{"id":2017,"date":"2018-10-03T11:09:30","date_gmt":"2018-10-03T09:09:30","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=2017"},"modified":"2018-10-03T11:09:30","modified_gmt":"2018-10-03T09:09:30","slug":"filterblasen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/10\/03\/filterblasen\/","title":{"rendered":"Filterblasen"},"content":{"rendered":"<p>Filterblasen sind eines der Probleme unserer Zeit. Genauer formuliert: sie sorgen daf\u00fcr, dass unsere Gesellschaft allm\u00e4hlich zerf\u00e4llt und bei Problemen nicht weiterkommt. Oder <!--more-->ist es genau anders herum?<\/p>\n<p>Man wei\u00df zumindest genau, wo sie existieren: im Internet in den sozialen Netzwerken und kleinen Blogs und Foren. Und man wei\u00df genau, wer in ihnen lebt: die Ausl\u00e4nderhasser, Islamfeinde, Rechten, Fleischesser, Autofahrer oder kurz alle, die mit der ver\u00f6ffentlichten Meinung nicht \u00fcbereinstimmen. Die Grenzen sind flie\u00dfend und haben die Tendenz, immer weitere Kreise in die Blasenexistenz zu schieben. Flie\u00dfend allerdings nur in einer Richtung: wer einmal in der Blase lebt, hat keine Chance, ihr zu entkommen. Selbst die \u00c4nderung der Ansicht, die in das Schieben in die Blase gem\u00fcndet hat, wird als T\u00e4uschungsversuch gewertet und der Inhaber so lange in der Blase festgehalten, bis er sich freiwillig wieder zu ihr bekennt. Nur selten gelingt ein Entkommen.<\/p>\n<p>Au\u00dferhalb der Blasenwelt lebt die Politik, der Journalismus und alle, die f\u00fcr eine bunte pluralistische Gesellschaft eintreten. Sie leben nicht in einer Blase, sondern sind im Besitz der Wahrheit, der \u00dcbersicht \u00fcber die Probleme und ihre L\u00f6sungen, der Moral, der richtigen Informationen. Kurz, sie sind im Besitz von all dem, von dem die Blasenleute nur meinen, dass sie das (auch) haben. Nur leben die halt in der Blase, und die nicht blasierten bestimmen, wo es wirklich lang geht.<\/p>\n<p>Das Blasenleben hat die Nebenwirkung, dass man selbst gar nicht so richtig mitbekommt, dass man in einer Blase lebt. Schaut man sich an, was eine Blase zu einer Blase macht &#8211; so ziemlich jeder Artikel, der sich mit aktuellen innerdeutschen Vorg\u00e4ngen besch\u00e4ftigt, und auch ein Teil derjenigen, die die \u00fcberregionale Politik besch\u00e4ftigt, liefert Definitionen \u00fcber das Blasenleben &#8211; stellt man fest, dass die meisten Definitionen auf denjenigen, der sie ausspricht, ebenfalls zutrifft. Ich kann nur empfehlen, die moralisierenden Artikel in gro\u00dfen Medien einmal unter diesem Aspekt zu lesen. Da wird eine bestimmte Ansicht vertreten, von der bekannt ist, dass sie in den Blasen anders gesehen wird, aber statt \u00fcber bekannte Argumente hinaus zu gehen, wird minuti\u00f6s beschrieben, in welcher Form sich die Gegenseite \u00fcber die Ansicht \u00e4u\u00dfert (was nat\u00fcrlich falsch ist) und wie sie in ihrer Ansicht verharrt (also starrsinnig ist).<\/p>\n<p>Das Ergebnis der Belehrung: der Belehrende, hier die Politik und die Medien, offenbaren in ihrer Belehrung nichts anderes als dass sie ebenfalls in einer Filterblase gefangen sind, aus der auch sie nicht heraus kommen und in der sie genauso starrsinnig verharren, so lange es geht. Auch das &#8222;so lange es geht&#8220; ist flie\u00dfend. Verharren die Blasenleute in ihrer Blase, ist das nicht weiter schlimm: sie sind laut und l\u00e4stig und k\u00f6nnen wenig Unfug anrichten. Die selbst definierten Nichtblasenleute sind allerdings gef\u00e4hrlich, auch f\u00fcr sich selbst: sie sind relativ ruhig, oft hinterh\u00e4ltig und k\u00f6nnen sehr viel Unfug anrichten, wenn ihre Ansicht nicht der Wirklichkeit entspricht.