 size-medium\" src=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_20181208_161056_resized_20181208_041201867-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_20181208_161056_resized_20181208_041201867-225x300.jpg 225w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_20181208_161056_resized_20181208_041201867-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Fig\u00fcrchen hat ein paar Jahre mehr auf dem Buckel und \u00e4hnelt schon recht stark Sachen, die man auch in Museen finden kann.<\/p>\n<p>Das eigentliche Problem dabei ist: ab wann darf man eigentlich von Diebstahl sprechen? Viele j\u00fcdische Eigent\u00fcmer haben\/mussten ihre Kunstobjekte unter Wert verkaufen. Ist das dann schon Diebstahl, der zur R\u00fcckforderung berechtigt? \u00c4hnlich dem Eigent\u00fcmer eines Diesel-PKW, der vielleicht gezwungen ist, sein Fahrzeug zu 1\/3 des eigentlichen Wertes zu verkaufen, um weiter sein Brot zu verdienen, und vielleicht in 2 Jahren &#8222;April! April! Du darfst deinen Diesel wieder fahren!&#8220; h\u00f6rt. Kann der Forderungen wegen Diebstahls\/Enteignung stellen? Normalerweise werden Notf\u00e4lle, in denen man unter Wert verkaufen muss, weil man nicht warten kann oder will, nicht als entsch\u00e4digungsf\u00e4hig angesehen.<\/p>\n<p>Noch kritischer im Fall von kolonialer Beutekunst. Ob etwas nun durch gewaltsame Wegnahme nach Europa gekommen ist oder der Reisende mit Glasperlen und ein paar Messern bezahlt hat, muss erst einmal gekl\u00e4rt werden; und damit ist immer noch nicht ausgeschlossen, dass das zur damaligen Zeit ein ehrliches Gesch\u00e4ft war, k\u00f6nnten doch Glasperlen, die es sonst nicht gab, und ein Messer dem Besitzer mehr Ansehen verschaffen als ein Holzp\u00fcppchen, das der Nachbar auch besa\u00df.Ist es gerechtfertigt, heutige Wertvorstellungen einfach auf die damalige Zeit zu \u00fcbertragen?<\/p>\n<p>Auch zu ber\u00fccksichtigen: was w\u00e4re von all dem noch \u00fcbrig, h\u00e4tte nicht ein europ\u00e4ischer Sammler das Zeug in ein Museum geschleppt? Vermutlich nichts, denn erst in neuester Zeit bestehen in vielen L\u00e4ndern \u00fcberhaupt die Voraussetzungen, die Gegenst\u00e4nde zu erhalten. Und darf \u00fcberhaupt ein Volk etwas zur\u00fcckfordern, weil (mutma\u00dflich) einer seiner Angeh\u00f6rigen einmal etwas geschaffen hatte? Wenn ja, wo h\u00f6rt das auf?<\/p>\n<p>Ob es also tats\u00e4chlich rechtlich begr\u00fcndbar ist, einen Gegenstand zur\u00fcck zu geben, darf man wohl bezweifeln. Insofern regen sich meiner Ansicht nach Museumsdirektoren zu Recht \u00fcber Gutmenschen in der Politik und den Medien auf, die auf 3 zur\u00fcck geforderte Werke kostenlos noch 8 drauflegen wollen. Nat\u00fcrlich haben auch die Menschen in den Herkunftsl\u00e4ndern ein Recht darauf, ihre Vergangenheit zu bewundern (und sollten sich aber auch mal ernsthaft fragen, woran das liegt, wenn nichts da ist; Diebstahl alleine war das auf keinen Fall). Das k\u00f6nnte man aber auch anders regeln: wenn ein Gegenstand ausgestellt wird, finden sich in der Regel noch mindestens 3 weitere in den Magazinen, die das Gl\u00fcck nicht haben und Jahrzehnt auf Jahrzehnt in der Schublade verbringen. Man k\u00f6nnte die Magazinbest\u00e4nde zun\u00e4chst teilen, was dazu f\u00fchren w\u00fcrde, dass auch diese Gegenst\u00e4nde ordentlich katalogisiert werden (was bei Maganzinbest\u00e4nden oft gar nicht der Fall ist), und in einem weiteren Schritt zyklisch die ausgestellten Werke zwischen den Museen wandern lassen, d.h. das Prim\u00e4rst\u00fcck w\u00e4re dann auch am Ursprungsort zu sehen. Damit w\u00e4re allen sicher besser geholfen als mit der derzeitigen Situation oder den Gutmenschenvorstellungen, die hier die Museen leer werden lassen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Auch bei Einzelst\u00fccken g\u00e4be es eine L\u00f6sung. Kostet ein van Gogh auf Auktionen schon mal 150.000.000 \u20ac, so k\u00f6nnte eine perfekte Kopie mit den heutigen M\u00f6glichkeiten auch f\u00fcr 150.00<del>0.000<\/del> \u20ac hergestellt werden (\u00b1 ein paar Tausend Euro). Das gilt f\u00fcr fast alles, und f\u00fcr fast alles gilt auch, dass das Original nur mit extrem aufw\u00e4ndiger Technik identifiziert werden kann, jedoch in der Regel nicht durch den menschlichen Betrachter (wie auch Weinkenner vermutlich einen guten Wein f\u00fcr 10-15 \u20ac nicht vom Chateau Margaux f\u00fcr 1.500 \u20ac unterscheiden k\u00f6nnen, wenn man ihnen nur die rote Suppe im Glas ohne die Flaschen im Hintergrund vorsetzt). Mit Original und Kopie spielt man Schr\u00f6dingers Katze, d.h. es wird ausgelost, wer was bekommt, ohne es zu verraten. Der Betrachter im Museum sieht dann ein Kunstwerk, das echt und gef\u00e4lscht zur gleichen Zeit ist. Auch hier k\u00f6nnte man zyklisch tauschen, so das jeder mal das Original und die F\u00e4lschung zu sehen bekommt.<\/p>\n<p>Die Welt k\u00f6nnte so einfach sein, wenn man nur wollte. Bis das so weit ist, hoffe ich allerdings, dass mir niemand mit einer R\u00fcckforderung f\u00fcr die kleine Statue kommt, weil die seiner Uroma vor 80 Jahren geklaut worden ist und er sich noch genau an die Glasperlen erinnern kann, mit der sie heute noch beh\u00e4ngt ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; ist so eine Sache, nicht nur, was den Begriff Kunst als solchen betrifft. Auch wem sie geh\u00f6rt, also wer Eigent\u00fcmer eines Kunstgegenstands ist, ist so eine Sache. Fr\u00fcher, Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-2373","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2373","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2373"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2373\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2376,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2373\/revisions\/2376"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2373"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2373"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2373"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}