{"id":2203,"date":"2018-11-02T09:24:35","date_gmt":"2018-11-02T08:24:35","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=2203"},"modified":"2018-11-02T09:24:35","modified_gmt":"2018-11-02T08:24:35","slug":"gruene-agrarpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/11\/02\/gruene-agrarpolitik\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcne Agrarpolitik"},"content":{"rendered":"<p>An der gr\u00fcnen Agrarpolitik schaut man gerne vorbei, denn wer ist kein Tierfreund und m\u00f6chte keine intakte Umwelt? Zudem haben die Gr\u00fcnen es einstweilen aufgegeben, <!--more-->den Rest der Bev\u00f6lkerung in Sachen Ern\u00e4hrung Zwangs zu bevormunden, und rumoren nur noch im Untergrund (z.B. die r\u00e4tselhafte Erzeugung von 42 kg CO2\/kg Schweinefleisch aus dem Nichts), was ebenfalls beruhigend wirkt. Aber verlassen sollte man sich darauf auf Dauer nicht. Wer mit veganer Lebensweise k\u00f6dert, aber veganes Gulasch, vegane Frikadellen und vegane Schweineschnitzel isst &#8211; nat\u00fcrlich alles geschmacksecht mit Fleischgeschmack &#8211;\u00a0 hat nicht nur nicht alle Tassen im Schrank, er besitzt keinerlei Geschirr.<\/p>\n<p>Wenn man sich um die Agrarwirtschaft Gedanken macht, muss man erst einmal zur Kenntnis nehmen, dass wir inzwischen eine Agrar-Industrie haben, die genauso international vernetzt ist wie andere Teile der Wirtschaft. Den kleinen Universalbauernhof der Vergangenheit gibt es nur noch in den Gehirnen der Gr\u00fcnen. Die H\u00f6fe sind heute spezialisiert auf Furchtanbau oder Viehwirtschaft, letztere wieder unterteilt in Milch-, Eier-, Mast- und Zuchtbetriebe. Hinter den Erntemaschinen k\u00f6nnen sich inzwischen ganze Panzerbrigaden verstecken, und sie geh\u00f6ren auch nicht einzelnen Bauern sondern Lohnbetrieben, die in der Ernte- oder Pflugzeit im 24\/7-Betrieb riesige Fl\u00e4chen bearbeiten und diese auch ben\u00f6tigen, um \u00fcberhaupt wirtschaftlich und sinnvoll arbeiten zu k\u00f6nnen. D\u00fcngemittel und sonstige Agrarchemie werden nicht nach dem Gie\u00dfkannenprinzip verteilt, sondern GPS-gesteuert genau dosiert angewendet, teilweise bereits durch Satelitten unterst\u00fctzt. Bestimmte Agrarchemikalien wie RoundUp werden zuk\u00fcnftig dank autonomer Roboter mit hoher Sicherheit \u00fcberfl\u00fcssig. K\u00fche stehen heute zunehmend weniger auf der Weide sondern in weitgehend offenen St\u00e4llen, weil nur dadurch die f\u00fcr die Rentabilit\u00e4t notwendige Anzahl an Tieren \u00fcberhaupt vom Betrieb bew\u00e4ltigt werden kann, angefangen bei der rationellen Gr\u00fcnfutterernte, der elektronisch gesteuerten Futtermischung und der G\u00fclleentnahme bis zum vollautomatischen Melkvorgang. Die K\u00fche zur oder von der Weide treiben und von Hand melken, dazu fehlen zumindest im Flachland die Arbeitskr\u00e4fte, die man ohnehin kaum bezahlen k\u00f6nnte. Gleiches gilt f\u00fcr Eierbetriebe sowie f\u00fcr Mastbetriebe f\u00fcr Gefl\u00fcgel und Schweine. Die Betriebe sind oft h\u00f6her automatisiert als vergleichbare Industriebetriebe. Um ein Schweineschnitzel zu produzieren, liefern Eberbetriebe Samenfl\u00fcssigkeit an Zuchtbetriebe, die wiederum die Ferkel an die Mastbetriebe weiter verkaufen, deren Futter zum Teil vom eigenen Hof kommt, andere Bestandteile des Futtergemisches aber aus dem weltweiten Handel stammen. Die Schweine landen schlie\u00dflich in gro\u00dfen Schlacht- und Zerlegebetrieben, und w\u00e4hrend einige Schnitzel im Supermarkt landen, geht der Rest in L\u00e4nder mit geringerem Schweinebestand und andere Teile, die man hier nicht so gerne mag, nach Fernost, Afrika oder S\u00fcdamerika. Man produziert nicht nur f\u00fcr den heimischen Markt, sondern f\u00fcr den Weltmarkt. Deutschland kann gut Schwein und Gefl\u00fcgel, Australien und Neuseeland Schaf und Ziege, die USA Mais und Soja, usw.