{"id":2014,"date":"2018-10-04T10:10:35","date_gmt":"2018-10-04T08:10:35","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=2014"},"modified":"2018-10-04T10:12:15","modified_gmt":"2018-10-04T08:12:15","slug":"eine-kurze-geschichte-der-menschheit-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/10\/04\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit-12\/","title":{"rendered":"Eine kurze Geschichte der Menschheit"},"content":{"rendered":"<h5>Kapitel 12: Lernt man etwas aus der Vergangenheit?<\/h5>\n<p>Geschichte wiederholt sich nicht, was in der Regel stimmt. Aber Muster wiederholen sich. Und aus Mustern kann man lernen, um vergleichbare Situationen besser zu meistern. Bekommt die Menschheit es hin, aus 5000 Jahren dokumentierter Geschichte zu lernen?<!--more--><\/p>\n<p>Wir haben gesehen, dass mit gr\u00f6\u00dfer werdender Bev\u00f6lkerungsdichte auch Aufgaben entstanden, die auf Familien- oder Clanebene nicht mehr zu l\u00f6sen waren und zur Bildung von Staaten f\u00fchrten. &#8222;Geschichte&#8220;, wie sie in den B\u00fcchern beschrieben wird, ist in der Regel eine Geschichte von Staaten, und auch wenn auf Kultur und andere Sachen eingegangen wird, wird im Grunde die Geschichte eines Staates beschrieben, weniger der Menschen. Oder besser: der einfachen Menschen, denn die historische Untersuchung, welche Schauspiele in einer bestimmten Epoche gerade &#8222;en vogue&#8220; waren, betrifft meist nur den Teil, der sich als Elite betrachtet und selbst zum System Staat geh\u00f6rt. Unter Bezug auf das letzte Kapitel: befragt zu einer modernen Inszenierung von Wilhelm Tell werden zwar viele ehrf\u00fcrchtig mit dem Kopf nicken, hineingesetzt aber denken &#8222;was soll denn dieser Schwachsinn?&#8220;, womit allerdings die Inszenierung gemeint ist und nicht das Schillersche Original.<\/p>\n<p>Wir haben auch gesehen, dass Herrscher und Priester (allgemeiner: eine Oberschicht) die Entwicklung ausnutzten, um sich von der Masse der Untertanen abzusetzen und sie mehr oder weniger (meist sogar noch mehr) auszubeuten. Staaten streben auf, auch weil sie von der breiten Bev\u00f6lkerung unterst\u00fctzt werden, Staaten stagnieren, weil der Bev\u00f6lkerung der Staat gleichg\u00fcltig wird, da sie gef\u00fchlt oder wirklich nicht profitieren, und Staaten gehen ein, weil das Unterdr\u00fcckungsgef\u00fchl \u00fcberm\u00e4chtig wird. So weit werden diese Zyklen von den Historikern erkannt. Die Frage ist allerdings, ob darunter auch weitere Mechanismen am Werk sind, die in der Politik ber\u00fccksichtigt werden sollten.<\/p>\n<p>Der Blick in die Geschichte zeigt, dass die Kerngebiete der Staatsentstehung meist statisch an einem Ort bleiben. Ein Staat entsteht, ein Nachbarstaat entsteht noch schneller, \u00fcberzieht aus irgendwelchen Gr\u00fcnden Staat 1 mit Krieg und verleibt ihn sich ein, zerf\u00e4llt seinerseits nach einiger Zeit, und auf den Territorien entstehen brav wieder Staat 1 und Staat 2. Manchmal lief dieser Prozess relativ moderat ab, wenn etwa Staat 2 Staat 1 nach der Einverleibung strukturell bestehen lie\u00df, manchmal recht brutal, wenn Staat 2 ein ausgesprochener Milit\u00e4rstaat war, der die anderen gewaltsam unterdr\u00fcckte. Milit\u00e4rstaaten m\u00fcssen in der Regel wachsen, weil die Unterhaltung des Milit\u00e4rs sonst nicht m\u00f6glich ist, und \u00fcbernehmen sich dadurch h\u00e4ufig, was zum Zusammenbruch, in manchen F\u00e4llen zum vollst\u00e4ndigen Verschwinden f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Was h\u00e4lt nun eine Bev\u00f6lkerung zusammen, um zum Kern eines neuen Gebildes zu werden, was beschleunigt zentrifugale Entwicklungen? Man kann unschwer drei Ursachen fest machen: (1) Eine gemeinsame Sprache, (2) eine gemeinsame Kultur, (3) eine gemeinsame Religion.