<\/p>\n<p>Das Zur\u00fcckrudern ist nicht einfach, denn man kann dem Blasierten ja nicht einfach eingestehen, dass man falsch lag. Rudert man flussaufw\u00e4rts und erh\u00e4lt den Rat, doch besser flussabw\u00e4rts zu rudern, weil man dann die Str\u00f6mung auf seiner Seite hat, f\u00fchrt ein Einsehen nicht dazu, das Boot umzudrehen, sondern man rudert nun quer zum Flu\u00df hin und her und l\u00e4sst sich ein wenig von der Str\u00f6mung treiben. Die Reaktion besteht von beiden Seiten aus &#8222;ihr seid bl\u00f6d!&#8220;. Diejenigen, die schon immer mit der Str\u00f6mung rudern wollten, k\u00f6nnen nicht verstehen, wie man so halsstarrig sein kann, und diejenigen, die gegen die Str\u00f6mung rudern wollen, aber nicht von den Folgen ihres Gegenstromruderns betroffen sind, sind \u00fcber das mangelnde R\u00fcckgrat der Querruderer emp\u00f6rt.<\/p>\n<p>Was war eigentlich vor den Blasen? Auch Blasen, wie <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2018\/40\/debattenkultur-filterblasen-soziale-medien-sichtbarkeit-gegner\">Jens Jessen in der ZEIT<\/a> feststellt. Nur eben nicht mit den M\u00f6glichkeiten des Internets, sich \u00fcber die Bewohner anderer Blasen aufzuregen. Verk\u00fcrzt ausgedr\u00fcckt: die Blasenbewohner, die heute im Besitz der Wahrheit, der \u00dcbersicht \u00fcber die Probleme und ihre L\u00f6sungen, der Moral und die richtigen Informationen sind, waren das schon immer, nur hatten die anderen weniger M\u00f6glichkeiten, die Zweifelhaftigkeit dieser Eigendefinition sachlich festzustellen und diese lautstark in einer eigenen Blase zu artikulieren. Man zog sich in das Innere seiner Blase zur\u00fcck, las den Spiegel und ignorierte schon aus Kostengr\u00fcnden die BiLD, das Hamburger Abendblatt, den Playboy und &#8222;Veganer forever&#8220;, oder man ignorierte den Betrieb schlicht und verhielt sich wie die 90-j\u00e4hrige bayerische B\u00e4uerin, die bei Wahlen jeweils ein Kreuz bei der KPD machte und damit die einzige Gegenstimme des Dorfes zur CSU lieferte, weil sie der Ansicht war, KPD stehe f\u00fcr Katholische Partei Deutschlands (aufgekl\u00e4rt wurde sie durch eine Predigt, nachdem dem Dorfpriester irgendwann der Kragen \u00fcber das kommunistische Pack in seinem Dorf geplatzt war).<\/p>\n<p>Durch das Internet \u00e4nderte sich das fundamental: Informationen jeglicher Art waren pl\u00f6tzlich kostenlos zug\u00e4nglich, und viele stellten fest, dass die bislang offiziell verk\u00fcndeten k\u00e4uflichen Wahrheiten vielfach gar nicht so wahr waren. Sie durchliefen n\u00e4mlich schon damals eine Filterblase, d.h. sie wurden zumindest gefiltert. Bei &#8222;Deutschland spricht&#8220; wurden die Teilnehmer gefragt, f\u00fcr wie vertrauensw\u00fcrdig sie die Medien auf eine Skala von 0 &#8211; 6 (gar nicht -&gt; absolut) ansehen. Von mir bekommen sie eine 1, was recht wenig ist, also schon fast dem Begriff &#8222;L\u00fcgenpresse&#8220; entspricht. Aber das ist zu einfach. Die Informationen sind im allgemeinen korrekt. Allerdings verk\u00fcrzt. Nicht alle Informationen werden verbreitet. Informationen, die die Blasenleute aufregen w\u00fcrden, werden manchmal unterdr\u00fcckt und ihnen damit die Wichtigkeit genommen. Andere Informationen werden auf das Wesentliche gek\u00fcrzt. Man kann eine zweist\u00fcndige Rede nicht in einer Spalte abdrucken, sondern muss sich auf das Wesentliche beschr\u00e4nken, aber das wird durch die Meinung des Redakteurs gesteuert. Der bringt Formulierungen aus der Rede, die die Intention des Redners nicht wiedergeben, oft sogar verf\u00e4lschen. Durch das Internet wird dieser &#8211; Betrug? &#8211; leichter durchschaubar: man kann sich das Original anschauen, feststellen, dass da was nicht stimmt &#8211; und sp\u00e4testens, wenn man sich beim Redakteur dar\u00fcber beschwert, befindet man sich in der Blase, in die man abgeschoben wird.