{"id":2177,"date":"2018-10-27T09:35:03","date_gmt":"2018-10-27T07:35:03","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=2177"},"modified":"2018-10-27T09:35:03","modified_gmt":"2018-10-27T07:35:03","slug":"satire","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/10\/27\/satire\/","title":{"rendered":"Satire &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; ist bekanntlich die starke \u00dcberh\u00f6hung der Wirklichkeit, um auf einen Missstand aufmerksam zu machen. Es gibt Leute, die davon leben, anderen die Wirklichkeit satirisch nahe zu bringen und ihnen so den Widersinn klar zu machen. Was aber, <!--more-->wenn die Satire gar nicht mehr in der Lage ist, die Wirklichkeit noch zu \u00fcberh\u00f6hen? Wenn die Wirklichkeit die Satire l\u00e4ngst aus dem Feld schl\u00e4gt? Ein paar Beispiele:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(1) Die tiefer liegenden Flachlandgebiete Norddeutschlands werden h\u00e4ufig von Entw\u00e4sserungsgr\u00e4ben durchzogen. Noch im 19. Jahrhundert waren riesige Fl\u00e4chen Moorgebiete, die heute als Wohngebiete und Ackerland genutzt werden. Voraussetzung daf\u00fcr ist immer noch eine ausreichende Entw\u00e4sserung. Damit das funktioniert, m\u00fcssen die Entw\u00e4sserungskan\u00e4le regelm\u00e4\u00dfig gereinigt werden. Wenn sie von Schilf und anderen Pflanzen zugewuchert werden, kann das Wasser nicht abflie\u00dfen und die Gegend s\u00e4uft ab. Zweckm\u00e4\u00dfigerweise machen das die Entw\u00e4sserungsverb\u00e4nde im Herbst, wenn die Vegetationsperiode zu Ende ist und bevor die Regenperiode richtig einsetzt.<\/p>\n<p>Was aber, wenn die Politik in ihrer \u00fcbersch\u00e4umenden Weisheit beschlossen hat, aus Naturschutzgr\u00fcnden das S\u00e4ubern der Entw\u00e4sserungskan\u00e4le zu untersagen? Dann machen sich die Entw\u00e4sserungsverb\u00e4nde strafbar, wenn sie es doch tun. Andererseits sind sie haftbar, wenn sie es nicht tun und Geb\u00e4ude und \u00c4cker saufen ab. In der Situation wendet man sich zweckm\u00e4\u00dfigerweise an den Verursacher und fordert ihn auf, das Gesetz zu \u00e4ndern. Nur erhalten sie von dort die Antwort, das sei nicht Sache des Gesetzgebers. Die Verb\u00e4nde m\u00f6gen vor Gericht klagen, damit ein Richter feststellen kann, ob ein S\u00e4ubern des Kanals tats\u00e4chlich notwendig ist.<\/p>\n<p>Satire? Keineswegs. Es ist tats\u00e4chlich so, dass sich die Parlamente einen Schei\u00dfdreck um die Realit\u00e4t k\u00fcmmern und anschlie\u00dfend ein sachlich v\u00f6llig Unbedarfter entscheiden muss, ob die Techniker, die auf eine mehr als 100-j\u00e4hrige Erfahrung zur\u00fcckblicken, Recht haben. Wie sehr das ins Auge gehen kann: siehe Hambacher Forst. RWE stellt fest, dass die Kohle f\u00fcr die Stromversorgung ben\u00f6tigt wird und die B\u00f6schung der Grube befestigt werden, die Landesregierung (\u00fcbrigens Rot-Gr\u00fcn) pr\u00fcft das und stellt fest &#8222;ja, das ist so!&#8220;, und ein Verwaltungsrichter darf schlie\u00dflich fest &#8222;halte ich beides f\u00fcr unglaubw\u00fcrdig&#8220;. Satire pur!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(2) Eine Br\u00fccke muss erneuert werden. Das alte Bauwerk soll abgerissen und genau an der gleichen Stelle neu erbaut werden. Die neuen Br\u00fcckenpfeiler sollen genau an die Stelle der alten gesetzt werden. Mit anderen Worten: alter Beton gegen neuen Beton. Problem? JA!<\/p>\n<p>Rechtzeitig vor Baubeginn stellen Umweltverb\u00e4nde die Behauptung auf, das sei nicht umweltvertr\u00e4glich, und erhalten vor Gericht Recht. Ganze Horden von Umweltsch\u00fctzern m\u00fcssen nun untersuchen, ob sich durch den 1:1-Ersatz eines alten Bauwerks durch ein Neues etwas \u00e4ndert. Tut es nat\u00fcrlich nicht, aber es braucht Zeit, um das festzustellen.