<\/p>\n<p>Fangen wir hinten an, denn die Religion ist leider nach wie vor die Quelle allen \u00dcbels. So lange sie ernst genommen wird, spielen selbst die Kriterien (1) und (2) nur eine Nebenrolle. In alten Vielg\u00f6tterreligionen war das noch relativ unkritisch, weil sie sich in fast allem viel zu \u00e4hnlich waren, aber mit den fundamental anders ausgerichteten modernen Religionen Christentum, Islam, Judentum, Buddhismus und Hinduismus sieht das v\u00f6llig anders aus. Selbst in Regionen, in denen Jahrhunderte ein halbfriedliches Nebeneinander herrschte, gehen die Anh\u00e4nger unterschiedlicher Religionen aufeinander los, wenn es woanders brennt. Ins Christentum und den Islam geschaut haben auch sehr viel geringere Unterschiede gen\u00fcgt, seit der Fr\u00fchzeit Mord und Totschlag in gr\u00f6\u00dferem Umfang innerhalb einer Religion auszul\u00f6sen. Beispiele m\u00fcssen wohl kaum aufgez\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p>Sehr wichtig ist auch eine gemeinsame Sprache. Sie erm\u00f6glicht es nicht nur, spontanen Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen, sondern auch ohne explizite Kontaktaufnahme ein Kontrollgef\u00fchl zu erzeugen. Kontakte zwischen verschiedensprachigen Leuten sind, genauer betrachtet, bei aller immer wieder beschworener Herzlichkeit und Freundlichkeit von einer ziemliche Distanziertheit und Unsicherheit gekennzeichnet. Man bekommt nicht viel mit, f\u00fchlt sich isoliert (und ist es auch, denn die Gegenseite denkt auch nicht anders) und bildet lieber mit Leuten, die man versteht, ein Ghetto im fremden Land. Im umgekehrten Sinn konspiriert man im Problemfall mit den eigenen Leuten und m\u00f6chte im Sinne eines Friedens die anderen wieder loswerden. Staatsgebilde haben sich daher immer wieder um eine Sprachgruppe gebildet und Fremde ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Spricht man die gleiche Sprache, weil etwa die schw\u00e4chere Gruppe die Sprache der st\u00e4rkeren lernt und ebenfalls spricht. Bleibt immer noch die Kultur als Grenze, wobei mit Kultur nicht Schauspiel und Opern gemeint sind, sondern der t\u00e4gliche Umgang miteinander. Gleichberechtigung von Mann und Frau vertr\u00e4gt sich nicht mit pr\u00fcgelndem Patriarchismus, eine offene Rechtsgesellschaft nicht mit einer geschlossenen Clanstruktur, usw.<\/p>\n<p>Es gibt zwar Beispiele, wo Verschiedenes irgendwann doch zusammen gewachsen ist, weil der \u00e4u\u00dfere Druck oder andere Umst\u00e4nde zu Kompromissen gezwungen hat, von einer Seite oft mehr als von der anderen. Interessanterweise verhindert es aber ein Zusammenwachsen bereits, wenn eine Gruppe sich Kompromissen sperrt, was den Gedanken einer Integration, der in der anderen Gruppe kreist, ad absurdum f\u00fchrt. Man kann niemanden integrieren, der nicht will, man kann sich aber auch nicht seinerseits bei den Verweigerern integrieren, sondern sich h\u00f6chstens unterwerfen und seine Prinzipien vollst\u00e4ndig aufgeben. Bei Kleinigkeiten kann es im g\u00fcnstigen Fall zu einer gegenseitigen Toleranz kommen, bei fundamentalen Differenzen bleibt selbst das meist aus, und die Fronten verh\u00e4rten sich eher als aufzuweichen, weil die tolerante Seite irgendwann den Sinn einer Toleranz nicht mehr sieht (siehe auch unten: Gruppendynamik). Und auch bei einer gewissen Toleranz: ein echtes &#8222;Zusammen&#8220; wird auch daraus nicht entstehen.Ich lasse das einfach mal so stehen, und die Leser seien eingeladen, im Kommentarbereich Antithesen zu formulieren und diese zu diskutieren, wenn sie damit nicht einverstanden sind.<\/p>\n<p>Wenn wir diese Gedanken zur\u00fcck verfolgen, handelt es sich bei diesen Verhaltensweise nicht um praktizierten Rechtsextremismus, wie heute gerne behauptet wird, sondern die psychologischen Grundlagen sind in den Urspr\u00fcngen der Menschheit angelegt und dienen dem \u00dcberleben. In den fr\u00fchen, noch kleinen und nur wenig organisierten Gesellschaften war ein sehr starkes &#8222;Wir&#8220; die Voraussetzung f\u00fcr das \u00dcberleben der Gruppe, und zeitlich sind wir bei weitem noch nicht gen\u00fcgend von diesem Stadium entfernt, um die Instinkte genetisch umzuprogrammieren.