<\/p>\n<p>Quid pro quo! Die Blasenleute im Internet agieren in der Regel genauso. Sie zitieren Artikel und kehren wieder Informationen um, und da sich die anderen Blasenbewohner selten der M\u00fche unterziehen, einmal nachzulesen, was dort wirklich geschrieben steht, liegt dem Shitstorm nichts mehr im Wege. Solche Verdrehungen reizen nat\u00fcrlich auch zu echten F\u00e4lschungen. Und da wird es in der Tat kompliziert, denn um eine F\u00e4lschung zu identifizieren, muss man der Sache weiter nachgehen und weitere Quellen analysieren. Manchmal f\u00fchrt das auf den richtigen Weg: dass die Rolle der Wei\u00dfhelme im syrischen B\u00fcrgerkrieg heute selbst von den offiziellen Medien kritisch gesehen wird, ist &#8222;alternativen&#8220; Berichterstattungen zu verdanken. H\u00e4ufiger wird aber der Versuchung nachgegeben, die vorhandene Macht zu nutzen und schlichtweg zu zensieren oder das Strafrecht anzudrohen\/anzuwenden. Und gleichzeitig selbst mit F\u00e4lschungen aufzuwarten. Da wird kurzerhand die Bedeutung der Sprache gef\u00e4lscht und aus einem Genitiv kurzerhand ein Adjektiv produziert (&#8222;Denkmal der Schande&#8220; -&gt; &#8222;sch\u00e4ndliches Denkmal&#8220;) oder ein Wort gegen ein anderes ausgetauscht (&#8222;authentisch&#8220; -&gt; &#8222;gef\u00e4lscht&#8220;) und die absolute Deutungshoheit bis zum (wirtschaftlichen oder echten) Tod proklamiert. Der Gegner hat nicht seine eigene Meinung, er hat die Meinung, die man ihm zubilligt &#8211; Gegenwehr nicht zul\u00e4ssig.<\/p>\n<p>Derweil verh\u00e4rten sich die Fronten. Zu einem gro\u00dfen Teil ist das darauf zur\u00fcck zu f\u00fchren, dass die Menschen trotz leichter zug\u00e4nglicher Informationen diese gar nicht nutzen, so wie fr\u00fcher nur das wahrnehmen, was sie wahrnehmen wollen, und letztlich nur die M\u00f6glichkeiten den Internets nutzen, verbal aufeinander einzuschlagen. Was letztlich beide Seiten noch mehr in die Isolation ihrer eigenen Blasen treibt.<\/p>\n<p>Gef\u00e4hrlich an der Entwicklung ist, dass vermutlich auch eine Gruppe radikalisiert ist, die bislang Demokratie gespielt hat. Gemeint sind die so genannten Wechselw\u00e4hler der alten Zeit, von denen ein Teil nat\u00fcrlich nur deshalb SPD gew\u00e4hlt hat, weil er sich zwar \u00fcber die CDU-Regierung ge\u00e4rgert aber ansonsten nicht weiter dar\u00fcber nachgedacht hat. Ein anderer Teil hat aber auch genau dar\u00fcber nachgedacht, warum er diesmal ein Kreuz bei Die Linke statt wie zuvor bei der FDP macht. Die Gedanken haben zuvor im stillen K\u00e4mmerlein ihre Wirkung gehabt, und das Internet w\u00fcrde nun die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnen, dem kommunikativen Bed\u00fcrfnis nachzukommen und die Gedankeng\u00e4nge anderen zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<p>W\u00fcrde! Leider wird die Chance vertan. Selbst wenn sich fallweise wie in Sachen Dieselgrenzwerte Sachverstand in eine Zeitung verirrt, er wird selbst dann wieder schnell und vollst\u00e4ndig ignoriert und von den anderen Blasianern aufgrund dieser Ignoranz ebenfalls selten aufgenommen. Nun ist es so, dass viele Menschen durchaus L\u00f6sungen f\u00fcr Probleme ihres Lebensumfeldes pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen, die