{"id":2007,"date":"2018-10-02T09:25:27","date_gmt":"2018-10-02T07:25:27","guid":{"rendered":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/?p=2007"},"modified":"2018-10-06T08:40:24","modified_gmt":"2018-10-06T06:40:24","slug":"eine-kurze-geschichte-der-menschheit-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/10\/02\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit-11\/","title":{"rendered":"Eine kurze Geschichte der Menschheit"},"content":{"rendered":"<h5>Kapitel 11: Kultur und Wissenschaft und so<\/h5>\n<p>In diesem Kapitel werden wir uns teilweise bis in die Jetztzeit bewegen, weil es einige Entwicklungen erst seit kurzem gibt und andere immer noch im Aufwind sind, obwohl man das nicht erwarten sollte. Beginnen wir mit dem Ingenieurwesen.<!--more--><\/p>\n<p>Das erste Projekt, dass die fr\u00fchen menschlichen Ingenieure angingen, hatte es in sich. Mit ziemlicher Sicherheit betrafen die ersten Projekte Bew\u00e4sserungsanlagen f\u00fcr \u00c4cker. Die hier gesammelten Techniken und Erfahrungen waren die Voraussetzungen f\u00fcr das erste sichtbare Gro\u00dfprojekt, die \u00e4gyptischen Pyramiden um 3000 v.Chr., sowie andere gro\u00dfe Bauprojekte von Tempeln, Pal\u00e4sten und Festungen. Viel Erfindungsgeist wird bis heute vor allem in die Milit\u00e4rtechnik gesteckt. Andere Leute umzubringen scheint wichtiger als ihnen das Leben leichter zu machen, und wenn wir aus unserer heutigen technisierten Welt das wegdenken, was nicht auf dem Mist des Milit\u00e4rs gewachsen ist, w\u00fcrde erstaunlich viel nicht oder allenfalls erst rudiment\u00e4r da sein.<\/p>\n<p>Mit den repr\u00e4sentativen Bauprojekten entwickelte sich die Kunst. G\u00f6tter und Herrscher waren in Stein zu verewigen oder farbig an W\u00e4nde zu malen, sp\u00e4ter auch in Bronze zu gie\u00dfen, und Musik und Literatur entwickelte sich zur Unterhaltung. Man muss sich das wohl so vorstellen, dass K\u00fcnstler zun\u00e4chst hervorragende Handwerker waren, \u00fcber ihr Handwerk hinaus aber auch in der Lage, Motive zu gestalten. Dabei entwickelten sich die K\u00fcnste schrittweise und nicht kontinuierlich: Statuen und Gem\u00e4lde folgten jeweils \u00fcber l\u00e4ngere Perioden einem bestimmten Stil, bis jemand eine neue Idee hatte und sie umsetzte. Die Kunstwerke waren in der Regel Auftragsarbeiten: Herrscher oder Kirchenleute gaben bestimmte Motive in Auftrag, die eine Kunstwerkstatt dann mit mehr oder weniger gro\u00dfen Freiheiten umsetzte. Der Preis richtete sich nach der Qualit\u00e4t der zuvor abgelieferten Werkst\u00fccke, einen gro\u00dfen Teil der Arbeit verrichteten aber auch Handwerker und Lehrlinge nach den Vorgaben ihres Meisters. Nat\u00fcrlich gab es in fast allen Perioden Primadonnen unter den K\u00fcnstlern, die horrende Preise verlangen konnten und sich auch schon mal die Freiheit nahmen, die vereinbarten Lieferzeiten ziemlich zu \u00fcberziehen oder einen \u00fcbernommenen Auftrag auch einmal nicht auszuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Der Ehrgeiz der K\u00fcnstler lag naturgem\u00e4\u00df darin, ihre Techniken immer weiter zu verbessern. Das wurde irgendwann problematisch: die Malerei war im 17. Jahrhundert in der Lage, fotografische Genauigkeit zu erreichen, ohne dass man in der Lage w\u00e4re, solche Motive in der Realit\u00e4t zu