{"id":2199,"date":"2018-10-31T10:28:29","date_gmt":"2018-10-31T09:28:29","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=2199"},"modified":"2018-10-31T10:28:29","modified_gmt":"2018-10-31T09:28:29","slug":"die-maer-vom-ende-des-oels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/10\/31\/die-maer-vom-ende-des-oels\/","title":{"rendered":"Die M\u00e4r vom Ende des \u00d6ls"},"content":{"rendered":"<p>H\u00e4tte man auf den Club of Rome vertraut, m\u00fcsste man nahezu s\u00e4mtliche nach 2010 produzierte Autos schieben. Laut den Prognosen <!--more-->w\u00e4re das Maximum der Erd\u00f6lf\u00f6rderung bereits in den fr\u00fchen 1990er Jahren erreicht worden und das \u00d6l inzwischen alle. Tats\u00e4chlich wurde jedoch immer mehr \u00d6l gefunden und gef\u00f6rdert, und aktuell geht man vom F\u00f6rdermaximum kurz nach 2020 aus &#8211; vermutlich bis zum Erreichen des Zeitpunktes, um dann wieder nach oben zu korrigieren.<\/p>\n<p>Nach der g\u00e4ngigen westlichen Theorie ist das Erd\u00f6l sowie das Erdgas (Methan) Zersetzungsprodukt von Biomasse, die unter Luftabschluss, d.h. in Seen, Meeren und Mooren, unter Sedimenten begraben wird. Nach dieser Theorie kann sich Erd\u00f6l und Erdgas daher nur an bestimmten Stellen der Erde bilden, an denen in der Vergangenheit geeignete Bedingungen vorgeherrscht haben. Deshalb sei eben auch ein Ende des Erd\u00f6ls abzusehen.<\/p>\n<p>Zumindest die Theorie vom Ende des \u00d6ls ger\u00e4t allerdings ins Wanken, wenn man andere Quellen anzapft. \u00d6lschiefer entsprechen den Entstehungsvorstellungen aus Biomasse, haben aber nicht den Entwicklungsprozess durchlaufen wie die Lagerst\u00e4tten, d.h. die Kohlenwasserstoffe sind nicht so konzentriert, dass man sie einfach abpumpen k\u00f6nnte. Bei ihnen muss man etwas robuster vorgehen, beispielsweise durch Erhitzen oder durch Fracking in tieferen Schichten. \u00d6lschiefervorkommen gibt es fast \u00fcberall, besonders aber in den USA und Russland. Die Reserven werden als gr\u00f6\u00dfer eingesch\u00e4tzt als die Vorkommen in \u00d6l- unf Gasfeldern und werden bereits heute ausgiebig genutzt: die USA ist durch die Nutzung dieser Vorkommen von einem \u00d6l-Import- zu einem \u00d6l-Export-Land geworden. Aktuell versuchen sie, uns Fl\u00fcssiggas in Kokurrenz zum russischen Erdgas zu verkaufen.<\/p>\n<p>Ebenfalls nutzbar sind die Methanhydratvorkommen in der Tiefsee. Methan bildet sich ebenfalls beim biologischen Abbau in Sedimenten wie den Abh\u00e4ngen der Kontinentalshelfs, bleibt aber bei gen\u00fcgend Druck und tiefer Temperatur in der Tiefsee gefangen. Die hier lagernden Reserven sind noch gr\u00f6\u00dfer und werden auf die 100-500-fache Menge des j\u00e4hrlich verbrannten \u00d6ls gesch\u00e4tzt. Methan scheint aber auch in riesigen Mengen an Schlammvulkanen der Tiefsee gebildet zu werden. Auch hier werden biologische Ursachen (Methanbakterien im Schlamm) diskutiert, die Kabonate des Schlamms anaerob aufschlie\u00dfen. Das verg\u00f6\u00dfert die Reserven nochmals. Bis jetzt gibt es aber nur relativ kleine Initiativen zur Nutzung dieser Ressourcen, etwa durch Japan und China.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig sind allerdings \u00d6l- und Gaslagerst\u00e4tten, die es nach der Standardtheorie eigentlich nicht geben d\u00fcrfte. Die Vorkommen in Russland sind nicht mit der Standardtheorie vereinbar, und auch sonst kann man an fast jedem beliebigen Ort der Erde \u00d6l und Gas finden, wenn man nur tief genug bohrt, allerdings meist in nicht lohnenden Mengen. Denkbar w\u00e4ren Methanhydrate, die durch geologische Vorg\u00e4nge unter die Kontinente gedr\u00fcckt worden sind; teilweise sind aber auch Vorkommen an Stellen gefunden worden, deren Gesteine biologische Mechanismen eigentlich ausschlie\u00dfen. Eine Alternative zur biologischen Erzeugung ist eine anorganische Synthese im Erdmantel: aus Karbonaten und Wasser entstehen unter geeigneten Bedingungen auch Kohlenwasserstoffe. Das spielt sich zwar in sehr tiefen Schichten ab, ist aber inzwischen auch experimentell nachgewiesen, und im Laufe der Zeit k\u00f6nnen diese Stoffe auch in weniger tief gelegene Schichten aufgestiegen sein und stehen dann zum Abbau zur Verf\u00fcgung. Ebenfalls f\u00fcr diese Vorstellung spricht, dass Lagerst\u00e4tten relativ kleinr\u00e4umig in der Tiefe variieren, von 70m bis \u00fcber 4,5 km. Die russischen Funde basieren gro\u00dfenteils auf der Exploration auf der Grundlage diese Annahmen, und beobachtete Nachf\u00fcllvorg\u00e4nge ersch\u00f6pfter Lagerst\u00e4tten sprechen ebenfalls f\u00fcr \u00d6lprodukte aus tieferen Erdschichten, wenn diese auch zu langsam sind, im wirtschaftlich interessant zu sein. \u00d6l wird somit durch die Erde selbst hergestellt, und neben dem biologischen Kreislauf existiert auch ein geologischer Kreislauf.<\/p>\n<p>Man darf wohl feststellen, dass auf absehbare Zeit nicht die Gefahr besteht, Verbrennungsmotoren aufgrund von Treibstoffmangel nicht mehr betreiben zu k\u00f6nnen oder auf Plastikboxen verzichten zu m\u00fcssen. Rohstoffe stehen in ausreichenden Mengen zur Verf\u00fcgung. Das \u00fcbliche Aufeinandereinschlagen der verschiedenen Fraktionen im Internet bei diesen Themen ist vorzugsweise ideologischer Struktur, weil eine Nutzung der Rohstoffe nat\u00fcrlich wieder CO2 freisetzt, womit anstelle des \u00d6ls das Klima in den Vordergrund geschoben wird. Letzten Endes geht es somit weniger um die Frage, ob \u00d6lrohstoffe f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen aufgespart werden m\u00fcssen (m\u00fcssen sie nicht), sondern ob die ganze CO2-Theorie stimmt oder nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e4tte man auf den Club of Rome vertraut, m\u00fcsste man nahezu s\u00e4mtliche nach 2010 produzierte Autos schieben. 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