<\/p>\n<p>Die Br\u00fccke ist nun seit mehr als 3 Jahren aus Sicherheitsgr\u00fcnden nur noch mit Tempo 30 km\/h zu befahren. Zu einer Entscheidung \u00fcber die Umweltvertr\u00e4glichkeit eines neuen Bauwerks ist es nicht gekommen, sie ist auch nicht in Aussicht, da die Umweltverb\u00e4nde noch weitere Einspruchsm\u00f6glichkeiten haben. Satire? Keineswegs! Bundesdeutsche Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(3) Andere Br\u00fccke. Diesmal soll eine neue andere Br\u00fccke gebaut werden. Wieder Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung, wobei solche Gutachten &#8211; nebenbei bemerkt &#8211; h\u00e4ufig 200-250 Tausend \u20ac kosten, weil buchst\u00e4blich jeder Grashalm und jede M\u00fccke gez\u00e4hlt wird. W\u00e4hrend die Br\u00fcckenplanung ca. 2 Aktenordner verschlingt, ben\u00f6tigen diese Gutachten ca. 5.<\/p>\n<p>Ergebnis: die neue Br\u00fccke kann gebaut werden. Allerdings um die Pfeiler der alten Br\u00fccke drum herum. Die tragen zwar nicht mehr und k\u00f6nnen nicht benutzt werden, d\u00fcrfen aber auch nicht entfernt werden, weil die Gutachter festgestellt haben, dass eine relativ seltene Flechtenart den Altbeton besiedelt hat und schutzw\u00fcrdig ist. Keine Satire!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(4) Grabendurchlass unter einer Stra\u00dfe in einem Dorf. Ebenfalls marode und sanierungsbed\u00fcrftig. Selbst hier m\u00fcssen Umweltgutachten eingeholt werden, was dazu f\u00fchrt, dass ein spezieller Grabendurchlass mit Tiertreppen konstruiert werden muss, um Tieren den Durchgang durch den Durchlass zu erlauben, die a) bebaute Siedlungen meiden und b) auch \u00fcber die Stra\u00dfe wechseln k\u00f6nnen, die ohnehin wenig befahren ist. Aber es k\u00f6nnte ja sein, dass ein Tier so denkt wie ein Umweltsch\u00fctzer. Keine Satire!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(5) Deichverst\u00e4rkung. Dadurch wird nat\u00fcrlich etwas an der Gegend ver\u00e4ndert, was durch so genannte Renaturierungsma\u00dfnahmen an anderer Stelle kompensiert werden muss. Meist muss mehr kompensiert werden als ver\u00e4ndert wurde. In diesem Fall musste einer als Wellenbrecher fungierender Vordeich durchstochen werden, um ein kompensierendes Feuchtgebiet zu schaffen. Was dadurch kompensiert werden musste, dass der Deich hinter dem Renaturierungsgebiet nun ebenfalls verst\u00e4rkt werden musste. Keine Satire!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das sind nur ein paar Beispiele aus der n\u00e4heren Umgebung. Wer bei sich nachforscht, wird sicher \u00e4hnlichen Schwachsinn zu Tage f\u00f6rdern. Wer sich wundert, dass ein Bauwerk schon seit Jahren vor sich hin vergammelt statt endlich saniert zu werden, oder andere Ma\u00dfnahmen nicht in Gang kommen, der suche am Besten nach Einspr\u00fcchen von Umweltsch\u00fctzern. Ein Bekannter, der am Rande einer Wiese wohnt, hat das schon richtig begriffen: wenn die Wiese als Baugebiet ausgewiesen werden sollte, w\u00fcrde er im n\u00e4chsten Wald einen K\u00e4fer fangen, den auf die Wiese werfen und das Tierchen anschlie\u00dfend mit dem Handy filmen. Vermutlich d\u00fcrfte die Wiese anschlie\u00dfend noch nicht einmal gem\u00e4ht oder beweidet werden. Keine Satire!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; ist bekanntlich die starke \u00dcberh\u00f6hung der Wirklichkeit, um auf einen Missstand aufmerksam zu machen. Es gibt Leute, die davon leben, anderen die Wirklichkeit satirisch nahe zu bringen und ihnen so den Widersinn klar zu machen. Was aber, Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-2177","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesellschaft"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2177","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2177"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2177\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2178,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2177\/revisions\/2178"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2177"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2177"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2177"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}