konstruieren, die Bildhauerei schuf bis in den Klassizismus des 19. Jahrhunderts hinein Plastiken, die lebensechter und lebendiger als die lebenden Modelle aussehen, die Musik hangelte sich bis zu gro\u00dfen Orchesterwerken und Opern empor. Mit dem Impressionisten verabschiedete sich die Kunst allerdings auch allm\u00e4hlich aus der Rolle des Auftragnehmers. K\u00fcnstler machten Kunst um der Kunst willen. Und machte sich auf die Suche nach weiteren Ausdrucksm\u00f6glichkeiten. Und beides ist ein Problem.<\/p>\n<p>In der Suche nach neuen Ausdrucksformen wird die Kunst immer flacher. Zwar gibt es nach wie vor immer mal wieder rechts ansprechende St\u00fccke, aber die meisten k\u00f6nnten heute auch von Kindern im Vorschulalter erschaffen worden sein oder \u00e4hneln einer M\u00fcllhalde oder einem Messy-Haushalt. Performance- und Konzeptk\u00fcnstler verzichten teilweise ganz auf das Handwerk und pr\u00e4sentieren sich komisch verkleidet direkt oder per Video. Dabei wird die Sprache immer pomp\u00f6ser: in einem Buch ben\u00f6tigt der Text zu Michelangelos David weniger Raum als zum Werk eines &#8222;K\u00fcnstlers&#8220;, dem der Wei\u00dfleimtopf unbemerkt auf der Werkbank umgekippt war und der die Tischplatte samt festgeklebtem Werkzeug als Kunstwerk pr\u00e4sentiert (das ist kein Witz). Die Einstellung wird recht gut mit einer \u00c4u\u00dferung einer &#8222;K\u00fcnstlerin&#8220; in der ZEIT wiedergegeben, die sich weigerte, sich im Studium mit der Perspektive zu besch\u00e4ftigen, &#8222;weil das nicht meinem k\u00fcnstlerischem Ausdruckwollen entspricht&#8220; &#8211; f\u00fcr mich als ehemaligem Hochschullehrer nichts anderes als das Eingest\u00e4ndnis, dass sie es eben nicht kann. Joseph Beuys, der fallweise demonstrierte, dass er es doch konnte, bemerkte suffisant zu seinen &#8222;<em>Ist das Kunst oder kann das weg?<\/em>&#8222;-Exponaten &#8222;<em>warum soll ich mich anstrengen, wenn die Gesellschaft betrogen werden will?<\/em>&#8222;. Moderne Musik entspricht auch eher den Ger\u00e4uschen, die ich aus Duisburger Stahlwerken im Ged\u00e4chtnis habe. Die eigentliche Kunst scheint eher darin zu liegen, dass Musiker die Noten noch spielen k\u00f6nnen. Kunst soll nicht mehr wie fr\u00fcher erfreuen, sondern schockieren und &#8222;bewusst machen&#8220;, wobei die M\u00f6chtegernebewusstmacher \u00fcbersehen, dass sie mit M\u00fcll nur demjenigen etwas bewusst machen k\u00f6nnen, der es schon wei\u00df.<\/p>\n<p>Das zweite Problem liegt im Preis. Damit meine ich nicht die Summen, die f\u00fcr alte Meister gezahlt werden, obwohl man auch das nur noch &#8222;pervers in h\u00f6chster Vollendung&#8220; nennen kann. Um den M\u00fcll an den Mann oder die Frau zu bringen, schauen sich Galerien bestimmte K\u00fcnstler nach kaum durchschaubaren Kriterien aus (vermutlich gibt es auch keine), promoten diese bei Leuten mit zu viel Geld und teilen sich den Gewinn mit den K\u00fcnstlern. Kunst ist nicht das Werk, Kunst ist der Name des K\u00fcnstlers &#8211; eine fragw\u00fcrdige Definition, da der M\u00fcll auch kopiert werden kann. So stellte sich k\u00fcrzlich beispielsweise heraus, dass ein durchaus ansprechendes Werk eines K\u00fcnstlers der 1920er Jahre (das trotzdem im Kunstunterricht einer 12. Klasse geschaffen worden sein k\u00f6nnte), das vom Museum auf einen Wert von mehreren 100.000 \u20ac gesch\u00e4tzt wurde, eine F\u00e4lschung war (m\u00f6glicherweise von einer 12. Klasse). &#8222;<em>Aus Kunst wird Sperrm\u00fcll<\/em>&#8220; titelte die ZEIT und sinnierte, ob man vielleicht noch 60 \u20ac daf\u00fcr bekommen k\u00f6nnte (viele h\u00e4tten durchaus auch deutlich mehr bezahlt, weil es halt h\u00fcbsch aussah) oder es besser gleich wegwerfen sollte.