<\/p>\n<p>Hinzu kommt noch ein gruppendynamischer Effekt. Immer wieder wird betont, der Mensch sei auch sozial und altruistisch, also zur Hilfe bei anderen bereit. Das ist korrekt. Im Notfall wird in den meisten F\u00e4llen Hilfe geleistet (falls kein Handy zum Filmen des Desasters zur Verf\u00fcgung steht; sich wichtig zu machen hat leider zu oft Priorit\u00e4t). Altruismus beruht allerdings auf dem Gegenseitigkeitsgedanken: der andere soll mir sp\u00e4ter in \u00e4hnlichen Situationen auch helfen und seine Bereitschaft dazu durch Dankbarkeitssignale anzeigen. Falschspieler m\u00fcssen aus dem Spiel ausgeschlossen werden, was auf denkbar einfachste Weise erfolgt. Die von der Natur gew\u00e4hlte und in Experimenten als optimal erkannte Strategie lautet: kooperiere beim ersten Mal und verhalte dich beim n\u00e4chsten Kontakt so wie dein vorhergehender Kontakt. So erstaunlich das klingt, mit kleinen Variationen funktioniert das, f\u00fchrt aber auch zu Gruppenhaftung. Konkret: man hilft einem Afrikaner, der die Hilfe mit Betrug vergilt, und misstraut fortan jedem Afrikaner, dem man begegnet. Aus der spontanen Offenheit wird Verschlossenheit, und der andere muss sich erst beweisen, um akzeptiert zu werden. Der Mensch entwickelt aus Erfahrung gut best\u00e4tigte Vorurteile, um sich selbst zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Von diesen Mustern ausgehend haben die Menschen anscheinend wenig bis nichts gelernt. Kann eine EU als neuer Gesamtstaat funktionieren? Nach den Mustern ist die Antwort ein eindeutiges NEIN. K\u00f6nnen Moslems und Christen friedlich miteinander auskommen? Nach den historischen Erfahrungen auf l\u00e4ngere Sicht ebenfalls ein eindeutiges NEIN, wenn keinerlei Weichen wie jetzt gestellt werden (und selbst dann m\u00fcsste man es bezweifeln). Kann ungesteuerte Immigration funktionieren? Ghettobildung, Sprachverweigerung und Kulturverweigerung lassen ebenfalls nur ein eindeutiges NEIN zu. Ich halte die Situation f\u00fcr ungemein gef\u00e4hrlich, da die Politik mehr oder weniger die Bildung von allen Arten von Parallelgesellschaften f\u00f6rdert, was zwangsweise zum Crash f\u00fchrt. Anekdotenhaft notiert: deutsche Angeh\u00f6rige anderer Etnien regen sich unterst\u00fctzt von linken Politikern und Journalisten \u00fcber den Rassismus Urdeutscher auf, wenn diese nach dem Herkunftsland fragen (das w\u00e4re dann beispielsweise Hamburg und nicht Sierra Leone) oder die Beherrschung der deutschen Sprache loben, statt sich \u00fcber ihre ethnischen Genossen zu echauffieren, die durch ihre Verweigerung diesen gruppendynamischen Effekt erst zu erzeugen.<\/p>\n<p>Die Chancen stehen also mehr als gut, dass das stetige Auf und Ab der Geschichte mit den brutalen Nebenwirkungen weiter geht. Vielleicht kommt es diesmal noch schlimmer, weil das Potential der Zuwanderung aus Afrika von der Politik v\u00f6llig ignoriert wird und die Einwandernden, ob gesteuert oder ungesteuert, auf eine in jeder Beziehung weitgehend entwaffnete Urbev\u00f6lkerung st\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/17\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit\/\">zu Kapitel 1<\/a><\/p>\n<p>Fortsetzung? Vielleicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 12: Lernt man etwas aus der Vergangenheit? Geschichte wiederholt sich nicht, was in der Regel stimmt. Aber Muster wiederholen sich. Und aus Mustern kann man lernen, um vergleichbare Situationen besser zu meistern. Bekommt die Menschheit es hin, aus 5000 Jahren dokumentierter Geschichte zu lernen? 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