{"id":2154,"date":"2018-10-21T10:05:02","date_gmt":"2018-10-21T08:05:02","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=2154"},"modified":"2018-10-21T10:05:02","modified_gmt":"2018-10-21T08:05:02","slug":"ein-wenig-renten-arithmetik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/10\/21\/ein-wenig-renten-arithmetik\/","title":{"rendered":"Ein wenig Renten-Arithmetik"},"content":{"rendered":"<p>Der normale Arbeitnehmer zahlt bis zu 45 Jahren ca. 20% seines Einkommens in die Rentenkasse ein, um ca. 12 Jahre lang ca. 45% seines Gehalts an Rente zu bekommen. Jedem ist klar, dass die Rechnung nicht aufgeht, wobei die Ansichten dar\u00fcber unterschiedlich sind: <!--more-->die Rentenbezieher halten das f\u00fcr Abzocke, da sie weniger heraus bekommen, als sie einzahlen, die Politiker halten das f\u00fcr nicht finanzierbar, da sie mehr ausgeben m\u00fcssen, als sie einnehmen.<\/p>\n<p>Lassen wir mal alle au\u00dfen vor, die nicht in die Kasse einzahlen aber trotzdem kr\u00e4ftig kassieren, \u00e4ndert sich an diesen Ansichten\/Empfindungen nichts. Eingenommen wird tats\u00e4chlich zu wenig, weil Konrad Adenauer zur Finanzierung der Bundeswehr das stabile anspargest\u00fctzte Rentensystem in ein Schneeballsystem umgewandelt hat, das in dem Augenblick nicht mehr funktioniert, in dem weniger Kinder geboren werden oder die Lebenserwartung steigt. Lag das Rentenniveau 1970 noch bei 60%, so soll es in den n\u00e4chsten Jahren so um die 45% pendeln.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Bildschirmfoto-vom-2018-10-21-09-18-27.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2155\" src=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Bildschirmfoto-vom-2018-10-21-09-18-27.png\" alt=\"\" width=\"764\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Bildschirmfoto-vom-2018-10-21-09-18-27.png 764w, https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Bildschirmfoto-vom-2018-10-21-09-18-27-300x136.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 764px) 100vw, 764px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dabei sind diese Zahlen bereits ein Fake: 1970 bekam der Rentner die 60% netto ausgezahlt, heute sind die 48% zu versteuern und obendrein sind Krankenkassenbeitr\u00e4ge abzuf\u00fchren, d.h. die Unterschied ist noch deutlich gr\u00f6\u00dfer als die Grafik das angibt. Zudem waren Betriebsrenten fr\u00fcher weiter verbreitet als heute, und insbesondere der Staat hat auf diesem Gebiet fast alles abgebaut.<\/p>\n<p>W\u00fcrde ein ansparfinanziertes Rentensystem existieren, g\u00e4be es auch deutlich weniger andere Probleme. Renten sind sicher zu investieren, und sicher sind Immobilien. Heute geh\u00f6ren viele Immobilien ausl\u00e4ndischen Rentenfonds, die hier nat\u00fcrlich auch nicht sonderlich sozial auftreten m\u00fcssen. Geld flie\u00dft also heute ab, das sonst in deutsche Rentenfonds flie\u00dfen k\u00f6nnte und preiswerten Wohnraum und sicheren Renten schafft.<\/p>\n<p>Das Gegeifer der Medien und der Politik richtet sich aber &#8211; wie stets &#8211; nicht gegen die Verursacher. Dann m\u00fcsste man n\u00e4mlich den Namen Adenauer und so manch anderer Politiker ebenso nachhaltig aus der \u00d6ffentlichkeit l\u00f6schen wie die angeblicher Rechter. Das Gegeifer richtet sich gegen die, die nicht einzahlen. Wenn man die zur Kasse bittet, w\u00e4re alles wieder im Lot. Oder doch nicht?<\/p>\n<p><strong>Beamte.