<\/p>\n<p>Kunst ist heute Anlageverm\u00f6gen. Man kauft einen &#8222;bedeutenden&#8220; K\u00fcnstler dem Namen nach und zahlt viel Geld in der Erwartung, das Zeug nach einigen Jahren in der Garage oder auf dem Dachboden f\u00fcr noch viel mehr Geld weiter verkaufen zu k\u00f6nnen. Dabei m\u00fcssen die Preissteigerungen schon recht enorm sein, denn An- und Verkauf l\u00e4uft \u00fcber Aktionsh\u00e4user, die eben auch die Echtheit best\u00e4tigen und dem K\u00e4ufer daf\u00fcr deutlich mehr Geld abnehmen als die Zuschlagssumme und dem Verk\u00e4ufer deutlich weniger als die Zuschlagssumme auszahlen. Die gr\u00f6\u00dften Auktionsh\u00e4user erreichen Ums\u00e4tze von 7 Mrd. \u20ac, und ein betr\u00e4chtlicher Teil davon bleibt bei ihnen h\u00e4ngen. Dumm f\u00fcr den K\u00e4ufer ist nur, wenn sich irgendwann herausstellt, dass nicht Hermann Meier sondern Willi Schulze das Objekt erzeugt hat (Wertverlust 100%) oder er Geld braucht und keiner in den Schrott investieren will. Einmal salopp ausgedr\u00fcckt: der Kunstmarkt hat sich von einem Auftragsgesch\u00e4ft, bei dem der Kunde eben den Mercedes oder Rolly Royce bekommen hat, den er sich w\u00fcnschte, zu einem Betrugsgesch\u00e4ft entwickelt, bei dem gnadenlos abgezockt wird, und zwar Reiche, die sonst selbst immer abzocken.<\/p>\n<p>Neben der Kunst kann man sich noch die Wissenschaft vornehmen. Die Ingenieurkunst haben wir schon, und Naturwissenschaften und Medizin kann man auch relativ schnell abhandeln. Deren Entwicklung wurde, besonders in den letzten 2000 Jahren, durch die Religionen stark behindert, weil ihre Ergebnisse im krassen Gegensatz zum religi\u00f6sen Hokuspokus stehen. Es ist dabei modern, den Islam und das Judentum als besonders wissenschaftsfreundlich im Gegensatz zum Christentum zu feiern, aber das ist ein Zweckm\u00e4rchen und entspricht nicht der Realtit\u00e4t. Im SCIENTIFIC AMERICAN erschien in den 1990er Jahren ein Artikel, in dem nachgewiesen wurde, dass die gerne genannten Wissenschaftler ihre T\u00e4tigkeit fast immer in den Grenzgebieten zwischen verschiedenen Religionen ausf\u00fchrten und fast stets der Minderheit angeh\u00f6rten, die von ihrer Religion nicht mehr vollst\u00e4ndig kontrolliert werden konnten. Wer mitten in dem kontrollierten Gebieten operierte, erging es wie Galileo und anderen, die froh sein konnten, wenn sie nicht im wahrsten Sinne des Wortes gegrillt wurden. Erst mit dem Ende der Kirchenmacht in Mitteleuropa durch die Folgen der franz\u00f6sischen Revolution konnte sich hier die Naturwissenschaft frei entfalten.