<\/p>\n<p>Das muss man nun alles nicht Gut finden. Aber bevor man mit romantischen Vorstellungen ankommt, muss man ber\u00fccksichtigen, dass die Landwirtschaft in dieses System hinein gezwungen wurde und manche Probleme von der Politik verursacht sind. Der Milch\u00fcberschuss, der die Preise verfallen l\u00e4sst und damit zur Konzentration auf gro\u00dfe Milchbetriebe, hat eine Wurzeln in der Russland-Politik. Die Russen haben vor der Krim-\u00dcbernahme sehr viel Milchprodukte importiert, waren daf\u00fcr aber auf anderen Gebieten st\u00e4rker. Mit den Russland-Sanktionen fiel der Markt f\u00fcr die deutschen Bauern weg, zus\u00e4tzlich dr\u00e4ngten Australier und Neuseel\u00e4nder mit ihren \u00dcbersch\u00fcssen, ebenfalls aufgrund der Sanktionen, auch auf die europ\u00e4ischen M\u00e4rkte, und letztlich wird der \u00dcberschuss subventioniert in Afrika unter das Volk gebracht und ruiniert dort die romantische Landwirtschaft. Man kann hier zwar mit Bio-Landwirtschaft Reklame machen, aber das ist ein kleiner Markt und nicht f\u00fcr alle Bauern geeignet (obendrein oft ziemlich zweifelhaft, was den Begriff &#8222;bio&#8220; angeht) und auch nicht in der Lage, 80 Mio Menschen zu ern\u00e4hren. Wenn man nur noch Bio-Eier produzieren wollte, br\u00e4uchte man das komplette Land f\u00fcr die H\u00fchner und h\u00e4tte immer noch einen Fehlbestand. Bio-Eier sind nat\u00fcrlich ein Erfolg in den Superm\u00e4rkten, aber was glaubt ihr wohl, was in Nudeln, Majonaise, Kuchen, Eierlik\u00f6r und den 1000 anderen Nahrungsmitteln drin ist, in denen Eier als Zutat verwendet werden? Und wer vegetarische oder vegane Ern\u00e4hrung propargiert, sollte sich mal schlau machen, welche Feldfr\u00fcchte hier eigentlich zu welcher Jahreszeit wachsen und was von seinem Speiseplan aus Gew\u00e4chsh\u00e4usern, Spanien, Israel oder sonstwo von der Welt stammt. Auch das ist ein weltweites Gesch\u00e4ft, und Mangoplantagen habe ich in Bayern jedenfalls noch nicht gesehen. Umweltfreundlicher ist das jedenfalls nicht.<\/p>\n<p>In diese weltweite Industrie hauen nun die Gr\u00fcnen mit ihren Vorstellungen rein. Ein paar Beispiele:<\/p>\n<p>\u00dcbersch\u00fcssige m\u00e4nnliche Tiere (H\u00e4hnchen u.a.) sollen nicht mehr &#8222;entsorgt&#8220; werden. 50% der Tiere sind nun mal M\u00e4nnchen und f\u00fcr das Eierlegen und die Mast nicht brauchbar. Derzeit werden die Tiere nach dem Schl\u00fcpfen sortiert. Die Wissenschaft arbeitet aber daran, schon am Ei erkennen zu k\u00f6nnen, was hinterher schl\u00fcpft, und ein Verfahren, das bereits die Eier aussortiert, ist auch f\u00fcr die Z\u00fcchter wirtschaftlicher. Die Gr\u00fcnen regen sich also v\u00f6llig umsonst auf.<\/p>\n<p>Die Eberkastration (50% unkastrierter Eber erzeugen so unangenehm riechendes Fleisch, dass es keiner essen will) soll nur noch unter tier\u00e4rztlicher Aufsicht oder gar nicht stattfinden. Au\u00dferdem soll das Kupieren der Schw\u00e4nze verboten werden. Dadurch kommen erh\u00f6hte Kosten auf die Z\u00fcchter und M\u00e4ster zu. Das Problem bei einem Verbot: die Zuchtbetriebe liegen zum gr\u00f6\u00dften Teil nicht in Deutschland sondern in D\u00e4nemark. M\u00e4ster k\u00f6nnen daher auch von vornherein die Tiere so &#8222;bestellen&#8220;, wie sie sie ben\u00f6tigen. Au\u00dfer dass deutsche Zuchtbetriebe u.U. schlie\u00dfen m\u00fcssen, wird nichts erreicht, so lange die EU nicht ausgehebelt wird.<\/p>\n<p>Die Landwirtschaft soll kleinr\u00e4umiger werden, um eine gr\u00f6\u00dfere Vielfalt auf den Feldern zu gew\u00e4hrleisten. Wenn die gro\u00dfen Landmaschinen aber nicht mehr eingesetzt werden k\u00f6nnen, schlie\u00dfen die Betriebe. Au\u00dferdem sollen mehr Naturschutzgebiete ausgewiesen und entsprechend bewirtschaftet werden. Mit anderen Worten: es soll sich nicht die Natur entwickeln, sondern Gr\u00fcne Schreberg\u00e4rten sollen geschaffen werden.<\/p>\n<p>Viehbetriebe sollen nur so viel Vieh halten d\u00fcrfen, wie sie vom eigenen Land ern\u00e4hren k\u00f6nnen. Auch das ignoriert die weltweiten Zusammenh\u00e4nge der Futtermittelwirtschaft.<\/p>\n<p>Gr\u00fcne Agrarpolitik l\u00e4sst sich zum gro\u00dfen Teil nur dann realisieren, wenn Deutschland die Grenzen dicht macht, und zwar schon gegen\u00fcber den EU-Nachbarn. Viele Betriebe d\u00fcrften auch nicht mehr rentabel sein, zumal wenn sie in den letzten Jahren gr\u00f6\u00dfer investiert haben und die Finanzierung noch 20 Jahre weiterl\u00e4uft. Letztlich geht das in Richtung Vergangenheit: bestimmte Nahrungsmittel stehen dann vorzugsweise den Reichen zur Verf\u00fcgung, w\u00e4hrend f\u00fcr die \u00c4rmeren der im Moment reich gedeckte Tisch deutlich eint\u00f6niger werden d\u00fcrfte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der gr\u00fcnen Agrarpolitik schaut man gerne vorbei, denn wer ist kein Tierfreund und m\u00f6chte keine intakte Umwelt? 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