<\/strong> Ok, die zahlen nicht in die Rentenkasse. Der Staat muss sehr viel Geld aufwenden, um die Pensionen zu zahlen. Allerdings aus den gleichen Gr\u00fcnden wie bei den Renten. In einem Gesetz aus den 1950-er Jahren wurde festgelegt, dass die Pensionsbez\u00fcge in die Besoldung eingepreist ist und der Staat entsprechende R\u00fccklagen zu bilden hat. Macht er nat\u00fcrlich nicht! Die R\u00fccklagen f\u00fcr die Beamtenpensionen wurden genauso f\u00fcr die Wehrmacht kassiert wie die Rentenr\u00fccklagen!<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte sie nat\u00fcrlich schr\u00f6pfen, denn die Ruhestandsbez\u00fcge sind h\u00f6her als die Renten. Das betr\u00e4fe ca. 13% der Gesamtbesch\u00e4ftigten, denn das ist der Beamtenanteil in Deutschland. Aber das ist auch eine Milchm\u00e4dchenrechnung, denn man m\u00fcsste dann auch die vergleichsweise niedrigen Geh\u00e4lter der zuk\u00fcnftigen Nichtbeamten anheben, um etwa den gleichen Verdienst zu bieten. Niedrigeren Rentenzahlungen st\u00e4nden dann h\u00f6here Geh\u00e4lter gegen\u00fcber. Ob sich das rechnet?<\/p>\n<p><strong>Besser Verdienende.<\/strong> Heute zahlt in die Rentenkasse, wer weniger als ca. 6.500 \u20ac\/Monat verdient. Wer dar\u00fcber liegt, kann es sich unter bestimmten Bedingungen aussuchen. Ansonten deckelt sich das bei 6.500 \u20ac, d.h. wer mehr verdient, zahlt nicht mehr und bekommt nat\u00fcrlich auch nicht mehr. K\u00f6nnte man \u00e4ndern. Auch ein VW-Chef k\u00f6nnte ja 20% seines Einkommens von ca. 15 Mio \u20ac abdr\u00fccken. Nur m\u00fcsste man dem dann auch 48% von 15 Mio \u20ac zahlen, wenn er in Rente geht. Bringt also nicht wirklich was.<\/p>\n<p><strong>Selbst\u00e4ndige\/Freiberufler.<\/strong> Es gibt ca. 1,4 Mio Freiberufler in Deutschland, die man im Rentensystem erfassen k\u00f6nnte. Die Frage ist allerdings: WIE? Manche verdienen sicherlich recht gut, aber viele krebsen auch am Rande des Minimums vor sich hin. Ein gesichertes Einkommen gibt es nicht. Ich wei\u00df das, weil ich selbst mal ca. 15 Jahre selbst\u00e4ndig war. Vielen Freiberuflern d\u00fcrfte eine regelm\u00e4\u00dfige Zahlungsverpflichtung in H\u00f6he von 20% ihres fiktiven Einkommens das Genick brechen. Eine flexiblere Verpflichtung bedeutet aber einen enormen Verwaltungsaufwand, gerade f\u00fcr die Betroffenen. Noch mehr Papierarbeit f\u00fcr den Staat, der einen ohnehin schon mit unendlich viel Quark aufh\u00e4lt? Es w\u00fcrde jedenfalls deutlich weniger hereinkommen als sich die Geiferer das vorstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Summe ergibt sich aus allem ohnehin nur eine Vertagung des Problems. Z\u00f6ge man mehr Leute zur Einzahlung heran, h\u00e4tte man kurzfristig mehr Luft, aber auch diese Leute muss man ja irgendwann wieder auszahlen und steht dann wieder an der gleiche Stelle, weil sich am Problem &#8222;Schneeballsystem&#8220; ja nichts \u00e4ndert. Man kann nat\u00fcrlich auf Vollbesch\u00e4ftigung und eine passende Bev\u00f6lkerungspyramide spekulieren, aber das war ja schon bislang nur Spekulation.<\/p>\n<p>Anmerkung: die Chinesen haben aufgrund ihrer 1-Kind-Politik inzwischen \u00e4hnliche Probleme und lockern nun die Geburtengesetze. Eine weitere Steigerung der \u00dcberbev\u00f6lkerung, um den Raub der Vergangenheit an den Renten zu verbergen (auf diese Strategie wird ja auch hier gesetzt), d\u00fcrfte aber ebenfalls schief gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der normale Arbeitnehmer zahlt bis zu 45 Jahren ca. 20% seines Einkommens in die Rentenkasse ein, um ca. 12 Jahre lang ca. 45% seines Gehalts an Rente zu bekommen. 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