<\/p>\n<p>Anders bei den Geisteswissenschaften, die manche auch l\u00e4sternd als Geschw\u00e4tzwissenschaften bezeichnen. \u00dcber die Theologie muss man nicht viel Worte verlieren, verliert sie doch sehr viele Worte an reine Hirngespinste. Daneben existierte die Philosophie, heute erg\u00e4nzt durch Soziologie und andere Gebiete. Die Philosophie nimmt f\u00fcr sich in Anspruch, das wissenschaftliche Denken systematisiert zu haben. Aus Sicht der Ingenieure, Naturwissenschaften und Mathematiker aber viel Geschwafel um Prinzipien, die sie schon immer und auch ohne Philosophen ausgearbeitet und befolgt haben. Wie \u00fcberall gibt es nat\u00fcrlich auch hier Brauchbares, aber die Geisteswissenschaften haben in der Regel mit einem Anfangsproblem zu k\u00e4mpfen: der Startpunkt f\u00fcr eine Theorie wird meist willk\u00fcrlich festgelegt und die Theorie besteht darauf, ein Ph\u00e4nomen aufgrund dieser Startbedingungen erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. In den Naturwissenschaften sind die Startbedingungen eine offene Diskussionfl\u00e4che, die Theorie nur eine Hypothese, und die eigentliche Theorie ist erst geschaffen, wenn Ph\u00e4nomene sicher vorausgesagt werden k\u00f6nnen. Insbesondere Soziologen wissen wohl im Geheimen um diesen Mangel, hat doch jeder eine eigene Theorie und ist jeder mit einer anderen ein Schwachkopf, dem man so lange leere komplizierte Worth\u00fclsen an den Kopf wirft, bis dem keine Entgegnung mehr einf\u00e4llt. Erstaunlich an der Sache ist nur, dass den Geisteswissenschaften in einer Zeit, in der den Naturwissenschaften deutlich n\u00e4her stehende Gebiete verl\u00e4ssliche Aussagen liefern k\u00f6nnen, wesentlich gr\u00f6\u00dfere Beachtung geschenkt wird als jenen. Es ist wohl einfacher, Worth\u00fclsen zu folgen als Fakten.<\/p>\n<p>Nichts ge\u00e4ndert hat sich \u00fcbrigens in den Gebieten, die gerne Modernit\u00e4t f\u00fcr sich in Anspruch nehmen: in der Wirtschaft wird nach wie vor nach den Prinzipien operiert, die schon in der Zeit der R\u00f6mer (dokumentiert) bekannt waren, und es werden auch die gleichen Blasen und Wirtschaftscrashes produziert. Und auch die Politik ist bei aller Betonung der sich schnell \u00e4ndernden Welt immer noch auf dem gleichen geistigen Niveau eines Dschinghis Khan. Sch\u00f6n, dass es auch Konstante gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/09\/17\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit\/\">zu Kapitel 1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/2018\/10\/04\/eine-kurze-geschichte-der-menschheit-12\/\">zu Kapitel 12<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 11: Kultur und Wissenschaft und so In diesem Kapitel werden wir uns teilweise bis in die Jetztzeit bewegen, weil es einige Entwicklungen erst seit kurzem gibt und andere immer noch im Aufwind sind, obwohl man das nicht erwarten sollte. Beginnen wir mit dem Ingenieurwesen. Download Artikel als PDF<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-2007","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissenschaft"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2007","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2007"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2007\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2038,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2007\/revisions\/2038"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2007"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2007"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gilbertbrands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2007"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}