selbst in einem gr\u00f6\u00dferen Umfeld (die gr\u00f6\u00dfere \u00dcbersicht ist ja immer ein Argument der Gegenseite) Bestand h\u00e4tten. In der Realit\u00e4t erreichen sie aber meist Befehle und Ma\u00dfnahmen, von denen man nun wieder ziemlich genau wei\u00df, dass sie die falschen (gegenteiligen) Auswirkungen haben werden. Und selbst wenn man keine bessere Idee hat, kann fast jeder absch\u00e4tzen, ob eine Ma\u00dfnahme in die richtige Richtung geht oder eben nicht, wenn er nur nahe genug am Ort des Geschehens operiert. Ist man weiter weg, erliegt man allerdings schneller der Gefahr, einer Ideologie als dem Sachverstand oder gesunden Menschenverstand zu folgen. Und ignoriert die Ausf\u00fchrungen deren, die n\u00e4her dransitzen.<\/p>\n<p>Wenig wirkt verletzender als sachgrundlose Ignoranz, besonders wenn der Ignorierte wei\u00df (oder das zumindest glaubt), dass er aus sachlichen Gr\u00fcnden Recht hat. Besonders gef\u00e4hrlich ist diese Ignoranz, wenn sie mit Macht verbunden ist, der Ignorierte also nicht weglaufen kann. Und genau das passiert in unserer Gesellschaft. Politik und Medien legen in einer Zeit, die es jedem erlaubt, geh\u00f6rt zu werden, eine unglaubliche Ignoranz an den Tag, die letztlich zur Verh\u00e4rtung (<em>wenn die eigene Meinung nicht geh\u00f6rt wird, m\u00f6chte man die andere auch nicht h\u00f6ren, zumal Sachargumente nicht folgen, warum man das tun sollte<\/em>) und zu Pessimismus bei den Betroffenen f\u00fchrt. Die Erkenntnis, dass grunds\u00e4tzlich etwas falsch l\u00e4uft, setzt sich inzwischen auch in den Medien durch (<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2018\/40\/pessimismus-medien-stimmung-gesellschaft-verstaerkung\">Martin Spiewak in der ZEIT<\/a>), \u00fcbersieht aber immer noch, dass der Medienrummel inzwischen zur <em>self-fullfilling prophecy<\/em> geworden ist. Medien und Politik setzen anstelle einer Sachdiskussion mit Andersdenkenden eine Hysteriespirale in Gang, die schlie\u00dflich mit der Unaufhaltsamkeit eines 500.000 to-Tankers daherbraust, der mit 15 kn senkrecht auf die 500 m entfernte Kaimauer zurast (<em>geschwindigkeitsm\u00e4\u00dfig w\u00e4re ein Vergleich mit einem Formel 1-Wage wohl eindrucksvoller, die Wirkung eines 50 m hohen Tankers (die H\u00e4lfte unter Wasser) ist trotz der bescheidenen Geschwindigkeit von 28 km\/h aber wesentlich verheerender<\/em>). Sachargumente spielen nirgendwo mehr eine Rolle. Die Luft in den St\u00e4dten ist beispielsweise sauberer als in den letzten 150 Jahren (vermutlich sogar als jemals zuvor), trotzdem riskiert man es, dass hunderttausende von Menschen ihren Arbeitsplatz kaum noch erreichen k\u00f6nnen und in den wirtschaftlichen Ruin getrieben werden. Ohne faktische Not, wohlgemerkt!<\/p>\n<p>Das b\u00f6se Internet also! Oder doch nicht? Schlie\u00dflich nutzt die Gesellschaft es erst zur H\u00e4lfte: zur Effektivierung der Filterblasen. Was ist mit dem anderen Argument, das in der Fr\u00fchzeit genutzt wurde, aber jetzt vergessen scheint: dem ungehinderten Zugang zu Informationen und dem grenzenlosen Diskutieren zum Finden der Weisheit? Das w\u00fcrde Blasen aufsprengen. Eine M\u00f6glichkeit, aus der verfahrenen Situation herauszukommen, w\u00e4re die Bildung einer neuen Blase, einer Blase, in der Sachargumente ausgetauscht und diskutiert werden. Zusammen kommen w\u00fcrden die Menschen dadurch nicht: auch wenn man bei der Sachbewertung auf den gleichen Stand kommt, was auf sehr vielen Gebieten tats\u00e4chlich der Fall ist, wenn man ehrlich diskutiert, so ist doch die Bereitschaft, mit welchen Folgen man leben m\u00f6chte\/kann und welchen Preis man daf\u00fcr zahlen muss, sehr unterschiedlich. Trotzdem w\u00e4re vieles gewonnen: statt haltloser Beschimpfung w\u00e4re der Umgang miteinander sehr viel gesitteter, und wenn man wei\u00df, dass der andere nicht mit den Folgen leben m\u00f6chte, kann man sich viel leichter auf Nischen im Lebensraum einigen, in denen jeder mehr so leben kann, wie er m\u00f6chte. Die Erkenntnis vieler Teilnehmer bei &#8222;Deutschland spricht&#8220; d\u00fcrften diese Ansicht best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Solche Blasen w\u00e4ren in der Lage, Leute aus anderen Blasen abzuziehen. Sie w\u00fcrden sie nicht aufl\u00f6sen, aber im besten Fall so marginal machen, dass sie keine Rolle mehr spielen. Was w\u00e4re zu tun? Eine M\u00f6glichkeit bieten Plattformen wie &#8222;Deutschland spricht&#8220;, auf denen jeder seine Meinung einem Andersmeinenden Kund tun und diskutieren lernen kann. Die Initiative geht von den &#8222;guten Blasenbewohnern&#8220; aus, und das muss sie auch, denn nur diese k\u00f6nnen aus Inhaber der Macht die Ignoranz aufbrechen, womit aber auch definiert ist, wer im Besitz des schwarzen Peters ist. Und die sozialen Netzwerke m\u00fcssen sich \u00e4ndern, womit der zweite schwarze Peter bei Zuckerberg &amp; Co. liegt. Zwei Schritte w\u00e4ren notwendig: (1) die Algorithmen d\u00fcrfen einem Mitglied eines Netzwerkes nicht nur die eigenen Meinungen pr\u00e4sentieren, was wohl recht einfach zu regeln w\u00e4re, und (2) Mobber und Hetzer m\u00fcssen abgestraft werden k\u00f6nnen. Ich habe keine druckreifen Gedanken wie das gehen soll, wei\u00df aber genau: Zensur ist der falsche Weg. Langfristig muss au\u00dferdem die junge Generation, von der (gef\u00fchlt und vermutlich auch real) die gr\u00f6\u00dfte Verweigerung ausgeht, wieder an Sachkunde und Diskussion herangef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Kommen wir dort hin? Z.Z. ist die Versuchung, zu zensieren, zu bestrafen, die Schulen immer mehr zu einem seichten Gew\u00e4sser zu machen und die Medien und anderes zur Gehirnw\u00e4sche zu verwenden in der Politik \u00fcberm\u00e4chtig, vielleicht auch deswegen, weil dann die mangelnde Bildung und Information auffallen w\u00fcrde. Und die Versuchung der Medien, die Pessimusmus- und Ideologiespirale bei jeder Gelegenheit in Gang zu setzen, \u00fcberm\u00e4chtig. K\u00f6nnen sich Politiker auch einmal eine Woche den Medien entziehen und irgendwo ohne Berichterstattung und irgendwelchen Katastrophentourismus \u00fcber Sachen nachdenken? K\u00f6nnen Medien sich zur\u00fcckhalten und neutralere Sachdiskussionen f\u00f6rdern, also auch mal andere Leute interviewen? W\u00fcrden die Leute auch Politiker w\u00e4hlen, die nicht jeden Tag in der Zeitung stehen, 8 Tage in der Woche jeweils 26 Stunden lang, daf\u00fcr aber mit Sachverstand aufwarten? W\u00fcrden die B\u00fcrger beginnen, sich \u00fcber ihre Meinung klar zu werden statt ideologische Phrasen von sich zu geben? K\u00f6nnen wir trotz Internet oder gerade durch das Internet die gro\u00dfen diametralen Blasen durch gro\u00dfe gemeinsame Blasen und unwichtige Satellitenblasen der Denkunwilligen reduzieren? Zu w\u00fcnschen w\u00e4re es. Die Hoffnung stirbt zu letzt, aber letztlich stirbt allzu oft auch die Hoffnung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Filterblasen sind eines der Probleme unserer Zeit. Genauer formuliert: sie sorgen daf\u00fcr, dass unsere Gesellschaft allm\u00e4hlich zerf\u00e4llt und bei Problemen nicht weiterkommt. 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